Forza Horizon 6 hatte es von Anfang an nicht leicht. Die Reihe gehört mittlerweile zu den größten Namen im Rennspielgenre und mit jedem neuen Teil steigen automatisch auch die Erwartungen. Viele Spieler hatten ihre Wunschliste längst geschrieben, bevor überhaupt die ersten Bilder veröffentlicht wurden. Nach mehreren Stunden auf den Straßen Japans wird allerdings relativ schnell klar, dass Playground Games gar nicht versucht hat, das Rad neu zu erfinden. Stattdessen konzentriert sich das Studio darauf, nahezu jeden Bereich der bekannten Formel weiter zu verfeinern. Das klingt zunächst wenig spektakulär, macht sich beim Spielen aber erstaunlich schnell bemerkbar. Man startet das erste Rennen, erkundet anschließend ein paar Straßen und verliert sich irgendwann komplett in dieser Welt. Genau das war schon immer eine Stärke der Reihe, doch selten hat sie so zuverlässig funktioniert wie hier.
Wenn die Spielwelt zum eigentlichen Star wird
Die größte Überraschung ist tatsächlich nicht irgendein neues Feature oder ein besonders spektakuläres Rennformat, sondern die Welt selbst. Japan fühlt sich an, als wäre es schon immer für ein Horizon-Spiel vorgesehen gewesen. Kaum verlässt man die ersten Festivalbereiche, beginnt die Karte ihre Stärken auszuspielen. Dichte Städte mit riesigen Leuchtreklamen gehen nahtlos in ländliche Regionen über, während sich irgendwo dazwischen schmale Bergstraßen durch Wälder und Hügel schlängeln. Besonders beeindruckend ist dabei, wie unterschiedlich sich die einzelnen Regionen anfühlen. Manche Orte laden dazu ein, einfach nur entspannt durch die Gegend zu fahren und die Landschaft zu genießen. Andere wirken dagegen wie ein natürlicher Spielplatz für Sportwagen und Drift-Fans. Genau diese Vielfalt sorgt dafür, dass selbst längere Fahrten nie langweilig werden. Oft erwischt man sich dabei, wie man eigentlich zu einem Event fahren wollte und plötzlich einen völlig anderen Weg einschlägt, nur weil irgendwo eine interessante Straße auftaucht.
Noch stärker wird dieser Eindruck, wenn Wetter und Tageszeit ins Spiel kommen. Gerade nachts entwickelt Forza Horizon 6 eine Atmosphäre, die man in dieser Form bisher selten in Rennspielen gesehen hat. Regen verwandelt die Straßen in spiegelnde Lichtflächen, während sich die Neonfarben der Städte überall in der Umgebung brechen. Gleichzeitig wirkt die Welt nie wie eine reine Kulisse. Überall warten kleine Entdeckungen, versteckte Herausforderungen oder einfach Straßen, die man unbedingt ausprobieren möchte. Dadurch entsteht dieser typische Horizon-Effekt, bei dem man ständig von etwas anderem abgelenkt wird. Und genau deshalb funktioniert die Karte so gut. Sie fühlt sich nicht wie eine Ansammlung von Aktivitäten an, sondern wie eine Welt, in der man tatsächlich unterwegs sein möchte.
Fortschritt, der sich wieder verdient anfühlt
Einer der größten Kritikpunkte an einigen Vorgängern war die enorme Flut an Belohnungen. Autos, Credits und Freischaltungen wurden teilweise so großzügig verteilt, dass viele Dinge ihren eigentlichen Wert verloren haben. Forza Horizon 6 geht hier einen etwas anderen Weg. Natürlich erhält man weiterhin regelmäßig neue Fahrzeuge und Preise, doch das Tempo wirkt deutlich kontrollierter. Das sorgt dafür, dass man neue Errungenschaften tatsächlich wahrnimmt und nicht einfach nur durch Menüs klickt. Besonders in den ersten Stunden fällt auf, dass das Spiel deutlich stärker darauf setzt, den Spieler langsam in seine verschiedenen Systeme einzuführen. Neue Rennserien, größere Events und zusätzliche Bereiche der Festivalwelt öffnen sich Schritt für Schritt, wodurch ein angenehmer Spielfluss entsteht.
