Stronghold: Warlords – Test / Review (PC)

Quelle: Firefly Studios

Seit dem Jahr 2001 veröffentlichte die Firma Firefly Studios eine Reihe von Echtzeit-Strategiespielen, welche sich unter anderem der Thematik des mittelalterlichen Burgenbaus annahmen. Stronghold erreichte Bekanntheit und war bei Strategiefans in aller Munde. Der neue Titel der Strategieserie, Stronghold: Warlords, wurde letztendlich nach Verschiebungen für PC auf Steam, am 9.März, endlich veröffentlicht. Zuletzt war mein leider weniger erfolgreich und möchte nun der Strategieserie zu alter Stärke verhelfen. Ob dies nun in die Tat umgesetzt werden konnte, erläutern wir in unserem Testbericht.

Ein übersichtliches Menü zeigt nach erfolgreichen starten die unterschiedlichen Spielmodi. Natürlich widmen wir uns erst einem Tutorial, welches uns die Basics des Spiels recht verständlich näher bringt und wir uns daher bereits nach wenigen Spielminuten zurechtfinden können. So merkt man schnell, auf welche wichtigen Indikatoren man achten sollte und wandert durch die unterschiedlichen Baumenüs oder schaut sich den Gemütszustand der eigenen Bevölkerung genauer an. Die Nutzeroberfläche sollte alte Veteranen vor keine große Herausforderung stellen, da diese sich spürbar kaum verändert hat. Neue Spieler sollten allerdings auch nicht vor eine zu große Herausforderung gestellt sein, um sich bereits nach kurzer Zeit problemlos zurechtfinden zu können.

Inhaltlich erwarten die Spieler einiges. Es gibt vier Militärkampagnen sowie eine, die einem die Wirtschaft und deren Funktion von Stronghold: Warlords besser veranschaulicht. Hier hat der findige Strategie nicht nur buchstäblich gegen die Zeit zu kämpfen, sondern muss auch noch mit zufälligen Ereignissen wie beispielsweise von Dürren oder ein Gebäudebränden zurechtkommen. Ferner kann man noch „Freies Bauen“ oder „angepasste Scharmützel“ auswählen, welche aber unter anderem durch fehlende Technologie-Bäume mit der Zeit überdrüssig wird. Eigene Szenarien können wir über einen Karteneditor erstellen, bei welchen wir Missionsbriefing, Kartenlayout und Güter festlegen. Einen Multiplayer-Modus wurde integriert, bei welchem wir gegen bis zu acht Kontrahenten, auch Bots, ins Gefecht ziehen können. In einem Koop-Modus wird zwei Spielern die Möglichkeit gegeben, über ein Volk zu herrschen. Leider ist man hier wie auch im Multiplayer an ein Einheiten Limit gebunden, welches pro Spieler 120 Truppen beträgt.

Die Single-Player Kampagne, von welcher uns fünf präsentiert werden, stützen sich hinlänglich auf historische Fakten und gehen ferner auch auf die unterschiedlichen Epochen der fernöstlichen Geschichte als auch deren Kriegsführung und deren weitere Entwicklung ein. So starten wir unser Abenteuer 300 vor Christus mit Thuc Pan, einem Herrscher der Frühzeit des heutigen Vietnams. Unser Ziel der ganzen Kampagne ist es, das Tal des Roten Flusses aus dem Joch der Unterdrückung aus der Hung-Dynastie zu befreien. Nach erfolgreichem Abschluss dieser sechs Missionen schaltet man weitere frei, welche ebenfalls die weitere asiatische Geschichte von fast 2000 Jahren umfassen. Auch wieder aufbereitet in Kampagnen wird man hier beispielsweise mehr über die japanischen Shogune, den Aufstieg des berüchtigten Dschingis Khans oder des chinesichen Kaiserreichs erfahren können. Wir müssen allerdings hier schon darauf hinweisen, dass eine erkennbare Lernkurve nichts mit historischer Korrektheit oder den einzelnen spielbaren Völkern und deren Gameplay-Unterschieden zu tun hat. Die anfänglichen Kampagnen bieten nicht alle zugänglichen Möglichkeiten auf, welche erst schrittweise eingeführt werden. Im freien Spiel kann der Spieler alles bauen, denn eine Konsequenz wie in anderen Titeln, welche die Auswahl der eigenen Kultur bzw. des Volkes haben könnte, findet nicht statt. Dies ist okay, aber leider sehen Gebäude auch bei jedem Volk gleich aus, was doch etwas monoton wirkt mit der Zeit.

Insgesamt erwarten den Spieler hier 31 Missionen, welche man in je drei Schwierigkeitsstufen absolvieren kann. So schwankt entsprechend die Gesamtstundenanzahl, welche man investiert in Abhängigkeit davon, geht aber so Richtung dreißig Stunden, insofern man die Herausforderung suchen sollte. Ferner bieten die Aufträge, Tipps für diese kann man am Beginn einer Mission anzeigen lassen, auch manchmal eine nötige Abwechslung und nicht immer die selbe, eintönige Kost. So gilt es, eher defensiv unter anderem Angriffe einer Übermacht eine bestimmte Anzahl an Minuten abzuwehren, um dem Anführer die Flucht zu ermöglichen. Hingegen offensiv agierend wiederum muss es dem Spieler gelingen, mit der eigenen und begrenzten Truppenanzahl in verschiedenen Schritten Eroberungen durchzuführen.

