Empire of Sin – Test / Review (PC)

In diesem Strategiespiel machen wir Chicago der 1920er unsicher.

Quelle: Paradox Interactive, Romero Games

Empire of Sin von Entwickler Romero Games und Publisher Paradox Interactive lädt ambitionierte Spieler ein, sich als Mafia Boss zu versuchen.

Das Strategiespiel bietet eine Vielzahl an Auswahlmöglichkeiten bezüglich dem eigenen spielbaren Charakter, welcher dann auch gleichzeitig als Mafiaboss fungiert. Unter 14 Stück kann man zu Beginn des Spiels seinen Favoriten auswählen, mit dem man nur ein Ziel hat: Die Nummer 1 der Stadt zu werden. Koste es, was es wolle. Aber auch die Schwierigkeitsgrade bieten dem Spieler eine breit gefächerte Auswahl an, sich an diesen zu versuchen. Was gerade auf der höchsten Stufe nicht immer erfolgreich enden wird, wenn man nicht ständig auf der Hut ist.

Quelle: Romero Games, Paradox Interactive, game7days

Der Strategie Titel will einerseits taktische Elemente andererseits mit Stadtmanagement kombinieren. Hinzu kommt, dass dahinter noch ein mehr oder weniger ausgeklügelter Wirtschaftskreislauf rund um den illegalen Stoff dieser Zeit, nämlich Alkohol, zu etablieren ist.

Angesiedelt ist das Spiel zur Blütezeit der Mafia in den 1920ern in keiner geringeren Stadt als Chicago. Man trifft auf viele Gangbosse aber auch Gangster, welche es mit der Zeit für die eigene Gang anzuwerben gilt. Die Bosse will man natürlich aus dem Rennen um die Krone werfen, denn nur einer kann die Nummer eins der Stadt sein. Jeder von ihnen hat seine Vorteile, aber auch Schwächen im Bezug auf Verwaltung von Brauerei, Bar oder Bordellen.

Die Geschichte setzt am Anfang bei einem Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt an, nachdem wir unsere Auswahl getroffen haben. Gleichzeitig kann man auch, wenn man zum ersten mal in Empire of Sin unterwegs ist, sich mit der Zeit alle Funktionen des Spiels in Tutorials erklären lassen. Dies stellt eine enorme Hilfe da und sollte gerade Anfängern das Alltagsleben eine Gangsterbosses sehr vereinfachen. Aber der Entwickler hat es zu gut mit uns gemeint. Man wird geradezu mit sehr viel Text erschlagen, was auch schon etwas Durchhaltevermögen von einem abverlangt. Aber es lohnt sich, wenn man sich die Funktionen des Spiels erklären lässt. Von daher sollte man die anfänglichen Tutorials auf jeden Fall spielen, es erleichtert den Einstieg. Aber dies zieht sich auch in die Länge und man wirkt geradezu mit Informationen überhäuft.

Danach gilt es, erlerntes auch umzusetzen, was wir natürlich mit großer Freude auch angehen möchten. So gilt es nun, Gebäude zu erobern und diese, wenn nötig, auch gegen die Konkurrenz zu verteidigen. Es gibt unterschiedliche Gebäudetypen bzw. Geschäfte, welche man etablieren kann. Will man lieber Alkohol produzieren und diese dann in den Bars oder Casinos verkaufen? Oder will man eher Bordelle etablieren? Man hat die Qual der Wahl und wenn nötig, liegt auch Blei in der Luft. Denn bei dem Strategiespiel dreht sich alles um Alkohol und Kohle aka Geld. Denn letzteres ist am Ende einfach zu wichtig, um an Einfluss zu gewinnen und von daher ist es nötig, seinen eigenen Wirtschaftskreislauf im Auge zu haben. Steigt unser Ansehen in der Stadt, suchen auch die anderen Gangsterbosse das Gespräch mit uns. Aber auch die Polizei wird mit der Zeit und größerem Einfluss natürlich auf uns aufmerksam. Gebäude dürfen wir „aufrüsten“, was auch durchaus von Nöten ist. So kann man die Sicherheit, die Atmosphäre (mehr Umsatz) aber auch Mundpropaganda bis Stufe 5 steigern. Allerdings fällt das managen mit der Zeit sehr schwer, wird durchaus unübersichtlich und man kommt kaum mit dem Leveln der Gebäude hinterher.

