Far Cry New Dawn – Test / Review (PC)

Wie viele andere fiebern auch wie jedes mal mit, wenn es auf ein Releasedatum von einem neuen Far Cry Titel zugeht. Da machte Far Cry New Dawn natürlich keine Ausnahme. Was wir hier direkt erwähnen müssen: Wir sind normalerweise, wie viele andere, auch keine Fans davon, Spiele zu recyclen..Wenn Spiele gut waren, soll man diese in Ruhe lassen und schlechte Spiele sollten schnellstmöglich in Vergessenheit geraten.

Das Problem ist allerdings, dass man nach einigen Spielen einer bestimmten Spielereihe irgendwann alte Ideen im neuen Spiel wieder nutzen muss, da man das Rad nicht ständig neu erfinden kann. Ubisoft nutzt genau diese Option häufig und muss sich aus dem Grund oft von der Community mehr oder weniger beschimpfen lassen, warum man denn alte Gameplay-Inhalte erneut nutzt, anstatt sich einfach mal zu gedulden und das neue „alte“ Spiel erleben.

Genau dies ist nun wieder passiert. Für Far Cry New Dawn geht es erneut nach Hope County, viele Schauplätze sind ähnlich, es gibt fast nur die gleichen Waffen wie in Far Cry 5 und man trifft sogar alte Freunde wieder, wenn auch mit einem anderen Charakter. Der große Unterschied ist aber folgender: In der Zeit zwischen den Geschehnissen von Far Cry 5 und Far Cry New Dawn ist ein wenig Zeit vergangen und eine Atombombe hat die Welt verwüstet. Nach nun knapp 20 Jahren kann man an der Oberfläche leben…Aber dort ist man nicht allein, wie die Bewohner von New Dawn schnell feststellen müssen!

Wir haben uns Far Cry New Dawn genauer angeschaut, um euch darüber berichten zu können, ob sich der Kauf lohnt!

Reise in die Vergangenheit

Auch wenn wir schon einmal in Hope County waren, wenn auch mit einem anderen Charakter, hat es dennoch seinen Charme, die alte Welt wieder neu zu entdecken. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass wie bereits gesagt, Jahrzehnte vergangen sind. So finden wir alte Läden und Gebäude, welche wir nach passenden Materialien durchsuchen kann und erfahren auch dann und wann etwas über die Personen, welche dort einst lebten.

Natürlich ist es dem Spieler möglich, die Gegend nur grob aufzudecken, während man für die Story-Mission unterwegs ist. Wir hatten allerdings viel mehr Spaß dabei, alte Gebiete neu zu erkunden. Seien es die Bliss Faren, Die F.A.N.G. Station oder auch der Bereich, an welchem man damals den Bären Cheeseburger mit einem Lachs gefunden hat. Überall gibt es was zu entdecken. Seien es Briefe, Hinterlassenschaften der Toten oder sogar Begegnungen mit noch lebenden Zeitzeugen von damals…

Wer jetzt drei Fragezeichen über dem Kopf hat, dem empfehlen wir, zunächst einmal Far Cry 5 zu spielen, denn bei Far Cry New Dawn handelt es sich nicht wirklich um ein Spin Off, sondern eher um eine Fortsetzung der Geschichte aus Far Cry 5 und wenn man diesen Teil nicht gespielt hat, kann man an vielen Stellen den Anhand und Bezug zu den Geschehnissen verlieren. Das bedeutet nun nicht, dass man die Story nicht verstehen kann, ist es dennoch sinnvoll, den fünften Teil der Far Cry Reihe zuerst zu spielen und danach mit New Dawn loszulegen, da es viele Dinge anders erscheinen lässt, als die es in Wirklichkeit sind.

Sinnvolle Story?

Während man bei Far Cry 5 des häufigeren Leerlaufzeiten hatte, finden wir Far Cry New Dawn besser gelungen. Man befindet sich praktisch von Anfang an mitten in der Action und bekommt einen Stoß in eine bestimmte Richtung. Anschließend ist es dem Spieler selbst überlassen, wie er vorgeht und was er tut. Man hat praktisch freie Hand. Relativ am Anfang können wir uns zwischen einem weiblichen und männlichen Charakter entscheiden, welcher der Captain der „Operation“ ist. Mit diesem ziehen wir schlussendlich in den Kampf gegen die Highwaymen, welche den Bewohnern von Hope Country das Leben zur Hölle machen. Angeführt werden diese von den Zwillingen Mickey und Lou, welche immer für Chaos sorgen und uns sabotieren, obwohl wir den Anwohnern dort nur beim Aufbau der Siedlung helfen wollen.

