Chop Chop Inc. – Test / Review (PC)

Manchmal reicht eine ziemlich einfache Idee für ein Spiel aus. Chop Chop Inc. nimmt Holzfällen und den Aufbau eines kleinen Betriebs und macht daraus eine Mischung, die zunächst wesentlich unspektakulärer klingt, als sie sich später spielt. Der Anfang ist dabei ziemlich schnell abgehandelt. Unser bisheriges Arbeitsleben endet und statt lange über die berufliche Zukunft nachzudenken, geht es praktisch direkt in den Wald. Dort beginnt alles ziemlich klein. Ein paar Bäume stehen herum und viel mehr Möglichkeiten haben wir zunächst sowieso nicht. Also nehmen wir die Axt in die Hand und fangen an. Holz muss her und daraus soll irgendwann ein funktionierendes Unternehmen entstehen.

Lange dauert es nicht, bis man versteht, worauf Chop Chop Inc. hinauswill. Bäume werden gefällt und das gewonnene Material weiterverarbeitet. Daraus entstehen Produkte und mit deren Verkauf kommt Geld herein. Das wiederum landet ziemlich schnell in neuen Möglichkeiten und besseren Werkzeugen. Eigentlich ist das ein sehr einfacher Kreislauf. Trotzdem erwischt man sich immer wieder dabei, doch noch schnell die nächste Verbesserung mitzunehmen. Besonders ernst nimmt sich das Spiel dabei glücklicherweise nicht. Die Welt und ihre Bewohner sind ziemlich schräg und zwischendurch passieren Dinge, die überhaupt nicht zu einem trockenen Wirtschaftsspiel passen würden. Genau diese Mischung wollten wir uns genauer anschauen.


Irgendwo muss man schließlich anfangen

Die ersten Schritte sind noch ziemlich überschaubar. Wir besitzen keine riesige Fabrik und auch keinen perfekt organisierten Betrieb. Stattdessen müssen zunächst Ressourcen gesammelt werden. Holz steht dabei natürlich im Mittelpunkt und deshalb verbringen wir gerade am Anfang ziemlich viel Zeit mit der Axt. Der Ablauf ist schnell verstanden. Baum suchen und loslegen. Danach kommt der nächste dran. Das klingt nicht gerade nach einer Beschäftigung, mit der man unbedingt einen ganzen Abend verbringen möchte. Überraschenderweise funktioniert es aber ziemlich gut. Die direkte Rückmeldung und der ständig sichtbare Fortschritt sorgen dafür, dass das Fällen nicht sofort langweilig wird.

Natürlich bleibt es nicht bei der ersten Axt. Verbesserungen sorgen dafür, dass die Arbeit schneller von der Hand geht und mit der Zeit kommen weitere Möglichkeiten hinzu. Genau hier beginnt dieser typische Sog, den man aus vielen Aufbauspielen kennt. Eigentlich wollte man gerade aufhören, dann fehlt aber nur noch ein bisschen Geld für das nächste Upgrade. Also werden eben noch ein paar Bäume gefällt. Danach kann man plötzlich schneller arbeiten und möchte das natürlich direkt ausprobieren. Schon ist wieder einige Zeit vergangen. Chop Chop Inc. macht daraus kein kompliziertes System. Es setzt eher darauf, dass kleine Fortschritte regelmäßig genug kommen, damit man immer noch ein Stück weitermachen möchte.


Bäume haben hier keine besonders hohe Lebenserwartung

Holzfällen bleibt über weite Teile des Spiels eine der wichtigsten Beschäftigungen und dementsprechend muss man damit klarkommen, dass sich dieser Ablauf wiederholt. Neue Werkzeuge verändern zwar die Geschwindigkeit und später stößt man auf andere Ressourcen, der grundlegende Vorgang bleibt aber derselbe. Für uns war das erstaunlicherweise weniger störend als zunächst gedacht. Es hat etwas Entspanntes, einfach durch ein Gebiet zu laufen und Material zu sammeln. Gerade zwischen anderen Aufgaben kann man dabei ein wenig abschalten und muss nicht ständig irgendwelche komplizierten Entscheidungen treffen.

