
Bei Wolcen 2 schaut man zwangsläufig etwas genauer hin. Der Vorgänger hatte durchaus seine Fans, blickt aber gleichzeitig auf eine schwierige Entwicklung mit technischen Problemen und einer nicht immer glücklichen Kommunikation zurück. Auch wir haben uns bereits vor vielen Jahren in unserem Preview zu Wolcen: Lords of Mayhem mit dem damaligen Projekt beschäftigt. WOLCEN Studio versucht deshalb gar nicht erst, die Vergangenheit schönzureden. Stattdessen soll der zweite Teil auf einem komplett neuen technischen Fundament entstehen und viele Erfahrungen aus dem Vorgänger berücksichtigen.
Auf der gamescom 2026 hatten wir rund eine Stunde Zeit, uns Wolcen 2 näher anzusehen und selbst zu spielen. Die gezeigte Fassung befand sich noch sichtbar mitten in der Entwicklung, vermittelte aber bereits einen ziemlich guten Eindruck davon, wohin die Reise gehen soll. Klassenlose Charakterentwicklung, massig Beute, schnelle Kämpfe und ein deutlich flexibleres Build-System stehen im Mittelpunkt. Nach unserer Session bleibt vor allem hängen, dass hier noch viel Arbeit wartet, aber ebenso viel Potenzial vorhanden ist.
Zurück in eine Welt am Abgrund
Wolcen 2 spielt einige Jahre nach den Ereignissen von Lords of Mayhem. Anathea, jene Göttin, welche den Riss zwischen Realität und dämonischer Leere geschlossen hält, wurde tödlich verwundet und die Welt droht erneut auseinanderzubrechen. Im Mittelpunkt steht diesmal ein aus den Schatten hervorgegangener Warlord, der gemeinsam mit weiteren Figuren einer Prophezeiung folgt, die zwar Rettung verspricht, dafür aber Opfer verlangt.
Kenntnisse des Vorgängers sollen nicht notwendig sein. Neue Spieler können direkt mit Wolcen 2 beginnen, während Kenner des ersten Teils zusätzliche Zusammenhänge und bekannte Figuren wiedererkennen dürften. Die Geschichte lässt sich alleine oder gemeinsam mit bis zu vier Spielern erleben. Gerade bei einem Action-RPG mit ausgeprägter Loot-Spirale und frei kombinierbaren Builds dürfte der Koop-Modus eine interessante Rolle spielen.
Keine feste Klasse sondern der eigene Build
Einer der interessantesten Punkte bleibt das Klassensystem – oder besser gesagt dessen Fehlen. Wolcen 2 verzichtet erneut auf fest vorgeschriebene Rollen wie Krieger, Magier oder Schurke. Stattdessen bestimmen unter anderem die verwendeten Waffen, welche Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Modifikatoren, Spezialisierungen, passive Talente und neue Ausrüstungsgegenstände können einen Charakter anschließend immer weiter verändern.
Dadurch sollen Kombinationen entstehen, die sich nicht an klassische Genregrenzen halten. Ein schwer gepanzerter Zauberer ist genauso möglich wie ein Spellblade, ein Fernkämpfer mit Feuerwaffen oder eine Mischform aus verschiedenen Spielweisen. Interessant daran ist vor allem, dass ein gefundener Gegenstand nicht einfach nur ein paar Prozent mehr Schaden liefern muss, sondern im Idealfall einen bestehenden Build komplett verändern kann. Genau diese Experimentierfreude gehört zu den Dingen, die während unserer Anspielzeit bereits Lust auf mehr gemacht haben.
Beim eigentlichen Kampfsystem orientiert sich Wolcen 2 unverkennbar an klassischen Hack-and-Slay-Spielen. Große Gegnergruppen, Nah- und Fernkampfangriffe, zahlreiche Fähigkeiten und natürlich jede Menge herumliegende Beute sorgen schnell für das bekannte Gefühl, ständig noch den einen besseren Gegenstand finden zu wollen. Wer sich für dieses Genre interessiert, findet aktuell auch unseren Bericht zu Path of Exile 2 auf der gamescom 2026, das auf derselben Messe mit seiner eigenen Interpretation schneller und komplexer Action-RPG-Kämpfe vertreten war.
Die Shadow Form bekommt wieder eine wichtige Rolle
Eine Besonderheit kehrt ebenfalls zurück. Die Shadow Form erlaubt es, den eigenen Charakter während eines Kampfes für kurze Zeit in eine wesentlich mächtigere Gestalt zu verwandeln. Sie soll diesmal stärker mit dem übrigen Charakteraufbau und der Ausrüstung verbunden werden und dadurch mehr sein als lediglich ein kurzfristiger Schadensbonus.
Gerade wenn mehrere Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm auftauchen, Fähigkeiten ineinandergreifen und die Lage langsam unübersichtlich wird, kann diese Transformation einen Kampf schnell drehen. Das passt gut zu dem generell flotteren Ansatz der Gefechte. Wolcen 2 möchte den Spieler dazu bringen, Fähigkeiten miteinander zu kombinieren und nicht einfach nur permanent denselben Angriff zu wiederholen. Wie tief dieses System letztlich ausfällt, wird sich allerdings erst mit einer deutlich umfangreicheren Version beurteilen lassen.
