Manchmal braucht es für eine Spielidee keine große Geschichte. Bei Game Market Mayhem reicht ein Meteorit. Der schlägt ausgerechnet beim Spieleladen unseres Onkels ein und hinterlässt dort ein ziemliches Durcheinander. Der Laden selbst steht noch, von einer vernünftigen Sortierung kann danach allerdings keine Rede mehr sein. Spiele liegen kreuz und quer auf dem Boden und wir bekommen die Aufgabe, diesen riesigen Haufen wieder in Ordnung zu bringen. Immerhin gibt es dafür einen guten Grund. Schaffen wir die Arbeit innerhalb der vorgegebenen Zeit, gehören uns anschließend 50 Prozent des Geschäfts. Andere Leute würden vermutlich eine Versicherung anrufen. Wir sortieren stattdessen mehrere tausend Spielepackungen.
Hinter Game Market Mayhem steckt Poisonic Studio und bereits nach wenigen Minuten wird klar, dass hier niemand versucht, eine komplexe Wirtschaftssimulation rund um einen Spieleladen zu bauen. Kunden beraten, Preise kalkulieren oder den nächsten großen Verkaufshit bestellen gehört nicht zu unseren Aufgaben. Wir räumen auf. Das klingt zunächst ziemlich unspektakulär und ist spielerisch tatsächlich sehr einfach gehalten. Trotzdem entwickelt sich schnell dieser Effekt, den gute Sortier- und Aufräumspiele brauchen. Vor uns liegt ein komplettes Chaos und irgendwann sehen die ersten Regale tatsächlich wieder vernünftig aus. Eigentlich wollten wir nur noch diese eine Ecke fertig machen. Danach lag aber direkt daneben noch ein Stapel herum und schon waren wieder 20 Minuten weg.
Mehr als 5.000 Spiele wollen zurück ins Regal
Insgesamt liegen 5.120 Spieleboxen im Laden herum. Die müssen wir nicht einfach irgendwo unterbringen, sondern nach Plattform und Genre sortieren. Dafür gibt es mit PC, Slashstation, Pbox und Nignetho vier offensichtlich nicht ganz zufällig benannte Systeme. Welche Box wohin gehört, lässt sich anhand ihrer Gestaltung und Farbe erkennen. Nach einer kurzen Eingewöhnung geht das ziemlich schnell ins Blut über. Box aufnehmen, kurz anschauen und ab damit zum richtigen Regal. Bei einzelnen Spielen überlegen wir anfangs noch. Später läuft vieles automatisch und genau dann beginnt Game Market Mayhem angenehm vor sich hin zu plätschern.
Besonders schön ist dabei der sichtbare Fortschritt. Zu Beginn sieht der Laden wirklich übel aus. Überall liegen Spiele und man weiß kaum, an welcher Ecke man anfangen soll. Eine Stunde später sind plötzlich ganze Bereiche frei und die ersten Regale sehen so aus, wie sie eigentlich aussehen sollten. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist für diese Art Spiel aber entscheidend. Wir brauchen keine große Belohnung auf dem Bildschirm, wenn wir einfach zurückschauen können und sehen, dass der Boden wieder sichtbar ist. Genau daraus zieht das Spiel einen großen Teil seiner Motivation.

Irgendwann wird nicht mehr jede Box einzeln getragen
Zum Glück erwartet Game Market Mayhem nicht, dass wir sämtliche 5.120 Spiele auf exakt dieselbe Weise einzeln durch den Laden tragen. Für das Einsortieren bekommen wir Erfahrungspunkte und damit lassen sich nach und nach Fähigkeiten freischalten. Eine der ersten wichtigen Verbesserungen betrifft unsere Tragfähigkeit. Statt ständig wegen einiger weniger Boxen zwischen Chaos und Regal hin und her zu laufen, können wir später ganze Stapel mitnehmen. Das beschleunigt die Arbeit deutlich. Vor allem fühlt es sich nach den ersten langsameren Runden ziemlich gut an, plötzlich mit einem absurd hohen Turm aus Spielepackungen durch den Laden zu laufen.
Später wird es noch etwas verrückter. Mit den Vacuum Hands lassen sich Gegenstände aus größerer Entfernung zu uns ziehen und dann gibt es noch Fähigkeiten wie die Magnetic Bomb. Spätestens hier verabschiedet sich Game Market Mayhem endgültig von irgendeinem Anspruch auf Realismus. Uns hat das überhaupt nicht gestört. Im Gegenteil. Würden wir wirklich mehrere tausend Boxen nur mit den anfänglichen Möglichkeiten sortieren, wäre aus der entspannenden Beschäftigung irgendwann vermutlich ein zweiter Job geworden. Die stärkeren Fähigkeiten verändern das Tempo deutlich und sorgen dafür, dass wir später nicht mehr jeden Handgriff aus den ersten Stunden wiederholen müssen.
Das Fortschrittssystem ist dabei angenehm überschaubar. Wir verbringen nicht ständig Zeit in Menüs und müssen auch keine komplizierten Builds zusammenstellen. Neue Fähigkeiten sollen uns vor allem schneller machen. Das reicht vollkommen aus. Gerade bei einer so einfachen Grundidee wäre ein riesiger Skilltree eher störend gewesen. Ein bisschen mehr Auswahl hätten wir uns trotzdem gewünscht. Manche Verbesserungen fühlen sich wesentlich wichtiger an als andere und entsprechend offensichtlich ist teilweise, wohin die Punkte zuerst wandern.

