Es gibt Spiele, bei denen wir die Welt retten, ganze Armeen besiegen oder wenigstens versuchen, irgendeine große Geschichte zu überleben. Und dann gibt es Bunker Tidy Up. Hier stehen wir in einem vollkommen zugestellten Bunker und sollen aufräumen. Mehr als 17.000 Gegenstände liegen herum und warten darauf, endlich dort zu landen, wo sie hingehören. Das klingt zunächst weniger nach einem Spiel und mehr nach einer Aufgabe, die man seit Monaten im eigenen Keller vor sich herschiebt. Trotzdem hat diese unglaublich einfache Idee etwas. Ein Raum sieht am Anfang aus wie eine Katastrophe und einige Zeit später stehen Lebensmittel, Medikamente und Werkzeuge ordentlich in den Regalen. Man sieht also ständig, was man geschafft hat. Und genau das hat uns länger beschäftigt, als wir anfangs gedacht hätten.
Tovarishch Games versucht dabei gar nicht erst, aus dem Aufräumen irgendein kompliziertes Spiel zu machen. Es gibt keinen Zeitdruck und auch niemanden, der uns für schlechte Arbeit bestraft. Gegner laufen ebenfalls keine durch den Bunker. Wir können uns also in Ruhe umsehen und mit dem Chaos anfangen, wo wir möchten. Das macht Bunker Tidy Up zu einem dieser Spiele, die wunderbar nebenbei funktionieren können. Musik an, vielleicht noch etwas auf dem zweiten Monitor laufen lassen und los geht es. Allerdings besitzt diese Ruhe auch eine andere Seite. Wer mit dem Sortieren an sich nichts anfangen kann, wird hier ziemlich schnell feststellen, dass danach nicht plötzlich noch ein komplett anderes Spiel wartet.
Irgendjemand hat hier ordentlich Chaos hinterlassen
Beim ersten Blick auf den Bunker weiß man eigentlich gar nicht, wo man anfangen soll. Überall liegen Vorräte herum. Auf dem Boden stapeln sich Dinge und in den Regalen herrscht ebenfalls nicht unbedingt Ordnung. Also fangen wir einfach irgendwo an. Gegenstände aufnehmen, herausfinden, wohin sie gehören und anschließend ab ins richtige Regal. Lebensmittel kommen zu Lebensmitteln und Medikamente landen natürlich nicht zwischen Werkzeugen oder Büchern. Das Spiel macht daraus kein kompliziertes Rätsel. Meistens ist relativ schnell klar, wo etwas hingehört. Wird doch einmal das falsche Regal erwischt, merken wir das ebenfalls sofort.
Das klingt banal und ehrlich gesagt ist es das auch. Trotzdem funktioniert dieses Aufräumen erstaunlich gut. Am Anfang sieht man kaum einen Unterschied, weil überall noch Zeug herumliegt. Irgendwann wird der Boden aber sichtbar leerer. Die ersten Regale sind fertig und plötzlich sieht ein Raum tatsächlich wieder nach einem Lager aus. Genau dieser Moment hat bei uns immer wieder funktioniert. Man nimmt sich eigentlich nur noch diese eine Ecke vor. Danach steht da hinten allerdings noch eine Kiste herum. Wenn wir schon dabei sind, können die paar Sachen daneben schließlich auch noch weg. Aus fünf Minuten werden dann ziemlich schnell 20 oder 30. Wer solche Aufräumspiele kennt, dürfte ziemlich genau wissen, was wir meinen.


Tausende Gegenstände sind irgendwann auch einfach tausende Gegenstände
Bunker Tidy Up wirbt nicht ohne Grund mit der enormen Menge an herumliegenden Vorräten. Mehr als 17.000 einzelne Sachen müssen im Verlauf ihren Platz finden. Anfangs ist diese Zahl noch beeindruckend und das Chaos beinahe schon lustig. Später bekommt sie allerdings eine andere Bedeutung. Denn egal wie entspannend das Sortieren sein kann, irgendwann haben wir eben schon verdammt viele Dosen, Flaschen und andere Kleinteile aufgehoben. Das Spiel erfindet den Ablauf unterwegs nicht komplett neu. Wer nach zwei Stunden keine Freude daran hat, wird wahrscheinlich auch nach fünf Stunden nicht plötzlich begeistert sein.
Uns hat vor allem geholfen, Bunker Tidy Up nicht stundenlang am Stück zu spielen. Für eine halbe Stunde oder einen ruhigen Abend funktioniert das Konzept deutlich besser. Dann nimmt man sich einen neuen Bereich vor und sieht danach tatsächlich einen Fortschritt. Bei längeren Sitzungen kann sich dagegen eine gewisse Müdigkeit einschleichen. Besonders wenn nur noch Kleinkram herumliegt und man mehrfach durch bereits aufgeräumte Bereiche läuft, um die letzten Sachen zu finden. Da wird aus dem entspannenden Aufräumen irgendwann doch Arbeit. Das ist wahrscheinlich die größte Schwäche des Spiels und gleichzeitig etwas, das sich bei diesem Konzept kaum vollständig vermeiden lässt.


