Vor mehr als zehn Jahren machte ein kleines Ein-Mann-Projekt erstmals auf sich aufmerksam und sorgte für Staunen in der Community. Kaum jemand hätte damals gedacht, dass daraus einmal ein vollwertiges Action-RPG entstehen würde, das von Ultizero Games entwickelt und am Ende von Sony Interactive Entertainment veröffentlicht werden sollte. Lange blieb unklar, wann das Spiel tatsächlich erscheinen würde, und die Erwartung stieg von Jahr zu Jahr. Nun ist es endlich soweit: Lost Soul Aside ist offiziell erhältlich. Was euch im Abenteuer rund um Kaser und seinen Drachenbegleiter Arena erwartet und ob sich der Kauf lohnt, könnt ihr in diesem Review nachlesen!
Eine Welt im Chaos – Kasers Reise zwischen Pflicht und Verlust
Die Handlung von Lost Soul Aside beginnt mit einer klassischen, fast schon archetypischen Ausgangslage, die im Verlauf mit Fantasy-Elementen und persönlicher Tragik verflochten wird. Im Mittelpunkt steht Kaser, ein junger Kämpfer, der in einer zerrissenen Welt seinen Platz sucht. Er wird hineingezogen in einen großen Konflikt, der von politischen Spannungen, Rebellenbewegungen und einer mysteriösen Invasion geprägt ist. Besonders tragend ist die Beziehung zu seiner Schwester Louisa, die für ihn mehr ist als nur ein Nebencharakter im Hintergrund. Als die feindlichen Voidrax in die Welt einfallen, eskaliert die Lage endgültig, und Kaser sieht sich mit Kräften konfrontiert, die seine bisherigen Vorstellungen von Gut und Böse infrage stellen. Im Zuge dieser Ereignisse tritt auch Lord Arena auf, ein dracheähnliches Wesen, das sich mit Kaser verbindet und ihm neue Fähigkeiten verleiht. Damit setzt das Spiel nicht nur auf eine Rettungsmission, sondern auch auf die persönliche Auseinandersetzung mit Verantwortung und Macht.
Die Erzählweise stützt sich stark auf Zwischensequenzen, die mal spektakulär inszeniert, mal überraschend leise daherkommen. Inhaltlich konzentriert sich die Story weniger darauf, völlig neue Ideen ins Genre zu bringen, sondern eher auf bekannte Motive, die mit reichlich Pathos und Effekten ausgeschmückt werden. Kritisch betrachtet schafft es die Handlung nicht immer, ihre Figuren emotional so greifbar zu machen, dass man dauerhaft mitfiebert. Dennoch sind die Grundpfeiler stabil genug, um das Interesse zu halten und die Motivation für den nächsten Abschnitt zu nähren. Es ist eine Geschichte, die sich eher als Hintergrund für die Action versteht, als dass sie selbst die Hauptrolle übernimmt. Wer sich auf diesen Fokus einlässt, wird zwar kein Meisterwerk erleben, aber zumindest eine solide Rahmung für das, was Lost Soul Aside im Kern sein möchte: ein stilvolles Action-Spektakel.
Spektakel ohne Umwege
Spielmechanisch verfolgt Lost Soul Aside eine klare Linie: Es will schnelles, packendes und visuell beeindruckendes Action-RPG-Gameplay bieten. Schon nach den ersten Minuten fällt auf, dass der Titel den Spieler kaum mit Erklärungen überfrachtet, sondern ihn direkt in den Spielfluss hineinwirft. Das Erkunden der Areale geht nahtlos in die Kämpfe über, und dank der intuitiven Steuerung gelingen bereits zu Beginn spektakuläre Aktionen. Kaser kann verschiedene Waffentypen einsetzen und zwischen ihnen wechseln, was dem Gameplay eine große Dynamik verleiht. Die Transformationen und Fähigkeiten, die er von seinem Begleiter Arena erhält, fügen weitere Ebenen hinzu. Dadurch entsteht ein Spielgefühl, das irgendwo zwischen bekannten Genregrößen wie Devil May Cry und Final Fantasy XV angesiedelt ist, ohne jedoch deren narrativen Anspruch zu übernehmen.