Den größten Part des Spiels sind aber gewisse Abläufe nahezu identisch und steigern mit fortschreiten in der Kampagne etwas, da man mehr Möglichkeiten haben wird. Dies gilt sowohl für den Gebäudebau, als auch den militärischen Anteil des Spieles, da man immer weiteren Zugriff auf die unterschiedlichsten Truppengattungen mit der Zeit erhalten wird. Aber im Prinzip bereitet man sich in jeder Mission auf einen bevorstehenden Kampf gegen den Gegner vor, welcher immer einer gewissen Abfolge erfolgt. Unsere Untertanen gehen im Normalfall nach wie vor ihren Tätigkeiten nach und grüßen respektvoll ihren Herrscher, insofern man auf sie klicken sollte. Grundsätzlich gilt, die eigene Bevölkerung muss gut versorgt sein, auch gut wohnen können in entsprechenden Unterkünften. Daraus resultiert dann, dass eine funktionierende Waren- und Waffenproduktion durch unsere Untertanen und ein fortschreiten in der Kampagne ein Garant für Sieg- oder Niederlage sein kann.

Einfachheit ist aber oberstes Gebot bei Stronghold: Warlords. Von daher wundert es nicht, dass die Fertigungsketten mit wenig Ressourcen, welche auch oftmals nicht weitere verarbeitet werden müssen, überschaubar ausfallen. Gerade am Beginn der Kampagne kommt man mit Holz nahezu komplett aus. Sei es einerseits, um die eigenen Untertanen mit Gemüse- oder Reisfeldern, und somit Nahrung versorgen zu können oder andererseits militärisch, durch entsprechende Gebäudestellung wie Axt- und Bogenmacher eine entsprechende „einfache“ Streitmacht zusammenstellen. Der Beginn bzw. der Einsieg in Stronghold: Warlords ist wirklich sehr einsteigerfreundlich gehalten und vor allem für absolute Beginner oder Strategiemuffel, hervorragend geeignet.

Mit zunehmendem Spielverlauf und Fortschritt in der Kampagne nimmt die Komplexität etwas zu, aber von einem beispielsweise Anno sprechen wir bei weitem nicht! So finden im weiteren Spielverlauf bzw. einer neuen Kampagne durchaus schrittweise neue Gebäude oder Rohstoffe mit der Zeit Einzug ins Spiel. So lernt man, neben Holz, den Abbau von Ressourcen wie Eisen oder Stein. Mit diesen kann der Spieler nun Burg-Mauern, Tore oder Türme hochziehen. Aber auch Schmieden können gestellt werden, um Eisen weiter verarbeiten zu können. Auch rein wirtschaftliche Abläufe nehmen, zum Glück, im weiteren Spielverlauf auch an Komplexität zu, wenn beispielsweise Seidenraupen-Farmen oder Salpeterminen den Weg ins Spiel finden. Somit sind längere Produktionsketten notwendig, um dann an Endprodukte wie Kleidung oder Schwarzpulver gelangen zu können.

Mit eine gute Grundvoraussetzung ist auch der Umgang mit dem eigenen Volk. Wir sind hier nun einmal nicht im alten Rom. Von daher gilt es stets, den Gemütszustandes der eigenen Untertanen im Auge zu behalten. Einfluss auf diesen haben beispielsweise die Nahrungsversorgung oder die Wohnsituation, ergo die Wohngebäude und deren Qualität. Aber auch die geforderten Steuern oder der Glaube können die Beliebtheit des eigenen Herrschers sowohl positiv, als auch negativ beeinflussen. Warum ist dies wichtig? Nun ja, wir wollen ja auch, dass unsere Bevölkerung wächst und entsprechend mehr Menschen den Weg in unsere Burg antreten. Gebäude müssen von Bewohnern besetzt sein, damit diese, wie eine Schmiede beispielsweise, auch ihre Funktion erfüllen können. Somit wollen wir hier immer im grünen Bereich liegen, denn eine gut gelaunte Bevölkerung ist produktiv. Stellschrauben bieten hier die unterschiedlichen, produzierten Nahrungsmittel, welche wir durch unsere Reisfelder, die Gemüsefelder, aber auch Teeplantagen oder die Schweinezucht erhalten können. Hat das eigene Volk genug zu essen und wird es auch entsprechend von uns eingestellt, dass es normale Rationen erhält, anstatt halbe- oder man sorgt für ein Leben im Überfluss durch doppelte Rationsversorgung, hebt man hierdurch seine eigene Beliebtheit kurzfristig stark an. Das Spiel bietet hier eine gute Übersicht samt Statistik über die eigenen Vorräte: Wieviel wird von was produziert und was wird genau verbraucht. So können wir als Herrscher besser einschätzen und durch entsprechende Maßnahmen eingreifen oder, wenn nötig, sowohl im positiven, durchaus aber auch im negativen eingreifen. Auch eine Einschüchterung des Volkes ist möglich, indem man Folterwerkzeug, wie beispielsweise einen Pranger erbaut. Dies hat zwar einen negativen Einfluss auf unser Ansehen hat, löst im Gegenzug aber einen positiven Angsteffekt bei unseren Untertanen aus und ihre Produktivität steigt.