Wer solche wiederkehrenden Arbeiten grundsätzlich nicht mag, dürfte allerdings schneller genug davon haben. Chop Chop Inc. versucht gar nicht erst, jede Stunde eine komplett neue Mechanik einzuführen. Stattdessen wird das bestehende Grundgerüst immer weiter ausgebaut. Man wird effizienter und braucht größere Mengen. Dadurch wächst zwar der eigene Betrieb, aber gleichzeitig verschwindet die ursprüngliche Arbeit nicht. Genau hier entscheidet sich wahrscheinlich ziemlich schnell, ob einem das Spiel liegt. Wer Spaß daran hat, aus einfachen Abläufen langsam immer mehr herauszuholen, findet einen ziemlich angenehmen Rhythmus. Wer ständig neue Herausforderungen braucht, könnte dagegen früher Ermüdungserscheinungen bekommen.


Aus Holz wird irgendwann Geld

Das gesammelte Material bleibt natürlich nicht einfach im Lager liegen. Holz wird weiterverarbeitet und daraus entstehen verschiedene Produkte. Genau an diesem Punkt entwickelt sich Chop Chop Inc. langsam von einem simplen Holzfällerspiel in Richtung Unternehmensaufbau. Die fertigen Waren bringen Einnahmen und damit kann wiederum investiert werden. Neue Möglichkeiten werden freigeschaltet und der eigene Betrieb wächst weiter. Besonders schön ist dabei, dass man diesen Fortschritt nicht ausschließlich in irgendwelchen Zahlen sieht. Nach einigen Stunden hat sich tatsächlich etwas verändert und der kleine Anfang fühlt sich langsam wie ein richtiger Arbeitsplatz an.

Wer allerdings eine umfangreiche Wirtschaftssimulation erwartet, sollte die Erwartungen etwas zurückschrauben. Preise und Produktion spielen natürlich eine Rolle, aber Chop Chop Inc. möchte keine komplizierte Unternehmenssimulation sein. Man muss keine riesigen Tabellen studieren oder jeden einzelnen Produktionsschritt mathematisch optimieren. Der wirtschaftliche Teil bleibt vergleichsweise leicht zugänglich und dient vor allem dazu, den eigenen Fortschritt voranzutreiben. Für den Stil des Spiels passt das ziemlich gut. Mehr Tiefe hätte an einigen Stellen trotzdem nicht geschadet, besonders wenn der Betrieb später größer wird und man sich langsam etwas mehr Einfluss auf die Abläufe wünschen würde.


Selbst zusammenbauen gehört zum Geschäft

Interessanter wird es bei der Herstellung verschiedener Gegenstände. Statt ausschließlich ein Rezept auszuwählen und auf das fertige Produkt zu warten, müssen manche Dinge tatsächlich zusammengesetzt werden. Einzelne Bauteile landen vor uns und sollen anschließend dort hin, wo sie hingehören. Beim ersten Mal ist das eine ziemlich nette Idee. Man sieht tatsächlich, wie aus den zuvor gesammelten Materialien langsam ein fertiger Gegenstand entsteht. Dadurch wirkt Crafting etwas greifbarer als bei einem normalen Menüsystem und gerade die ersten Produkte haben uns deshalb durchaus Spaß gemacht.

Mit zunehmender Spielzeit kommt allerdings ein Problem dazu. Was beim ersten Mal noch interessant ist, kann beim fünften oder zehnten Durchgang anfangen zu nerven. Dazu arbeitet das Platzieren der Bauteile nicht immer so sauber, wie wir es gerne hätten. Manchmal liegt etwas ungünstig oder ein Teil will nicht direkt an die Stelle, an der man es eigentlich haben möchte. Gerade wenn man denselben Gegenstand mehrfach herstellen muss, wird aus der kleinen Bastelarbeit deshalb irgendwann Routine. Hier hätten wir uns später mehr Möglichkeiten gewünscht, bereits bekannte Produktionsschritte zu vereinfachen. Schließlich bauen wir einen Betrieb auf und da wäre es nur logisch gewesen, wenn nicht dauerhaft alles an uns selbst hängen bleibt.


Effizienz schlägt irgendwann Experimentierfreude

Nach einigen Stunden verändert sich dadurch automatisch die eigene Herangehensweise. Anfangs probiert man verschiedene Produkte aus und schaut einfach, was sich damit anfangen lässt. Später weiß man ziemlich genau, welche Dinge schnell hergestellt sind und welche unnötig viel Arbeit verursachen. Natürlich beginnt man dann, bestimmte Produkte zu bevorzugen. Warum sollte man sich lange mit einem umständlichen Gegenstand beschäftigen, wenn eine einfachere Alternative ebenfalls vernünftig Geld einbringt? Wirtschaftlich ergibt das Sinn. Spielerisch sorgt es allerdings dafür, dass man manche Möglichkeiten irgendwann kaum noch nutzt.

