Wolfenstein: Youngblood – Test / Review (PC)

Wolfenstein gehört zur (deutschen) Spielegeschichte wie das Amen in der Kirche. Vor allem die früheren Wolfenstein-Teile waren einerseits beliebt und andererseits, wegen der Zensur, nicht unbedingt gemocht. Hier schieden sich die Geister. Inzwischen wurde in der Hinsicht im Bezug auf diverse Symbole aus der damaligen Zeit und auch bzgl des Zensur in den Spielen einiges geändert. Daher gibt es eine deutsche Version und eine internationale Version. In der deutschen Version erwartet die Spieler eine ungeschnittene Version mit deutscher Sprachausgabe, allerdings gibt es dort keine Hakenkreuze. Bei der internationalen gibt es diese und auch die ungeschnittene Version, aber dafür keine deutsche Synchronisation. Wir haben uns für unseren Review die deutsche Version des Spiels angeschaut, um euch in diesem Review darüber berichten zu können!

Wölfe jagen immer im Rudel!

Kaum sind wir im Spiel, befinden wir uns in einer Videosequenz wieder oder sollten wir vielmehr sagen, in verschiedenen Sequenzen. B.J. Blazkowicz, welcher in beinahe ausnahmslos allen Wolfenstein-Teilen der Protagonist der Story war, befindet sich mit seiner Tochter Soph auf der Jagd, während sich seine Frau Anya um das Nahkampf-Training mit Sophs Zwillingsschwester „Jess“ kümmert.

Nach einem kleinen Szenenwechsel befinden wir uns im Jahr 1980 und B.J ist verschwunden. Selbst seine Frau Anya und die Zwillinge wissen nicht wohin. Auch wenn Anya ihn am liebsten suchen würde, will sie dies nicht tun, da sie sonst die Zwillinge alleine lassen müsste. An einem Tag kommt Grace Walker, die Chefin des FBI zu Besuch und bringt ihre Tochter Abby mit, welche wortwörtlich im technischen Bereich ein Genie zu sein scheint. Durch eine Art Abhörgerät erfahren die beiden Zwillinge von dem Dachgeschoss und das B.J dort eine Art „Einsatzzentrale“ genutzt hat und das Foto einer Person, welche sich augenscheinlich in Paris befinden soll. Aus diesem Grund kapern Abby und die Zwillige den Helikopter von Grace und machen sich auf dem Weg nach Frankreich.

Dort angekommen treffen sie auf den örtlichen Widerstand, welcher es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen das Regime zu kämpfen. Dort bekommen sie die Hilfe dabei, herauszufinden, wo genau B.J zu finden sein soll: Im Labor X. Diese Hilfe erlangen die beiden Mädels in erster Linie durch Juju, die Frontfrau des Widerstands.

Um dorthin zu gelangen, stehen aber die drei Regime-Stützpunkte im Weg:

  • Bruder 1
  • Bruder 2
  • Bruder 3

Zu allen müssen sich die Zwillinge Zutritt verschaffen, um den Zugang zu den Datenzentren darin zu erhalten und den Weg ins Labor X herauszufinden. Allerdings ist vieles in Wolfenstein: Youngblood nicht so, wie es scheint.

Töten macht uns stärker

Im Gegensatz zu anderen Wolfenstein-Teilen gibt es bei Wolfenstein: Youngblood ein Levelsystem. Dieses macht sich natürlich auch bei den Quests bemerkbar, die ebenfalls ein Mindestlevel besitzen, da sie sonst zu schwer sein würden. Um ein höheres Level zu erreichen, kann man natürlich Nebenquests erfüllen oder einfach wild Regime-Soldaten über den Haufen schießen. Durch jeden Stufenanstieg steigt euer Waffenschaden um 2% an und man erlangt sowohl durch das Level Up, als auch durch Nebenquests Skill-Punkte, welche ihr in den 3 Skillbäumen „Verstand“, „Stärke“ und „Macht“ investieren könnt. Macht euch keine Gedanken darum, dass ihr etwas falsches skillen könntet, denn im Verlauf der Zeit ist es möglich, alle Skills freizuschalten. Diese Skills gewähren euch beispielsweise mehr Gesundheit oder eine höhere Schildkapazität, das Tragen von schweren Waffen, die Verbesserung der Gesten oder andere Fähigkeiten oder positive Vorteile.

