Sea of Solitude – Test / Review (PC)

EA ist für viele AAA-Spiele zuständig, welche die Spielermassen begeistern. Aber es gibt eine kleine Extra-Nische in der Firma, welche EA Originals lautet. Diese haben bisher drei Titel veröffentlicht. Die drei Titel lauten natürlich A Way Out, Fe und Unravel. Das vierte und neue Spiel in der Reihe trägt den Namen Sea of Sulitude. Es ist ein 3D-Adventure Game und wurde vor wenigen Wochen veröffentlicht. Der Entwickler hinter dem Spiel stammt aus Deutschland. Hierbei handelte es sich um Jo-Mei und Cornelia Geppert. Was Sea of Solitude genau ist und was ihr hier erlebt, erfahrt ihr in unserem Review.

Von Himmel auf Erde zu Hölle auf Erden

Eines fällt dem Spieler in Sea of Solitude sehr schnell auf. Während das Spiel zu Beginn verhältnismäßig friedlich, freundlich und offen wirkt, während wir mit unserem kleinen Motorboot über das Wasser gleiten und die versunkene Stadt begutachten, kann sich das Wetter und auch die Atmosphäre schnell ändern. Auf einmal wird alles Dunkel, das Licht verschwindet, das Wasser schlägt Wellen und Hände versuchen, uns in die Tiefe zu ziehen. Ganz davon abgesehen davon, dass uns ein riesiger Fisch mit einem menschenähnlichen Gesicht und Reißzähnen fressen möchte.

Gerade dieser Wechsel wirkt so extrem beeindruckend, weil dieser plötzlich und ohne Vorwarnung geschehen kann. Man kann praktisch sagen, dass sich unser Charakter in einer Art Alptraum befindet und nicht aufwachen kann, weswegen sie nach einem Weg sucht, um die Geschehnisse zu erklären. Hier ist es perfekt gelungen, durch die Geschehnisse und die Atmosphäre, die Gedankengänge von Kay, der Hauptcharakterin, dazustellen und schnell erkennt man schon zu Beginn des Spiels, dass hier wirkliche Emotionen und psychische Krankheiten oder Probleme dargestellt werden sollen.

Das Monster in mir…

Diese Überschrift ist nicht umsonst gewählt. Zu Beginn des Spiels finden wir uns mitten auf einer Art Meer oder einem Gewässer wieder, weit und breit kein Land in Sicht. Nur Kay und das Boot sind zu sehen. Allerdings ist Kay gerade am Anfang sehr verwirrt, da sie keine Ahnung hat, wo sie ist und warum sie wie ein Monster aussieht. Dies ist nun keine Metapher für etwas. Nein,sie hat schwarzes Fell und rot leuchtende Augen, lediglich die Körperform lässt den Mensch dahinter erkennen. Einen Großteil der Zeit spielt man mit der Third-Person-Perspektive, aber manchmal eben auch mit einer Art Schulterperspektive, gerade zu Beginn. Die Spielwelt wird relativ groß, ist aber am Anfang nahezu nur linear befahrbar und die Welt selbst wurde in separate Gebiete untergliedert.

Ein strahlendes Mädchen hilft Kay als eine Art Wegweiser, wodurch ihre Erinnerungen in kleinen Stücken wieder zurückkommen, wenn man im Spiel voranschreitet. Zu Anfang wirkt die Stadt unter dem Wasser und auch die Figuren, welche man hört, vertraut. Allerdings bleibt bis kurz vor Schluss ein Geheimnis, warum Kay diesen Alptraum durchlebt und das ist auch gut so. Aus diesem Grund wirkt das Spiel so symbolisch, rätselhaft und anziehend auf die Spieler.

Abwechslungsreiche Abenteuer

Bei Sea of Solitude handelt es sich wie gesagt um ein 3D-Adventure. Dies bedeutet, dass nicht nur eine reine Erzähler-Geschichte auf euch wartet, die ihr mit euren Handlungen untermalt, sondern dass eurer Gameplay wirklich dafür sorgen kann, dass Kay scheitert und daher stirbt. Hier startet man dann an einem Checkpoint erneut. Auch kann Kay viele Aktionen durchführen wie Springen, Schwimmen, Leitern benutzen, Flaschenpost auf Dächern finden, Tauben verjagen und natürlich auch Klettern. Auch kommt es zu kleineren Jump and Run Passagen im Verlauf des Spiels.

An einigen Orten, vor allem an den neuen, hat sich eine Dunkelheit eingenistet, die wirklich alle Hoffnung schwinden lässt. Um diese zu „entfernen“, muss Kay sie „absorbieren“ und in ihrem Rucksack verstauen, der dadurch natürlich immer größer und schwerer wird. Zu Beginn ist dies noch leicht, aber im Verlauf des Spiels versuchen einen die Monster daran zu hindern.