Das ist schade, weil eigentlich genug unterschiedliche Dinge vorhanden sind, um für Abwechslung zu sorgen. Eine bessere Balance zwischen Aufwand und Ertrag hätte hier geholfen. Besonders schön wäre außerdem gewesen, wenn sich erfolgreiche Produktionsabläufe mit zunehmendem Fortschritt stärker automatisieren ließen. Dadurch hätte man sich irgendwann um größere Aufgaben kümmern können, während bekannte Arbeiten im Hintergrund weiterlaufen. So bleibt man teilweise länger selbst mit kleinen Dingen beschäftigt, als es bei einem wachsenden Unternehmen eigentlich sinnvoll erscheint. Das zerstört den Spielspaß nicht, fällt aber mit zunehmender Spielzeit immer stärker auf.


Ganz normal ist hier sowieso nichts

Zum Glück nimmt Chop Chop Inc. seine eigene Geschichte überhaupt nicht ernst. Schon früh wird klar, dass hier keine realistische Karriere als Holzunternehmer erzählt werden soll. Figuren sind überzeichnet und viele Situationen bewegen sich irgendwo zwischen albern und komplett bescheuert. Das funktioniert meistens gerade deshalb, weil das Spiel nicht versucht, seine Gags groß zu erklären. Irgendetwas Seltsames passiert und man macht eben weiter. Dadurch entsteht ein Humor, der gut zum restlichen Chaos passt und gerade die einfacheren Gameplay-Phasen etwas auflockert.

Natürlich wird nicht jeder Witz funktionieren. Humor ist sowieso Geschmackssache und bei einem Spiel, das bewusst ziemlich albern sein möchte, gilt das noch stärker. Uns hat vor allem gefallen, dass Chop Chop Inc. dadurch eine eigene Persönlichkeit bekommt. Ohne diesen Stil wäre das Grundprinzip wahrscheinlich deutlich trockener. Schließlich verbringen wir einen erheblichen Teil der Zeit damit, Holz zu sammeln und Produkte herzustellen. Die merkwürdige Welt sorgt dafür, dass man trotzdem neugierig bleibt, was als Nächstes passiert.


Auch außerhalb des Betriebs gibt es etwas zu sehen

Glücklicherweise stehen wir nicht die gesamte Spielzeit nur zwischen Werkbank und Lager. Im Verlauf kommen weitere Bereiche hinzu und damit ändern sich zumindest die Umgebung und teilweise auch die verfügbaren Ressourcen. Gerade bei den ersten Ausflügen macht es Spaß, sich umzuschauen und herauszufinden, was es dort zu entdecken gibt. Das ist keine riesige Open World und soll auch keine sein. Trotzdem ist es angenehm, regelmäßig aus dem eigenen Betrieb herauszukommen und etwas anderes zu sehen.

Mit zunehmender Spielzeit wird allerdings auch hier klarer, nach welchem Muster das Spiel funktioniert. Ein neues Gebiet bedeutet meistens neue Möglichkeiten und weiteres Material, das anschließend wieder in den bekannten Kreislauf einfließt. Das ist vollkommen in Ordnung, nimmt später aber etwas von der anfänglichen Überraschung. Trotzdem sind diese Ausflüge wichtig für den Rhythmus. Würde man ausschließlich produzieren und verkaufen, würden die Wiederholungen wesentlich schneller auffallen. So gibt es immer wieder kleinere Unterbrechungen und einen Grund, den eigenen Arbeitsplatz für eine Weile zu verlassen.


Der Fortschritt hält die Sache zusammen

Der wahrscheinlich wichtigste Punkt ist deshalb das Gefühl, ständig ein kleines Stück voranzukommen. Neue Werkzeuge machen bekannte Arbeiten schneller und weitere Möglichkeiten verändern langsam den eigenen Betrieb. Es sind selten riesige Sprünge. Viel häufiger bekommt man kleine Verbesserungen und genau dadurch funktioniert der Spielfluss. Man merkt, dass Aufgaben, die am Anfang noch länger gedauert haben, inzwischen wesentlich schneller erledigt werden. Das macht den eigenen Fortschritt direkt spürbar.

