Ungefähr 24 Jahre ist es nun her, dass der erste Teil von Need for Speed für DOS, SEGA und 3DO erschienen ist. Knapp zwei Jahre später im Jahre 1996 wurde das Spiel auch für den PC veröffentlicht. Seither folgten innerhalb der kommenden Jahre weitere Teile der Need for Speed Reihe unter unterschiedlichen Entwicklern und Publishern. Am 10.November war es nun endlich soweit, dass Need for Speed Payback von dem Entwickler Ghost Games und dem Publisher Electronic Arts für Playstation 4, Xbox One und PC veröffentlicht wurde. Wir haben uns das Spiel genauer angeschaut, um euch in diesem Review darüber berichten zu können.

Rache ist süß

Die Geschichte von Need for Speed Payback wird nicht wie in den alten Teilen per realen Zwischensequenzen erzählt, sondern mit einer äußerst real wirkenden Ingame-Grafik als Video dargestellt. Im Grund genommen ist die Story leicht erklärt. Es handelt sich um eure außeinander gerissene Crew, welche sich wieder zusammen finden muss, um sich an dem Organisation namens „The House zu rächen. Die drei Autodiebe, die nebenbei noch an illegalen Straßenrennen teilnehmen, sind auf diese Organisation natürlich nicht gut zu sprechen. Ansich ist die Story relativ simpel gestrickt und das Gameplay läuft am Ende ohnehin auf Autorennen, Unfälle und gewaltige Explosionen hinaus. Die ganze Geschichte findet im übrigen im virtuellen, umbearbeiteten Las Vegas statt. Des Weiteren wirken die Darsteller ziemlich unrealistisch und versuchen gezwungen „cool“ zu wirken.

Drive alone

Auch wenn die Geschichte und die Protagonisten relativ unrealistisch wirken, heißt dies ja nicht zwingend, dass die komplette Spielwelt genauso sein muss. Im Gegenteil. Wir können durchaus behaupten, dass die offene Spielwelt in der virtuelle Stadt „Fortune Valley“ grafisch sehr detaillreich und aufwendig gestaltet wurde. Auch wenn die zu befahrenen Strecken ziemlich weitläufig erscheinen, heißt das nicht, dass die Welt zu groß geraten ist, dass es auf Dauer eintönig werden würde. Dies hat Electronic Arts gut umgesetzt und die Fahren kommen daher ziemlich abwechslungsreich und thematisch daher.

Auch sieht mich nicht nur Hochhäuser, sondern besucht im Laufe der Zeit große Gebirge, Berglandschaften, kleine Vororte, große Städte und auch ländliche Gebiete, sodass es immer eine Abwechslung gibt. Was jedoch nicht so gut gelungen ist, sind die dargestellten Straßen, die man allerdings nicht befahren kann und welche daher nur zur Deko dienen.

Die Überschrift „Drive Alone“ ist deswegen relativ passend gewählt, da wir keine NPCs auf den Fußgängerwegen gesehen haben und auch andere Autofahrer sind eine Seltenheit. Lediglich an wenigen Stellen sieht man ein Wagen am Rand stehen oder vorbei fahren, was dem Spiel ansich einen relativ „leeren“ Eindruck verleiht.

Qual der Wahl

Zum aktuellen Zeitpunkt gibt es in Need for Speed Payback ca. 80 Autos, welche sich alle unterschiedlich fahren. Für jeden Spieler dürfte hier die richtige Wahl dabei sein. Es gibt Mittelklassewagen, schnelle Rennwagen oder auch Luxuskarossen. Jedoch müssen wir hier erwähnen, dass man bei jedem Auto durch das richtige Tuning die Leistung und das Aussehen verbessern bzw. verändern kann, wodurch sich die Gewinnchancen von Mittelklassewagen in Rennen merkbar erhöhen.

Allerdings muss man beachten, dass nicht jeder Wagen für einen Rennen geeignet ist. In unserer Garage finden alle bereits freigeschaltetet und gekauften Wagen, welche sich in 5 Kategorien untergliedern lassen:

  • Offroad
  • Runner
  • Drift
  • Racer
  • Drag

Wir persönlichen finden Drift und Drag-Fahrzeuge nicht geeignet, um Rennen zu gewinnen. Dies liegt unter anderem daran, dass diese von der Steuerung schwieriger zu händeln sind und das Driften ziemlich ungenau wirkt. Runner, Racer und Offroad Fahrzeuge sind hier wegen der leichteren Steuerung schon eher geeignet und das Rennen fahren macht dadurch auch mehr Spaß. Wir haben aber auch gemerkt, dass das Tuning definitiv Auswirkungen auf das Fahrverhalten der verschiedenen Autokategorien haben kann.