Gerade von diesen Monstern gibt es einige. Viele Tausende davon warten in der Dunkelheit unter der Wasseroberfläche und ihr sterbt, wenn ihr aus dem Boot springt oder ins Wasser fallt. Auch gibt es kleinere Monster, welche über euch herfallen wollen und nur durch Licht besiegt werden können. Das größte Monster und euer größter Feind jedoch sind eine Art Krabbe und ein Fisch in Riesenformat mit einem menschenähnlichen Gesicht und Reißzähnen, welche euch zerfleischen wollen. Achtet also immer darauf, auf eure Umgebung zu achten. Hier sind sogenannte Jump and Run Passagen keine Seltenheit. Ein falscher Schritt und ihr seid verloren. Bei den Verfolgungsjagden mit den Monstern kann man förmlich spüren, wie sie immer näher kommen und es jagt dem Spieler einen Schauer über den Rücken. Natürlich gibt es auch andere große Monster, aber was es mit diesen auf sich hat, wollen wir euch hier nicht verraten.

Reale Probleme

Wie man es sich bereits denken kann, wenn man diesen Review liest und vor allem dann, wenn man das Spiel bereits gespielt hat, merkt man schnell, dass es sich bei Sea of Solitude nicht um ein simples Horror-Adventure Game handelt, in dem euch einfach irgendwelche Monster attackieren. Nein, bei dem Spiel symbolisieren diese Gegner Erinnerungen oder in anderer Hinsicht sogar Probleme und Charakterzüge der Menschen wie beispielsweise Mobbing, Depressionen, Liebe, Ignoranz, Hass, Oberflächlichkeit und andere Probleme, welche in der echten Welt existieren und teilweise leider nicht oder nur zu wenig wahrgenommen werden. All diese Punkte hatten in einer bestimmten Art und Weise mit Kays Leben zu tun und damit auch für ihren Zustand als Monster.

Dies wird vor allem in den Dialogen klar gezeigt, die Kay mit den Monstern teilweise führt und durch die Erinnerungen, welche nach und nach wieder auftreten. Bei dem Spiel wurde es extra nicht zu weit getrieben, da es natürlich auch für Kinder geeignet werden soll und es gibt immer eine lineare Lösung. Allerdings tut dies der Atmosphäre keinen Abbruch. Natürlich ergreift es eventuell Erwachsene nicht so extrem wie in anderen Spielen, in welchen solche Probleme auftreten, aber dafür fühlt es sich an wie eine Art Geschichte mit vielen leider Gottes traurigen Abschnitten, in welchen aber immer alles auf die ein oder andere Art und Weise ein positives Ende stattfindet.

Kleinere Fehler und Kritikpunkte

Bei einigen Stellen im Spiel kommt es einem manchmal vor wie eine monotone Wiederholung etwas bereits erlebten, was vermutlich aber auch auf das Leveldesign zurückzuführen ist, da es einfach eine Menge Wasser gibt und wir viel mit unserem Boot unterwegs sind. Auch gibt es viele unzugängliche oder nur schwer erreichbare Areale, wenn man die Gegend erkunden möchte. Die Tauben waren zwar ein nettes Extra, weil diese einen kleinen Teil der aktuellen Gegend aus der Vogelperspektive zeigen, allerdings ist dies nur ein kleines Extra und auch die Flaschenpost-Informationen sind nur zu Beginn des Spiels interessant. Daher macht es auch, außer vielleicht für Erfolgsjäger keinen Sinn, diese zu suchen.

Das zweite kleine Manko ist die Sprachausgabe. Obwohl es sich um ein deutsches Entwicklerstudio handelt, ist die Sprachausgabe nur in englisch vorhanden und die deutschen Untertitel dazu passen an einigen Stellen leider nicht zur Vertonung. Dies bedeutet zwar nicht, dass die Sprachausgabe oder die Vertonung grundsätzlich schlecht ist, allerdings hätte ich mir für ein deutsches Spiel, was in einer deutschen Stadt spielen soll auch eine deutsche Vertonung gewünscht.

Grafisch und Soundeffekte fesselnd

Das Design des Spiels wirkt definitiv besonders. Hier wurde die Kulisse des Spieles mit der Unity-Engine entworfen und als eine Art Zeichentrick-Stil umgesetzt. Man sieht viele Details in den Städten, wenn das Wasser gesunken ist und im allgemeinen wirkt das ganze Design und die Atmosphäre wie in einem der bekannten chinesischen/japanischen Trick/Anime-Filme. Das sich die Atmosphäre so schnell ändern kann, verbessert das Aussehen und zeigt, dass man sich mit dem Design wirklich Mühe gegeben hat.

Aber auch der Sound wurde, abgesehen von der Sprachausgabe selbst, sehr gut ausgewählt. Man hört das Wasser, wenn man mit dem Motorboot über die Wellenn braust, die Soundeffekte von Tauben und Monstern hören sich ebenfalls sehr gut an… Man kann sich hier also nicht beschweren!

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
75 %
QuelleSea of Solitude
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Bevor ich das neue Online-Gamingmagazin Alpha-Omegagaming mit aufgebaut habe / am Aufbauen bin, war ich ca. 2 Jahre bei Game2gether als Redakteur dabei. Toni und ich haben uns nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen, ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen. Meine Interessen liegen hauptsächlich im MMO und RPG Bereich.