Das bedeutet allerdings nicht, dass man ständig auf etwas warten muss. Ganz im Gegenteil. Der Fortschritt fühlt sich überraschend natürlich an. Ein Rennen führt zum nächsten, daraus ergibt sich eine neue Herausforderung und plötzlich steht wieder ein Fahrzeug in der Garage, das man unbedingt ausprobieren möchte. Gerade weil das Spiel nicht permanent versucht, den Spieler mit Belohnungen zu überschütten, wirken viele Freischaltungen deutlich bedeutender. Irgendwann entsteht wieder dieses klassische Rennspielgefühl, bei dem man tatsächlich auf etwas hinarbeitet. Man baut eine Sammlung auf, verbessert Fahrzeuge und entwickelt langsam seinen eigenen Fuhrpark. Das mag simpel klingen, sorgt aber dafür, dass die Motivation auch nach vielen Stunden erstaunlich hoch bleibt.
Absoluter Fahrspaß mit verschiedenen Fahrzeugen
Beim eigentlichen Fahrgefühl bleibt Forza Horizon 6 seinen Wurzeln treu. Das Spiel möchte keine Hardcore-Simulation sein und versucht auch gar nicht erst, diesen Eindruck zu vermitteln. Trotzdem fühlen sich die Fahrzeuge präziser und direkter an als in einigen früheren Teilen. Besonders auf den engen Straßen der Bergregionen fällt das schnell auf. Die Autos reagieren sauber auf Eingaben, behalten dabei aber ihre Zugänglichkeit. Man muss keine stundenlange Eingewöhnungsphase durchlaufen, um Spaß zu haben. Stattdessen funktioniert das Fahrgefühl praktisch sofort und genau darin liegt seit Jahren eine der größten Stärken der Reihe.
Interessant wird es vor allem dann, wenn man häufiger zwischen unterschiedlichen Fahrzeugtypen wechselt. Ein kompakter japanischer Sportwagen fährt sich komplett anders als ein schwerer Geländewagen oder ein moderner Supersportler. Diese Unterschiede waren zwar schon immer vorhanden, wirken diesmal aber deutlich ausgeprägter. Dadurch beginnt man automatisch damit, Fahrzeuge bewusster auszuwählen. Manche Straßen schreien förmlich nach einem klassischen Driftwagen, während andere perfekt für Hochgeschwindigkeitsrennen geeignet sind. Genau daraus entsteht eine Dynamik, die viele andere Open-World-Rennspiele nie erreichen. Man fährt nicht einfach irgendein Auto. Man sucht sich das Fahrzeug aus, das am besten zur nächsten Fahrt passt.
Eine Garage voller Persönlichkeiten
Die Fahrzeugauswahl ist erneut riesig und deckt praktisch jede Kategorie ab, die man sich vorstellen kann. Von klassischen JDM-Legenden über Rallye-Fahrzeuge bis hin zu modernen Hypercars ist alles vertreten. Trotzdem wirkt die Garage diesmal deutlich persönlicher. Vielleicht liegt es an der Spielwelt, vielleicht an der stärkeren Einbindung japanischer Autokultur. Viele Fahrzeuge fühlen sich einfach so an, als würden sie genau hier hingehören. Gerade ältere Modelle profitieren enorm davon. Es macht erstaunlich viel Spaß, mit einem klassischen Sportwagen durch die nächtlichen Straßen zu fahren und die Umgebung auf sich wirken zu lassen.
Besonders interessant ist dabei, dass man nicht automatisch immer die stärksten Fahrzeuge bevorzugt. Natürlich machen die extrem schnellen Hypercars Spaß, doch oft sind es gerade die etwas schwächeren oder älteren Modelle, die langfristig die schönsten Fahrten liefern. Sie passen besser zu vielen Straßen und sorgen dafür, dass man die Welt intensiver wahrnimmt. Dadurch entwickelt man irgendwann echte Favoriten. Nicht unbedingt die teuersten oder schnellsten Autos, sondern jene Fahrzeuge, mit denen man einfach gerne unterwegs ist. Genau das schafft längst nicht jedes Rennspiel.
Mehr als nur eine Ansammlung von Rennen
Natürlich besteht Forza Horizon 6 nicht ausschließlich aus klassischen Wettbewerben. Über die gesamte Karte verteilt warten Driftzonen, Geschwindigkeitsprüfungen, Sprungschanzen, Sammelobjekte und zahlreiche weitere Aktivitäten. Der entscheidende Unterschied liegt allerdings darin, wie diese Inhalte präsentiert werden. Selten hat man das Gefühl, eine Liste von Aufgaben abzuarbeiten. Stattdessen ergeben sich viele Aktivitäten ganz natürlich aus dem Erkunden der Welt. Man fährt irgendwo entlang, entdeckt etwas Interessantes und bleibt automatisch hängen. Dadurch entsteht ein deutlich angenehmerer Spielfluss als in vielen anderen Open Worlds.
