Starry Studio und NetEase Games haben mit Once Human in den vergangenen Jahren einen Survival-Titel aufgebaut, der längst nicht mehr nur auf dem PC unterwegs ist. Kurz vor der gamescom 2026 folgte schließlich auch der Sprung auf PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Passend dazu stand bei unserem rund 30-minütigen Messetermin allerdings nicht einfach noch einmal das bekannte Hauptspiel im Mittelpunkt. Stattdessen drehte sich vieles um Isles of Abyss, das die bisherigen Survival-Mechaniken auf den offenen Ozean verlagern soll. NetEase hatte bereits vor der Messe angekündigt, dort Details zur bislang größten Erweiterung von Once Human zu zeigen.
Damit passte Once Human ziemlich gut in unsere diesjährige Messeberichterstattung. Wer noch weitere Eindrücke aus Köln sucht, findet diese gesammelt in unserem gamescom-Archiv von GAME7DAYS. Bei Isles of Abyss ist aber besonders interessant, dass Starry Studio nicht einfach ein paar Inseln an die bestehende Welt hängen möchte. Das Wasser selbst wird zu einem großen Teil des eigentlichen Spiels. Die Ocean Expansion soll im Oktober 2026 für alle unterstützten Plattformen erscheinen.
Der Ozean ist mehr als nur der Weg zur nächsten Insel
Statt sich überwiegend über Land zu bewegen, führt Isles of Abyss hinaus auf eine weitläufige Meereslandschaft mit verstreuten Inseln, neuen Ressourcen und Gefahren unter und über der Wasseroberfläche. Dynamisches Wetter und der Wechsel zwischen Tag und Nacht gehören ebenfalls zum Szenario. Nachts sollen gefährlichere Kreaturen auftauchen, während verschiedene Inselgruppen mit eigenen Überlebensbedingungen aufwarten. Dazu kommen sogenannte Haywire Zones, deren Regeln sich deutlich unterscheiden können.
Vier Varianten wurden für die Testphase genauer vorgestellt. In Mist of Deceit nimmt mit sinkender Gesundheit auch die Sichtweite ab, während Lichtquellen dabei helfen können, den Nebel zurückzudrängen. Skyfire verwandelt eine vulkanische Region durch Meteoriteneinschläge in ein gefährliches Rohstoffgebiet. Bei Time Rain geraten Pflanzen, Tiere und Ausrüstung in einen beschleunigten zeitlichen Ablauf, während Black Tide Inseln in wiederkehrenden Wellen mit immer neuen Verschmutzungszonen überzieht.
Dadurch bekommt die See eine Bedeutung, die über hübsche Kulisse hinausgeht. Während unserer gamescom-Präsentation stand entsprechend die Frage im Raum, wie sich das bekannte Sammeln, Erkunden und Kämpfen verändert, wenn zwischen zwei Zielen plötzlich nicht mehr ein Stück Land, sondern ein ganzer Ozean liegt. Gerade dieser Wechsel macht Isles of Abyss zunächst interessanter als eine gewöhnliche neue Karte. Auch andere Survival-Spiele versuchen inzwischen, ihre Heimat beweglich zu machen. Bei Everwind auf der gamescom 2025 waren Schiffe beispielsweise ebenfalls Transportmittel, Crafting-Ort und Rückzugsraum – Once Human verfolgt eine ähnliche Grundidee nun allerdings deutlich konsequenter auf dem Wasser.
Das eigene Schiff wird zur mobilen Festung
Einer der wichtigsten Bausteine von Isles of Abyss ist deshalb das eigene Schiff. Was zunächst als vergleichsweise einfaches Holzfloß beginnt, soll nach und nach zu einer eigenen Sea Fortress ausgebaut werden. Damit wird das Schiff nicht nur zum Transportmittel zwischen den Inseln, sondern gleichzeitig zu einer mobilen Basis. Crafting, Schutz, Ausrüstung und Verteidigung ziehen gewissermaßen gemeinsam mit dem Spieler über das Meer.
Das klingt zunächst nach einem vergleichsweise kleinen Unterschied, verändert den Rhythmus eines Survival-Spiels aber ziemlich deutlich. Man kehrt nicht ständig zu einem festen Haus irgendwo auf der Karte zurück, sondern nimmt einen großen Teil seiner Infrastruktur einfach mit. Gerade bei längeren Erkundungsfahrten dürfte das angenehm sein, gleichzeitig muss die schwimmende Heimat entsprechend vorbereitet und verteidigt werden. Freunde von Survival und Seefahrt kennen diese Mischung natürlich auch aus anderen Spielen. Wir hatten uns beispielsweise bereits Crosswind auf der gamescom 2025 angesehen, das ebenfalls Crafting, offene Welt und große Schiffe miteinander verbindet.
