Bei Koop-Horrorspielen passiert es ziemlich schnell, dass aus einer eigentlich gruseligen Runde irgendwann nur noch Chaos mit Freunden wird. Einer schreit ins Mikrofon und die anderen lachen darüber. MIMESIS nimmt genau dieses Verhalten und macht daraus einen Teil des Problems. Denn hier können wir uns irgendwann nicht einmal mehr sicher sein, ob die Stimme im Voice-Chat wirklich zu unserem Mitspieler gehört. Die namensgebenden Mimesis beobachten uns, kopieren Stimmen und Verhalten und versuchen anschließend, sich als Mitglied der Gruppe auszugeben. Eine ziemlich einfache Idee eigentlich. In der Praxis entstehen daraus aber Situationen, in denen plötzlich jeder verdächtig wird.
Entwickelt wird MIMESIS von ReLU Games und veröffentlicht gemeinsam mit KRAFTON. Bereits seit Oktober 2025 befindet sich das Spiel auf dem PC im Early Access und wird weiterhin erweitert. Bis zu vier Spieler ziehen gemeinsam los, sammeln Schrott und versuchen damit ihre Tram am Laufen zu halten. Gleichzeitig wartet draußen der verseuchte Regen und natürlich laufen dort noch andere Dinge herum, denen wir lieber nicht begegnen möchten. Gerade in einer vollständigen Vierergruppe zeigt MIMESIS ziemlich schnell, was an der Idee funktioniert. Technisch und beim Umfang merkt man allerdings ebenfalls, dass hier noch weitergebaut wird. Für eine endgültige Bewertung ist es deshalb zu früh.
Wem können wir überhaupt noch glauben?
Die eigentliche Besonderheit sind natürlich die Mimesis. Diese Gegner versuchen nicht einfach nur, uns irgendwo auf der Karte zu erwischen. Sie kopieren Spieler und können sogar deren Stimmen imitieren. Genau dadurch entsteht ein ziemlich seltsames Gefühl. Man läuft gemeinsam durch einen Bereich und eigentlich weiß jeder, wer gerade neben einem steht. Einige Minuten später ist man sich da plötzlich überhaupt nicht mehr so sicher. Besonders wenn sich die Gruppe aufgeteilt hat, beginnt das Misstrauen. Kommt gerade wirklich unser Mitspieler um die Ecke oder steht dort etwas, das nur so aussieht wie er? Noch unangenehmer wird es, wenn auch die Stimme passt. Ein Mikrofon ist deshalb nicht nur sinnvoll, sondern gehört bei MIMESIS zum eigentlichen Spielprinzip.
Gerade die ersten Begegnungen funktionieren richtig gut, weil man noch nicht genau weiß, worauf man achten soll. Wir haben uns mehrfach gegenseitig verdächtigt und manchmal lag die Gruppe damit sogar richtig. Mindestens genauso oft wurde allerdings ein vollkommen unschuldiger Mitspieler behandelt, als wäre er längst ersetzt worden. Daraus entstehen einige der lustigsten Situationen im Spiel. MIMESIS ist deshalb nicht permanent gruselig. Teilweise ist es sogar ziemlich albern. Eine Minute vorher schleicht man noch vorsichtig durch einen dunklen Bereich und kurz danach diskutieren drei Leute darüber, ob der vierte überhaupt noch der vierte ist. Gerade mit Freunden funktioniert dieser Wechsel erstaunlich gut.

Rein da und möglichst wieder zurück
Abseits der Doppelgänger ist der Ablauf relativ schnell verstanden. Gemeinsam verlassen wir die Tram und durchsuchen verschiedene Bereiche nach verwertbarem Schrott. Natürlich möchten wir möglichst viel davon mitnehmen, denn die gefundenen Sachen werden anschließend gebraucht, um weiterzukommen und neue Ausrüstung zu kaufen. Das Problem ist nur, dass jeder zusätzliche Weg auch mehr Risiko bedeutet. Man hat eigentlich schon genug gesammelt und könnte zurückgehen. Dann sieht man irgendwo noch etwas herumliegen und denkt sich, dass dieses eine Teil doch bestimmt noch mitgenommen werden kann. Genau in solchen Momenten geht meistens irgendetwas schief.
Dazu kommt der verseuchte Regen. Spätestens nachts sollte man wieder in der Tram sein, denn draußen wird es dann deutlich unangenehmer. Wer zu viel von dem Regen abbekommt, kann selbst zum nächsten Problem für die Gruppe werden. Dadurch entsteht ein gewisser Zeitdruck, ohne dass ständig eine große Uhr mitten auf dem Bildschirm hängen muss. Irgendwann merkt man einfach, dass es Zeit wird zurückzugehen. Natürlich fehlt dann meistens noch jemand. Also wartet man oder läuft noch einmal los und genau dort beginnen häufig die Geschichten, über die man nach der Runde spricht.
Die Tram ist mehr als nur ein Ausgangspunkt
Zwischen den Ausflügen wird die Tram zum Mittelpunkt der Gruppe. Gesammelter Schrott sorgt dafür, dass wir unsere Möglichkeiten verbessern und neue Ausrüstung kaufen können. Dadurch gibt es einen Grund, während eines Runs nicht nur das absolute Minimum einzusammeln. Mehr Beute bedeutet bessere Möglichkeiten. Gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand beim Versuch, noch ein paar zusätzliche Sachen mitzunehmen, nicht mehr rechtzeitig zurückkommt. Dieses kleine Hin und Her zwischen Vernunft und Gier trägt einen großen Teil des Spiels.
Die Karten werden bei neuen Durchläufen verändert und dadurch funktioniert zumindest nicht jede Runde exakt gleich. Gegner und Fundorte sorgen ebenfalls dafür, dass wir uns nicht komplett auf einen festen Ablauf verlassen können. Trotzdem merkt man nach mehreren Runden natürlich, dass sich bestimmte Situationen wiederholen. Der aktuelle Umfang reicht bereits für einige sehr unterhaltsame Abende. Ob MIMESIS langfristig genauso gut funktioniert, hängt für uns aber stark davon ab, wie viel ReLU Games noch nachliefert. Neue Karten und Monster sind angekündigt und gerade die dürften wichtig werden. Die Mimesis-Idee allein ist stark, sollte aber nicht irgendwann das Einzige sein, das für Überraschungen sorgt.