Statt einfach nur auf stupide Action zu setzen, setzt Ubisoft bei Far Cry New Dawn auf eine gute Mischung zwischen Action, ein wenig Rollenspiel und einer interessanten Story. Außerdem wartet das Spiel mit vielen Überraschungen, mehr oder weniger emotionalen Szenen, Wendungen und sehr charakteristischen Figuren auf. Es gibt zwar auch Quests, vor allem Nebenquests, bei welchen die Dialoge absolut unpassend sind, aber das ist selten der Fall und die Hauptquest ist dafür umso besser gelungen und wird durch eine volle deutsche Vertonung nur noch verbessert. Die Kampagne ist zwar nicht das Non-Plus-Ultra, allerdings weiß sie durchaus zu überzeugen und hat mit 15 Stunde eine angenehme Länge.

Pistole, Rifle, Bogen oder doch was anderes?

Natürlich ist Far Cry New Dawn wieder vollgepackt mit wilder Baller-Action. Hier stellt es Ubisoft euch frei, ob ihr eher in den lauten oder leisen Kampf gehen möchtet. Für den wilden Kampf stehen euch viele verschiedene Waffenarten zur Auswahl. Darunter zum beispiel Sturmgewehre, Pistolen, Bögen, MPs, Scharfschützengewehre, Knüppel, Schrotflinten oder auch die neue Waffenart „Sägeblattwerfer“. Im Schleichmodus könnt ihr die Gegner natürlich per Takedown ausschalten, wie man es von anderen Far Cry-Spielen kennt.

Eine Neuerung in Far Cry New Dawn ist das kleine Rollenspiel-System. Mittlerweile werden die Gegner in verschiedene Stärkestufen untergliedert und an diesen solltet ihr euch orientieren. Mit einer Stärke von 1 solltet ihr euch zum Beispiel nie mit Gegner der Stufe 3 oder höher anlegen, sonst bekommt ihr gewaltig die Hucke voll. Um mit diesen Gegnern mithalten zu können, solltet ihr eure Basis ausbauen, mit Vorteilspunkten neue Skills erlernen oder verbessern und mächtigere Waffen an der Werkbank herstellen.

Allerdings müsst ihr euch sorgen, dass man hier minutenlang auf einen Gegner schießt, bevor er das zeitliche segnet, sobald man die richtigen Waffen besitzt. Nach einigen Stunden sollte man dazu in der Lage sein, auch unter den hochstufigen Gegnern ordentlich aufzuräumen. Wilde Tiere bilden hier die Ausnahme. Diese halten eine Menge Schaden aus, wenn man keine Schwachstellen trifft.

Wir haben jedenfalls eine Menge Spaß mit den Kämpfen in Far Cry New Dawn, auch wenn es außer wenigen Ausnahmen keine neuen Waffenarten gibt. Wir haben uns im ersten Durchgang als Ziel gesetzt, alle Gegner lautlos auszuschalten, bei denen dies möglich ist und im zweiten Anlauf haben wir einfach alles über den Haufen geschossen, was uns vor die Flinte gekommen ist. Ansonsten könnt ihr natürlich mit Messern um euch scheißen oder einfach mal mit Dynamit eine ganze Hütte in die Luft jagen. Das ist sehr actionreich, das können wir euch sagen!

Expeditionen, Festungen und abwechslungsreiche Missionen

Die Haupt- und Nebenmissionen, von welchen es in Far Cry New Dawn einige gibt, sind sehr abwechslungsreich. Mal brechen wir aus einem Gefängnis aus, ein anderes mal liefern wir uns eine wilde Verfolgungsjagd mit den Autos. Zusätzlich gibt esaber noch die sogenannten Festungen, welche uns Belohnungen gewähren, wenn wir diese von den Feinden säubern. Anschließend ist es sogar möglich, diese auf höheren Stufen immer wieder zu wiederholen, um mehr Material und Beute erhalten zu können!

In der Open World gibt es diesmal nicht nur vereinzelt einige, wenige Gegner, sondern teilweise große Gruppen, die dazu auch noch intelligent reagieren. Daher sind wir gezwungen, uns die Gegend genau anzuschauen und alle Vorteile auszunutzen und strategisch vorzugehen. Natürlich gibt es einige NPCs, die wie immer ziemlich dämlich reagieren, aber dies ist uns selten aufgefallen.