In unserem Alltag als Mafiaboss gilt es Gebäude zu erobern, Bündnisse mit anderen Gangstern zu schließen, die eigene Bande vergrößern, Missionen abarbeiten und nebenbei noch unter dem Radar der Polizei bleiben. Sehr viel ist zu beachten und kann allzu schnell negative Auswirkungen haben. Mit der Zeit drücken wir der Stadt unseren persönlichen Stempel auf. Dies bleibt von anderen nicht unbemerkt. Gerade, weil wir auch zu gerne die Konfrontation mit der Konkurrenz suchen und wir deren Gebäude ins Visier nehmen. Denn zu Beginn des Spiels wollen wir erst einmal zur Nummer eins des Stadtviertels aufsteigen. Ein Zwischenstopp auf dem Weg zu absoluter Macht über Chicago.

Quelle: Romero Games, Paradox Interactive, game7days

Also nehmen wir den ersten Gangsterboss unseres Stadtviertels ins Visier und greifen dessen Gebäude an. Dies mag der natürlich nicht und so kommt es früher oder später dazu, was eh mit der Zeit und vorankommen im Spiel unabwendbar ist. Nämlich den Krieg mit ihm oder ihr. Die Messer sind gewetzt und wir und unsere Bande ist zum äußersten entschlossen. Man kann sich gut am Gangsterboss und dessen Abbild am rechten Bildschirm orientieren, wenn wir in den Krieg ziehen oder andere gegen uns. Je nachdem, ob es gut oder schlecht für unseren Clan läuft, kommt es zu Friedensgesprächen oder wir müssen diese selbst anbieten. Aus diesen hätte man mehr rausholen können. Mit der Zeit wirken Gespräche eh sehr monoton und langweilig. Egal bei wem der Konkurrenten man vorstellig wird mit dem vorankommen in den Stadtgebieten. Sie werden nicht ausreichend in Szene gesetzt, was sehr schade ist. Denn jeder der Bosse ist ein Unikat, welcher seine Stärken, aber auch Schwächen hat. Gerade wenn wir uns immer im Kriegszustand mit einer der anderen Banden befinden, bekommen wir in Verhandlungen meist die Währung der Stadt, entweder Alkohol oder Geld angeboten. Mehr Alternativen oder Wendungen wären doch was gewesen, schade. Was zusätzlich im Krieg geschieht, sind oftmals pausenlose Angriffe auf die eigenen Gebäude. Vor allem, wenn noch Verbündete involviert sind, wird es teilweise chaotisch. Sorgt einerseits für Abwechslung, andererseits nervt es, weil man gerade etwas machen möchte und beispielsweise nicht einmal ein Gebäude betreten kann. Geschweige denn, dass man selbst genug damit beschäftigt ist, gut ausgebaute Gebäude zurückzuerobern.

Ein Pakt oder zumindest ein Angebot von einer anderen Verbrecherorganisation liegt auch öfters auf unserem Tisch. Aber diese werden allzu oft auch wieder schnell vom Gegner gelöst. Manchmal sehr zum Unverständnis von uns, da wir nichts gemacht haben. Auch deren Angebote sind eher ein Witz, da wir durchs erobern von Gebäuden von ihnen mehr Macht und Geld erhalten, als diese uns im Gegenzug bieten können.

Ein weiterer guter Orientierungspunkt bieten Missionen bzw. Aufgaben, an welchen man sich recht gut orientieren kann und was man aktuell vielleicht mal in Angriff nehmen sollte. So kommt es vor, dass wir zum Beispiel einen Brief erhalten, einen Auftragsmord ausführen sollen oder uns sonstige Nachrichten zugetragen werden. Auch treffen wir in der Stadt auf die unterschiedlichsten Charaktere, welchen wir helfen oder sie einfach unter die Erde bringen können. Gerade bei Nebenquests ist wieder zu beobachten, dass deren Nutzen bzw. das Geld von ihnen uns nicht wirklich was bringt. Interessant sind diese Geschichten leider meist auch nicht. Auf Bugs trafen wir hier auch, da in einer Mission der weibliche NPC ab einem gewissen Fortschritt leider nicht mehr aufzufinden war.

Also „Back to the roots“. Denn unser Motto lautet anhauen, umhauen abhauen oder erobern. Angriff ist ja eh die beste Verteidigung. So wandert man in seinem bevorzugten Viertel von Gebäude zu Gebäude. Man greift andere Fraktionen an oder übernimmt von NPC`s Gebäude und gewinnt an Macht, Geld und Einfluss im Viertel. Die taktischen Kämpfe bieten eh eine nette Abwechslung. Auch wenn es hier mit der Zeit eher monoton werden wird.

