Roadhouse Simulator – Test / Review (PC)

Roadhouse Simulator – Review

Eine heruntergekommene Kneipe irgendwo an der Route 66, betrunkene Gäste, rivalisierende Biker und zwischendurch eine gepflegte Schlägerei. Eigentlich fehlen nur noch ein paar kaputte Neonröhren und jemand, der mit einem Stuhl durch das Fenster fliegt. Roadhouse Simulator macht ziemlich schnell klar, dass wir hier keine gewöhnliche Gastronomie-Simulation bekommen. Natürlich müssen Getränke ausgeschenkt und Gäste versorgt werden. Gleichzeitig fliegen aber auch die Fäuste und irgendwann kümmern wir uns um deutlich mehr als nur darum, ob noch genügend Bier hinter der Theke steht. Das Ganze spielt im Universum von Gas Station Simulator und erzählt einen Teil der Vorgeschichte des bereits bekannten Onkels.

Entwickler DRAGO entertainment bleibt dabei ziemlich nah an dem, was schon Gas Station Simulator ausgezeichnet hat. Viele Aufgaben erledigen wir selbst und gerade am Anfang sind wir gefühlt überall gleichzeitig. Ein Gast wartet auf sein Getränk und irgendwo muss sauber gemacht werden. Die Vorräte gehen zur Neige und dann fangen zwei Kerle an, sich daneben zu benehmen. Später können Mitarbeiter einen Teil dieser Arbeit übernehmen und aus der heruntergekommenen Kneipe wird langsam ein deutlich größeres Geschäft. Roadhouse Simulator ist dadurch gleichzeitig Management-Spiel und eine ziemlich chaotische First-Person-Simulation. Nicht alles daran funktioniert gleich gut. Langweilig wurde uns in den ersten Stunden aber eher selten.

Erst Türsteher und irgendwann der Chef

Wir starten nicht direkt als stolzer Besitzer eines gut laufenden Roadhouses. Zunächst stehen deutlich kleinere Probleme an. Der Laden hat seine besten Tage offensichtlich hinter sich und auch die Kundschaft gehört nicht unbedingt zu den Leuten, die nach einem Glas Wasser wieder friedlich nach Hause gehen. Wir übernehmen die Rolle des Onkels aus Gas Station Simulator und erleben einen früheren Abschnitt seines Lebens. Dabei beginnt unser Weg ziemlich weit unten. Bevor wir uns Gedanken über große Erweiterungen machen können, müssen wir erst einmal dafür sorgen, dass der Laden überhaupt vernünftig läuft.

Eine besonders tiefgründige Geschichte sollte man trotzdem nicht erwarten. Sie gibt dem ganzen Chaos einen Rahmen und erklärt, warum wir hier überhaupt gelandet sind. Viel wichtiger ist aber, was zwischen den einzelnen Aufgaben passiert. Roadhouse Simulator lebt von diesen kleinen Situationen, die plötzlich entstehen. Gerade noch räumen wir hinter der Bar auf und wenige Augenblicke später fliegt irgendwo Mobiliar durch die Gegend. Danach liegt jemand auf dem Boden und wir dürfen den ganzen Mist wieder beseitigen. Das ist manchmal ziemlich albern. Das Spiel weiß das aber auch und nimmt sich zum Glück nicht besonders ernst.

Ein großer Teil unserer Zeit geht natürlich für den eigentlichen Betrieb drauf. Getränke müssen ausgeschenkt und die Regale aufgefüllt werden. Später kommen weitere Aufgaben dazu und irgendwann stellen wir sogar eigenen Alkohol her. Dabei unterscheiden sich die Getränke nicht nur durch ihre Optik. Was wir unseren Gästen vorsetzen, kann Auswirkungen auf deren Verhalten haben. Wer ohnehin schon kurz davor ist, Ärger zu machen, braucht vielleicht nicht unbedingt noch das falsche Getränk. Das klingt zunächst nach einer Kleinigkeit, bringt aber etwas mehr Leben in den normalen Ablauf hinter der Theke.

Gerade zu Beginn machen wir vieles noch selbst. Das funktioniert eine ganze Weile überraschend gut, weil ständig irgendeine Kleinigkeit erledigt werden muss. Gleichzeitig kann es ziemlich hektisch werden. Wenn mehrere Gäste etwas wollen und parallel noch ein anderes Problem auftaucht, ist schnell Schluss mit dem gemütlichen Kneipenabend. Später lassen sich Mitarbeiter einstellen. Barkeeper und andere Angestellte übernehmen dann einen Teil der Routinearbeiten und wir können uns stärker um den Ausbau kümmern. Genau dieser Übergang hat uns gefallen. Anfangs kennt man gefühlt jede Flasche persönlich und einige Stunden später läuft zumindest ein Teil des Betriebs auch dann weiter, wenn wir gerade etwas anderes machen.

