F1 2020 – Test / Review (Xbox One)

Wie auch in jedem Jahr zuvor durfte auch 2020 das virtuelle Formel 1, auch F1 genannt, nicht fehlen. Die meisten Fans mussten sich schon lange auf den realen Start der Formel 1 gedulden und auch das dazugehörige Videospiel wurde sehnlichst erwartet. Anfang Juli war es dann endlich soweit und am 07.Juli wurde F1 2020 für PC, Playstation 4 und Xbox One veröffentlicht.

Im aktuellen Spiel erwartet die Spieler eine Menge Spaß und Action. Es gibt beispielsweise einen neuen Modus, auch Mein-Team, genannt. Ferner gibt es viele andere Verbesserungen und Neuerungen, welche das Spiel sogar noch besser wirken lassen, als es ohnehin schon ist. Das Fahrgefühl wurde ebenso geändert wie viele andere Kleinigkeiten, welche wir in unserem Review noch erwähnen werden. Wir finden, dass F1 2020 den Vorgänger-Titel von 2019, welcher schon erstklassig war, noch einmal übertroffen hat.

Viel unterschiedlicher Inhalt

Natürlich gibt es wie auch in den vergangenen F1-Spieletiteln einen Karriere-Modus. Dieser wurde im Vergleich zum neuen „Mein-Team“ Modus nur wenig verändert. Das Grundprinzip ist wie auch schon bei F1 2019 der Fall und sogar verhältnismäßig gleich. Lediglich die Story um den Rivalen „Devon Butler“ wurde komplett aus dem Spiel entfernt. Was man davon hält, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wir fanden die Story ganz interessant, wenn auch manchmal etwas flach gehalten. Wobei wir durchaus sagen können, dass der Rivale nach kurzer Zeit ziemlich nerven konnte. Daher waren wir umso glücklicher, dass er dieses mal nicht im Karriere Modus zu finden ist. Wie genau man im Karriere-Modus startet, ist dem Spieler selbst überlassen. Hier stehen folgende Möglichkeiten zur Auswahl:

  • Sofortiger Start in der Königsklasse Formel 1
  • Eine komplette Saison in der Formel 2 als Start
  • Eine verkürzte Saison in der Formel 2 als Start

Ansonsten ist der Karriere-Modus aber auch sehr abwechslungsreich. F1 2020 glänzt mit einem kompletten Lizenzpaket, welches mit allen offiziellen Strecken, Fahrern, Teams und Wägen der Formel 2 und Formel 1 ausgestattet ist. Diese sind auch im Multiplayer Modus spielbar, dessen Server relativ stabil läuft, wie wir während unserem Test feststellen konnten. Hier hat sich im Vergleich zu 2019 nicht viel geändert. Neu sind hier unter anderem eher die 2 neuen Rennstrecken „Circuit Zandvoort“ (Niederlande) und „Hanoi Circuit“ (Vietnam). Die Umsetzung der Strecken ist Codemasters sehr gut gelungen und das Befahren der Strecke macht uns eine Menge Spaß. Die Strecke in Holland ist die allseits bekannte, welche es vor vielen Jahren schon gab, welche aber seit 1982 nicht mehr genutzt wird. Der Hanoi Circuit hat eine Gerade von 1,5 Kilometern und 23 Kurven. Perfekt also für einen Positionswechsel und einen actionreichen Wettkampf zwischen den Fahrern.

Auch für Anfänger ist F1 2020 ein sehr gutes Spiel, denn Codemasters hat eine Menge Arbeit in anfängerfreundliche Hilfen gesteckt. Man kann sich zwischen zwei verschiedenen Rennstilen entscheiden und beide bieten dem Spieler unterschiedliche Fahrhilfen und Anpassungen. Dies ist allerdings wirklich nur für reine Anfänger gedacht. Für alteingesessene Hasen und Spieler, die lieber alles auf die harte Tour lernen möchten, empfiehlt sich wirklich, eigenständig die Optionen einzustellen, wie man sie gerne haben möchte. Hier fallen beispielsweise zu Auswahl, wie viel Rennen eine Saison haben soll. Beispielsweise kann eine Saison mit 10 Rennen, 16 Rennen oder sogar 22 Rennen zu Ende gehen. Im sogenannten Pro-Modus werden sich die Spieler wohlfühlen, die es wirklich gerne sehr schwer mögen. Hier gibt es keinerlei Hilfen oder Tipps, die weiterhelfen und man muss sich alles selbst aneignen.

