Lies of P: Overture – Test / Review (PC)

Mit Lies of P: Overture kehrt das düstere Pinocchio-Universum zurück – allerdings nicht in der gewohnten Reihenfolge. Statt einer Fortsetzung wirft uns das neue Kapitel in die Vergangenheit, genauer gesagt in die Zeit kurz vor dem berüchtigten „Puppenwahn“. Dieses Prequel lässt uns jene Epoche erleben, über die im Hauptspiel nur in kryptischen Tagebucheinträgen und schwer greifbaren Dialogzeilen gesprochen wurde. Für Fans, die sich bislang in die Lore vergraben haben, ist das eine goldene Gelegenheit, Theorien zu prüfen – für alle anderen empfiehlt sich ein kurzer Auffrischungskurs.

Die Rückkehr nach Krat offenbart eine Stadt, die zwar noch steht, aber bereits in den Schatten dunkler Entwicklungen getaucht ist. Overture verwebt geschickt bekannte Elemente mit neuen Eindrücken und spielt gekonnt mit dem Vorwissen der Community. Das Ergebnis: ein atmosphärisch dichtes, erzählerisch tiefgründiges Kapitel, das sich fast wie ein verlorenes Theaterstück anfühlt, das nun endlich ans Licht kommt.

Vergangene Wahrheiten: Die Geschichte entfaltet sich

Die Handlung von Overture konzentriert sich auf die Geschichte einer legendären Figur, die bislang nur als mysteriöse Randnotiz in der Welt von Krat existierte: eine Stalkerin, deren Schicksal nun in den Mittelpunkt rückt. Gemeinsam mit ihr begibt sich P auf eine Reise durch Intrigen, Schuld und unerzählte Tragödien – und obwohl man das kommende Unheil bereits kennt, ist der emotionale Einschlag dieser Geschichte nicht zu unterschätzen.

Die Stärke liegt dabei im Subtilen: Briefe, Berichte und Relikte eröffnen einen tiefen Einblick in die Verstrickungen der Stadt, in die Machenschaften der Alchemisten und die Risse im moralischen Gefüge der Stalker. Jedes neue Dokument verändert die Sichtweise auf bekannte Figuren, verleiht den Entscheidungen des Hauptspiels neues Gewicht – und in vielen Fällen sogar neue Bedeutung. Das Storytelling ist zurückhaltend, aber präzise – Soulslike-Fans dürften sich hier bestens abgeholt fühlen.

Eine Stadt in alten Farben: Neue Orte mit alten Narben

Die begehbaren Gebiete in Overture führen uns in Areale, die im Hauptspiel nur als Ruinen bekannt waren – oder überhaupt nicht auftauchten. Der verlassene Tiergarten, etwa, ist ein schauriger Ort voller grotesker Kreaturen und makabrer Überbleibsel einer Zeit vor dem Wahn. Auch das alte Zirkusgelände überzeugt mit verspieltem Horror, Minigames und unheimlicher Musik, die den Wahnsinn hinter der Maske durchscheinen lässt.

Ein weiteres Highlight: die frostbedeckte Gebirgspassage im letzten Drittel der Erweiterung. Hier wird nicht nur spielerisch mit Kälte und Glätte gearbeitet, sondern auch symbolisch mit Isolation und Verlust. Insgesamt sind die Levels linearer als im Hauptspiel, dafür aber dichter inszeniert. Schade nur, dass die Exploration ein wenig zurücktritt – dafür glänzen die Schauplätze mit viel Atmosphäre und gezielten Überraschungen.

Unterschätzte Stimmen: Die neuen Charaktere

Die Nebenfiguren in Overture stechen besonders hervor. Es handelt sich nicht bloß um Händler oder Wegweiser – sie alle sind tief in das moralische Geflecht von Krat verstrickt. Ein Priester, der seine Überzeugung verloren hat, ein Kind, das zu viel weiß, und eine vergessene Forscherin mit Verbindung zu den Alchemisten sind nur einige Beispiele. Ihre Geschichten wirken glaubwürdig, tragisch und erschütternd aktuell.

Besonders gelungen ist, wie viele dieser Figuren durch kleine Entscheidungen beeinflusst werden. Ob man ein bestimmtes Kleidungsstück trägt, eine bestimmte Dialogoption wählt oder eine Nebenquest abschließt – all das kann Auswirkungen auf spätere Begegnungen oder sogar Rückwirkungen auf das Hauptspiel haben. Es lohnt sich also, genau hinzuschauen – und hinzuhören.