Gleichzeitig hätte Chop Chop Inc. diesen Gedanken später noch konsequenter verfolgen können. Wenn unser Unternehmen wächst, möchte man irgendwann nicht mehr jede Kleinigkeit selbst erledigen. Genau dort fehlt stellenweise die nächste Entwicklungsstufe. Mehr Automatisierung oder zusätzliche Möglichkeiten zur Organisation hätten dem späteren Spiel gutgetan. Der vorhandene Fortschritt motiviert zwar weiterhin, irgendwann kommt aber der Punkt, an dem man gerne etwas mehr Abstand von den grundlegenden Arbeiten gewinnen würde.


Bunt und ein bisschen schief

Optisch verfolgt Chop Chop Inc. einen bewusst verspielten Stil. Die Welt ist farbenfroh und Figuren wirken entsprechend überzeichnet. Das passt hervorragend zur Grundstimmung. Ein realistischer Grafikstil wäre bei diesem Spiel wahrscheinlich sogar ziemlich fehl am Platz gewesen. Stattdessen bekommt alles einen leicht cartoonartigen Charakter und gerade dadurch funktionieren viele der merkwürdigen Situationen überhaupt erst. Technisch verlangt das Spiel entsprechend keine High-End-Hardware und der Fokus liegt klar auf Übersichtlichkeit statt auf spektakulären Effekten.

Ganz sauber läuft trotzdem nicht alles. Vor allem bei der Interaktion mit Gegenständen und während der Herstellung merkt man gelegentlich, dass etwas mehr Feinschliff gutgetan hätte. Manche Bewegungen oder physikalischen Reaktionen wirken etwas ungenau und gerade beim Zusammensetzen kann das nerven. Das sind keine Probleme, die das komplette Spiel ruinieren. Sie fallen aber auf, weil man bestimmte Aktionen sehr häufig wiederholt. Wenn eine Steuerung hundertmal benutzt wird, merkt man eben irgendwann jede kleine Ungenauigkeit.

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Unsere Meinung

Chop Chop Inc. macht aus einer ziemlich einfachen Idee überraschend viel. Bäume fällen und daraus Produkte herstellen klingt zunächst nicht unbedingt nach einem Spiel, in dem man viele Stunden verbringen möchte. Sobald man aber angefangen hat, den eigenen Betrieb aufzubauen, funktioniert der Kreislauf erstaunlich gut. Material sammeln, Waren produzieren, Geld verdienen und dieses direkt wieder in Verbesserungen stecken – genau dieses ständige Gefühl von Fortschritt hält das Spiel lange zusammen. Der schräge Humor gibt dem Ganzen zusätzlich eine Persönlichkeit, die man bei einem klassischen Holzfäller- oder Crafting-Spiel wahrscheinlich nicht erwartet hätte.
Ganz ohne Probleme bleibt das allerdings nicht. Bestimmte Arbeiten wiederholen sich irgendwann deutlich und vor allem der manuelle Zusammenbau kann nach mehreren Durchgängen eher nerven als Spaß machen. Später hätten wir uns deshalb mehr Automatisierung und etwas mehr Tiefe beim Ausbau des Unternehmens gewünscht. Trotzdem bleibt Chop Chop Inc. ein sympathisches Spiel, das ziemlich genau weiß, was es sein möchte. Wer gerne sammelt, produziert und zusieht, wie aus einem kleinen Anfang langsam etwas Größeres entsteht, kann hier überraschend viel Spaß haben.
Unsere Gesamtbewertung
75%

„Ein einfacher Kreislauf, der erstaunlich lange motiviert – solange die Routine nicht überhandnimmt.” – game7days

Game7Days Award Silber
Silber
ProContra
  • Motivierender Produktions- und Fortschrittskreislauf
  • Ständiges Gefühl von Entwicklung durch Upgrades
  • Sympathischer und schräger Humor
  • Einfaches Spielprinzip mit überraschendem Sog
  • Unterhaltsamer Aufbau des eigenen Betriebs
  • Arbeitsschritte wiederholen sich mit der Zeit deutlich
  • Manueller Zusammenbau wird später schnell monoton
  • Zu wenig Automatisierung im späteren Spielverlauf
  • Unternehmensausbau könnte mehr Tiefe bieten
Name: Chop Chop Inc.
Genre: Simulation, Crafting, Management
USK/PEGI: – / –
Entwickler: NullRef Entertainment
Publisher: rokaplay select
Plattform: PC
Veröffentlichung: 07. August 2026
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Chop Chop Inc. wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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