Wenn ein Buch den Weg auf die Leinwand findet, dann wird das von den Buchfans in der Regel sehr kritisch beäugt: Hat man sich Freiheiten bei der Umsetzung erlaubt? Sind Dialoge vorlagengetreu umgesetzt? Geben die Darsteller die Figuren so wieder, wie sie im Buch angelegt sind?

Bei MARA UND DER FEUERBRINGER, der am 02. April 2015 in den deutschen Kinos startet, müssen sich Fans in dieser Hinsicht wohl kaum Sorgen machen. Denn hier hat Buchautor Tommy Krappweis selbst die Fäden in der Hand und den Film als Regisseur in Szene gesetzt. Wie das alles so von statten gegangen ist, davon erzählt er hier im Interview.

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Tommy Krappweis (links) mit einem Statisten am Set © Richard Föhr

 

Sie haben bei Ihren Romanen und jetzt auch bei der Verfilmung eng mit Professor Rudolf Simek von der Universität Bonn zusammengearbeitet. Schließen sich Fantasy und wissenschaftliche Korrektheit nicht per se aus?
Nicht unbedingt. „Mara und der Feuerbringer“ ist Fantasy, aber die Geschichte bewegt sich im Gegensatz zu „Harry Potter“ in einem Universum, das auf einer Religion basiert, an die früher viele Menschen geglaubt haben. Im Grunde ist das ja auch bei „Percy Jackson“ so, nur wollte ich eben nichts behaupten, das nicht dem heutigen Forschungsstand über die nordisch-germanische Mythologie entspricht.

Woher kam dieser Anspruch?
Nachdem ich Dan Browns „Da Vinci Code“ gelesen hatte, machte ich mir die Mühe, seine Theorie zu überprüfen. Dabei stellte ich fest, dass er im Grunde vorgeht wie die meisten Verschwörungstheoretiker: Er behauptet etwas und findet sehr viele Gründe, die dafür sprechen. Aber wesentliche Dinge, die dagegen sprechen, verschweigt er. Sobald ich als Leser auch nur eine einzige kritische Frage stelle, bricht das Konstrukt in sich zusammen. Das ist völlig legitim und ich habe große Freude an seinen Büchern, aber bei meiner Geschichte wollte ich versuchen, das zu vermeiden. Ich wusste damals allerdings nur wenig über germanische Mythologie. Also habe ich Professor Simek mein erstes Exposé geschickt.

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„Man merkt sofort, dass Tommy Krappweis sich wie kein Zweiter in diese nordische Götterwelt eingearbeitet hat.“ (Darsteller Christoph Maria Herbst)

Worin bestand Professor Simeks Mitarbeit an der Verfilmung von MARA UND DER FEUERBRINGER?
Wir haben jedes Kostüm und jedes Requisit von ihm und seiner Assistentin Daniela Blanck abnehmen lassen. Auch die Aussprache der nordischen Sätze wurde von Professor Simek vorgegeben. Er hatte sie ja schon für den Roman aufgeschrieben, aber für den Film wurden sie auf Band gesprochen, damit die Schauspieler sich strikt daran halten konnten. Manchmal musste er auch via Handy mal eben etwas übersetzen und vorsprechen, damit Christoph Maria Herbst es am Set dreißig Sekunden später überrascht ausrufen konnte. Vieles klingt wie bei DER HERR DER RINGE, nur mit noch mehr Lispel-Lauten.

„Er greift meine Vorschläge mit Begeisterung auf und geht damit sehr kreativ um. Ich mag vor allem seinen Humor.“ (Professor Rudolf Simek – wissenschaftlicher Berater)

War Ihnen schon beim Schreiben der Roman-Trilogie klar, dass daraus ein Film wird?
Klar war mir das nicht. Aber ich hatte natürlich den Wunsch und freute mich über jede Hürde, die wir auf dem Weg zum Ziel nehmen konnten. Unser Producer Alexander Dannenberg hat immer mal wieder gesagt: Tommy, jetzt können wir eine Flasche aufmachen! Ich blieb aber skeptisch, denn es kam immer wieder was dazwischen. Im Grunde hätten wir fünf oder sechs Flaschen aufmachen müssen. Dabei mag ich überhaupt nichts, was blubbert. Außer Whirlpools.

Wie streng hält sich der Kinofilm an die literarische Vorlage?
Leser des Buches werden alle Figuren und 80 Prozent der Handlung wiedererkennen. Die restlichen 20 Prozent sind neu oder variiert, weil ich natürlich nicht alles unterbringen kann und verdichten musste. Trotzdem wollte ich alle Möglichkeiten des Kinos nutzen und hatte beim Schreiben des Drehbuchs neue, bessere Ideen. Eine Verfilmung, die sich sklavisch an die Vorlage hält, ist genauso daneben wie eine Verfilmung, die den Appeal des Buches ignoriert. Ich wollte, dass meine Figuren und die Handlung erhalten bleiben, bei den Locations war ich weniger streng. Aus organisatorischen Gründen wütet der Lindwurm zum Beispiel nicht auf der Ludwigsbrücke, sondern im Brunnenhof der Münchner Residenz.