Man sieht jedoch, dass sich viele Bereich im Karriere-Modus definitiv verbessert haben, bei anderen sind noch weitere Verbesserungen möglich.

Neuer „Mein-Team“ Modus: Träume werden wahr

Wie wir bereits in unserer Einleitung geschrieben haben, ist der „Mein Team“-Modus die größte Neuerung in F1 2020. Bisher war es jedes mal der Fall, dass man lediglich die Rolle des Fahrers übernommen hat, welcher bereits bei einem Rennstall tätig war. In diesem neuen Modus wurde nun das erste mal seit über 10 Jahren die Möglichkeit implementiert, dass man in „Mein Team“ zeitgleich noch die Rolle eines Managers einnimmt. In seiner Rolle eröffnet man einen eigenen Rennstall, welcher dann als inoffizielles elftes Team in der Königsklasse antritt.

Der Beginn ist praktisch gesehen wie schon im Karriere-Modus. Als Spieler erstellt man sich einen Fahrer und ein Abzeichen, was zeitgleich als Team-Symbol fungiert. Nach dem Fahrer folgt noch die Gestaltung des eigenen F1-Wagens, welche allerdings und leider nicht sehr vielseitig ausfällt. Es gibt in der Standard-Edition 5 Karosserie-Lackierungen, mit der speziellen „Michael Schumacher Deluxe Edition“ noch einmal 5 weitere Karosserie-Lackierungen oben drauf. Ansonsten ist es nur möglich, auch noch die Farben anzupassen. Das war es dann aber auch. Man kann keine Nummer-Platzierung auswählen oder Präsentations-Stile. Das ist relativ schade, weil dies eben auch ein Kritikpunkt in den alten Spiele-Reihen war. Zumindest gibt es in F1 2020 in dem Mein-Team Modus die Möglichkeit, neue Designs für den Helm, den Boliden und den Overall freizuschalten. Dies geschieht über den „Podiums-Pass“, in welchem sich wöchentliche Herausforderungen befinden, die in Standard, VIP und Premium eingeteilt wurden. Wer jedoch keine Lust hat, Zeit zu investieren, hat die Möglichkeit, Pitcoins zu erwerben. Hierbei handelt es sich um die Echtgeld-Währung des Spiels. Mit dieser ist es dem Spieler möglich, solche Anpassungen sofort freizuschalten.

Aller Anfang ist schwierig

Ist man mit der Erstellung und den Anpassungsfähigkeiten fertig, startet erst der richtige Aufbau des Teams. Die erste Entscheidung, die man als Spieler treffen muss, ist, welchen Sponsor man für sein Team bekommen möchte. Dieser ist natürlich enorm wichtig, da man gerade als kleines, neues Team auf die Gelder angewiesen ist. Hier stehen viele verschiedenen zur Auswahl und es gibt viele Faktoren, die man beachten sollte. Beispielsweise ist der Erstbonus bei Unterschreiben des Vertrages unterschiedlich, aber auch das wöchentliche Einkommen und die Siegesprämie sollten ein Auswahlkriterium sein. Auch gibt es andere Anforderungen bei bestimmten Sponsoren und je nach Fahrstil solltet ihr euch für einen stimmigen entscheiden!

Nach der Wahl des Sponsors geht es an die Hersteller der Motoren für den Rennwagen. Hier stehen die üblichen „Verdächtigen“ der Königsklasse zur Auswahl, unter anderem:

  • Honda
  • Ferrari
  • Renault
  • Mercedes

Auch bei der Wahl sollte man natürlich auf verschiedene wichtige Dinge achten wie beispielsweise die Strapazierfähigkeit, Performance oder auch die Kosten des Vertrages. Trifft man hier die falsche Wahl, ist es durchaus möglich, in einen finanziellen Engpass zu geraten. Geschieht dies, muss der Spieler entweder Personal entlassen oder auch wichtige Abteilungen des Rennstalls komplett schließen. Zu Beginn empfehlen wir einen günstigen Motor, damit keine Probleme mit dem schnöden Mammon auftreten können. ihr werdet schnell bemerken, dass es garnicht so einfach ist, den Geldstand im Plus zu halten und Fehler werden zum Teil nicht leicht verziehen. Anschließend geht es aber mit zur wichtigsten Wahl im Spiel: Dem zusätzlichen Rennfahrer im Stall.