Auch sammelt man unterwegs Silbermünzen, welche man auch bei Nebenquests erhält. Diese benötigt ihr für eines neues Aussehen eures Anzugs, eures Helmes, für neue Gesten und am meisten für die Verbesserung der Waffen. Hier gibt es 3 verschiedene „Verbesserungsmöglichkeiten“: Den Stier, die Nadel und das Tempo. Pro Waffe ist es möglich, diese an 5 unterschiedlichen Einzelteilen wie dem beispielsweise dem Lauf zu verbessern. Verbessert man bei einer Waffe 3 der 5 Einzelteile mit einem der oben genannten Möglichkeiten, gewährt dies der Waffe einen Bonus. Rüstet man das Kugelgewehr, eine Art Shotgun, komplett mit der Stierverbesserung aus, verursacht diese Waffe permanent mehr Waffenschaden sowohl durch die Verbesserung ansich als auch durch den Setbonus. Mit der Tempo-Verbesserung ist die Schussrate verbessert und mit der Nadelverbesserung sind stärkere Headshots möglich.

Auch die Gesten haben hier im Spiel ihre Daseinsberechtigung. Hier gibt es viele verschiedene und man kann für beide Zwillinge eine unterschiedliche Geste auswählen. Einige der Gesten gewähren beiden Zwillingen ein „Schild“, andere heilen sowohl Soph als auch Jess und wieder andere verringern die Abklingzeit diverser Fähigkeiten. Durch die Deluxe-Edition haben wir neben Skins für den Helm, die Rüstung und die Waffen auch eine Extra-Geste bekommen, die man sich sonst erst mit einer Menge Ingame-Währung freischalten müsste. Diese gewähnt beiden Charaktern eine vollständige Aufladung des Schilds. Es ist auch möglich, diese Gesten im Skillbaum zu verbessern, dass diese eine geringere Abklingzeit besitzen und auf weitere Entfernung funktionieren bis zu 50 Meter.

Waffen, Gegner und die Qual der Wahl

In Wolfenstein: Youngblood gibt es eine breite Anzahl an verschiedenen Gegnern, die euch ans Leder wollen. Hier gibt es rangniedrige normale Soldaten, die wirklich nur als Schießbudenfiguren taugen, über Selbstmord-Hunde bis hin zu 5-10 Meter hohen Mechs, die euch mit Raketen oder Laserstrahlen einheizen. Das wäre ja ansich kein Problem, denkt ihr vermutlich, da man einfach nur länger draufballern muss. Dies ist aber nur zum Teil richtig.

Das liegt an den unterschiedlichen Rüstungsarten, welche wir als „Strich“ oder „Viereck“ betitelt haben, um das Ganze etwas zu vereinfachen. Diese Rüstung sieht man hinter dem Lebensbalken des Gegners und beschreibt, welche Munition wir nutzen müssen, um die Rüstung zu beseitigen. Jede Waffe hat eine festgelegte Munition, welche auf dem Bildschirm unten links angezeigt wird. Versucht garnicht erst, ein starkes Schild mit einer nicht geeigneten Waffe wegzuschießen, da dies nicht oder nur sehr langsam funktioniert.

Es empfiehlt sich unserer Meinung nach zumindest 2 Waffenarten häufig zu spielen, um diese aufzuwerten. Ja, ihr lest richtig. Man kann in Wolfenstein: Youngblood sogar die Waffen aufwerten. Dies nennt sich „Meisterschafts-Rang“ und er erhöht sich, wenn man mit der Waffe eine bestimmte Anzahl an Feinden beseitigt. Der maximale Rang der Waffe beträgt 25. Durch jede Rangerhöhung erhält die Waffe ebenfalls Bonusschaden und mit dem höchsten Rang wären dies zusätzliche 100%. Levelt daher eine Waffe auf die maximale Stufe, welche die Strich-Munition benutzt und eine, welche die viereckige beinhaltet, um immer einen Vorteil gegen verschiedene Gegner zu haben.