Aufmotzen und verbessern

Dass das Tuning Autos extrem verbessern kann, haben wir ja bereits erwähnt. Leider müssen wir hier aber auch sagen, dass das Tuning-System Electronic Arts nicht so gut gelungen ist, wie es hätte sein können. Zunächst einmal ist es nicht so wie in den früheren Need for Speed-Teilen, dass man erspieltes Geld für diese Verbesserungen ausgeben kann. Stattdessen erhält man bei jedem Sieg eine Karte, welche im Spiel auch „Speed Card“ genannt wird.

Diese Speed Cards sind zufallsbasiert und gelten immer nur für ein bestimmtes Auto. Mit den Karten lässt sich aber auch nur ein zufällig festgelegter Punkt verbessern und man kann nicht wie früher entscheiden, was man aufbessern möchte. Benötigt man die jeweilige Speed Card nicht, kann diese also nicht für andere Autos genutzt werden. Stattdessen ist man gezwungen, sie entweder aufzuheben oder für Ingame-Geld einzutauschen. Dadurch wirkt das Tuning-System ziemlich glücksbasierend, da wir hier keine wirkliche Entscheidungsfreiheit haben.

Wer dennoch bestimmte Teile des Autos tunen möchte, ist daher entweder auf Glück angewiesen oder er muss mit dem Geld neue Speed Cards im Ingame Shop erwerben, welche natürlich auch wieder zufallsbasiert sein werden. Viele Spieler vermuten nun natürlich denn Sinn dahinter, dass Electronic Arts ihre Mikrotransaktionen „pushen“ wollen, da man mit diesen „Lieferungen“ erwerben kann. Diese Lieferboxen werden auch kurz und knapp als Lootboxen bezeichnet. Darin enthalten sind neben Geld auch optische Verbesserungen und spezielle Speed Cards enthalten. Aufgrund vieler Beschwerden hat Electronic Arts inzwischen auch ein Update veröffentlicht, durch welches man mehr Geld und Lootboxen erspielen kann. Außerdem erhält nun auch mehr Ruf durch die Rennen.

Allerdings muss man nach wie vor Grinden, um gewünschte Verbesserungen erhalten zu können. Dies geschieht für gewöhnlich durch das Wiederholen von bereits abgeschlossenen Rennen. Dazu wird man auf eine gewisse Art und Weise auch gezwungen, da die Hauptmissionen nicht gerade als leicht bezeichnet werden können und diese auch nur mit stark verbesserten Fahrzeugen schaffbar sind. Ein positiver Aspekt an der ganzen Geschichte ist allerdings, dass man die optischen Veränderungen auch ohne Echtgeld nutzen kann.

Frei von Vorschriften und Regeln

Durch die ersten Need for Speed Teile dürften sich die meisten Spieler noch daran erinnern, dass man des Öfteren die Polizei hinter sich sich bemerkt hat und man diese im Rennen abhängen wollte. Dieses mal jedoch gibt es jedoch keine Polizei außerhalb von den Hauptmissionen, bei welchen festgelegt ist, ob die Polizei darin vorkommt. Bei diesen Momenten geht es meist darum, den Gesetzeshütern durch geschickte Manöver und einen gewagten Fahrstil bis zu einem gewissen, integrierten Punkt zu entkommen, um die Mission zu gewinnen. Schade ist allerdings wiederum, dass die Polizei bei dem jeweiligen Punkt sofort automatisch verschwindet.

Bei dieser Verfolgungsjagd kann man bei einigen Stellen leider nicht selbst agieren, wie es früher der Fall war. Bei Sprüngen über Rampen oder Abgründen können wir dies leider nur als kurze Videosequenz verfolgen und diese nicht selbst durchführen, auch wenn wir dies gerne tun wollen würden. Immerhin werden diese kurzen Sequenzen in verschiedenen Kamerawinkeln dargestellt, was uns allerdings nicht darüber hinweg tröstet, dass wir diese Aktionen nicht selbst durchführen können.

