
Neuseeland gehört nicht unbedingt zu den Ländern, die einem als Erstes in den Sinn kommen, wenn über große Spieleproduktionen gesprochen wird. Dass dort trotzdem einige ausgesprochen interessante Projekte entstehen, konnten wir während unseres Termins mit CODE NZ auf der gamescom 2026 erleben. Gleich drei sehr unterschiedliche Titel standen dabei im Mittelpunkt: Beyond These Stars, PlanetSmith und KYŌRYŪ.
Wichtig ist dabei zunächst eine kleine Einordnung: CODE NZ ist nicht der Entwickler dieser Spiele. Das neuseeländische Centre of Digital Excellence unterstützt Studios und die heimische Games-Branche und sorgt unter anderem dafür, dass Entwickler ihre Projekte international präsentieren können. Hinter den drei Spielen stehen deshalb auch drei unterschiedliche Teams. Wer noch mehr Eindrücke aus Köln sucht, findet diese in unserer laufenden gamescom-Berichterstattung auf GAME7DAYS.
| Spiel | Entwickler | Publisher | Genre | Plattform | Release |
|---|---|---|---|---|---|
| Beyond These Stars | Balancing Monkey Games | Hooded Horse | Städtebau, Strategie, Simulation | PC | 15. Oktober 2026 |
| PlanetSmith | Incandescent Games | Incandescent Games | Survival, Sandbox, Crafting, RPG | PC | Early Access geplant |
| KYŌRYŪ | Floating Rock Studio | Noch nicht abschließend kommuniziert | Action-Adventure | PC | Noch offen |
Beyond These Stars baut eine Zivilisation auf einem Weltraumwal
Den momentan wohl am weitesten fortgeschrittenen Titel des Trios stellt Beyond These Stars dar. Balancing Monkey Games lässt uns darin eine komplette Zivilisation auf dem Rücken von Kewa errichten, einem riesigen lebenden Weltraumwal. Schon dadurch unterscheidet sich das Aufbauspiel deutlich von vielen klassischen Genrevertretern. Gebäude, Wege und Produktionsketten müssen sinnvoll geplant werden, gleichzeitig ist Kewa eben nicht einfach nur eine ungewöhnlich geformte Karte. Unsere Entscheidungen wirken sich auf den Lebensraum des Tieres aus und damit letztlich auch auf unsere eigene Siedlung.
Mit zunehmendem Fortschritt bleibt die Reise außerdem nicht auf dem Rücken des Wals beschränkt. Neue Sternensysteme können entdeckt, andere Planeten besiedelt und weitere Ressourcen erschlossen werden. Dazu kommen Begegnungen mit fremden Lebensformen und die Frage, wie stark man seine Umgebung für den eigenen Fortschritt belastet. Gerade die Verbindung aus klassischem Städtebau und einer lebenden Spielwelt dürfte Beyond These Stars seinen eigenen Charakter verleihen.
Wer generell Spaß an ungewöhnlichen Aufbauspielen hat, kann sich passend dazu auch unseren gamescom-Bericht zu Prospera ansehen. Dort steht zwar kein Weltraumwal zur Verfügung, dafür verbindet das Spiel Städtebau ebenfalls mit einigen Ansätzen abseits der klassischen Vogelperspektive.
Bei Beyond These Stars hat sich während der Entwicklung zudem einiges geändert. Ursprünglich war ein Early-Access-Start geplant. Inzwischen hat sich Balancing Monkey Games jedoch dazu entschieden, direkt mit Version 1.0 zu veröffentlichen. Der Termin steht bereits fest: Am 15. Oktober 2026 soll Beyond These Stars für PC erscheinen. Publisher ist Hooded Horse.
PlanetSmith baut seine Welten tatsächlich als Planeten
Bei PlanetSmith ist dagegen bereits die Form der Spielwelt eines der auffälligsten Merkmale. Incandescent Games setzt nicht einfach auf eine flache Voxelwelt mit einem Weltraumhintergrund. Die prozedural erzeugten Welten sind tatsächlich vollständige Kugeln. Wer lange genug in dieselbe Richtung läuft, kann theoretisch wieder an seinem Ausgangspunkt ankommen. Möglich wird das unter anderem durch ein Bausystem mit hexagonalen Voxeln, wodurch sich die Oberfläche um einen kompletten Planeten legen lässt.
PlanetSmith soll allerdings deutlich mehr bieten als nur kreatives Bauen. Im Survival-Modus sammeln wir Ressourcen, fertigen Werkzeuge an, errichten eine Unterkunft und stellen uns unterschiedlichen Kreaturen. Quests und weitere Herausforderungen sollen langfristig dazu führen, dass wir die notwendigen Technologien für ein eigenes Raumschiff entwickeln. Damit endet die Welt nicht am Himmel: Ist die entsprechende Technik vorhanden, kann der Planet verlassen und das restliche Sonnensystem erkundet werden.