Sinnvoll ist es aber auf jeden Fall, alle Möglichkeiten zu nutzen, die das Spiel euch bewegungstechnisch bietet. Springt auf höhere Positionen, nutzt die Deckung, rutscht über den Boden, nutzt eure Wurfmesser oder schleicht euch hinter Feinde, um diese direkt auszuschalten. Macht euch vor dem Kampf einen Überblick über die Feinde und beseitigt zuerst die Kommandanten. Diese sind dafür verantwortlich, bis zu einem bestimmten Punkt immer weiter Verstärkung anzufordern. Dies kann zwar zum Leveln sinnvoll sein, aber wenn man nur zu einer Quest gehen möchte, kann dies auf Dauer stören.

Das bringt uns zu einem Negativpunkt des Spiels. Der Respawn ist an einigen Stellen zu extrem. Man kann gefühlt 2 Minuten später wieder zu einem bereits „geclearten“ Gebiet laufen und alle Gegner sind wieder da, auch wenn es vielleicht andere sein können. Dies nimmt dem Spiel in mancherlei Hinsicht definitiv den Spielfluss und senkt mit Absicht die Spielgeschwindigkeit.

Verschiedene Wege, verschiedene Richtungen

Das bringt uns zum Design der Gebiete in Wolfenstein: Youngblood. Genau dieses Leveldesign erinnert einen in mancherlei Hinsicht sofort an das Spiel Dishonored und vermutlich hat man sich auch an diesem Spiel orientiert, da an einer Stelle im Spiel ein Easter Egg diesbezüglich gefunden werden kann.

Es gibt Möglichkeiten, sich im Untergrund fortzubewegen, was eine separate „Map“ im Spiel ist, man kann über Dächer klettern, durch Häuser weitergelangen und vieles mehr. Das Besondere ist, dass die Zwillinge keinen Fallschaden nehmen und daher beinahe alles möglich ist. Wir empfehlen aber nicht, einfach schnurstracks durchzulaufen, sondern alles abzusuchen. Hier findet ihr neben Silbermünzen auch Sammelobjekte wie 3D Brillen, Lesbares, Videokassetten oder andere Objekte, welche ihr euch im Menü genauer anschauen könnt. Besonders interessant sind aber die Disketten, welche ihr an einem Terminal entschlüsseln müsst. Darin stehen wichtige Informationen oder auch Keycodes, welches ihr benötigt, um versperrte Truhen öffnen zu können.

Besonders interessant, wichtig und neu sind aber auch die Extra-Leben, welche sich in großen Kisten befinden, die ihr nur zu zweit öffnen könnt. In Wolfenstein: Youngblood teilen sich die Zwillinge das Leben. Wenn ein Zwilling kritisch verletzt auf dem Boden liegt, kann der andere Zwilling diese dann wieder „aufheben“. Stirbt allerdings eine der beiden, steht diese ebenfalls wieder von selbst auf. Das jedoch verbraucht ein sogenanntes Leben. Von diesen können Jess und Sophie insgesamt 3 besitzen. Sind alle Leben verbraucht, startet das Level komplett von vorne. Achtet also immer darauf, eure Leben am „Cap“ zu halten.

Ansich sind die Level aber wirklich schön designt. Je nach Gebiet warten zerstörte oder alte Gebäude auf uns, High Tech Gebilde, Untergrund-Kanalisationen oder auch einmal ein großes Luftschiff, welches wir von einem Regime-Anführer befreien müssen. Besonders klasse fanden wir hier die verschiedenen Details wie Suchplakate, Werbung fürs Regime, Cafe-Tische und Stühle außerhalb, eine Tribüne mit Sitzplätzen davor… es gibt eine Menge zu sehen, wenn man einmal genauer hinschaut!

Mädchen für alles

Dieser Spruch ist nicht einmal böse gemeint. Wie bereits gesagt gibt es neben den Hauptmissionen auch Nebenmissionen und davon garnicht einmal so wenig. Schön fanden wir hier, dass sich die Nebenquests immer voneinander unterscheiden und einen des öfteren wieder in die bereits besuchten Gebiete schicken. Wir empfehlen auf jeden Fall, alle Nebenquests zu machen, da diese nunmal eine Menge Erfahrungspunkte, Silbermünzen und Skillpunkte gewähren. Alle Quests werden im Untergrund-Hauptquartier angenommen und befinden sich anschließend in eurem Questlog.

