
Zwischen all den Spielen der gamescom geht Hardware schnell einmal ein wenig unter. Bei unserem Termin mit der Pro Gamers Group war das kaum möglich, denn hier ging es innerhalb von rund 30 Minuten praktisch einmal quer durch das aktuelle PC- und Gaming-Sortiment. Gehäuse standen neben Tastaturen, Wasserkühlungen neben Gaming-Stühlen und ein Sim-Racing-Rig durfte ebenfalls nicht fehlen. Statt eine einzelne Produktneuheit in den Mittelpunkt zu stellen, präsentierte PGG in der Media Lounge in Halle 2.2 einen ganzen Verbund aus eigenen Marken und verschiedenen Partnern.
Wer unsere Berichterstattung aus Köln verfolgt, findet weitere Termine und Vorstellungen gesammelt in unserem gamescom-Bereich bei GAME7DAYS. Und ähnlich wie bei unserem ausführlichen ASUS-Pressetermin auf der gamescom 2026 zeigte sich auch bei PGG ziemlich deutlich, wohin viele Hersteller derzeit wollen: mehr Individualisierung, mehr Displays, ungewöhnlichere Kühlkonzepte und Eingabegeräte, bei denen mit immer höheren Abfrageraten geworben wird.

HAVN zwischen Glas Airflow und viel Leistung
Einer der größeren Bereiche gehörte HAVN. Mit dem HS 360 VGPU und weiteren Varianten der HS-360-Reihe setzt der Hersteller weiterhin stark auf eine Kombination aus Hardware-Präsentation und gezielter Luftführung. Das gebogene UniSheet-Glas soll möglichst viel vom Innenraum sichtbar lassen, während die VGPU-Version die Grafikkarte vertikal in Szene setzt. Dazu kommt das BF 360 Flow, bei dem ein Luftkanal Frischluft gezielt in Richtung Grafikkarte führen soll.
Interessant ist außerdem, dass HAVN inzwischen nicht mehr nur Gehäuse zeigt. Mit dem XR 1200W gehörte auf der Messe auch ein ATX-3.1-Netzteil zum Line-up. PGG bewirbt das Modell mit einer Platinum-A++-Einstufung und einer Lautstärke von weniger als 15 dB(A). Das klingt auf dem Papier natürlich spannend, sollte aber zunächst als Herstellerangabe verstanden werden. Eine belastbare Aussage zu Effizienz, Lautstärke oder Verhalten unter hoher Last wäre erst nach einem richtigen Einzeltest möglich.
Ducky und Endgame Gear setzen auf Geschwindigkeit
Bei Ducky dreht sich mit der OK-HE-Serie vieles um Hall-Effect-Technik. Angeboten werden unterschiedliche Größen bis hin zu kompakten Layouts. Rapid Trigger, analoge Eingaben, SOCD-Unterstützung, Controller-Simulation sowie eine Polling-Rate von bis zu 8.000 Hz gehören zu den Funktionen, mit denen sich Ducky insbesondere an Spieler richtet, für die eine möglichst direkte Eingabe wichtig ist. Der Gasket-Mount-Aufbau und eine mehrlagige Dämmung sollen gleichzeitig verhindern, dass das Tippgefühl dabei komplett auf der Strecke bleibt.

Endgame Gear verfolgt eine ähnliche Richtung. Die OP1 8k v2 Raw Input Edition setzt ebenfalls auf 8.000 Hz, während bei der drahtlosen XM2w 4K v2 bis zu 4.000 Hz genannt werden. Solche Werte klingen auf einer Produktkarte beeindruckend, ihre praktische Bedeutung hängt aber weiterhin vom kompletten System, der Firmware und natürlich vom jeweiligen Spiel ab. Wer ein wenig in der GAME7DAYS-Historie zurückgeht, findet mit der Endgame Gear XM1r übrigens bereits einen früheren Vertreter der Marke bei uns.
Kühlung bekommt immer häufiger einen Bildschirm
Kaum ein Hardware-Trend war beim PGG-Line-up so deutlich wie kleine Displays an Komponenten. APNX zeigte beispielsweise die LC1-D 360, eine 360-mm-AIO mit integriertem Bildschirm. Kolink und AeroCool hatten mit dem Icicle Digi wiederum eine Luftkühlerlösung dabei, bei der Informationen zu Temperatur und Auslastung direkt angezeigt werden können.