Besonders interessant ist dabei der möglichst nahtlose Übergang zwischen Planetenoberfläche und Weltraum. Laut Incandescent Games kann die Welt vom Orbit bis hinunter zum Boden ohne klassischen Kartenwechsel dargestellt werden. Unterschiedliche Biome und ein Klimasystem sollen dafür sorgen, dass sich die Planeten nicht nur optisch voneinander unterscheiden. Neben Survival steht außerdem ein Creative-Modus zur Verfügung. Multiplayer gehört ebenfalls zum Konzept, wobei gemeinsame Welten laut Entwickler mehr als 100 Spieler unterstützen sollen.
Das Survival- und Sandbox-Genre ist mittlerweile ziemlich voll, weshalb PlanetSmith allein mit Crafting und Basisbau kaum auffallen würde. Die echten kugelförmigen Planeten und das Hex-System geben dem Projekt allerdings eine technische Besonderheit, die wir so nicht ständig zu sehen bekommen. Passende Spiele aus dem Bereich hatten wir bereits in unseren gamescom-Berichten zu Everwind und THE SIGNAL: Stranded on Sirenis.
KYŌRYŪ lässt Dinosaurier ein verlassenes Japan übernehmen
Den vielleicht auffälligsten Stil der drei Spiele liefert allerdings KYŌRYŪ. Floating Rock Studio versetzt uns in ein postapokalyptisches Japan, in dem genetisch veränderte Dinosaurier die Menschheit überlebt haben und inzwischen selbst die dominierende Spezies darstellen. Zwischen den Überresten der menschlichen Zivilisation haben sich neue Gruppen und Machtstrukturen entwickelt, während moderne und traditionelle japanische Elemente mit einer von Dinosauriern beherrschten Welt zusammentreffen.
Im Mittelpunkt des Spiels steht Tori, ein junger Dinosaurier, dessen Geschichte uns durch diese ungewöhnliche Welt führen soll. Dabei setzt Floating Rock nicht ausschließlich auf offene Kämpfe. Erkundung, Stealth und erzählerische Elemente gehören ebenfalls zum Konzept. Gerade diese Mischung könnte dafür sorgen, dass KYŌRYŪ nicht einfach nur als weiteres Dinosaurier-Spiel wahrgenommen wird. Stattdessen soll sich die Geschichte auch mit den Überresten der Menschen und den neuen Gesellschaftsformen beschäftigen, die nach ihrem Verschwinden entstanden sind.
Technisch setzt Floating Rock auf die Unreal Engine. Bereits das bisher veröffentlichte Material zeigt eine sehr detaillierte Umgebung mit dichter Vegetation, überwucherten Städten und aufwendig dargestellten Dinosauriern. Wie sich das später in einem tatsächlich spielbaren Build auf die Performance auswirkt, lässt sich derzeit allerdings noch nicht seriös beurteilen. Dafür befindet sich das Projekt noch zu früh in der Entwicklung.
Wer Dinosaurier lieber mit deutlich direkterer Action verbindet, findet auf GAME7DAYS auch unseren aktuellen Bericht zu Turok: Origins. Dort konnten wir während der gamescom bereits selbst im Koop gegen zahlreiche Gegner und Dinosaurier antreten.
Drei Studios und drei völlig unterschiedliche Ideen
Der Termin bei CODE NZ zeigte ziemlich gut, wie breit die neuseeländische Entwicklerszene inzwischen aufgestellt ist. Beyond These Stars verbindet klassischen Städtebau mit einem ziemlich ungewöhnlichen Schauplatz, PlanetSmith versucht sich an technisch anspruchsvollen kugelförmigen Sandboxwelten und KYŌRYŪ fällt bereits durch seine Mischung aus Dinosauriern, Japan und postapokalyptischer Welt aus dem üblichen Raster.
Gerade solche Termine gehören für uns auf der gamescom immer wieder zu den interessanteren Stationen. Zwischen den großen Produktionen entdeckt man hier Projekte, die man vorher möglicherweise überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Ob sich alle drei Ideen am Ende auch spielerisch durchsetzen können, muss sich zwar noch zeigen. Aufmerksamkeit haben Beyond These Stars, PlanetSmith und KYŌRYŪ mit ihren unterschiedlichen Ansätzen aber auf jeden Fall verdient.
Weitere Informationen
- Beyond These Stars: Balancing Monkey Games / Hooded Horse – Veröffentlichung am 15. Oktober 2026
- PlanetSmith: Incandescent Games – Survival-Sandbox-RPG für PC
- KYŌRYŪ: Floating Rock Studio – Action-Adventure in einem postapokalyptischen Japan
- Termin: CODE NZ auf der gamescom 2026




