HUMANKIND – Test / Review (PC)

Würdige Konkurrenz für Civilization am Horizont gesichtet

Quelle: SEGA Europe, Amplitude Studios

HUMANKIND von dem Entwickler Amplitude Studios ist ein Hoffnungsträger, welcher gegen starke Konkurrenz antreten und sich auch daran messen lassen muss. Ein großes Vorhaben, wenn man bedenkt, das gerade das Spiel der Civilization-Serie seit Jahren etabliert ist und eine enorme Fanbase sein Eigen nennt, welche demnach auch gewisse Ansprüche haben dürfte. Ob den Spieler nun mit HUMANKIND ein weiterer Strategiehit der in diese Kerbe schlägt, erwarten wird, erfährt man in unserem Test.

Der Ablauf von HUMANKIND stellt gerade 4X-Veteranen nicht vor große Aufgaben. Das Rad wird nicht neu erfunden wie es so schön heißt. Entsprechend sind wir auch in der Erwartung völlig unvoreingenommen in die Spielwelt eingestiegen.

Natürlich wartet gerade mit Civilization der Hauptkonkurrent, mit welchem sich der Titel um die Krone prügeln wird. Dreißig Jahre wett zu machen ist natürlich ein großes Vorhaben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die einst unter Sid Meiers gestartete Erfolgsgeschichte schon Beachtung in dem Strategie-Genre erlangt hat. Verstecken müssen sich die Amplitude Studios jedoch nicht. Immerhin hat man mit Endless Legend als auch Endless Space Beachtungserfolge erzielt, welche dem ein- oder anderen Spieler aufgefallen sein dürfte. Vieles von HUMANKIND und Civilization kommt einem auf den ersten Blick bekannt vor. Viele Spieler dürften sich irgendwie heimisch fühlen. Ob das erkunden der Weltkarte ab Beginn mit unseren Einheiten, welche das Land urbar machen. Dann die demnach fast schon comichafte Sechseck-Weltkarte, welche einem auffällt. Ferner ist der Bau von Weltwundern möglich und vieles mehr, welches man von der Konkurrenz kennen wird.

Losgelöst vom Vergleich mit der Konkurrenz kann man durchaus durch anderes beeindrucken. Denn der Beginn in jedem 4X-Spiel gleicht sich oftmals doch mit dem Bau der Stadt. Bei HUMANKIND eben nicht. Denn zuerst einmal ziehen wir mit unserem Nomadenstamm durch die Spielwelt. Natürlich haben wir immer im Blick, ob wir auf für uns überlebenswichtige und nützliche Dinge treffen werden. Also haben wir immer im Blick, ob wir Pflanzen abernten können oder auch auf Tiere treffen, welche wir dann im Kampf erlegen müssen. Unsere Anzahl wächst dadurch und bringt uns einen Schritt weiter. Denn nun kann man seine Gruppe auch aufteilen. Dies hat den Vorteil, wir können jetzt mehr entdecken und noch schneller wachsen. Und je nach eingestelltem Schwierigkeitsgrad kann es auch schon zu ersten Scharmützeln und demnach Gefechten mit anderen Zivilisationen kommen. Natürlich ohne militärische Meisterstrategie, denn gerade im militärischen Bereich wartet die ein oder andere Errungenschaft erst noch auf Entdeckung durch unser Volk. Also Verhalten wir uns gerade zu Beginn eher fast schon wie der Neandertaler und hauen am Besten einfach kräftig drauf, bis der Gegner umfällt und wir den Sieg für uns verbuchen können. Denn der Stärkere obsiegt.