Unreal Engine 5 statt alter CryEngine
Technisch beginnt WOLCEN Studio praktisch noch einmal von vorne. Während Lords of Mayhem auf einer älteren Version der CryEngine basierte, entsteht Wolcen 2 vollständig mit der Unreal Engine 5. Nach Angaben des Studios war die technische Grundlage des Vorgängers irgendwann kaum noch geeignet, das Spiel langfristig weiterzuentwickeln. Ein kompletter Neuaufbau wurde letztlich zur sinnvolleren Lösung.
Der Wechsel soll nicht nur die Entwicklung vereinfachen, sondern auch eine bessere Skalierung auf unterschiedlichen Hardwarekonfigurationen ermöglichen. Die Vollversion ist neben dem PC ebenfalls für Konsolen der aktuellen Generation vorgesehen. Auch die Netzwerkarchitektur wurde verändert. Koop-Partien setzen auf ein Listen-Server-Peer-to-Peer-System, bei dem Spieler Sitzungen selbst hosten können und die Abhängigkeit von dauerhaft betriebenen zentralen Servern geringer ausfallen soll.
Für eine endgültige Beurteilung der Performance ist die auf der gamescom gezeigte Version noch viel zu früh. Das gilt ebenso für einzelne Komfortfunktionen. Controller-Unterstützung soll beispielsweise erst in einer späteren Entwicklungsphase hinzukommen, eine Offline-Möglichkeit ist ebenfalls für die Zukunft vorgesehen. Gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen mit dem ersten Teil ist es deshalb sinnvoller, die technische Entwicklung über die kommenden Monate zu beobachten, anstatt aus einer frühen Messefassung bereits endgültige Schlüsse zu ziehen.
Early Access 2027 soll die Community früh einbeziehen
Wolcen 2 soll 2027 zunächst für den PC in den Early Access starten. Einen konkreten Veröffentlichungstag hat WOLCEN Studio bislang nicht genannt. Geplant ist ungefähr ein Jahr Early Access, wobei das Studio ausdrücklich darauf hinweist, dass sich dieser Zeitraum je nach Entwicklung verändern kann.
Schon die erste Early-Access-Version soll einen vollständigen Akt inklusive Nebenquests enthalten. Dazu kommen nach aktuellem Stand rund 25 Fähigkeiten, fünf Waffentypen, etwa 32 unterschiedliche Gegnertypen, acht Bosse und zehn Biome. Hinzu kommen rund 150 Ausrüstungsgegenstände sowie das passive Fortschritts- und Skill-Mastery-System. Diese Planung ist noch nicht endgültig und kann sich durch die Playtests vor dem Early Access verändern.
Auch nach der Kampagne möchte WOLCEN Studio langfristige Beschäftigung bieten. Im sogenannten Conquest kämpfen unterschiedliche Fraktionen auf dynamischen Schlachtfeldern um Einfluss und Gebiete. Der Tower of Wonders konzentriert sich dagegen stärker auf bestimmte Belohnungen und lässt den Spieler Einfluss auf Schwierigkeit und Verlauf eines Aufstiegs nehmen. Beide Systeme sollen vor allem dazu dienen, neue Builds auszuprobieren und die Jagd nach besserer Ausrüstung am Leben zu halten.
Dass der Entwickler diesmal möglichst früh Feedback einsammeln möchte, ist vielleicht sogar wichtiger als einzelne Features. Bereits vor dem Early Access werden Playtests durchgeführt, deren Rückmeldungen direkt in die weitere Entwicklung einfließen sollen. WOLCEN Studio räumt selbst ein, beim Vorgänger in Bereichen wie Kommunikation, technischer Grundlage und langfristiger Betreuung Fehler gemacht zu haben.
Nach unserer rund einstündigen gamescom-Session würde ich Wolcen 2 deshalb weder vorschnell abschreiben noch bereits zum nächsten großen Genre-Hit erklären. Viele Elemente wirken vertraut und gerade zwischen Diablo, Path of Exile und zahlreichen weiteren Action-RPGs muss Wolcen 2 erst noch zeigen, wodurch es sich langfristig abheben kann. Die freie Charakterentwicklung, die überarbeitete Shadow Form und der komplette technische Neustart sind aber interessante Grundlagen. Das Spiel hat Potenzial – jetzt muss WOLCEN Studio zeigen, was daraus bis zum Early Access 2027 entsteht.
Weitere Berichte, Anspieltermine und Präsentationen direkt aus Köln findet ihr in unserem großen GAME7DAYS-gamescom-Bereich.
Wolcen 2 im Überblick
Entwickler: WOLCEN Studio
Publisher: WOLCEN Studio
Genre: Action-RPG, Hack and Slay, Dark Fantasy
Engine: Unreal Engine 5
Spielmodi: Singleplayer und Online-Koop für bis zu vier Spieler
Plattform Early Access: PC
Vollversion: PC und aktuelle Konsolengeneration
Early Access: 2027
Release: Noch kein konkreter Termin
Status: In Entwicklung
Offizielle Webseite: Wolcen 2
Steam: Wolcen 2 bei Steam
Pressekit: offizielles WOLCEN Studio Media Kit
Quellen
WOLCEN Studio – Offizielle Webseite und FAQ
Steam – Wolcen 2 Produktseite und Early-Access-Informationen
WOLCEN Studio – Offizielle Ankündigung und Playtest-Informationen
WOLCEN Studio / UberStrategist – Offizielle gamescom-2026-Pressemitteilung und Media Kit