Besonders die größeren Showcase-Veranstaltungen gehören erneut zu den Höhepunkten des Spiels. Dort wird die ohnehin schon lockere Horizon-Formel komplett aufgedreht. Riesige Kulissen, spektakuläre Inszenierungen und teilweise völlig absurde Rennsituationen sorgen regelmäßig für Momente, die lange im Gedächtnis bleiben. Gleichzeitig weiß das Spiel erstaunlich gut, wann es wieder einen Gang zurückschalten muss. Genau diese Mischung aus übertriebener Action und entspanntem Erkunden sorgt dafür, dass sich die vielen Stunden Spielzeit nie künstlich gestreckt anfühlen.
Online endlich näher am eigentlichen Festivalgedanken
Der Multiplayer profitiert enorm von der neuen Struktur der Welt. Andere Spieler wirken diesmal deutlich stärker integriert und tauchen nicht einfach nur als zufällige Fahrzeuge auf. Dadurch entsteht häufiger das Gefühl, tatsächlich Teil eines großen Festivals zu sein. Spontane Begegnungen entwickeln sich oft zu gemeinsamen Ausfahrten oder kleinen Wettbewerben, ohne dass dafür große Vorbereitungen nötig wären. Genau diese ungeplanten Momente gehören zu den schönsten Erfahrungen im gesamten Spiel.
Gleichzeitig funktionieren auch die klassischen Online-Modi sehr zuverlässig. Rennen starten schnell, die Verbindungen bleiben stabil und generell wirkt das gesamte System deutlich ausgereifter als in manchen Vorgängern. Besonders angenehm ist dabei, dass man selbst außerhalb von Rennen ständig mit anderen Spielern in Kontakt kommt. Dadurch bleibt die Welt lebendig und verliert nie dieses Gefühl, von echten Fahrern bevölkert zu werden. Das mag auf dem Papier unspektakulär wirken, verändert die Atmosphäre aber erstaunlich stark.
Versteckt zwischen den Bergen
Rund um den Fuji gibt es einige Straßen, die mich immer wieder zurückgelockt haben. Eigentlich wollte ich oft ganz woanders hin, ein neues Rennen fahren oder einen anderen Teil der Karte erkunden. Trotzdem endete ich erstaunlich häufig wieder in den Bergen. Das liegt vor allem daran, dass diese Strecken unglaublich abwechslungsreich sind. Mal geht es durch enge Kurven mit hohen Felswänden direkt daneben, kurz darauf öffnet sich die Landschaft wieder und gibt den Blick auf die Umgebung frei. Gerade in den frühen Morgenstunden oder kurz vor Sonnenuntergang entstehen dort Bilder, bei denen man fast vergisst, dass man eigentlich ein Rennen fahren wollte. Stattdessen fährt man einfach weiter und schaut, wohin die nächste Straße führt.
Noch besser wird es, wenn das Wetter umschlägt. Regen verändert viele dieser Strecken spürbar. Die Sicht wird schlechter, die Straßen wirken enger und die gesamte Umgebung bekommt plötzlich eine ganz andere Stimmung. Manche Abschnitte, die tagsüber recht harmlos wirken, fühlen sich dann deutlich anspruchsvoller an. Genau deshalb bin ich immer wieder dort gelandet. Nicht weil dort die besten Belohnungen warten, sondern weil diese Region einfach unglaublich viel Fahrspaß bietet und zu den schönsten Teilen der gesamten Karte gehört.
Nicht jedes Auto wartet im Autohaus
Irgendwann stößt man auf erste Hinweise zu besonderen Fahrzeugen, die nicht einfach gekauft oder durch normale Rennen freigeschaltet werden. Anfangs habe ich diesen Teil fast komplett ignoriert. Die Garage war ohnehin schon gut gefüllt und eigentlich gab es ständig etwas anderes zu tun. Mit der Zeit wurde daraus aber überraschend schnell eine eigene Beschäftigung. Man entdeckt einen Hinweis, fährt in irgendeine abgelegene Ecke der Karte und plötzlich beginnt die Suche. Oft landet man dabei an Orten, die man sonst wahrscheinlich nie besucht hätte.