Zum Glück müssen wir nicht alles einzeln schleppen
Ganz ohne Fortschrittssystem geht es dann doch nicht. Während wir den Bunker aufräumen, bekommen wir Möglichkeiten, unsere Arbeit etwas angenehmer zu gestalten. Besonders wichtig ist dabei, wie viele Gegenstände wir gleichzeitig mitnehmen können. Anfangs geht das Ganze entsprechend gemächlich voran. Später lassen sich deutlich größere Mengen bewegen und damit verändert sich auch das Tempo. Dazu kommt ein Magnet, mit dem sich mehrere Gegenstände einsammeln lassen. Gerade wenn irgendwo noch ein ganzer Haufen Kleinkram liegt, möchten wir diese Hilfe irgendwann wirklich nicht mehr missen.
Das Upgrade-System ist allerdings kein riesiger Fähigkeitenbaum, in dem wir lange über unsere nächste Entscheidung nachdenken. Es ist eher eine kleine Belohnung dafür, dass wir weitermachen. Und das passt eigentlich ganz gut. Bunker Tidy Up braucht keine 40 Fähigkeiten oder verschiedene Charakterklassen. Trotzdem hätten wir uns im späteren Verlauf noch ein paar zusätzliche Verbesserungen gewünscht. Irgendwann ist ein großer Teil der wirklich interessanten Helfer freigeschaltet und danach bleibt hauptsächlich die eigentliche Arbeit übrig. Gerade bei dieser Menge an Gegenständen hätte ein etwas längerer Fortschritt für zusätzliche Motivation sorgen können.


Der Bunker bleibt eben ein Bunker
Optisch sollte man ebenfalls keine großen Überraschungen erwarten. Wir verbringen unsere Zeit in einem unterirdischen Bunker und entsprechend dominieren Beton, Metall, Regale und Lagerbereiche das Bild. Trotzdem hat die Umgebung ihren eigenen Charme. Vor allem der Unterschied zwischen einem völlig zugestellten und einem fertig aufgeräumten Raum macht viel aus. Am Anfang sieht alles nach einer einzigen Katastrophe aus. Später stehen die Vorräte ordentlich an ihrem Platz und wir können tatsächlich sehen, was wir in den letzten Stunden gemacht haben. Bei einem Spiel über das Aufräumen ist genau das wichtiger als besonders spektakuläre Grafik.
Etwas mehr Abwechslung bei der Umgebung hätte trotzdem nicht geschadet. Wir bewegen uns eben die ganze Zeit durch denselben Bunker. Eine große Geschichte, die uns regelmäßig in neue Bereiche oder komplett andere Schauplätze führt, gibt es nicht. Hier hätten ein paar kleinere Überraschungen gutgetan. Vielleicht Räume, die sich stärker voneinander unterscheiden oder etwas mehr darüber erzählen, was an diesem Ort eigentlich passiert ist. Es gibt zwar Kleinigkeiten zu entdecken, daraus entwickelt sich aber keine Geschichte, die uns wirklich durch das Spiel zieht. Wer gehofft hat, beim Aufräumen nebenbei ein großes postapokalyptisches Geheimnis aufzudecken, sollte seine Erwartungen entsprechend etwas herunterschrauben.


Kopfhörer auf und einfach sortieren
Beim Sound hält sich Bunker Tidy Up angenehm zurück. Die Musik begleitet uns, ohne permanent Aufmerksamkeit zu verlangen und genau das passt zu dieser Art Spiel. Dazu kommen die Geräusche beim Aufheben und Einsortieren. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist bei mehreren tausend Wiederholungen aber gar nicht so unwichtig. Wenn sich schon das Einsortieren selbst schlecht anfühlen würde, wäre das komplette Konzept ziemlich schnell erledigt. Stattdessen entsteht nach einiger Zeit ein Rhythmus. Einsammeln, zum passenden Regal laufen, Sachen loswerden und weiter.
Technisch hatten wir auf dem PC keinen Grund, große Ansprüche an unsere Hardware zu stellen. Ein Spiel wie Bunker Tidy Up lebt ohnehin weniger von spektakulären Effekten als davon, dass die Interaktion sauber funktioniert. Gerade beim Aufheben vieler Gegenstände darf die Bedienung nicht ständig im Weg stehen. Ganz perfekt ist sie nicht und hin und wieder hätten wir uns gewünscht, bestimmte Aktionen etwas schneller erledigen zu können. Mit den späteren Verbesserungen wird der Ablauf aber deutlich angenehmer. Controller werden ebenfalls vollständig unterstützt, wobei uns Maus und Tastatur bei der direkten Auswahl kleinerer Gegenstände besser gefallen haben.
Unsere Meinung
Bunker Tidy Up gehört wahrscheinlich zu den einfachsten Spielen, die wir in letzter Zeit getestet haben – und genau das funktioniert überraschend gut. Der Bunker ist voller Gerümpel und wir räumen ihn auf. Mehr braucht es eigentlich nicht. Gerade in den ersten Stunden entwickelt das Sortieren und Freiräumen aber einen erstaunlichen Sog. Aus einem völlig zugestellten Raum langsam wieder einen ordentlichen Bereich zu machen, ist ungemein befriedigend. Mehrmals wollten wir eigentlich aufhören und haben dann doch noch das nächste Regal leergeräumt.
Gleichzeitig wird aus dieser simplen Stärke irgendwann die größte Schwäche. Wer bereits tausende Gegenstände sortiert hat, kennt die Abläufe und längere Sitzungen können entsprechend eintönig werden. Mehr unterschiedliche Räume, ein umfangreicheres Fortschrittssystem oder etwas mehr Geschichte hätten dem Bunker gutgetan. Trotzdem funktioniert das Spiel als ruhige Aufräum-Simulation erstaunlich lange. Kein Zeitlimit macht Druck und niemand zwingt uns zur Eile. Man setzt sich seine eigenen kleinen Ziele – und aus „dieses Regal noch“ wird erstaunlich schnell „das daneben machen wir auch noch“.
„Erstaunlich simpel, erstaunlich befriedigend – manchmal reicht eben schon ein leerer Boden.” – game7days
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