Gerade auf höherem Schwierigkeitsgrad dürfte man so die ein oder andere Situation etwas ins Schwitzen kommen und es vergeht erst einmal etwas Entdeckungszeit, bis man seine erste Stadt setzen kann. Ein deutlicher Unterschied zur Konkurrenz und auf höherem Schwierigkeit kann es fast schon ein Todesstoß sein, trifft man zu Beginn bereits falsche Entscheidungen. Denn bei HUMANKIND ist Schnelligkeit für das Erreichen der Meilensteine enorm wichtig. Ergo nutzen wir eine Vielzahl an Gruppen der eigenen Bevölkerung aus, um soviel wie möglich von der Spielwelt zu entdecken und so entscheidenden Fortschritt vor unserer Konkurrenz zu haben. Denn die nächste Spielphase möchten wir umso schneller erreichen können. Hat man nämlich in einer Ära diverse, genau festgelegte Meilensteine erreicht, geht es ab für uns in die nächste Spielphase. Kennt man so ähnlich auch vom Referenztitel. So müssen wir hier aber oftmals Fortschritt bei Stadtbezirken oder aber eine gewisse Punktzahl an Einfluss hinzugewinnen, also Ziele, welche durchaus überschaubar daherkommen. Dieses System bietet seine Vor-und Nachteile. Ein Vorteil wäre demnach, dass man nicht in eine Richtung durch eben zu genaue und spezifische Zielvorgaben die eigene Entwicklung beeinflussen muss. Andererseits ist das Fortschrittssystem halt doch eher monoton.

Was wir gut finden, ist, dass wir unsere Kultur bei einem Ära-Wechsel tauschen können. Denn im Laufe der Geschichte sind Völker entstanden, dominierten vielleicht sogar eine Epoche, bevor sie auch wieder verschwanden und ihre Kultur unterging. Bietet zwar keine immens großen Vorteile, aber trotzdem, man kann es. Denn jede Kultur, von welchen in jeder Ära der Menschheitsgeschichte viele historischen Ursprungs sind, hat bis zu zwei Spezial-Einheiten, ihre eigene Boni oder auch Gebäude. Wer also ein glorreicher Römer werden will und ein Imperium Romanum im Miniformat etablieren möchte, dem steht somit nichts im Wege. Man tauscht sein Boni-Set in der neuen Epoche einfach aus mit dem Gedanken, das diese dem Wachstum des eigenen Imperiums dienlicher sind. Große visuelle Unterschiede sollte man allerdings nicht erwarten, was etwas schade ist. Nach einigen Meilensteinen wird dem Spieler also immer die Wahl gelassen, ob man einen Kulturumschwung wünscht oder nicht.

Punkten kann HUMANKIND allerdings auf andere Art, welche wir bereits kurz erwähnt hatten. Man sollte wie bereits angemerkt, seine wenigen Platzierungen der Städte gut zu Nutzen wissen und mit Bedacht vornehmen. Eine Stadtgründung ist nämlich mit Kosten verbunden und wenn man einmal das System dahinter durchschaut hat, kann man seinen Nutzen daraus ziehen und muss nicht alle paar Meter eine neue Stadt etablieren. Was Sinn macht, ist sich Außenposten anzulegen und diese dann in das Gebiet der eigenen Stadt einzubinden. Und Städte in HUMANKIND können wirklich beeindruckende, aber auch gewaltige Ausmaße annehmen, das können wir versichern. Diese Methode ist aber auch um einiges preiswerter von den Kosten und der Einfluss unserer Metropole steigt enorm an. Somit haben wir mehr Ressourcen zur eigenen Verfügung, was natürlich gut ist. Allerdings sollte man den Stabilitätswert im Auge behalten. Je größer unsere Metropole mit der Zeit wird, desto weiter sinkt dieser Wert. Aber als Stellschraube bietet sich an, mit einer guten Infrastruktur und Garnisonen dieser negativen Entwicklung entgegenzuwirken. Der optimale Wert wäre die 100. Dieser kann sogar ins negative abfallen, was ebenso schlecht ist wie Werte unter diesem. Denn so öffnet man einer Rebellion Tür und Tor, ganz zu schweigen von einer schlechteren Produktion, welche unserem Wachstum des eigenen Imperiums nicht gut tut. Und eine Übernahme durch die Gegner wird so ebenfalls um ein vielfaches erleichtert, was wir natürlich unter keinen Umständen möchten!