Auf dem Meer wartet nicht nur ruhiges Wasser
Natürlich fährt man in Once Human nicht einfach gemütlich von Insel zu Insel. Das neue Szenario bringt eigene Seegefechte mit, bei denen die Schiffe mit Geschützen ausgerüstet werden können. In den bisherigen Testfassungen ließ sich während der Fahrt eine Artillerieposition direkt über das Steuer auswählen und kontrollieren. Dadurch sollen Kämpfe und Navigation stärker miteinander verbunden werden, anstatt jedes Mal zwischen zwei komplett getrennten Systemen wechseln zu müssen.
Hinzu kommen zufällig durch die Gewässer fahrende Schiffe, die als Voyagers bezeichnet werden. Spieler können sie entweder auf See bekämpfen oder an Bord gehen und dort nach Vorräten suchen. Dabei gibt es unterschiedliche Ausführungen. Je größer die Schiffe werden und je besser ihre Einrichtungen ausfallen, desto höher soll auch die Herausforderung sein. Im Gegenzug warten entsprechend bessere Belohnungen in den Loot-Kisten.
Auch große Gegner sollen nicht einfach dadurch fallen, dass möglichst viele Spieler gleichzeitig ihre Magazine leeren. Die neue maritime Ausrichtung bringt mechanische Kreaturen und andere Bedrohungen mit, die deutlich stärker auf die Umgebung und den Ozean zugeschnitten sind. Die offizielle Vorstellung der Ocean Expansion spricht unter anderem von gewaltigen mechanischen Wesen in der Tiefe und gefährlichen Monstern, die zwischen den Inseln warten.
Später wartet außerdem The Sunken Lord. Dieser bildet einen der großen Endpunkte der Szenario-Progression. Nach dem Übergang in die zweite Phase müssen Spieler zunächst weitere Herausforderungen in der Welt bewältigen und den gemeinsamen Fortschritt des Servers vorantreiben. Erst wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, wird der Dungeon rund um den Sunken Lord freigeschaltet. Wie die endgültige Version davon im Oktober aussieht, kann sich gegenüber den bisherigen Testfassungen allerdings noch verändern.
Nicht alles spielt sich dabei über Wasser ab. Auch Unterwasserbereiche gehören zum neuen Szenario und liefern zusätzliche Ressourcen sowie Orte zur Erkundung. Damit versucht Starry Studio, möglichst wenige Teile des Meeres zu reinen Zwischenräumen verkommen zu lassen. Genau das wird am Ende wichtig sein, denn eine riesige Wasserfläche kann sehr schnell leer wirken, wenn zwischen zwei Ereignissen minutenlang nichts passiert. Wie abwechslungsreich Inseln, Unterwassergebiete und zufällige Ereignisse langfristig bleiben, lässt sich nach einer begrenzten Messepräsentation noch nicht seriös beurteilen.
Isles of Abyss bekommt vor dem Release noch einen letzten großen Test
Dass noch Arbeit vor dem Team liegt, macht Starry Studio selbst ziemlich deutlich. Bereits im Juni lief ein Pioneer-Test, bei dem unter anderem Inselerkundung, Basisbau, Schiffssteuerung und verschiedene Survival-Ereignisse geprüft wurden. Der nächste große Schritt folgt vom 16. September bis 8. Oktober 2026 nach Pacific Time. Für diesen abschließenden Test sollen rund 4.000 Teilnehmer zugelassen werden, davon 2.500 auf dem PC und 1.500 auf Konsolen.
Der Test ist als vertrauliche Closed Beta mit anschließendem Data Wipe angelegt. Zugelassene Spieler müssen vorab eine NDA akzeptieren. Screenshots, Videos, Streams und andere Inhalte aus dieser Fassung dürfen deshalb nicht ohne Freigabe veröffentlicht werden. Starry Studio bezeichnet diesen Durchlauf ausdrücklich als letzten großen Test des Szenarios und will dabei bereits einen wesentlich vollständigeren Eindruck der Erweiterung prüfen.
Interessant ist außerdem, dass Starry Studio bereits damit begonnen hat, Teile der neuen Karte über aktuelle Updates vorzuladen. Das Update 3.0.5 vom 2. September enthält deshalb vergleichsweise große Datenpakete auf PC, PlayStation und Xbox. Als Grund nennt das Team unter anderem Kartenressourcen für das kommende Isles-of-Abyss-Szenario, die schrittweise an die Spieler verteilt werden.
Für uns bleibt nach der gamescom damit vor allem die grundlegende Idee hängen: Once Human versucht nicht, sein bisheriges Survival-Konzept einfach nur größer zu machen. Stattdessen verschiebt Isles of Abyss einen erheblichen Teil des bekannten Ablaufs auf den Ozean, verbindet die eigene Basis mit der Fortbewegung und ergänzt die Welt um neue Survival-Regeln, Seegefechte und Unterwasser-Erkundung. Ob das Meer dabei dauerhaft spannend genug gefüllt ist und die mobile Festung wirklich einen spürbaren Unterschied macht, können wir spätestens mit dem geplanten Release im Oktober 2026 genauer beurteilen.
Wer nach unseren weiteren Survival-Eindrücken der Messe sucht, kann sich unter anderem auch unseren Bericht zu Surviving Deponia auf der gamescom 2026 ansehen.