Das richtige Spiel muss trotzdem ins richtige Regal
Trotz der späteren Hilfsmittel verschwindet das eigentliche Sortieren nicht vollständig. Plattform und Genre bleiben wichtig und gerade bei einem größeren Stapel kann man nicht einfach alles blind in das nächste freie Regal werfen. Das gibt der ansonsten sehr simplen Arbeit zumindest eine kleine Denksportkomponente. Nach einer Weile kennen wir allerdings viele Farben und Zuordnungen auswendig. Dann schauen wir teilweise nur noch kurz auf eine Box und wissen bereits, wohin damit. Dieser Moment ist überraschend befriedigend. Anfangs suchen wir noch nach dem richtigen Platz und später bewegen wir uns ziemlich selbstverständlich durch den Laden.
Genau hier zeigt sich aber auch die größte Schwäche des Spiels. Am Ende sortieren wir eben Spiele. Sehr viele Spiele. Wer nach der ersten Stunde keine Freude an diesem Ablauf hat, wird auch später nicht plötzlich ein vollkommen anderes Spiel entdecken. Die Fähigkeiten beschleunigen die Arbeit und machen sie komfortabler, ändern aber nichts an der grundlegenden Aufgabe. Bei längeren Sitzungen haben wir deshalb irgendwann gemerkt, dass die Konzentration nachlässt. Dann landet eine Box im falschen Bereich oder wir laufen zum wiederholten Mal denselben Weg. Eine Pause hilft erstaunlich viel. Game Market Mayhem hat uns in kürzeren Sitzungen deutlich besser gefallen als bei dem Versuch, mehrere Stunden am Stück Ordnung in das Chaos zu bringen.

Der Zeitdruck passt nicht immer zur gemütlichen Idee
Ganz ohne Druck läuft die Sache allerdings nicht ab. Unser Onkel hat schließlich eine Bedingung gestellt und entsprechend spielt die verfügbare Zeit eine Rolle. Das ist ein etwas merkwürdiger Gegensatz zur ansonsten sehr entspannten Ausrichtung. Einerseits möchte Game Market Mayhem dieses gemütliche Gefühl vermitteln, bei dem wir einfach vor uns hin sortieren. Andererseits hängt über der ganzen Aktion eben doch die Wette mit unserem Onkel. Gerade am Anfang haben wir deshalb stärker darauf geachtet, wie schnell wir vorankommen.
Mit besseren Fähigkeiten verliert das etwas an Schrecken. Sobald größere Stapel getragen und Gegenstände aus der Entfernung eingesammelt werden können, geht die Arbeit wesentlich schneller von der Hand. Uns hätte trotzdem auch ein Modus gefallen, bei dem wir wirklich überhaupt keinen Zeitdruck haben. Einfach Musik anmachen und den Laden Stück für Stück aufräumen, ohne dass im Hintergrund irgendeine Bedingung wartet. Das würde sehr gut zu dieser Art Spiel passen. Wer dagegen gerne möglichst effizient arbeitet, bekommt durch die Zeitvorgabe zumindest einen zusätzlichen Anreiz, seine Wege besser zu planen.

