Sea of Remnants auf der gamescom 2026 angespielt

Sea of Remnants – Piratenschiff vor einer tropischen Insel
Sea of Remnants schickt uns mit unserer Crew hinaus auf eine ungewöhnliche Reise über die offene See. © NetEase Games / Joker Studio

Piraten, eine offene Welt, rundenbasierte Kämpfe und dazu Figuren, die aussehen, als wären sie direkt aus einer etwas schrägen Marionettenwerkstatt entlaufen: Sea of Remnants gehört definitiv zu den ungewöhnlicheren Rollenspielen, die wir uns während unserer zahlreichen gamescom-2026-Termine ansehen konnten. Hinter dem Free-to-play-Titel steht Joker Studio, während NetEase Games als Publisher fungiert. Auf der Messe hatten wir rund 30 Minuten Zeit, um uns selbst einen Eindruck von dem kommenden Abenteuer zu verschaffen.

Im Mittelpunkt steht ein sogenannter Puppetfolk-Seemann, der ohne Erinnerungen aufbricht und gemeinsam mit einer geheimnisvollen Begleiterin nach seiner Vergangenheit sucht. Ausgangspunkt vieler Reisen ist die Piratenstadt Orbtopia. Von dort geht es hinaus auf ein Meer voller Inseln, Ruinen, ungewöhnlicher Gegner und neuer Crewmitglieder. Das klingt zunächst nach einem klassischen Piratenabenteuer, doch Sea of Remnants kombiniert gleich mehrere Spielideen miteinander und legt deutlich mehr Wert auf Rollenspiel und Roguelike-Elemente, als der erste Blick vermuten lässt.

Von Orbtopia hinaus ins Ungewisse

Eine Reise folgt grundsätzlich einem recht einfachen Rhythmus: Schiff klarmachen, aufbrechen, erkunden, Beute und neue Möglichkeiten entdecken und anschließend wieder nach Orbtopia zurückkehren. Einfach bedeutet hier allerdings nicht zwangsläufig vorhersehbar. Gegner, Bosse, mögliche Crewmitglieder, Ausrüstung und Verbesserungen können sich zwischen den einzelnen Unternehmungen verändern. Dadurch soll verhindert werden, dass man irgendwann nur noch dieselbe optimale Route und Charakterkombination abarbeitet.

Sea of Remnants - Erkundung der Inselwelt mit Crewmitgliedern
Auf den Reisen durch Sea of Remnants treffen wir auf neue Inseln, Charaktere und mögliche Crewmitglieder. © NetEase Games / Joker Studio

Gleichzeitig verschwindet nach einer Reise nicht einfach alles wieder. Verbesserungen am Schiff, Charakterentwicklung, Beziehungen und andere langfristige Fortschritte bleiben erhalten. Orbtopia übernimmt deshalb weit mehr als nur die Funktion eines hübschen Hafens. Hier wird die Mannschaft neu zusammengestellt, Ausrüstung angepasst und die nächste Fahrt vorbereitet. Wer zwischendurch genug von Kämpfen hat, findet außerdem Nebenbeschäftigungen wie Angeln, Kochen oder Mahjong. Gerade diese Mischung sorgt dafür, dass sich das Spiel nicht ausschließlich von einer Schlacht zur nächsten hangelt.

Rundenkampf trifft auf Kanonenfeuer

Besonders interessant ist der starke Wechsel zwischen den verschiedenen Kampfsystemen. Auf den Inseln setzt Sea of Remnants auf rundenbasierte Gefechte, bei denen die Zusammenstellung der Crew und ihre Fähigkeiten eine wichtige Rolle spielen. Zufällige Faktoren und zusätzliche Aktionen können eine eigentlich geplante Runde jedoch schnell durcheinanderbringen. Gerade dadurch entsteht mehr Bewegung, als man bei einem klassischen Rundenkampf zunächst erwarten würde.

Das funktioniert grundsätzlich gut, kann zu Beginn aber auch etwas unübersichtlich werden. Wenn mehrere Charaktere Aktionen miteinander kombinieren oder zusätzliche Angriffe ausgelöst werden, muss man erst verstehen, warum gerade welche Figur zum Zug kommt. Die Messe-Demo konzentrierte sich vor allem auf Echo Isle. Dort konnten unter anderem The Stray Cat und Isabelle rekrutiert werden, bevor mit Mermaid Morian ein größerer Bosskampf wartete. Das Entwicklerteam hatte genau diesen Abschnitt als kompakte gamescom-Demo vorbereitet.