Nun solltet ihr euch an den Metro-Plan begeben, was eure Reisestation in Wolfenstein: Youngblood darstellt. Dort seht ihr nun die einzelnen Stadtteile bzw. Gebiete und auch, welche Quests dort erledigt werden können. In diesen Gebieten kommt es häufig vor, dass ihr kleinere Nebenaufgaben zugeteilt bekommt, welche euch ebenfalls Erfahrungspunkte gewähren. Dies wäre beispielsweise das Platzieren einer Autobombe, das Abhören des Telefons oder das finden einer Enigma-Maschine. Liegen diese auf eurem Weg, nehmt sie mit. Müsstet ihr allerdings einen weiten Umweg laufen, empfehlen wir dies euch nicht.

Was wir allerdings raten würden, in jedem Gebiet alle für euer Level machbaren Quests zu erfüllen, um nicht jedes mal hin und her reisen zu müssen, um Zeit zu sparen. Nach jeder abgeschlossenen Mission oder bei dem Gebietswechsel speichert das Spiel im übrigen selbstständig. Manuelles Speichern ist hier nicht möglich.

Rudel oder einsamer Wolf

Das erste mal ist es möglich, die Story eines Wolfenstein-Teils im Koop zu erleben. Dies empfehlen wir auch auf jeden Fall, da sich damit der Spielspaß unserer Meinung noch einmal erhöht. Allerdings bekommt nur der Host des Spiels den Fortschritt gutgeschrieben. Lediglich die Silbermünzen und Levelaufstiege bleiben dem Mitspieler erhalten.

Ihr könnt natürlich einen Freund zum Mitspielen einladen, über die Suche einem Random-Spieler beitreten oder aber auch den sogenannten Buddy-Pass nutzen, welchen Besitzer der Deluxe-Edition gewährt wird. Mit diesem ist es möglich, dass ein Freund bei euch mitspielt, ohne das Spiel selbst zu besitzen. Wir empfehlen euch nur direkt, nicht über die Suche einem Spiel beizutreten, wenn ihr die Story noch nicht abgeschlossen habt, denn ihr könnt in jede Mission geschickt werden und euch damit selbst spoilern. Zumal man mit dem jeweiligen Level in dem Gebiet eventuell noch nichts verloren haben könnte.

Habt ihr jedoch keine Lust, mit anderen zusammen zu spielen, übernimmt die Steuerung euer Zwillingsschwester die KI. Diese stellt sich in den meisten Fällen ganz passabel an und in vielen Fällen reagiert diese sogar sehr intelligent. Gelegentlich kann es aber vorkommen, dass sie sich auf einer Stelle fest“buggt“. Lauft dann einfach weiter, irgendwann folgt sie euch dann auch. Je nach Schwierigkeitsgrad werden natürlich auch die Gegner stärker. Hiervon gibt es insgesamt 7 verschiedene, aber ich muss sagen, dass Wolfenstein: Youngblood in vielerlei Hinsicht einfacher ist als die anderen Wolfenstein-Teile der Reihe!

Was kommt danach?

Was passiert nach dem Ende der Geschichte, welches wir euch natürlich nicht spoilern möchten… Nun, die Zwillinge verbleiben in Paris, können weitere, neu Nebenquests erfüllen oder auch tägliche und wöchentliche Aufgaben erfüllen, um euch EXP und Silbermünzen zu verdienen. Auch könnt ihr jetzt noch fehlende Sammelobjekte suchen. Die verbliebene Quest im Questlog könnte auf eine Fortsetzung hindeuten, da diese als Vorbereitung dienen soll.

Auch levelt man nach der Geschichte weiter, die Waffen können immer noch verbessert werden und es empfiehlt sich, alle Gesten zu erwerben und Tutorial-PCs zu suchen, um einen 100% Spielstand erreichen zu können. Wer natürlich keine Lust auf das Freischalten von Skins oder ähnlichem hat, kann dies selbstverständlich auch über Echtgeld erledigen.

Alles in allem kann man mit Wolfenstein: Youngblood eine spaßige Zeit haben, vor allem dann, wenn man im Multiplayer Modus spielt. Allerdings sollte man hier keine Unterhaltung für hunderte Stunden erwarten.

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
73 %
QuelleWolfenstein: Youngblood
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Bevor ich das neue Online-Gamingmagazin Alpha-Omegagaming mit aufgebaut habe / am Aufbauen bin, war ich ca. 2 Jahre bei Game2gether als Redakteur dabei. Toni und ich haben uns nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen, ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen. Meine Interessen liegen hauptsächlich im MMO und RPG Bereich.