Controller für den PC gibt es inzwischen in nahezu jeder Preisklasse. Viele Modelle kosten kaum mehr als ein aktuelles Spiel und erfüllen ihren Zweck völlig problemlos. ASUS schlägt mit dem ROG Raikiri II Pro allerdings eine andere Richtung ein. Hier geht es nicht darum, möglichst günstig einzusteigen. Stattdessen soll der Controller technisch und bei der Ausstattung fast alles bieten, was derzeit möglich ist. Dazu gehören austauschbare TMR-Sticks, mechanische Tasten, umschaltbare Trigger und gleich mehrere zusätzliche Eingabemöglichkeiten. Eine Abfragerate von bis zu 8.000 Hz, ein integriertes Farbdisplay und fünf speicherbare Profile stehen ebenfalls auf der Liste. Selbst bei der Verpackung gibt sich ASUS nicht mit einem Controller und einem Ladekabel zufrieden.
Das hat allerdings seinen Preis. Mit mehr als 200 Euro kostet der Raikiri II Pro deutlich mehr als ein gewöhnliches Xbox-Gamepad und bewegt sich in einem Bereich, in dem sich auch Modelle von Razer, SCUF oder Turtle Beach tummeln. Wer so viel Geld verlangt, muss mehr bieten als ein auffälliges Gehäuse und ein paar zusätzliche Tasten.Eine Sache sollte vor dem Kauf ebenfalls klar sein: Trotz der vertrauten Form ist der ROG Raikiri II Pro PC Controller nicht für Xbox-Konsolen gedacht. ASUS nennt Windows 10, Windows 11 und die Geräte der ROG-Xbox-Ally-Reihe als unterstützte Plattformen. Für Konsolenspieler gibt es mit dem regulären Raikiri II Xbox Wireless Controller ein separates Modell. Die Namen ähneln sich, die vorgesehenen Einsatzgebiete jedoch nicht.
Beim Zubehör wurde nicht gespart
Schon beim Auspacken wird deutlich, dass ASUS den Raikiri II Pro als Komplettpaket verkaufen möchte. Neben dem Controller liegen ein USB-Kabel, ein 2,4-GHz-Empfänger und eine Ladestation im Karton. Dazu kommen ein stabiles Transportetui, zwei zusätzliche TMR-Stickmodule, verschiedene Stickkappen und vier flache Abdeckungen für die rückseitigen Tasten. Auch das Werkzeug zum Entfernen der Stickmodule befindet sich direkt im Lieferumfang. Kurzanleitung, Garantiekarte und der obligatorische ROG-Aufkleber fehlen ebenfalls nicht. Damit ist eigentlich alles vorhanden, was für den Einsatz und die Anpassung des Controllers benötigt wird. Zusätzliche Module oder eine passende Tasche müssen nicht erst separat bestellt werden.
Das Etui ist vernünftig aufgeteilt und bietet nicht nur dem Controller Platz. Auch die kleineren Zubehörteile lassen sich sicher darin unterbringen. Selbst die Ladestation passt hinein. Über eine abgedeckte Öffnung an der Rückseite kann ein Kabel angeschlossen werden, sodass sich der Controller im Etui laden lässt. Das ist praktisch, wenn er häufiger mitgenommen wird oder auf dem Schreibtisch nicht offen herumliegen soll. Für den kleinen Funkempfänger hat ASUS ein eigenes Fach an der Rückseite des Controllers vorgesehen. Solche Kleinigkeiten fallen im ersten Moment kaum auf, erweisen sich unterwegs aber als nützlich. Wer schon einmal einen einzelnen USB-Dongle in einer Tasche gesucht hat, wird die Lösung zu schätzen wissen.
Die Ladestation dient gleichzeitig als Verlängerung für den 2,4-GHz-Empfänger. Der Dongle kann dadurch näher am Controller platziert werden, ohne einen weiteren USB-Anschluss am Rechner zu belegen. Gleichzeitig bekommt der Raikiri II Pro einen festen Platz, an dem er nach dem Spielen direkt wieder geladen wird. So sollte ein leerer Akku im Alltag nur selten zum Problem werden.


