Wie schnell sich selbst eine eigentlich festgefahrene Spielreihe verändern kann, merkt man gerade ganz gut an World of Tanks: HEAT. Über Jahre hinweg war World of Tanks ja eher dieses langsame, fast schon bedächtige Spiel, bei dem man sich vorsichtig über die Map bewegt, Positionen hält und jeder Fehler direkt bestraft wird. Und jetzt steht da plötzlich dieser neue Ableger, der genau das alles ein Stück weit aufbricht. Die Closed Beta lief nur kurz, aber sie reicht völlig aus, um zu verstehen, wohin die Reise gehen soll. Das hier ist kein klassisches World of Tanks mehr. Es fühlt sich eher an wie ein Experiment, das bewusst schneller, direkter und auch ein gutes Stück unberechenbarer sein will.
Panzer, Agenten und plötzlich Fähigkeiten
Was direkt auffällt, sobald man ein paar Runden gespielt hat: Man sitzt nicht mehr einfach nur in einem Panzer und ballert drauf los. Stattdessen wählt man einen Agenten, der eigene Fähigkeiten mitbringt und damit auch bestimmt, wie man spielt. Das verändert erstaunlich viel, weil man nicht mehr nur über Panzerwerte nachdenkt, sondern plötzlich auch darüber, wann man welche Fähigkeit einsetzt und wie man sie im Team sinnvoll kombiniert. Gerade am Anfang wirkt das ein bisschen viel, weil man sich erstmal orientieren muss, wer was kann und wie das alles zusammenpasst.
Hat man sich aber ein wenig eingespielt, merkt man ziemlich schnell, dass genau dieser Ansatz dem Spiel eine ganz andere Dynamik gibt. Es fühlt sich weniger wie eine Simulation an und mehr wie ein Teamspiel, bei dem jeder eine klare Rolle übernimmt. Manche Agenten gehen eher nach vorne, andere sichern ab oder setzen gezielt Druck aus der Distanz. Dadurch entstehen Situationen, die man so aus dem alten World of Tanks einfach nicht kennt. Es ist unruhiger, teilweise auch chaotischer, aber genau das sorgt dafür, dass jede Runde ein bisschen anders abläuft.

Deutlich schneller, deutlich direkter
Der größte Unterschied zeigt sich aber im Tempo. Alles ist schneller. Man ist schneller unterwegs, man ist schneller wieder im Gefecht und auch die Matches selbst ziehen deutlich mehr an. Dieses vorsichtige Herantasten, das man aus dem Hauptspiel kennt, gibt es hier zwar noch in Ansätzen, aber es wird viel häufiger durchbrochen. Fehler fühlen sich nicht mehr ganz so endgültig an, weil man durch das Respawn-System wieder zurückkommt und weitermachen kann.
Das sorgt dafür, dass die Gefechte deutlich lebendiger wirken. Es passiert eigentlich immer irgendetwas, irgendwo kracht es, irgendwo versucht ein Team gerade die Kontrolle zu übernehmen. Gleichzeitig geht dadurch aber auch ein Stück dieser klassischen Spannung verloren, bei der jede Entscheidung zählt. Stattdessen entsteht eher dieses Gefühl von ständigem Druck, ständigem Wechsel und manchmal auch leichtem Kontrollverlust. Gerade wenn viele Fähigkeiten gleichzeitig eingesetzt werden, wird es schnell unübersichtlich, aber irgendwie gehört genau das auch zum neuen Ansatz dazu.

Vier Modi, die ständig Bewegung reinbringen
In der Beta standen mehrere Spielmodi zur Verfügung, die alle darauf ausgelegt sind, die Spieler in Bewegung zu halten. Besonders Modi mit wechselnden Zonen sorgen dafür, dass man sich nie zu lange an einem Punkt festsetzt. Kaum hat man sich irgendwo eingerichtet, wird man schon wieder weitergeschoben, weil sich das Ziel verschiebt oder eine andere Position plötzlich wichtiger wird. Das hält das Spiel konstant aktiv und verhindert, dass sich Matches festfahren.
Gleichzeitig gibt es aber auch Modi, die etwas strukturierter wirken und mehr Fokus auf Kontrolle legen. Dort merkt man dann wieder stärker, dass Teamplay eine große Rolle spielt und man sich absprechen muss, um bestimmte Bereiche zu sichern. Interessant ist dabei, dass sich die Maps je nach Modus leicht anders anfühlen. Man kann sich also nicht einfach eine feste Route einprägen und die immer wieder abspulen, sondern muss sich tatsächlich anpassen. Gerade in den ersten Runden fährt man deshalb oft ein bisschen planlos herum, bis man ein Gefühl dafür bekommt, wie die einzelnen Modi funktionieren.

Beta-Eindruck: Viel Potenzial, aber noch nicht ganz rund
Was man der Beta deutlich anmerkt, ist, dass noch nicht alles final ist. Manche Dinge wirken noch nicht ganz ausbalanciert, einige Fähigkeiten fühlen sich stärker an als andere und auch die Übersicht leidet gelegentlich unter dem ganzen Trubel. Es gibt Momente, in denen man nicht ganz nachvollziehen kann, was gerade eigentlich passiert ist, weil zu viele Effekte gleichzeitig aufeinandertreffen. Das kann frustrieren, vor allem wenn man eher das klare, berechenbare Gameplay des Originals gewohnt ist.
Trotzdem bleibt nach ein paar Stunden ein durchaus positives Gefühl hängen. Man merkt, dass hier bewusst etwas anderes ausprobiert wird und dass das Ganze nicht einfach nur ein leicht verändertes World of Tanks sein soll. Wenn die Entwickler es schaffen, das Balancing in den Griff zu bekommen und die Abläufe noch etwas klarer zu gestalten, könnte daraus ein Spiel werden, das sich wirklich eigenständig anfühlt. Aktuell ist es noch ein bisschen roh, ein bisschen unruhig, aber genau darin steckt auch der Reiz.