Hier stehen die allseits bekannten Rennfahrer der Formel 1 zur Verfügung. Das Rating bzw. die Wertung eben jener Rennfahrer wurde wie immer jährlich aktualisiert. Damit es der Spieler einfacher hat, wurden die Fahrer sortiert und man findet schneller den passenden. Die Sortierung erfolgte in den Kategorien Wertung, Vertragskosten und Marktwert. Natürlich befindet sich hier Lewis Hamilton an der Spitze mit genau 94 Punkten. Aber auch andere gute Fahrer werdet ihr hier finden können. Jedoch sind nicht nur Rennfahrer der Formel 1 vorhanden, sondern auch Jungfahrer der Formel 2. Sogar eine Frau der Formel 2, welche inzwischen in der F1 bei Alfa Romeo tätig ist, ist in F1 2020 vorhanden.

Der lange Weg nach oben

Was bei F1 2020 im Mein-Team Modus in der Gestaltungsfreiheit fehlt, gleicht das Gameplay anhand von vielen Neuerungen und realistischen Kleinigkeiten wieder aus. Wie jeder Zuschauer der F1 weiß, ist ein typisches Rennwochenende untergliedert in das Freie Training, das Qualifying und letztendlich das Rennen. Genau so ist es auch in F1 2020 implementiert. Das Rennwochenende startet zunächst mit 3 Trainings-Sessions. Hier gilt es, die Positionierung für das Team herauszufinden, die Strecke kennen zu lernen, den Reifenabbau beim Fahren zu beobachten und auch den Spritverbrauch zu analysieren. All dies wurde in F1 2020 anhand eines Skillbaums implementiert. Hier kann der Spieler entscheiden, worin er seine erspielten „Ressourcen“-Punkte investieren möchte. Zur Auswahl stehen die vier Skillbäume Chassis, Antrieb, Aerodynamik und Strapazierfähigkeit.

Der Erfolg wird aber noch von anderen Faktoren beeinflusst. Es kommt beispielsweise ganz darauf an, wie die Moral in den Arbeitsbereichen aussieht, wie die Interview mit der Presse ablaufen und eben, wie die Ressourcenpunkte verteilt wurden. Auch gibt es sogenannte Moral-Werte bei jedem Bereich, welche darüber entscheiden, ob ein Upgrade klappt oder eben auch nicht. Die Stimmung und Moral wiederum sind natürlich wichtig, wie die Interviews verlaufen und welche Dinge zwischen Training und dem offiziellen Rennen stattfinden können. Aber auch nach dem offiziellen Rennen finden wichtige Aktivitäten in dem eigenen Rennstall statt, zumindest wenn ihr dies möchtet. Auch hier stehen dem Spieler viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Beispielsweise kann man Geld in die Hand nehmen, um in einem bestimmten Arbeitsbereich ein Team aufzubauen, wodurch die Moral erhöht wird oder auch ein Extra-Training für den Fahrer starten. Natürlich gibt es noch weitere Möglichkeiten wie zum Beispiel Leistungsanalysen, ein Social Media Team oder auch sogenanntes Medien-Coaching. Auch diese Verbesserungen und Aktivitäten kosten den Spieler Geld, allerdings nicht soviel wie manch anderen Dinge. Das bedeutet aber nicht, dass diese Auswahlmöglichkeiten schlechter sind. Im Gegenteil. Solche Verbesserungen und Aufwertungen können darüber entscheiden, ob euer Rennstall sich weiterentwickelt oder nicht. Zu Beginn wird man schnell einen Fortschritt bemerken, aber je höher das Niveau klettert, desto länger kann der Fortschritt auch auf sich warten lassen. Hier heißt es dann: Geduld haben, einen langen Atem beweisen oder auch kurz und knapp durchhalten!