Bekanntes Layout mit einigen Besonderheiten
ASUS orientiert sich bei der Form deutlich am Xbox-Controller. Der linke Stick sitzt oberhalb des Steuerkreuzes, rechts befinden sich die bekannten ABXY-Tasten. Dadurch fühlt sich die grundlegende Anordnung sofort vertraut an. Eine längere Eingewöhnung ist zumindest bei den normalen Bedienelementen nicht notwendig. Die Griffe sind strukturiert und liegen sicher in der Hand. Mit ungefähr 345 Gramm einschließlich Kabel ist der Raikiri II Pro allerdings kein Leichtgewicht. Das zusätzliche Gewicht lässt den Controller wertig erscheinen, kann bei längeren Sitzungen aber durchaus auffallen. Ob das stört, hängt stark von den eigenen Vorlieben ab. Manche Spieler mögen einen schwereren Controller, andere bevorzugen möglichst leichte Modelle. An der Verarbeitung gibt es wenig auszusetzen. Das Gehäuse wirkt stabil, die Tasten sitzen sauber und auch beim kräftigeren Zupacken macht sich kein störendes Knarzen bemerkbar. Die Frontabdeckung wird magnetisch gehalten und kann ohne Schraubendreher abgenommen werden. Direkt darunter sitzen die beiden Stickmodule.
ASUS liefert Module mit zwei unterschiedlichen Widerständen mit. Die leichtgängigere Variante benötigt eine Kraft von 50 gf, während das zweite Modul mit 120 gf deutlich straffer ausfällt. Beide Seiten können unabhängig voneinander bestückt werden. Denkbar ist etwa ein festerer linker Stick für kontrollierte Bewegungen und ein leichter rechter Stick für schnelle Kameraschwenks. Welche Kombination am besten funktioniert, hängt vom Spiel und vom persönlichen Geschmack ab. Auch die Kappen der Analogsticks lassen sich wechseln. Neben den normalen Kappen gehören eine höhere und eine gewölbte Ausführung zum Zubehör. Die verlängerte Variante kann beim präzisen Zielen helfen, verändert aber gleichzeitig die Stellung des Daumens. Vor allem auf der linken Seite kann sie dem Steuerkreuz etwas näher kommen. Hier hilft nur Ausprobieren. Auf der Rückseite sitzen vier zusätzliche Tasten. Wer sie nicht benötigt, kann sie entfernen und die freien Stellen mit flachen Abdeckungen verschließen. Das ist eine gute Lösung, denn nicht jeder Spieler kommt mit rückseitigen Tasten zurecht. Je nach Haltung kann es passieren, dass eine davon beim festen Umgreifen versehentlich gedrückt wird.
Zwei weitere Zusatztasten befinden sich oben zwischen Schultertasten und Triggern. ASUS bezeichnet sie als Claw Bumper. Zusammengenommen stehen damit sechs zusätzliche Eingaben zur Verfügung. Die Positionen sind grundsätzlich sinnvoll gewählt, passen aber nicht gleichermaßen gut zu jeder Hand. Gerade die oberen Bumper verlangen je nach Griffhaltung etwas Gewöhnung. Optisch ist der Raikiri II Pro unverkennbar ein ROG-Produkt. Das Design wirkt kantiger und verspielter als bei einem gewöhnlichen Xbox-Controller. Seitliche RGB-Elemente und das Farbdisplay ziehen zusätzlich die Blicke auf sich. Wem das zu viel ist, der kann die Beleuchtung reduzieren oder ganz abschalten. ASUS bietet den Controller in Schwarz und Weiß an.


Kleine Klicks mit großer Wirkung
Die austauschbaren TMR-Sticks sind eines der wichtigsten Merkmale des Controllers. TMR steht für Tunnel Magnetoresistance. Vereinfacht gesagt wird die Position der Sticks magnetisch erfasst. Der klassische Schleifkontakt, wie er bei vielen herkömmlichen Analogsticks verwendet wird, entfällt. Das soll die Haltbarkeit verbessern und die Gefahr von Stick-Drift verringern. Vollständig ausschließen lässt sich ein Defekt natürlich nie. Beim Raikiri II Pro kommt jedoch hinzu, dass sich die kompletten Module austauschen lassen. Sollte ein Stick irgendwann Probleme bereiten, muss deshalb nicht gleich der gesamte Controller ersetzt werden. Bei den Tasten geht ASUS ebenfalls einen anderen Weg als viele Standard-Controller. Die ABXY-Tasten, das Steuerkreuz, die Bumper und die rückseitigen Eingaben arbeiten mit Mikroschaltern. Jeder Tastendruck endet in einem klaren, hörbaren Klick. Das Feedback ist direkt und erinnert stellenweise eher an eine Maus als an ein klassisches Gamepad.