Trotz all dieser Stärken offenbart das Spiel in seiner Struktur Schwächen. Viele Abschnitte folgen einem festgelegten Ablauf, der kaum Raum für freies Erkunden lässt. Spieler bewegen sich von einem Korridor in den nächsten, treffen auf Gegnergruppen und schließen die Passage mit einem kleinen Belohnungsobjekt ab. Es wirkt manchmal so, als sei die Welt lediglich eine Kulisse für die Kämpfe, weniger eine eigenständige Spielumgebung. Auch technisch macht sich das bemerkbar: Ladezeiten und kurze Ruckler beim Wechseln in Menüs stören den Rhythmus, gerade auf dem PC. Dennoch ist es dieser Mix aus unkompliziertem Einstieg und spektakulärem Spielfluss, der Lost Soul Aside trotz seiner Macken unterhaltsam macht. Man spürt, dass hier der Fokus konsequent auf Action gelegt wurde, und genau das liefert der Titel auch.
Stylische Kombos und Drachenkräfte
Das Herzstück von Lost Soul Aside ist ohne Zweifel das Kampfsystem. Schon nach kurzer Zeit entfaltet es seine ganze Wucht, wenn Kaser mit blitzschnellen Bewegungen Gegner zerlegt und Kombos aneinanderreiht, die sich in spektakulären Choreografien entladen. Die Steuerung ist so ausgelegt, dass selbst Einsteiger schnell erste Erfolgserlebnisse feiern können, während erfahrene Spieler durch geschicktes Timing und den Einsatz mehrerer Waffentypen noch deutlich mehr aus dem System herausholen. Besonders markant ist die Möglichkeit, zwischen unterschiedlichen Waffenarten zu wechseln, ohne den Fluss des Kampfes zu verlieren. Arena-Powers bringen zusätzliche Variationen und lassen sich eindrucksvoll in die Abfolgen einbauen. Damit wirkt jede Auseinandersetzung wie ein Tanz, der zwischen Angriff, Ausweichen und Spezialmanövern balanciert.
Trotz dieser Stärken zeigt sich auch hier, dass Quantität nicht immer gleich Qualität ist. Die Zahl der Gegner, die teilweise in Wellen auf den Spieler einstürmen, ist so hoch, dass viele Kämpfe ihre Intensität verlieren und in Routine abgleiten. Manche Gegner halten außerdem zu viel Schaden aus, wodurch sich Duelle eher wie langatmige Geduldsspiele anfühlen. Das schmälert den Spaß an den ansonsten hervorragend inszenierten Gefechten. Dennoch: Wenn das System seine Stärken ausspielt, gehören die Kämpfe zu den besten Momenten des Spiels. Sie sind schnell, wuchtig und visuell spektakulär – genau das, was man sich von einem Action-RPG in dieser Tradition erhofft.
Schöne Kulisse oder leere Bühne
Das Leveldesign orientiert sich an klassischen Strukturen, die man vor allem aus Actionspielen der 2000er kennt. Die Areale sind weitgehend linear aufgebaut und führen von einem Abschnitt zum nächsten, ohne viele Abzweigungen oder alternative Wege. Das sorgt für eine klare Orientierung, nimmt dem Spiel aber auch ein Stück weit die Möglichkeit, echte Entdeckerlust zu erzeugen. Statt weitläufiger Erkundungen oder freier Entscheidungen läuft vieles nach demselben Muster ab: eine Schlacht, eine Passage, ein Zwischenspeicherpunkt, und das Ganze beginnt von vorn. Der Fokus liegt also eindeutig auf den Kämpfen und weniger auf dem Erkunden einer lebendigen Spielwelt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass es dem Leveldesign an Schauwerten mangelt. Im Gegenteil: Die Umgebungen sind visuell äußerst eindrucksvoll gestaltet. Zerstörte Städte, weitläufige Landschaften und futuristisch anmutende Ruinen wechseln sich ab und verleihen dem Spiel eine abwechslungsreiche Kulisse. Leider bleiben diese Welten jedoch häufig Kulisse im wörtlichen Sinne – sie sehen großartig aus, bieten aber nur wenig Interaktivität. Man bewegt sich durch sie hindurch wie über eine Bühne, die für die nächste Actionsequenz vorbereitet wurde. Das reicht, um die Augen zu beeindrucken, doch Spieler, die Wert auf eine tiefergehende Welt legen, werden hier schnell merken, dass Lost Soul Aside sein Augenmerk woanders setzt.