Zusammenbleiben wäre eigentlich schlau
Theoretisch ist es ziemlich offensichtlich, was man machen sollte: zusammenbleiben. In der Praxis funktioniert das ungefähr fünf Minuten. Einer entdeckt einen anderen Weg und jemand möchte noch schnell etwas einsammeln. Ein weiterer Spieler ist plötzlich verschwunden und irgendwann steht man zu zweit irgendwo herum und fragt sich, wo die anderen eigentlich geblieben sind. MIMESIS profitiert enorm davon, dass Menschen in Koop-Spielen eben nicht immer vernünftig handeln. Würden alle vier Spieler perfekt organisiert nebeneinander durch jedes Gebiet laufen, wäre wahrscheinlich ein großer Teil des Spaßes weg.
Kommunikation wird dadurch extrem wichtig. Gleichzeitig ist genau diese Kommunikation nicht mehr vollständig vertrauenswürdig und darin steckt für uns die beste Idee des Spiels. Normalerweise ist der Voice-Chat in einem Koop-Spiel etwas Sicheres. Wenn ein Freund sagt, dass er hinter uns steht, glauben wir ihm. MIMESIS nimmt einem diese Sicherheit weg. Je länger eine Runde dauert, desto misstrauischer wird man. Irgendwann reicht schon ein etwas merkwürdiger Satz und plötzlich wird diskutiert. Natürlich funktioniert das nicht bei jeder Gruppe gleich gut. Mit zufälligen Mitspielern kann eine Runde komplett anders aussehen. Mit Freunden, deren Stimmen und Eigenheiten man gut kennt, wird es dagegen besonders interessant.

Horror trifft ziemlich schnell auf Blödsinn
Optisch setzt MIMESIS auf eine ziemlich düstere postapokalyptische Welt. Die Umgebungen wirken verlassen und teilweise angenehm unangenehm, ohne ständig mit irgendwelchen offensichtlichen Horrorbildern um sich zu werfen. Besonders wenn man alleine unterwegs ist, funktioniert die Atmosphäre deutlich besser. Dann hört man irgendwo etwas und bleibt automatisch kurz stehen. Sobald wieder die ganze Gruppe zusammen ist, geht davon natürlich einiges verloren. Vier Leute mit Mikrofon schaffen es schließlich ziemlich zuverlässig, jede noch so bedrohliche Situation innerhalb weniger Sekunden zu ruinieren. Bei MIMESIS gehört das aber fast schon dazu.
Beim Sound wird es interessanter, denn Stimmen sind hier eben nicht nur Kommunikation. Sie gehören direkt zum Gameplay und deshalb hört man irgendwann genauer hin als in anderen Koop-Spielen. Technisch läuft noch nicht alles perfekt. Probleme beim Voice-Chat wären bei einem Spiel, das so stark davon abhängig ist, natürlich besonders ärgerlich und auch bei Performance und kleineren Fehlern gibt es noch Raum für Verbesserungen. Der Early Access ist hier nicht nur irgendein Hinweis auf der Shopseite. MIMESIS befindet sich sichtbar noch in Entwicklung und genau so sollte man den aktuellen Zustand auch betrachten.

Fazit
MIMESIS hat eine dieser Ideen, die man innerhalb von wenigen Sekunden erklären kann. Monster kopieren deine Freunde und irgendwann weißt du nicht mehr, wer tatsächlich neben dir steht. Viel komplizierter muss die Grundidee gar nicht sein. Entscheidend ist, was während einer Runde daraus entsteht und genau dort hatten wir einige richtig gute Momente. Besonders wenn sich die Gruppe trennt und später wieder zusammentrifft, beginnt das Misstrauen fast automatisch. Plötzlich wird jeder Satz hinterfragt und manchmal reicht schon eine etwas merkwürdige Bewegung, damit jemand verdächtigt wird.
Der normale Ablauf aus Schrott sammeln und zur Tram zurückkehren ist dagegen wesentlich vertrauter. Hier muss ReLU Games langfristig genügend Abwechslung liefern, damit MIMESIS nicht ausschließlich von seinen Doppelgängern lebt. Neue Karten und weitere Monster können dabei helfen und auch die KI bietet noch einiges an Spielraum. Technisch darf ebenfalls weiter nachgebessert werden. Gerade der Voice-Chat muss zuverlässig funktionieren, weil ohne ihn ein großer Teil der Idee verloren geht.
Im aktuellen Early Access würden wir deshalb noch keine endgültige Wertung vergeben. Dafür kann sich bis zur Vollversion schlicht zu viel verändern. Als Koop-Spiel mit drei Freunden funktioniert MIMESIS aber bereits erstaunlich gut und schafft etwas, das viele andere Vertreter des Genres nicht hinbekommen: Wir misstrauen nicht nur den Monstern, sondern irgendwann auch unseren eigenen Leuten. Und wenn dein Kumpel plötzlich neben dir steht, obwohl du gerade noch seine Stimme aus einem anderen Raum gehört hast, wird aus dem vorherigen Gelächter ziemlich schnell wieder Ruhe.