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„Was immer man auf der Leinwand sieht, ist in erster Linie das Ergebnis seiner übersprudelnden Phantasie und Kreativität.“ (Produzent Christian Becker)

Nach welchen Kriterien haben Sie MARA UND DER FEUERBRINGER besetzt. Oder anders gefragt: Wie besetzt man Götter?
Beim Halbgott Loki wusste ich von vornherein, dass nur Christoph Maria Herbst die Rolle spielen kann. Ich hatte ihn schon beim Schreiben des ersten Buches vor Augen und im Ohr. Er kann blitzschnell umschalten zwischen Ernsthaftigkeit und treffender Pointe. Christoph wäre auch im echten Leben ein toller Loki, obwohl ich nicht weiß, ob er sich über dieses Kompliment freut. Bei der Göttin Sigyn fiel mir früh Eva Habermann ein, die ich seit unser beider Anfänge im Kinderfernsehen kenne. Sie ist der nordische Typ und strahlt sofort etwas Majestätisches aus, wenn man sie im Kostüm sieht. Jan Josef Liefers war meine erste Wahl Professor Weissinger. Er bringt genau die Ruhe und den Humor mit, die es für die Rolle braucht. Auch seine Stimme klingt so, wie ich sie mir beim Schreiben vorgestellt habe. Das Schönste ist, dass alle, die ich besetzen wollte, zwei Tage nach Erhalt des Drehbuchs sagten: Ich mach’s! Wann drehen wir?

„Allein schon die Begeisterung, mit der Tommy Krappweis mir dieses Projekt schmackhaft gemacht hat, musste mich auf Anhieb überzeugen.“ (Schauspieler Jan Josef Liefers)

Für Hauptdarstellerin Lilian Prent ist MARA UND DER FEUERBRINGER der erste Kinofilm. Wie hat sie sich geschlagen?
Großartig. Vor allem hat sie sich problemlos auf die verschiedenen Spielweisen der Kollegen eingestellt. Christoph Maria Herbst gehört zu jenen Schauspielern, die ihre Texte wortwörtlich wiedergeben, wie sie im Drehbuch stehen. Das war angesichts von Lokis historisierenden und sorgfältig gedrechselten Satzschöpfungen auch gar nicht anders möglich. Bei Jan Josef Liefers ist dagegen jeder Take anders. Er spielt die Rolle so, wie er sie gerade spürt, und wählt dafür die passenden Worte. Es war beeindruckend zu sehen, wie Lilian sich auf beide Ansätze einstellen konnte und beiden Schauspielern genau das zurückgegeben hat, was sie für ihre Rollen brauchten.

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„Er wusste bei den Dreharbeiten immer genau, was er wollte, und konnte uns klipp und klar sagen, wie er sich eine Szene vorstellte.“ (Hauptdarstellerin Lilian Prent)

Hat MARA UND DER FEUERBRINGER eine Botschaft?
Eine direkte Botschaft vielleicht nicht, aber ich würde mich freuen, wenn der Film dabei hilft, dass Zuschauer aller Altersgruppen ihr Interesse an der nordisch-germanischen Mythologie entdecken. Und zwar weitab vom ganzen Nazi-Mist, der fälschlicherweise an ihr haftet, seit die Nationalsozialisten die Germanen zu Propagandazwecken missbraucht haben. Vielleicht kann der Film, genau wie die Romantrilogie, dabei helfen, den Ruf wieder reinzuwaschen. Das würde mich sehr freuen und Professor Simek vermutlich auch. Dass der Film kein reines Visual Effects Gewitter ist, war mir von Anfang an wichtig und auch, dass Mara als Mobbing-Opfer letztlich Frieden schließt mit ihrer Nemesis Larissa. Außerdem vereint der Film ja die Fantasy-Fans und die historisch exakten Reenactors, die Mittelalter-Fans und die Live-Action-Rollenspieler. Gerade diese Leute liegen mir sehr am Herzen. Ich wäre glücklich, wenn sie spüren, dass dieser Film sie alle ernst nimmt.

Wer wissen will, ob es Mara gelingt, den drohenden Weltuntergang zu verhindern, sollte ab dem 2. April ins Kino gehen. Denn dann startet das spannende Fantasy-Abenteuer MARA UND DER FEUERBRINGER in den Kinos. Mehr Infos gibt’s auf der Homepage zum Film und auf der Facebook-Seite.

Quelle: PM