Gerade bei den Kämpfen hat man sich zum Glück an anderen namhaften Titeln wie beispielsweise der XCOM-Serie orientiert, was mir mit den meisten Spaß im Spiel bereitet hat. Der Kampf läuft rundenbasiert ab, indem wir unsere Gruppe gegen die die anderen Gangster ins Gefecht führen. So haben wir die Möglichkeit, unsere Gruppe hinter Gegenständen wie Couch, Tischen, Spieltischen oder sonstigem in einer Voll- oder Halbdeckung in Position zu bringen. Wenn man nun mit der Maus in den markierten Quadraten auf dem Boden fährt, je nach Nähe zum Gegner, erfährt man auch so Prozentwerte, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Treffers des Gegners ist. Taktische Tiefe bieten hier die unterschiedlichen Waffengattungen. Vorne steht ein Gruppenmitglied, welches ein guter Nahkämpfer ist oder mit der Schrotflinte umzugehen weiß. In der hinteren Reihe platzieren wir vornehmlich Gangster mit guten Erfahrungen am Gewehr oder Präzisionswaffen. Aber wir führen auch unseren Boss in den Kampf. Der ist einfach zu stark. Denn mit ihm können wir im Verlauf des Spiels ohne Probleme zu Beginn des Kampfes schon drei bis vier Gegner ausschalten. Egal ob auf der Straße vorm oder dann auch im Gebäude. Der Beginn des Kampfes und dessen Ablauf ähnelt sich mit der Zeit sehr. Gebäude, welche mit bis zu 10 Gegnern ausgestattet sind und man eigentlich mit Widerstand rechnet, nimmt man oftmals schon mit einer 3er-Gruppe problemlos auseinander. Probleme bereiten uns allerdings Fernkämpfer, welche im Umgang mit explosiven Stoffen trainiert sind. Granaten und Sprengstoffe werden problemlos und meist auch sehr genau geworfen. Eine Inspektion des Gegners und dessen Fähigkeiten ist meist unmöglich. Für Abwechslung sorgen die Straßenkämpfe, bei welchen Polizisten, Agenten oder auch andere Fraktionen plötzlich eingreifen können. Aber auch Straßengangster der näheren Umgebung schließen sich gerne dem Kampf an. Meist gegen uns an.

In unserer Gang tummelt sich natürlich nicht der brave Bürger, welcher seiner geregelten Arbeit nachgeht, pünktlich brav seine Steuern bezahlt und mit der Polizei nicht in Konflikt gehört. So gibt es über einen extra Reiter, das „Schwarze Büchlein“, welches man problemlos über den oberen Bildschirmrand jederzeit anwählen kann, unter dem unterschiedlichstem Abschaum der Stadt eine tolle Auswahlmöglichkeit für uns. Ob Sprengmeister, Vollstrecker, Killer, Betrüger oder doch der nette Arzt von nebenan. Hier wird man garantiert fündig werden. Insofern man ihm direkt etwas Geld zahlen kann, ihn am eigenen Profit beteiligt und je nach eigenem Verrufs-Level. Dem Einkauf auf diesem Gangsterbasar sind keine Grenzen gesetzt. Doch aufgepasst. Es kann nämlich auch passieren, dass unsere Konkurrenz hier einkauft und wir im Verlauf des Spiels diesen Spezialisten als Gegner gegenüberstehen. Auch Gangster pflegen Beziehungen untereinander und es kann durchaus vorkommen, dass unser Gruppenmitglied den Gegner gut leiden kann und ihn auf dem Schlachtfeld nicht bekämpfen mag. Oder es werden uns die direkten Folgen vor Kampfantritt im Gebäude in Textform vor Augen geführt, was beispielsweise im Austritt aus unserer Fraktion bedeuten könnte. Auch gab es sogar Bestechungsversuche von einer gegnerischen Fraktion gegenüber meinem Unterboss, was aber Fehlschlug. Hier sind viele tolle Möglichkeiten im Spiel gegeben. Denn man kann bis zu 10 Mitglieder für die eigene Bande anwerben.