Natürlich agieren wir in einer Kampagne nicht unbedingt alleine. Auch andere Herrscher treiben hier ihr Unwesen und sollten daher von uns im Auge behalten werden. So gibt es KI gesteuerte Kriegsherren, welche wir beeinflussen können. Dies ist per Diplomatie möglich, da wir automatisch über den Spielverlauf hinweg sogenannte Diplomatiepunkte generieren. Diese können sogar mit entsprechenden Gebäuden wie Botschaft oder Konsulat gesteigert werden, umso die Loyalität des Gegners zu erwerben. So können wir diesen um einen Gefallen bitten, was für uns durchaus nützlich sein kann, wenn man zusätzliche Rohstoffe erhält, oder auch weitere Truppen zum Angriff auf seine Gegner auf dem Schlachtfeld sieht. Insgesamt gibt es acht von diesen Warlords-Archetypen, welche uns auch passive Boni geben können. Natürlich können wir anstatt Diplomatie auch andererseits die Waffen sprechen lassen und diese „einfach“ erobern. Taktisches Vorgehen ist hier vom Spieler gefordert.

Zu bemängeln wäre allerdings die Passivität der KI-Kriegsherren, da sie eigentlich nichts machen, bis wir in deren Gebiet einfallen. Hier hätte man für mehr Spieltiefe sorgen können. So hätte man diese defensive Anlagen errichten- oder Gebäude bauen lassen. Oder auch militärische Einheiten produzieren lassen können, um uns auf dem Schlachtfeld mehr auf Augenhöhe entgegentreten zu können. So bieten die KI-Kriegsherren zwar etwas Abwechslung, stehen aber nur so im Weg und warten nur darauf, von uns erobert zu werden, um unsere Befehle auszuführen.

Eine große Stärke von Stronghold: Warlords ist der militärische Part des Spiels. Die Kriegskunst und deren Führung kann man als durchweg anspruchsvoll umschreiben. Gerade die größeren Eroberungen, welche man im Verlauf der Kampagne finden wird, werden dem Strategen einiges abverlangen. Man muss mit den eigenen Truppen sorgsam umgehen, mit Bogenschützen oder Katapulten erst einmal aus der Ferne die Wälle oder Mauern angreifen, sich Zugang in die gegnerische Festung hart erkämpfen. Soll man nun durch das gegnerische Tor durch dessen Zerstörung vorrücken oder erstürmt man erst einmal mit entsprechenden Einheiten die Mauern, bevor man seine Infantrie-Einheiten vorrücken lassen kann? Entscheidungen, die man als Feldherr treffen muss. Im späteren Spielverlauf setzt eine militärische Offensive erst einmal eine gute defensive Verteidigung unsererseits voraus. Hier bietet das Spiel gute taktische Optionen, wie man agieren kann. Sowohl defensive als auch offensive Möglichkeiten müssen gut durchdacht und geplant sein. Bilden wir Formationen mit unseren Bogenschützen-Einheiten, stellen diese auf unsere Burgmauern, umso den Gegner beim Ansturm zu schwächen. Zudem bieten uns jede unserer produzierbaren, verfügbaren Einheiten genaue Angaben bezüglich ihrem Schaden oder ihrer Rüstung. So hat man einen guten Überblick über sein offensives als auch defensives militärisches Arsenal, welches auf dem Schlachtfeld zur Entfaltung kommen soll. Gerade im weiteren Kampagnenverlauf erhält man Zugriff auf immer mehr und muss daher abwägen, ob man lieber auf eine leicht gepanzerte, schnelle Einheit setzt oder auf eine schwer gepanzerte, dafür aber langsamere.

Der Detailgrad der Schlachten ist beachtlich in Szene gesetzt. Bemerkbar machen dies beispielsweise unsere Katapulte, welche auf die Mauern schießen oder aber wenn sie gegnerische Einheiten erwischen und diese schreiend durch die Luft schleudern. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben. Lieblos wirken für das Jahr 2021 die Cutscenes mit den vier Herrschern der Kampagne, welche oft wenige Sekunden am rechten Bildschirmrand eingeblendet werden und uns ihre weiteren Anweisungen offenbaren. Ob hier der Einsatz von mehr Text sinnvoller wäre sein einmal dahingestellt. Aber eine grundsätzliche Überarbeitung hier und da könnte man doch als durchaus überfällig bezeichnen. Die Stronghold-Spielserie hat mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel, was trotz alledem durchaus beachtlich ist.

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Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
70 %
QuelleStronghold: Warlords
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Projektleiter und Redakteur von game7days, ehemals Alpha-Omegagaming seit 2014. Ich betreue die Infrastruktur, als auch die Gewinnspiele der Webseite.