Noch ein Stück weiter geht LYNK+. Das Unternehmen arbeitet an einem modularen Wasserkühlungssystem, bei dem CPU- und GPU-Kühlung über vorgefüllte Schnellkupplungen miteinander verbunden werden können. Damit soll ein Teil der Flexibilität einer Custom-Wasserkühlung möglich sein, ohne dass Nutzer den Kreislauf jedes Mal komplett leeren und neu befüllen müssen. Gezeigt wurden unter anderem GPU-Kühllösungen für aktuelle High-End-Grafikkarten sowie 240- und 360-mm-Module. Gerade hier wäre ein späterer Praxistest interessant, denn Langzeitdichtheit, Strömungswiderstand und Wartung lassen sich auf einer Messe natürlich kaum beurteilen.
Lian Li hatte mit der HydroShift II OLED Curved 360 ebenfalls einen echten Blickfang im Portfolio. Die AIO kombiniert einen 360-mm-Radiator mit einem gebogenen 6,67-Zoll-OLED, dessen Position motorisiert verändert werden kann. Anders als bei einigen Messe-Prototypen ist dieses Modell bereits seit Mai 2026 erhältlich.
Gehäuse bleiben ein Experimentierfeld
Neben HAVN standen auch Lian Li, Phanteks und TRYX für unterschiedliche Ideen beim Gehäusedesign. Lian Li setzt unter anderem auf kompaktere Builds und viel Glas, während Phanteks seine EX-Serie mit voneinander getrennten thermischen Bereichen für GPU, CPU und Netzteil präsentierte. Bei TRYX gehörte das kompakte LUCA-L50-Fishtank-Konzept zum Portfolio.
Gerade Phanteks ist bei GAME7DAYS kein Unbekannter. Schon beim Phanteks NV7 und den D30-Lüftern spielte die Kombination aus Präsentation der verbauten Hardware, Luftführung und möglichst sauberem Kabelmanagement eine große Rolle. Die neuen Konzepte führen diesen Gedanken weiter, nur wird das Innenleben inzwischen noch deutlicher in einzelne Funktionsbereiche aufgeteilt.
Gaming-Möbel und Sim Racing gehören inzwischen dazu
PC-Hardware endet bei PGG nicht am Gehäuse. TX3 zeigte den CORE 360 mit selbstjustierender Lordosenunterstützung, synchroner Neigemechanik und sehr flexibel einstellbaren Armlehnen. noblechairs war ebenfalls vertreten und hatte neben dem bekannten Portfolio ein neues Projekt mit Dual-Tilt-Mechanismus angekündigt, das lediglich ausgewählten Pressevertretern und Partnern hinter verschlossenen Türen gezeigt wurde.
Noch mehr Platz benötigt der Nitro Concepts E-Racer. Das Aluminium-Rig ist modular aufgebaut und lässt sich mit sogenannten IMMERSION-Kits erweitern. Darüber sollen unter anderem zusätzliche Rückmeldungen und Beleuchtung in das Sim-Racing-Erlebnis eingebunden werden. Gerade zwischen den vielen Gehäusen, Kühlern und Eingabegeräten sorgte das dafür, dass die Präsentation nicht nur wie eine klassische Komponenten-Ausstellung wirkte.

Streaming darf ebenfalls nicht fehlen
Mit Streamplify gehört inzwischen auch Hardware für Streamer und Content Creator zum Verbund. Die CAM Smart setzt beispielsweise auf ein Dual-Lens-Konzept mit verschiedenen Blickwinkeln. In der erweiterten PGG-Produktübersicht tauchen außerdem Zusatzdisplays wie das Glance 9 auf, womit sich Systemdaten, Chat oder andere Informationen separat vom eigentlichen Monitor darstellen lassen.
Dass Gaming-Hardware auf der gamescom inzwischen deutlich breiter gedacht wird als Maus, Tastatur und Grafikkarte, zeigte sich bereits bei anderen Herstellern. Auch unser Bericht über das PNY-Hardware-Line-up der gamescom 2026 deckt mittlerweile Komponenten für Gaming und Content Creation gemeinsam ab.
Technik und Performance
Einen klassischen Hardware-Test konnte und sollte dieser Termin nicht ersetzen. Gerade Angaben zu Lautstärke, Temperaturen, TDP, Polling-Raten oder Latenzen stammen bei den gezeigten Geräten größtenteils aus den jeweiligen Herstellerunterlagen. Bei vielen Produkten fehlten zum Messezeitpunkt außerdem noch endgültige Preise, Verfügbarkeitstermine oder vollständige technische Daten.
Trotzdem ließ sich ein ziemlich deutlicher Trend erkennen. Gehäuse sollen die Hardware nicht mehr nur aufnehmen, sondern gezielt präsentieren und gleichzeitig den Luftstrom beeinflussen. Kühler bekommen Displays, Wasserkühlungen werden modularer und bei Eingabegeräten wird immer stärker über Polling-Raten, Sensoren und individuell einstellbare Auslösepunkte argumentiert.
Genau diese Mischung machte den PGG-Termin interessant. Es gab nicht den einen großen Star, um den sich alles drehte. Stattdessen lagen teilweise völlig unterschiedliche Produktgruppen direkt nebeneinander und zeigten, wie groß das Portfolio hinter der Pro Gamers Group inzwischen geworden ist. Nach einer halben Stunde blieben entsprechend eher mehrere Produkte im Gedächtnis als nur eines – vor allem HAVNs neue Gehäusekonzepte, Duckys Hall-Effect-Tastaturen, die modulare LYNK+-Kühlung und das Sim-Racing-Angebot von Nitro Concepts.
Wir bedanken uns bei der Pro Gamers Group für die Möglichkeit, uns das aktuelle Hardware-Line-up auf der gamescom 2026 genauer anzuschauen.
Quellen
- Pro Gamers Group – gamescom 2026 Pressebereich
- Igor’sLAB – PGG Hardware auf der gamescom 2026
- FJL-Fotodesign – PGG Hardware-Highlights
- GameZoom – PGG packt die Hardware-Bomben aus
- Pro Gamers Group – gamescom 2026 Rückblick
- APNX – LC1-D 360
- LYNK+ – Modulares CPU- und GPU-Wasserkühlungssystem
- Lian Li – HydroShift II OLED Curved 360