Gigantische Duelle als Höhepunkt
Ein besonderes Highlight stellen die Bosskämpfe dar, die in Lost Soul Aside immer wieder als Höhepunkte inszeniert werden. Diese Begegnungen bringen eine spürbare Steigerung im Anspruch mit sich und zwingen euch, das Kampfsystem wirklich zu beherrschen. Oft wechseln die Bosse zwischen verschiedenen Phasen, was nicht nur optisch beeindruckend aussieht, sondern auch spielerisch Abwechslung bietet. Ausweichmanöver, gezieltes Blocken und schnelle Waffenwechsel sind in diesen Momenten entscheidend, um erfolgreich zu sein. Der Nervenkitzel, wenn ein gewaltiger Gegner die Arena dominiert, ist einer der Momente, in denen das Spiel sein Potenzial am besten ausspielt.
Allerdings wiederholen sich auch hier einige Muster. Nicht jeder Bosskampf schafft es, sich völlig neu anzufühlen, und mitunter erkennt man das Schema schon nach wenigen Minuten. Dadurch verlieren manche Auseinandersetzungen etwas an Spannung. Dennoch gehören die großen Duelle zu den stärksten Momenten des Spiels, weil sie das Zusammenspiel aus Steuerung, Inszenierung und audiovisueller Wucht perfekt zusammenführen. Wer Spaß an fordernden Kämpfen hat, wird sich an diesen Stellen besonders wohlfühlen, selbst wenn nicht jeder Boss in die Erinnerung eingeht.
Visuelle Kraft trifft schwankende Technik
Optisch gehört Lost Soul Aside zu den beeindruckenderen Titeln seiner Art. Die Charaktermodelle sind detailliert ausgearbeitet, die Lichtstimmungen stimmungsvoll gesetzt und die Animationen wirken in den meisten Szenen geschmeidig. Besonders in den Kämpfen entfaltet das Spiel visuell eine enorme Kraft: Schwertschläge hinterlassen funkelnde Effekte, und Spezialangriffe tauchen die Umgebung in grelles Licht. Man merkt dem Spiel an, dass es lange in Entwicklung war und viel Feinschliff in die Präsentation geflossen ist. Dennoch zeigen sich auf dem PC technische Probleme wie Ruckler oder Einbrüche bei der Bildrate, die das Erlebnis trüben können. Auf Konsolen läuft der Titel stabiler, doch auch hier ist nicht alles perfekt.
Akustisch präsentiert sich der Titel ebenfalls überzeugend. Der Soundtrack setzt auf epische Arrangements, die die Dramatik der Kämpfe verstärken, und auf ruhigere Stücke, die in Zwischensequenzen Atmosphäre schaffen. Auch die Soundeffekte sind präzise und druckvoll, was dem Kampfsystem zugutekommt. Weniger gelungen ist die englische Synchronisation, die in manchen Dialogen unfreiwillig komisch wirkt. Dieser kleine Bruch im ansonsten ernsthaften Tonfall kann für manche Spieler störend sein, andere nehmen es als charmanten Nebeneffekt hin. Insgesamt trägt die audiovisuelle Gestaltung aber entscheidend dazu bei, dass sich Lost Soul Aside wie ein modernes Action-Spektakel anfühlt, auch wenn es technisch nicht in jeder Situation makellos glänzt.
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Mehr InformationenUnsere Meinung
Lost Soul Aside ist ein Spiel, das viel Herzblut ausstrahlt und handwerklich beeindruckende Momente bereithält. Besonders das schnelle, stylische Kampfsystem und die audiovisuelle Präsentation sorgen für Höhepunkte, die Fans von Action-RPGs durchaus begeistern können. Auch die Entstehungsgeschichte vom Solo-Projekt hin zu einer Vollproduktion verleiht dem Titel einen gewissen Charme. Dennoch wirkt das Gesamtpaket nicht so ausgereift, wie man es sich nach der langen Entwicklungszeit erhofft hätte. Die Story bleibt oberflächlich, viele Areale fühlen sich wie Kulissen an, und die technische Stabilität – gerade am PC – lässt zu wünschen übrig.
Trotz dieser Einschränkungen ist Lost Soul Aside kein schlechtes Spiel, sondern eines mit klarer Zielgruppe. Wer Freude an rasanten Kämpfen und spektakulären Inszenierungen hat, findet hier ein solides Action-Abenteuer, das allerdings erzählerisch und spielerisch keine neuen Maßstäbe setzt. Schwächen im Leveldesign, repetitive Gegnerwellen und eine inkonstante Performance verhindern, dass das Spiel sein volles Potenzial entfaltet. Am Ende bleibt ein Titel, der Spaß machen kann, aber nicht über längere Zeit hinweg fesselt.
„Stylische Kämpfe, starke Präsentation – spielerisch/narrativ nicht vollends ausgereift.” – game7days
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