Gerade bei schnellen Spielen fühlt sich das angenehm präzise an. Eingaben werden nicht von einem weichen Druckpunkt verschluckt und die Tasten kehren zügig in ihre Ausgangsposition zurück. Wer einen möglichst leisen Controller sucht, dürfte an den Schaltern dagegen weniger Freude haben. Unangenehm laut sind sie nicht, im Raum bleiben sie aber deutlich hörbar. Interessant sind auch die beiden Trigger. Kleine Schalter auf der Rückseite ändern nicht nur ihren Weg, sondern auch die Art der Eingabe. Im kurzen Modus lösen die Trigger über einen Mikroschalter aus. Der Weg fällt entsprechend knapp aus, was bei Shootern und anderen schnellen Spielen von Vorteil sein kann.Im normalen Modus arbeiten die Trigger analog über TMR-Sensoren. Dadurch lässt sich der komplette Weg nutzen, etwa um in einem Rennspiel Gas und Bremse fein zu dosieren. Der Wechsel zwischen beiden Varianten geht schnell und verleiht dem Controller mehr Flexibilität als ein einfacher mechanischer Trigger-Stopp.
ASUS wirbt außerdem mit einer Abfragerate von bis zu 8.000 Hz. Diese steht sowohl über das Kabel als auch im 2,4-GHz-Betrieb zur Verfügung. Rein rechnerisch meldet der Controller seine Eingaben damit alle 0,125 Millisekunden an den Rechner.Solche Zahlen klingen spektakulär, sollten aber nicht überbewertet werden. Ob sich ein Controller schnell anfühlt, hängt nicht allein von der Abfragerate ab. Auch das Spiel, die Bildrate, der Monitor und die restliche Hardware spielen eine Rolle. Dennoch ist es bemerkenswert, dass ASUS die 8.000 Hz auch kabellos ermöglicht und nicht nur mit angeschlossenem Kabel.


Einstellungen direkt auf dem Controller gespeichert
Für die Verbindung stehen drei Möglichkeiten bereit. Am PC kann der Raikiri II Pro per USB-Kabel, über den 2,4-GHz-Empfänger oder via Bluetooth 5 genutzt werden. Der Funkempfänger dürfte für die meisten Nutzer die erste Wahl sein, weil er Bewegungsfreiheit mit der höchsten Abfragerate verbindet. Bluetooth ist vor allem dann hilfreich, wenn der Dongle nicht zur Hand ist oder der Controller mit einem mobilen Gerät verbunden werden soll. Für schnelle Spiele und den normalen Einsatz am PC bleibt die 2,4-GHz-Verbindung jedoch die interessantere Variante. Das Kabel kann wiederum zum Spielen und gleichzeitigen Laden genutzt werden.
Mitten auf dem Controller befindet sich ein kleines Farbdisplay. Zunächst wirkt es wie eines dieser Extras, die auf Produktbildern besser aussehen als im Alltag. Ganz überflüssig ist es jedoch nicht. Darüber lassen sich die gespeicherten Profile wechseln, Tastenbelegungen verändern und die Sticks kalibrieren. Auch Beleuchtung, Vibration und Displayhelligkeit sind erreichbar, ohne dafür jedes Mal die Software am Rechner aufzurufen. Eigene Bilder und verschiedene Animationen lassen sich ebenfalls anzeigen. Das gehört eher in die Kategorie Spielerei, stört aber nicht. Wichtiger ist, dass das Display den schnellen Wechsel zwischen unterschiedlichen Einstellungen erleichtert. Wer mehrere Spiele mit verschiedenen Belegungen nutzt, muss nicht ständig zurück an den PC.