Wie bereits im vorhergehenden Abstand erwähnt, kann unsere Stadt gigantische Ausmaße erreichen. Dies ist wirklich von der visuellen Wirkung beeindruckend, wenn unsere Metropole mit der Zeit fast einen halben Kontinent für sich in Anspruch nehmen wird. Aber ein enorm großer, vor allem sich auf das Spiel gravierend und massiv auswirkende Ergebnis sucht man vergeblich. Ist nun zwar etwas ernüchternde Feststellung, aber ist nun einmal nicht von der Hand zu weisen. Die Stadt selbst bleibt der zentrale Punkt, in welcher die Produktion stattfinden wird, nicht mehr und weniger. Hier ist der Dreh- und Angelpunkt, von wo aus man seine Expansion nach guter Planung durchführen sollte, um nach einer gewissen Entwicklungsspanne besser eine gut optimierte Stadt sein Eigen nennen wird, anstatt für das gleiche Gebiet zwei Städte mühsam verwalten zu müssen.

Des Weiteren muss man feststellen, dass die Konkurrenz durch unsere KI-Gegner nicht zu unterschätzen ist. Zwar ist sie auf dem einfachsten Level kein wirklicher Gegner und man gewinnt nahezu jede Ära, obwohl einem der Durchblick durchaus fehlen kann. Aber hier sollten sich Spieler nicht abschrecken lassen, die Herausforderung mal auf höherem Level zu versuchen und man wird feststellen, die ruhelose Entwicklung der eigenen Zivilisation ist schnell vorbei. War die Konkurrenz auf niedrigstem Level zu faul zu agieren, ist ihr wohl Leben eingehaucht worden und das Spiel nimmt exponentiell an Schwierigkeit zu. Schon von beginn an spüren wir die Konkurrenz im Nacken unserer Zivilisation. Gebiete werden uns streitig gemacht und wir müssen uns bei unserer Entdeckungsreise der Spielwelt bereits unserer Haut erwehren. Schaffen wir es auch nicht, unsere Städte stabil zu halten, dann stehen Horden von Fremden vor den Stadttoren und man wird oftmals zum Abdanken gezwungen und wird aus dem Gebiet verjagt. Krieg zu führen und zu wissen, wie sie zu führen und zu gewinnen sind, ist gerade auf höherem Schwierigkeitsgrad unabdingbar und machen einen Heidenspaß. Wer nun meint, die KI rennt ins offene Messer, dem ist weit gefehlt. Taktisches Vorgehen ist gefragt, wie auch bei uns und dies macht sich die KI auf hohem Level sehr gut zu Eigen. Wer als Spieler die strategische Herausforderung suchen sollte, kann sie bei HUMANKIND auf alle Fälle finden. Insofern man auch verkraften kann, nicht immer zu gewinnen.

Leider aber muss man feststellen, dass der Krieg ein wenig eintönig daherkommt. Zwar wirkt sich das Gelände mit Vor-oder Nachteil auf ein Kampfgeschehen aus. Aber der Kampf selbst. Nun ja. Man kennt es ja, das gute alte Schere-Papier-Stein Spielchen, wonach die Einheiten beim kriegerischen Treffen auf andere Anwendung findet. Leider finden auch kaum Spezialfertigkeiten von diesen Anwendung im Spiel, da nicht vorhanden. Mehr Abwechslung hätte hier dem Gameplay gutgetan. Man muss gerade auf hohem Level mit Bedacht agieren, sollte am Besten für ein besseres Resultat alle Einheiten mühsam von Hand ziehen, weil man allzu oft sonst den Kürzeren zieht und gnadenlos von der KI besiegt wird. Abhilfe schafft hier nur oftmals, sich den alten Spielstand erneut zu laden.

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Unsere Gesamtbewertung
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80 %
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Projektleiter und Redakteur von game7days, ehemals Alpha-Omegagaming seit 2014. Ich betreue die Infrastruktur, als auch die Gewinnspiele der Webseite.