Das Schöne daran ist, dass diese Funde tatsächlich etwas Besonderes bleiben. Viele Open-World-Spiele überladen ihre Karten mit Sammelobjekten und Belohnungen. Hier fühlt sich die Suche deutlich entspannter an. Man folgt nicht einfach nur einer Markierung, sondern erkundet die Umgebung tatsächlich. Manchmal dauert es nur wenige Minuten, manchmal deutlich länger. Gerade dadurch bleibt die Motivation erhalten. Und ganz ehrlich: Ein seltenes Fahrzeug zu entdecken, das man sich wirklich selbst gesucht hat, fühlt sich deutlich besser an, als es einfach als Belohnung nach einem Rennen zu erhalten.
Nachts sieht alles anders aus
Tagsüber ist Forza Horizon 6 bereits beeindruckend, aber viele meiner Lieblingsmomente sind tatsächlich erst nach Sonnenuntergang entstanden. Dann verändert sich die Stimmung der gesamten Karte. Die Städte beginnen zu leuchten, Schaufenster und Reklametafeln werfen ihre Farben auf die Straßen und selbst bekannte Strecken wirken plötzlich völlig anders. Besonders bei leichtem Regen entstehen dabei Bilder, die man normalerweise eher aus Filmen oder aufwendig inszenierten Werbevideos kennt. Oft habe ich dabei das eigentliche Ziel komplett vergessen und bin einfach weitergefahren.
Dabei geht es nicht einmal nur um die Optik. Auch das Fahrgefühl verändert sich ein wenig. Die Straßen wirken enger, die Umgebung konzentrierter und man achtet automatisch stärker auf die Strecke vor sich. Gerade längere Fahrten entwickeln dadurch eine ganz eigene Atmosphäre. Es sind diese ruhigen Momente zwischen den Rennen, in denen Forza Horizon 6 oft am stärksten wirkt. Kein Zeitdruck, keine Gegner direkt neben einem, nur das eigene Auto, die Straße und irgendwo in der Ferne die Lichter der nächsten Stadt. Genau solche Fahrten sind es, an die ich mich wahrscheinlich noch lange erinnern werde.
Technisch beeindruckend mit leichten Macken
Optisch gehört Forza Horizon 6 ohne Frage zu den beeindruckendsten Rennspielen überhaupt. Fahrzeugmodelle, Wettereffekte und Lichtstimmungen bewegen sich auf einem Niveau, das teilweise fast schon selbstverständlich wirkt. Gerade deshalb vergisst man manchmal, wie aufwendig viele dieser Details eigentlich sind. Sonnenaufgänge tauchen die Landschaft in völlig andere Farben, Regen verändert die komplette Wirkung einer Region und selbst einfache Nachtfahrten können beeindruckend aussehen.Noch wichtiger ist allerdings, dass die Technik nicht ständig versucht, sich in den Vordergrund zu drängen. Alles unterstützt die Atmosphäre der Spielwelt und verbessert das eigentliche Fahrerlebnis. Kleinere technische Macken tauchen zwar gelegentlich auf, wirklich störend werden sie aber selten. Die meiste Zeit läuft das Spiel genau so, wie man es von einer Produktion dieser Größenordnung erwarten würde. Und genau deshalb fällt es so leicht, komplett in dieser Welt zu versinken.
Unsere Meinung
Forza Horizon 6 zeigt wieder einmal, warum diese Reihe so schwer von anderen Rennspielen einzuholen ist. Schon nach den ersten Minuten entsteht dieses typische Horizon-Gefühl aus Freiheit, Tempo und ständig neuen Dingen, die irgendwo am Horizont warten. Die offene Spielwelt wirkt lebendig, die Rennen gehen schnell ins Blut über und die Fahrzeugauswahl sorgt dafür, dass man viel zu oft nur noch eine weitere Strecke fahren möchte. Besonders stark bleibt die Mischung aus Arcade-Zugänglichkeit und genug Feingefühl, damit sich jedes Auto spürbar anders anfühlt.
Ganz ohne kleine Kratzer fährt aber auch Forza Horizon 6 nicht durchs Ziel. Manche Festival-Strukturen kennt man inzwischen sehr gut, einzelne Aufgaben wiederholen sich und wer eine komplett neue Formel erwartet, wird nicht in jedem Bereich überrascht. Trotzdem überwiegt der starke Eindruck deutlich. Das Spiel liefert genau diese besondere Mischung aus Fahrspaß, Sammeltrieb, schöner Kulisse und lockerer Motivation, die man nur schwer wieder weglegt. Für Rennspiel-Fans ist Forza Horizon 6 ein extrem rundes, hochwertiges und einfach verdammt unterhaltsames Paket.
„Ein rasend schönes Open-World-Rennspiel, das Tempo, Freiheit und Sammeltrieb fast perfekt verbindet.” – game7days
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