Irgendwann fliegen die Fäuste

Natürlich bleibt es nicht beim Bier. Rivalisierende Gangs und betrunkene Gäste sorgen regelmäßig dafür, dass wir unsere Rolle als freundlicher Gastgeber kurz vergessen dürfen. Dann wird geprügelt. Ausweichen und im richtigen Moment zuschlagen reicht für die meisten Begegnungen aus. Gerade die ersten Schlägereien sind ziemlich unterhaltsam, weil sie wunderbar zu diesem schmutzigen Roadhouse passen. Möbel gehen kaputt und Personen landen dort, wo sie eigentlich nicht hingehören. Ist alles vorbei, stehen wir anschließend wieder zwischen den Überresten und dürfen aufräumen.

Leider gehört das Kampfsystem zu den Bereichen, bei denen wir uns etwas mehr gewünscht hätten. Die Prügeleien sind funktional, fühlen sich aber nicht besonders präzise an. Nach einigen Kämpfen hat man das Grundprinzip verstanden und wirklich viel Tiefe kommt danach nicht mehr hinzu. Gerade weil das Spiel diesen Teil so prominent präsentiert, fällt das auf. Uns hat das Chaos rund um die Kämpfe häufig besser gefallen als das eigentliche Zuschlagen. Wenn anschließend wieder Möbel repariert und irgendwelche bewusstlosen Typen aus dem Laden geschafft werden müssen, passt das zumindest hervorragend zur Stimmung. Als vollwertiges Actionspiel sollte man Roadhouse Simulator trotzdem nicht betrachten.

Aus der Bruchbude wird langsam etwas

Zum Glück verbringen wir nicht die gesamte Zeit mit Prügeleien. Verdientes Geld fließt wieder in unseren Betrieb und nach und nach lässt sich das Roadhouse erweitern. Neue Stationen kommen hinzu und auch die Belegschaft wächst. Besonders schön ist dabei, dass man die Veränderung tatsächlich sieht. Anfangs betreiben wir einen ziemlich traurigen Laden am Straßenrand. Einige Stunden später sieht die Sache schon anders aus und man merkt, dass die Arbeit nicht nur eine Zahl auf irgendeinem Konto erhöht hat.

Mit der Zeit werden die Möglichkeiten deutlich verrückter. Schweinerennen gehören ebenso dazu wie Glücksspiel und weitere Attraktionen. Sogar ein Untergrund-Fightclub passt irgendwie in dieses ohnehin etwas zweifelhafte Geschäft. Roadhouse Simulator entwickelt sich dadurch langsam weg von einer einfachen Kneipensimulation. Irgendwann verwalten wir eher ein kleines Unterhaltungsimperium für Leute, die offenbar nicht besonders viel Wert auf einen ruhigen Abend legen. Genau diese Entwicklung motiviert. Wir wollten regelmäßig noch genug Geld für die nächste Erweiterung verdienen und haben dann natürlich doch wieder länger gespielt als geplant.

Ganz ohne Konsequenzen können wir unser Geschäft allerdings nicht betreiben. Einige Aktivitäten bewegen sich schließlich nicht unbedingt in einem Bereich, den die örtlichen Behörden besonders gerne sehen. Die Polizei kann auftauchen und dann wird es interessant, wenn im Roadhouse Dinge passieren, die besser niemand genauer untersucht. Kontrollen und mögliche Strafen sorgen dafür, dass wir zumindest gelegentlich darüber nachdenken müssen, was wir gerade treiben.

Daneben spielen auch die verschiedenen Gruppen in der Gegend eine Rolle. Geschäfte und unser Einfluss gehen irgendwann über die eigentliche Bar hinaus. Das bringt etwas Abwechslung in die normalen Arbeitsabläufe und passt gut zu dieser Vorstellung, dass aus dem kleinen Roadhouse langsam mehr wird. Man sollte hier allerdings kein kompliziertes Strategiespiel erwarten. Die Systeme sind relativ leicht verständlich und bleiben zugänglich. Uns war das lieber, als noch drei zusätzliche Tabellen verwalten zu müssen. Roadhouse Simulator funktioniert am besten, wenn wir selbst mitten im Laden stehen und das Chaos direkt erleben.

Route 66 darf ruhig etwas dreckig aussehen

Optisch gewinnt Roadhouse Simulator sicher keinen Preis für die technisch beeindruckendste Darstellung des Jahres. Das muss es aber auch nicht. Der schmutzige Laden und die staubige Umgebung passen zum Szenario. Dazu kommen Neonlichter und jede Menge Gegenstände, die spätestens nach der nächsten Schlägerei ohnehin nicht mehr dort stehen, wo sie vorher waren. Gerade das Roadhouse selbst bekommt mit zunehmendem Ausbau deutlich mehr Persönlichkeit. Wenn wir nach mehreren Stunden zurückblicken, ist der Unterschied zum Anfang gut sichtbar.