Ein Spieleladen zum Wohlfühlen
Optisch bleibt Game Market Mayhem ziemlich schlicht. Der Laden ist bunt und die unterschiedlichen Spieleboxen lassen sich gut voneinander unterscheiden. Das ist wichtiger, als es zunächst klingt. Wenn mehrere tausend Gegenstände sortiert werden müssen, darf man nicht jedes Mal lange rätseln, was man gerade in der Hand hält. Die Farben helfen dabei enorm. Nach einiger Zeit erkennt man bestimmte Gruppen bereits aus einigen Metern Entfernung und kann seinen nächsten Stapel entsprechend planen.
Große grafische Überraschungen sollte man dagegen nicht erwarten. Das Spiel sieht sauber aus und erfüllt seinen Zweck. Mehr muss es eigentlich auch nicht. Der spannendste optische Effekt entsteht ohnehin durch unsere eigene Arbeit. Am Anfang schauen wir auf einen Laden, in dem gefühlt nichts dort liegt, wo es hingehört. Später stehen die Boxen sauber in den Regalen und plötzlich sieht das Ganze tatsächlich nach einem Spielemarkt aus. Diesen Vorher-Nachher-Effekt bekommt Poisonic Studio gut hin. Wir sind mehrfach einfach durch bereits fertige Bereiche gelaufen und haben uns angeschaut, was wir dort vorher angerichtet beziehungsweise beseitigt hatten.
Auch akustisch bleibt das Spiel eher zurückhaltend. Das passt zur entspannten Grundstimmung. Nach längerer Zeit haben wir allerdings irgendwann unsere eigene Musik nebenher laufen lassen. Das ist nicht unbedingt Kritik. Game Market Mayhem gehört für uns einfach zu diesen Spielen, die sich wunderbar mit einer Playlist oder einem Podcast verbinden lassen. Man braucht nicht ständig volle Aufmerksamkeit und kann trotzdem weiterarbeiten. Gerade abends hatte das einen erstaunlich beruhigenden Effekt.

Technisch bleibt alles angenehm unkompliziert
Technisch verlangt Game Market Mayhem dem PC nicht besonders viel ab. Das passt natürlich zu der recht einfachen Präsentation. Wichtig ist bei einem solchen Spiel ohnehin etwas anderes. Wenn wir hunderte Gegenstände einsammeln und verschieben, muss die Interaktion zuverlässig funktionieren. Größere Probleme hatten wir damit während unserer Spielzeit nicht. Gelegentlich kann es etwas fummelig werden, wenn mehrere Boxen sehr dicht beieinanderliegen. Mit zunehmenden Fähigkeiten verliert dieses Problem allerdings an Bedeutung, weil wir irgendwann ohnehin nicht mehr jedes einzelne Spiel so mühsam aufheben müssen wie zu Beginn.
Die Steuerung ist schnell verstanden und braucht kaum Eingewöhnungszeit. Das Spiel unterstützt außerdem Controller, wobei uns Maus und Tastatur bei der Auswahl und beim Sortieren besser gefallen haben. Große Einstellungsorgien sind ebenfalls nicht nötig. Starten und loslegen beschreibt das Ganze ziemlich gut. Bei einem Spiel, das hauptsächlich davon lebt, dass wir in einen Arbeitsrhythmus kommen, ist das definitiv die richtige Entscheidung.
Unsere Meinung
Game Market Mayhem macht aus einer denkbar einfachen Aufgabe erstaunlich viel. Mehr als 5.000 Spiele liegen im Laden herum und wir räumen sie wieder in die Regale. Das klingt zunächst nach Beschäftigungstherapie, entwickelt aber schnell diesen typischen „das hier machen wir noch fertig“-Effekt. Besonders gut funktioniert dabei der ständig sichtbare Fortschritt. Wo eben noch hunderte Boxen auf dem Boden lagen, ist plötzlich wieder Platz und die Regale füllen sich langsam. Fähigkeiten wie größere Stapel oder Vacuum Hands kommen genau zum richtigen Zeitpunkt und verhindern, dass die enorme Menge an Spielen komplett in Arbeit ausartet.
Auf Dauer kann das simple Konzept seine Wiederholungen allerdings nicht verstecken. Nach einigen Stunden kennt man den Rhythmus ziemlich genau und zusätzliche Aufgaben, besondere Sammlerstücke oder kleine Geheimnisse im Laden hätten für mehr Abwechslung sorgen können. Poisonic Studio konzentriert sich stattdessen fast vollständig auf das Sortieren. Dadurch bleibt Game Market Mayhem angenehm unkompliziert, verschenkt aber auch Potenzial. Wer schon bei Bunker Tidy Up Spaß daran hatte, aus völligem Chaos langsam wieder Ordnung zu machen, dürfte trotzdem erstaunlich schnell wieder ein paar Stunden zwischen virtuellen Spielepackungen verlieren.
„Mehr als 5.000 Spiele aufräumen klingt nach Arbeit – erstaunlicherweise macht genau das verdammt viel Spaß.” – game7days
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