Neben der Open World und den Missionen gibt es auch noch Expeditionen, bei welchen man zu bestimmten Zonen gebracht wird, um eine Art Lieferung zu sichern. Dabei kämpfen wir in einer Küstenfestung, ein anderes mal infiltrieren wir dagegen Alcatraz oder bekämpfen uns mit den Highwaymen auf einem verlassenen Jahrmarkt. Diese Expeditionen sind abwechslungsreich designt und bieten gute Belohnungen.

Verhältnismäßig leere Welt

Auch wenn Far Cry New Dawn super aussieht und die Atmosphäre beeindrucken kann, gibt es ein paar negative Punkte, die wir bemängeln müssen. Zunächst einmal ist die Karte wie auch schon in Far Cry 5 verhältnismäßig klein und man schafft es in kurzer Zeit, diese komplett zu erkunden. Neben den Festungen, welche man unbedingt einnehmen sollte, sucht man kleine Punkte auf der Karte ab, die dort eingezeichnet sind.

Bei eben diesen Punkten findet der Spieler Material, welches er braucht, um neue Waffen zu erstellen und die Stationen in der Basis verbessern zu können. Einmal sind es Spulen, ein anderes mal Klebeband oder ähnliches. Gelegentlich liefen uns hierbei noch Gegner über den Weg oder es war uns möglich, einen Überfall auf den Tanklaster auszuführen, der vorbeigefahren ist.

Um ein wenig Abwechslung zu bieten, gibt es die Schatzjagden, bei welchen man nachdenken muss, wie man an die Belohnungen gelangen kann oder auch eine Art Schnitzeljagd. Also zu tun ist immer etwas.

Weniger ist mehr

Grundsätzlich ist Far Cry New Dawn wie eine Art verbesserte Fortsetzung von Far Cry 5. Die Story ist kürzer, aber dafür unserer Meinung nach interessanter und die Karte wirkt nicht so riesig, dass man sich darin verloren fühlt. Allerdings ist es schade, dass es keine Flugzeuge mehr gibt und einige Missionen eher lieblos erscheinen.

Auch wurde das Spiel selbst etwas „verkleinert“. Der Spieler kann keine Waffenaufsätze einzeln an- und abbauen, sondern man schaltet die Waffen als Gesamtpaket frei. Das bedeutet, dass beispielsweise eine legendäre Rifle ein ACOG Visier hat und die meisten MP Waffen einen Schalldämpfer. Das fanden wir relativ schade, da es Spaß macht, sich seine eigenen Waffen zusammenzustellen.

Auch gibt es wieder die bereits erwähnten Vorteilspunkte, mit welchen ihr euch neue Fertigkeiten und Vorteile freischalten könnt. Um diese zu erlangen, müsst ihr bestimmte Herausforderungen erfüllen. Damit schaltet man neue Takedowns frei, aktiviert sich mehr Waffenslots und lernt, Tresore zu knacken. Aber auch die Basis solltet ihr immer wieder verbessern. Diese bietet euch ein Schnellreise-System, bessere Waffen-Herstellungsoptionen oder auch mehr Gesundheit und Ausdauer.

Ebenfalls noch im Spiel vorhanden ist das Gefährten-System. Davon gibt es wie auch in Far Cry 5 immer noch 8 verschiedene. Jeder Gefährte hat eigene Fähigkeiten und Boni, welche der jeweilige Gefährte durch Kills freischaltet. Wir haben meist mit Timber, dem Hund gespielt, da dieser uns Feinde gezeigt und Material angezeigt hat.

Natürlich gibt es auch wieder ein Koop-System, durch welches man mit einem anderen Spieler zusammen die Story erleben und durchspielen kann. Allerdings sind hier viele Quests noch arg verbuggt, weswegen wir von diesem Modus momentan noch abraten!

Grafik und soundtechnisch definitiv klasse

Die Grafik und die Atmosphäre konnten uns, wie auch in Far Cry 5 damals, enorm beeindrucken. Die Karte führt einen durch kleine Waldgegenden, in eine Art „Wüstengebiet“ oder zu felsigen Gegenden. Jedoch bemerkt man schnell, dass hier einmal eine Atombombe eingeschlagen ist. Dies sieht man sowohl an der Flora als auch an der Fauna. Unbekannte Pflanzen und Blüten begegnet man genauso häufig wie Wildtiere wie Hirsche mit rot leuchtenden Geweihen. Dazu gibt es einen kleineren Tag und Nacht Wechsel und das Spiel wartet mit viel Details auf.

Aber auch der Sound ist klasse. Die Motoren der Fahrzeuge haben eine einzigartige, realistische Soundpalette erhalten, wie auch die Tiere und die Gegner. Die Musik untermalt das Geschehen im Hintergrund perfekt und die deutsche Vertonung hat uns beeindruckt!