Ganz ohne technische Macken kommt das Spiel allerdings nicht aus. Figuren verhalten sich gelegentlich etwas merkwürdig und nicht jede Animation sieht besonders sauber aus. Bei einem Spiel mit vielen gleichzeitig laufenden Abläufen entstehen außerdem immer wieder kleinere Situationen, bei denen irgendetwas nicht ganz so funktioniert, wie es sollte. Wirklich zerstört hat uns das den Spielspaß nicht. Es passt fast schon ein wenig zu dieser Sorte Simulation, bei der ohnehin ständig Chaos herrscht. Trotzdem hätten wir uns an einigen Stellen etwas mehr Feinschliff gewünscht. Besonders das Kampfsystem würde davon profitieren.

Beim Sound bekommt man genau das, was man von einer heruntergekommenen Kneipe an der Route 66 erwartet. Stimmen und Umgebungsgeräusche sorgen dafür, dass im Laden eigentlich immer etwas los ist. Besonders während eines gut besuchten Abends entsteht dadurch eine angenehm chaotische Geräuschkulisse. Man hört irgendwo einen Gast und gleichzeitig passiert hinter einem schon wieder etwas anderes. Der Sound trägt damit stärker zur Atmosphäre bei, als wir zunächst erwartet hatten. Wirklich herausragend ist er nicht, zum Szenario passt er aber.

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Unsere Meinung

Roadhouse Simulator ist alles andere als eine nüchterne Gastronomie-Simulation – und genau darin liegt ein großer Teil seines Charmes. Getränke ausschenken, Gäste bedienen und den Laden Stück für Stück ausbauen funktioniert schon für sich genommen ordentlich. Interessant wird es aber vor allem dann, wenn das geplante Tagesgeschäft wieder einmal völlig aus dem Ruder läuft. Prügeleien, dubiose Geschäfte und sogar Schweinerennen sorgen dafür, dass wir nie ganz sicher sind, was als Nächstes passiert. Später nehmen uns Mitarbeiter einen Teil der Routinearbeit ab und aus dem einfachen Job hinter der Theke wird zunehmend die Aufgabe, ein immer größeres Roadhouse am Laufen zu halten.
Allerdings merkt man auch, dass DRAGO entertainment viele Ideen gleichzeitig unterbringen möchte. Nicht jedes System besitzt die nötige Tiefe, die normalen Arbeitsabläufe wiederholen sich irgendwann und gerade das Kampfsystem hätte deutlich mehr Feinschliff vertragen können. Kleinere technische Macken kommen ebenfalls hinzu. Trotzdem hatten wir mit unserem heruntergekommenen Roadhouse mehr Spaß als erwartet. Wer schon die Mischung aus Arbeit, Ausbau und kontrolliertem Chaos in Gas Station Simulator mochte, dürfte sich schnell heimisch fühlen. Nur ein paar Ersatzstühle sollte man besser immer griffbereit haben.
Unsere Gesamtbewertung
74%

„Nicht besonders sauber, nicht besonders tief – aber herrlich chaotisch und überraschend unterhaltsam.” – game7days

Pro Contra
  • Unterhaltsame Mischung aus Gastronomie und Chaos
  • Motivierender Ausbau des eigenen Roadhouses
  • Spürbare Entwicklung vom Türsteher zum Betreiber
  • Mitarbeiter reduzieren später die Routinearbeit
  • Viele unterschiedliche Tätigkeiten
  • Abgedrehte Ereignisse lockern den Arbeitsalltag auf
  • Schweinerennen und dubiose Geschäfte sorgen für Abwechslung
  • Typischer „nur noch eine Erweiterung“-Effekt
  • Fans von Gas Station Simulator finden sich schnell zurecht
  • Kampfsystem benötigt deutlich mehr Feinschliff
  • Einige Mechaniken wirken noch recht grob
  • Normale Arbeitsabläufe wiederholen sich mit der Zeit
  • Kleinere technische Macken
  • Nicht alle Systeme besitzen genügend Tiefe
  • Für Fans realistischer Gastronomie-Simulationen nur bedingt geeignet
Name: Roadhouse Simulator
Genre: Simulation, Management
USK/PEGI: – / –
Entwickler: DRAGO entertainment
Publisher: DRAGO entertainment
Plattform: PC
Veröffentlichung: 21.September 2026
Webseite: Steam
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Roadhouse Simulator wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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