Ferner besitzt jeder Gangster, auch der eigene Boss, ein Skill-System, welches ein individualisieren von diesen gestattet. So kann man seine unterschiedlichen Waffenarten und Fähigkeiten, welche man von Beginn an schon hat, durchaus erweitern. Wer hier allerdings eine Herausforderung erwartet, dem ist leider nicht so. Die Fähigkeiten werden aus bis zu dreien einfach ausgewählt und mit fortschreitenden Ingame Tagen einfach erlernt. Man bekommt eine Information hierzu und kann dann schon die nächste auswählen. So werden nach und nach aus bis zu 5 Stufen jeweils eine Fähigkeit ausgewählt für jeden Gangster. Wen wundert es da noch, dass man so auch auf höherem Schwierigkeitsgrad ohne Probleme zu dezimieren. Gegenwehr erfolgt meist leider zu wenig. Da bieten auch die Kampfanimationen und die Bewegung der Charaktere über die Karte wenig Abwechslung, um uns zu begeistern.

Was weiterhin auffällig war, neben den Balance-Problemen, ist auch einfach eine dumme KI. So läuft der Feind einfach zur Schlachtbank und in die Schussbahn, ohne nachzudenken. Oder geht in den Nahkampf, was situationsbedingt einfach Unsinn ist. Auch die Bosskämpfe und die Erstürmung des Unterschlupfes der Gegnerfraktion bereitet zum Großteil wenig Probleme. Trotz Stärke von diesen oder anderen Gangstern oder höheren Gangmitgliedern. Eine Herausforderung bieten diese auch weniger, aber eine nette Abwechslung sind sie schon für uns gewesen. Auch droppen gerade die Bosse durchaus eine einzigartige Waffe und sonstige gute Ausrüstung oder sonstige nützliche Dinge, um die eigene Bande und dessen Mitglieder hochzurüsten. Dies hat dann die Auswirkung, dass man mit der Gruppe meist den Gegner mit einem Schuss oftmals erledigen kann im Verlauf des Spiels. Je nach Fähigkeit und Ausrüstung stellt das eher keine Hürde mehr da irgendwann und marschiert eher problemlos durch seine Gegner.

Unterhalten werden wir im Spiel durchweg durch gute Musik. Situationsbedingt ist dann immer eine Anpassung erfolgt. Natürlich durch Jazzmusik, ein Markenzeichen dieser Zeit. Echt wirken auch die Kleidung der Charaktere, aber auch die Umgebung wirken eben im 1920er Style von Chicago. Auch der Sound der Waffen ist gut umgesetzt. Ob vom Revolver, dem zuschlagenden Schläger oder dem wuchtigen Durchschlag des Gewehrs. Aber auch die Sprengungen von Granaten und ähnlichem wirken sehr realitätsnah. Hier hat man sich wirklich Mühe gegeben, Hut ab. Allerdings wirken Charaktere zwar äußerlich unterschiedlich, aber beim Synchronsprecher hat man wohl gespart, da diese sich oftmals ähneln.

Man kann Empire of Sin schon als ein sehr ambitioniertes Game betrachten. Allerdings bietet es monoton wirkende, trostlose Boss-Gespräche. Eine teilweise dumm agierende KI, ein durchaus durchdachtes Wirtschaftssystem aber auch eine Menge vorhandener Balance-Schwierigkeiten. Das Tutorial erleichtert den Einstig enorm. Versteht man das Ökosystem einmal, kann man es für den eigenen Vorteil gnadenlos (aus-)nutzen. Die Straßen oder auch das innere der Gebäude kennt man mit der Zeit. Mehr Vielfalt und Abwechslung wäre auch hier nett gewesen. Die Polizei führte auch irgendwie keine Razzia bei uns durch. Dafür werden wir aber pausenlos von der gegnerischen Fraktion angegriffen, dass wir selbst nicht einmal mehr ein Gebäude betreten können, wenn wir nicht selbst die Zeit pausieren um so entgegenzuwirken. Für Erfolgsjäger gibt es bei Steam 46 Errungenschaften zu erreichen.

Man darf gespannt sein, wie Empire of Sin mit kommenden Patches als auch eventuell kommenden DLC`s verändert wird. Potential ist vorhanden, was man auch nutzen sollte.

Empire of Sin kann man für den PC, die Xbox One, die Playstation 4 oder die Nintendo Switch erwerben.

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
65 %
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Projektleiter und Redakteur von game7days, ehemals Alpha-Omegagaming seit 2014. Ich betreue die Infrastruktur, als auch die Gewinnspiele der Webseite. Im Großen und Ganzen kümmere ich mich also auch um die Dinge, welche man eben nicht sieht.