Was im Schatten liegt kommt ans Licht

Overture lebt auch von seinen Geheimnissen. Die Erweiterung nutzt die Möglichkeit der Zeitreise geschickt: Manche Entscheidungen in der Vergangenheit spiegeln sich auf faszinierende Weise in der Gegenwart wider. Ein bestimmtes Item in einer Rückblende kann plötzlich eine verschlossene Tür im Hauptspiel öffnen oder eine Figur erscheint, wo zuvor nur Stille herrschte.

Dabei geht es nicht um plumpe Sammlerstücke, sondern um echte narrative Tiefe. Wer bereit ist, jedes Buch, jede Notiz und jeden versteckten Pfad zu verfolgen, wird mit neuen Perspektiven auf altbekannte Geschichten belohnt. Besonders die Verbindung zwischen dem DLC und dem Hauptspiel wird so dichter verwoben, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Inszenierung, Grafik und Klang wie im Theaterstück

Visuell bleibt Overture dem Stil des Hauptspiels treu: eine Mischung aus Belle Époque und Albtraum. Der Detailgrad ist hoch, die Lichtstimmungen sind meisterhaft, und das Charakterdesign zeigt eine neue Stufe grotesker Schönheit – vor allem bei den Bossen, die von Opernmonstern bis zu mechanischen Ungeheuern reichen. Auffällig: die verbesserten Effekte bei Angriffen und Spezialfähigkeiten, insbesondere beim Finalboss.

Der Soundtrack unterstreicht diese Inszenierung gekonnt. Neue Musikstücke wie „Lisrim“ und „Nightmare“ setzen atmosphärische Höhepunkte, während die Sprachausgabe durchweg hochwertig ist. Besonders hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung des englischen Voicecasts, der viel zur emotionalen Tiefe beiträgt. Technisch läuft alles sauber: keine Abstürze, keine Einbrüche – eine durchweg stabile Erfahrung, auch auf anspruchsvollen Systemen.

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Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
85 %
QuelleNeowiz Games
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Bevor ich das neue Online-Gamingmagazin Alpha-Omegagaming mit aufgebaut habe / am Aufbauen bin, war ich ca. 2 Jahre bei Game2gether als Redakteur dabei. Toni und ich haben uns nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen, ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen. Meine Interessen liegen hauptsächlich im MMO und RPG Bereich.
lies-of-p-overture-test-review-pc-2<blockquote>Lies of P: Overture ist kein bombastischer Neuanfang, sondern eine konzentrierte Erweiterung, die sich tief in die bereits etablierte Welt gräbt. Es ist eine Belohnung für alle, die sich die Mühe gemacht haben, in Dokumente, Andeutungen und Zusammenhänge einzutauchen – und für jene, die das Drama hinter den Kämpfen genauso schätzen wie deren Schwierigkeit.</blockquote> <blockquote>Auch wenn die Erweiterung nicht mit revolutionären Gameplay-Elementen oder gigantischem Umfang glänzt, überzeugt sie durch eine starke narrative Struktur, atmosphärisches Leveldesign und einen erzählerischen Fokus, der viele große Titel übertrifft. Ein intensives, tragisches Kapitel, das seine Spuren hinterlässt – wie ein Lied, das mit leisen Tönen lange nachhallt.</blockquote> </blockquote> <hr /> <blockquote> <strong>Positiv</strong> <ul> <li>Emotional tiefgehende Geschichte mit hoher Lore-Verknüpfung</li> <li>Fantastisches Design neuer Gegner und Bosse</li> <li>Starke neue Charaktere mit glaubhaften Motivationen</li> <li>Effektvoll umgesetzte Zeitreise-Elemente</li> <li>Verbesserte Inszenierung von Musik und Atmosphäre</li> <li>Neue Waffen mit einzigartigen Mechaniken und Fable Arts</li> <li>Visuell dichte, ästhetisch starke Schauplätze</li> <li>Boss Rush als optionaler Wiederspielanreiz</li></ul> </blockquote> <blockquote> <strong>Negativ</strong> <ul> <li>Kurze Spielzeit im Vergleich zum Preis</li> <li>Etwas lineare Levelstruktur mit geringerem Erkundungsfaktor</li> <li>Geringe Gegnervielfalt ab der Spielmitte</li> </blockquote> <hr /> <blockquote>Name: Lies of P: Overture</blockquote> <blockquote>Plattform: PC, Playstation 4/5, Xbox One, Xbox Series X</blockquote> <blockquote>Genre: Sport, Simulation</blockquote> <blockquote>Release: 06. Juni 2025</blockquote> <blockquote>USK/PEGI: 16 / 16</blockquote> <blockquote>Entwickler: NEOWIZ</blockquote> <blockquote>Publisher: NEOWIZ</blockquote> Anmerkung: Die PC-Version von Lies of P: Overture wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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