Natürlich denkt man sich irgendwann, dass sich viele Aktivitäten immer wieder wiederholen, aber dies kann man bei einem Rennspiel nicht verhindern. Zur Abwechslung gibt es dann kleine Events, wie zum Beispiel die Classic-Events. Hier steuern die Formel 1 Fahrer die Rennwagen von 1988-2010. Insgesamt gibt es 16 solcher Wägen in der normalen Edition, während in der Michael Schumacher Deluxe Edition noch weitere 4 Wägen hinzukommen. Beispielsweise findet man hier die Benetton Rennwagen von 1994 und 1995 oder auch den 200er Ferrari F1-2000. Dies sind natürlich nur eine Handvoll Spielinhalte von dem Spielmodus „Mein-Team“. Man sollte grundsätzlich keine vollumfassende Simulation eines Managements erwarten, da es sich immer noch um ein Rennspiel handelt, allerdings ist der Modus dennoch voll gelungen!

Technisch und Grafisch zumeist Top, mit ein paar Negativpunkten

Natürlich wird, insofern Codemasters diese Qualität in Zukunft beibehält, die F1-Reihe der König der Rennspiele bleiben. Dies betrifft nicht nur das Gameplay, sondern auch die Technik und die Grafik. Vor allem auf der Strecke ist eine enorme Verbesserung spürbar. Das Strafensystem ist um längen realistischer als noch im Vorgänger-Titel, der Grip der Reifen in den Kurvenausgängen fühlt sich besser an und auch die KI wirkt inzwischen deutlich intelligenter, wobei diese dennoch gefühlt sehr häufig die Ideal-Linie entlang fahren, anstatt eigenwilliger zu reagieren. Das hat zur Folge, dass es dennoch häufig unnötige Berührungen oder Crashs geben kann. Dies ist aber auch die Überleitung zu einem Kritikpunkt in F1 2020. Die Schäden sind, egal was passiert optisch gesehen zu wenig. Man kann zwar als Spieler in den Einstellungen aktivieren, dass das Schadensmodell „realistisch“ sein soll, dies macht sich optisch aber nicht bemerkbar. Zumindest sind Kleinigkeiten wie der Reifenabbau oder technische Probleme realistischer dargestellt als noch bei F1 2019. Hier besteht also noch Besserungsbedarf. Ein positiv zu erwähnender Aspekt wäre zumindest noch der dynamische Fahrermarkt zwischen der F1 und F2, was bedeutet, das F2 Fahrer in die F1 aufsteigen können, wenn sie genug Leistung zeigen, aber F1 Fahrer auch in die F2 absteigen können, wenn diese zu schlecht sind.

Grafisch hat sich auch vieles getan in F1 2020. Dies gilt natürlich nicht nur für das allgemeine Aussehen des Spiels oder die Darstellung des Gameplay im Rennen, sondern auch für andere Dinge. Beispielsweise sehen die Rennen im Regen oder bei Nacht extrem realistisch aus und auch TV-Übertragungen wirken wie im Fernsehen.. zumindest fast. Man sieht Abstände zu anderen Fahrern, es gibt einen Überholknopf, welcher bessere und spannendere Möglichkeiten bietet, beim oberen „Bildschirm“ kann man eine Art Rückspiel optisch ein und ausschalten und es existiert ein besseres ERS System.

Lediglich außerhalb der Rennen machen sich noch technische Mängel bemerkbar. Die Animationen und Gesichter wirken leider nicht wirklich real, die Tribüne hat keinen wechselhaften Lautstärke-Pegel, sondern wirkt leise und auch die Interviews und Kommentatoren sind Stimmungskiller. Die Kommentare und fragen, haben oft nur wenig mit dem Rennen zu tun und wiederholen sich praktisch gesehen jedes Wochenende erneut. Auch die Ansagen beim Rennen, wenn wir einen Statusbericht möchten, ist zum Teil sehr ungenau. Die Sprecherrollen übernehmen im übrigen Stefan Römer und Heiko Wasser. Letzterer ist ein F1 Kommentator bei RTL.

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
89 %
QuelleF1 2020
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Projektleiter und Redakteur von game7days, ehemals Alpha-Omegagaming seit 2014. Ich betreue die Infrastruktur, als auch die Gewinnspiele der Webseite. Im Großen und Ganzen kümmere ich mich also auch um die Dinge, welche man eben nicht sieht.