Spiel, Spaß und Sammeln

Was wäre ein Spiel in der heutigen Zeit ohne Sammelgegenstände. Auch neben den verschiedenen Rennen gibt es eine Menge zu tun. Dies gilt beispielsweise für das Sammeln von Tokens, dem Erfüllen von Mini-Herausforderungen indem wir durch leuchtende Bögen fahren müssen und auch für das Zerstören von Werbeschildern. Auch Stunts gehören zu den Mini-Herausforderungen hinzu. Hierzu zählen Sprünge, Driften, Radarfallen durch hohe Geschwindigkeiten überlisten und andere Kleinigkeiten. Auch wenn es solche Minispiele bereits in anderen Spielen gab, machen diese dennoch Spaß und regen zum Weiterspielen an. Abgesehen davon verlängern sie die Spieldauer.

Deutlich mehr Zeit nimmt allerdings das Sammeln von legendären Auto in Anspruch. Diese findet man bei langem Suchen auf der kompletten Map in Einzelteilen verstreut. Damit dies keine zu lange Angelegenheit werden würde, erhält man bei speziellen Rennen auch Hinweise und Tipps, wo sich die restlichen Wrackteile in etwa befinden. Dieses Suchspiel bringt noch eine gewisse Abwechslung neben den anstrengenden Rennen mit sich, was unter anderem an der Suchaufgabe und auch an dem Erreichen der Wrackteile liegt, welche sich teilweise an höher gelegenen Orten befinden. Diese können nur durch risikoreiche Sprünge erreicht werden. Allerdings empfehlen wir jedem, diese Herausforderung dennoch anzunehmen, da diese Autos natürlich zu den Besten im Spiel gehören.

Mehrspieler-Action

Auch zu einem Rennspiel gehört natürlich ein Multiplayer-Modus. Dieser wurde im Großen und Ganzen sehr gut umgesetzt, auch wenn er nach einer Weile etwas eintönig erscheinen kann. Man wählt bei einem Rennen nun aus, ob man dieses im Ranglisten-Spiel oder einfach nur aus Spaß an der Freude bestreiten will, welches dann natürlich keinen Einfluss auf eure Wertung hat. Diese Rennen werden wie auch in der Kampagne in verschiedene Kategorien unterteilt und wir können frei entscheiden, ob wir gegen Freunde oder andere unbekannte Spieler antreten möchten. Wie bereits erwähnt, ist es aber durchaus möglich, dass nach einer Weile die Luft raus ist und der Multiplayer-Modus erstmal keinen Spaß mehr macht, weil die Abwechslung fehlt.

Das Gute daran ist, dass es im Vergleich zu den alten Need for Speed Spielen keine Online-Pflicht mehr gibt und man abgesehen von den Multiplayer-Rennen alles im Singleplayer-Modus auch offline erleben kann.

Technisch auf einem hohen Niveau

Need for Speed Payback wurde auf der Frostbite-Engine entwickelt und das Spiel sieht in der offenen Welt sehr realistisch aus. Lediglich die Darstellung der Hauptfiguren ist Electronic Arts nicht so gut gelungen.

Die Performance dürfte auf den meisten Mittelklasse-PCs flüssig laufen. Wir konnten mit unserem System keine Mikroruckler oder Grafikfehler bemerken. Auch die FPS blieb stetig auf 60 FPS und Einbrüche haben wir so keine bemerkt. Was uns gut gefallen hat, ist das Verschwimmen der Seiten bei einem Hochgeschwindigkeitsrennen und die detaillreiche Darstellung der Gegend.

Auch über den Sound konnten wir uns nicht beschweren. Hier wurden wie bei den alten Need for Speed Teilen gute Lieder ausgewählt, welche auch zum aktuellen Geschehen passen. Die Soundeffekte waren ebenfalls in Ordnung.

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
68 %
QuelleNeed for Speed Payback
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Ich betrachte neben Sport das Zocken schon seit den Atari VCS Zeiten und Pong begeistert als ein Hobby. Nach meinen gesammelten Erfahrungen bei Thelyn-Ennor und Game2gether startete ich mit Nadine zusammen im April 2014 das Alpha-Omega Projekt.