Sobald man wieder auf das Schiff wechselt, ändert sich das Tempo deutlich. Die Seeschlachten laufen in Echtzeit ab. Das eigene Schiff muss positioniert, gegnerischem Feuer ausgewichen und im richtigen Moment mit den eigenen Kanonen zurückgeschossen werden. Dadurch stehen die eher taktisch angelegten Landkämpfe und die direktere Action auf See ziemlich deutlich nebeneinander. Ein komplexer Segelsimulator will Sea of Remnants dabei allerdings nicht sein. Das Schiff ist vielmehr ein weiteres Werkzeug innerhalb der gesamten Reise und lässt sich nach und nach ausbauen.

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Mehr Informationen
Der offizielle 10-Minuten-Gameplay-Trailer zur gamescom 2026 zeigt unter anderem Erkundung, Landkämpfe und Gefechte auf See.

Marionetten auf großer Fahrt

Optisch findet Sea of Remnants recht schnell eine eigene Identität. Die Puppetfolk-Figuren sehen bewusst nach Marionetten und geschnitzten Charakteren aus, während die Umgebung wesentlich farbenfroher daherkommt. Inseln, Hafenanlagen, Schiffe und die unterschiedlichen Figuren passen nicht immer auf den ersten Blick zusammen – genau das macht den Stil aber interessant. Zwischen Piratenromantik und Fantasy tauchen immer wieder deutlich seltsamere Kreaturen und Schauplätze auf.

Auch musikalisch möchte Joker Studio offenbar mehr machen als nur die üblichen orchestralen Piratenklänge abzuspulen. Bei den gamescom-Präsentationen spielte Musik eine auffällig große Rolle, inklusive der fiktiven Orbtopia-Band Ranbo. Gerade wenn ein Kampf an Intensität gewinnt, funktioniert dieser Stilwechsel erstaunlich gut und gibt dem Spiel eine Atmosphäre, die sich von vielen anderen Open-World-RPGs unterscheidet. Der offizielle Extended Gameplay Showcase zeigte darüber hinaus Cove Island, Bridge Island und Statue Island sowie weitere Ruinen und Landschaften.

Viel Rollenspiel hinter der Piratenfassade

Sea of Remnants will langfristig vor allem davon leben, dass nicht jeder Durchlauf identisch abläuft. Unterschiedliche Crewmitglieder, Fraktionen und Entscheidungen sollen Veränderungen in der Spielwelt auslösen. NetEase sprach ursprünglich von mehr als 300 Figuren, während neuere Präsentationen einen nochmals deutlich größeren Umfang der Charaktere und möglichen Begegnungen zeigen. Nicht jeder davon wird zwangsläufig dauerhaft zur eigenen Mannschaft gehören, dennoch wird schnell deutlich, wie stark das Spiel auf Begegnungen und unterschiedliche Gruppenzusammenstellungen ausgelegt ist.

Gerade Fans von taktischen Rollenspielen könnten hier einen interessanten Kandidaten finden. Wer aktuell unsere gamescom-Berichte verfolgt, findet mit Full Circle einen weiteren Titel, der rundenbasierte Kämpfe auf seine eigene Art interpretiert. Sea of Remnants geht allerdings deutlich stärker in Richtung Open World, wiederholbarer Expeditionen und permanenter Progression.

Technisch ist insbesondere die PC-Version interessant. Sea of Remnants gehört zu den Titeln, für die NVIDIA bereits DLSS 4.5 Super Resolution und Path Tracing angekündigt hat. Darüber hatten wir bei GAME7DAYS bereits im Rahmen unserer Übersicht zu den kommenden RTX- und DLSS-Spielen berichtet. Welche Anforderungen Path Tracing am Ende tatsächlich stellt, muss die fertige Version allerdings noch zeigen.

Das Free-to-play-Modell bleibt die große Unbekannte

Nach unserem Termin bleibt vor allem der ungewöhnliche Mix hängen. Sea of Remnants versucht nicht einfach, ein weiteres Piratenspiel zu sein. Rundenkämpfe, Roguelike-Strukturen, eine offene Welt, Echtzeit-Seeschlachten, Charakterbeziehungen und langfristiger Ausbau werden in einem einzigen Spiel miteinander verbunden. Das kann sehr abwechslungsreich werden, setzt aber auch voraus, dass keines dieser Systeme am Ende nur oberflächlich bleibt.

Das größte Fragezeichen steht derzeit ohnehin hinter dem Free-to-play-Modell. Steam weist bereits auf Ingame-Käufe und zufallsbasierte Käufe hin, ohne dass sich daraus momentan abschätzen lässt, wie stark die Monetarisierung später in Progression und Charakteraufbau eingreifen wird. Genau hier dürfte die für Dezember 2026 geplante Closed Beta besonders interessant werden. Der vollständige Start ist nach aktuellem Stand für Anfang 2027 vorgesehen. Dann soll Sea of Remnants für PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S sowie mobile Plattformen erscheinen.

Quellen

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