Für die vollständige Einrichtung gibt es ASUS Gear Link. Anders als bei Armoury Crate läuft die Bedienoberfläche im Browser. Damit der Controller erkannt wird, muss trotzdem ein kleines lokales Modul installiert werden. Anschließend lassen sich Belegung, Empfindlichkeit, Totzonen, Trigger, Vibration, Polling-Rate und Beleuchtung anpassen. Auch eine Turbo-Funktion ist vorhanden. Fünf Profile können im internen Speicher abgelegt werden. Das reicht in der Praxis für mehrere Genres oder unterschiedliche Nutzer aus. Nach der Einrichtung bleiben die Profile direkt auf dem Controller verfügbar und können über das Display gewechselt werden. Ganz ohne Einarbeitung geht es allerdings nicht. Der Raikiri II Pro bietet so viele Einstellungen, dass man sich zunächst durch mehrere Menüs arbeiten muss. Wer nur einen Controller anschließen und sofort spielen möchte, wird einen großen Teil der Möglichkeiten vermutlich nie nutzen. Gear Link ist übersichtlicher als manche überladene Hardware-Software, erklärt aber nicht jede Funktion auf Anhieb.


Schnell im Spiel und ansprechende Beleuchtung
Im Spiel hängt der Nutzen der vielen Funktionen stark davon ab, ob man sie tatsächlich verwendet. Für Shooter bieten sich kurze Triggerwege, zusätzliche Rücktasten und ein leichtgängiger rechter Stick an. Springen, Nachladen oder der Einsatz einer Fähigkeit können auf die Rückseite gelegt werden. Die Daumen bleiben dadurch auf den Sticks. Bei einem Rennspiel sieht die Sache anders aus. Dort werden die Trigger wieder auf den analogen Modus gestellt, damit Gas und Bremse nicht nur ein- oder ausgeschaltet werden. Die Stickmodule lassen sich ebenfalls passend zum eigenen Fahrgefühl kombinieren. Für ruhigere Action-Adventures reicht dagegen oft ein einfacheres Profil ohne mehrfach belegte Zusatztasten.Genau hier zeigt sich die Stärke des Raikiri II Pro. Der Controller zwingt seinen Nutzern keine bestimmte Art zu spielen auf. Wer sich die Zeit für die Einrichtung nimmt, kann ihn recht genau an ein Spiel oder Genre anpassen. Wer daran kein Interesse hat, bezahlt allerdings für viele Funktionen, die am Ende ungenutzt bleiben.
Die Mikroschalter passen gut zum schnellen Anspruch des Controllers. Die Eingaben fühlen sich unmittelbar an und der klare Druckpunkt gibt eine deutliche Rückmeldung. Das Steuerkreuz profitiert ebenfalls davon, vor allem bei Spielen, in denen schnelle Richtungswechsel gefragt sind. Das permanente Klicken muss man allerdings mögen. Bei der Akkulaufzeit liegen die Herstellerangaben weit auseinander, weil Display, Beleuchtung und Polling-Rate einen großen Einfluss haben. Mit 1.000 Hz sowie abgeschaltetem Display, RGB und Vibration sollen bis zu 79 Stunden möglich sein. Bei 8.000 Hz nennt ASUS unter vergleichbaren Bedingungen noch bis zu 63 Stunden. Bleiben Display, Beleuchtung und Vibration eingeschaltet, sinkt die angegebene Laufzeit erheblich. Bei 8.000 Hz sind es rund 22 Stunden, bei 1.000 Hz etwa 24 Stunden. Wer alle Funktionen dauerhaft nutzt, muss den Controller also deutlich häufiger laden.
Die mitgelieferte Station entschärft dieses Problem. Nach dem Spielen wird der Raikiri II Pro einfach darauf abgelegt und ist beim nächsten Einsatz wieder aufgeladen. Für unterwegs empfiehlt es sich trotzdem, die Beleuchtung zu reduzieren oder ganz abzuschalten. Das Display muss ebenfalls nicht permanent aktiv sein. Zwei Einschränkungen bleiben unabhängig vom Spiel: Xbox-Konsolen werden nicht offiziell unterstützt und ein 3,5-mm-Anschluss fehlt. Ein kabelgebundenes Headset kann daher nicht direkt mit dem Controller verbunden werden. Bei einem reinen PC-Modell dürfte das für viele Nutzer kein großes Problem sein, bei dem aufgerufenen Preis hätten wir den Anschluss trotzdem gerne gesehen.
Unsere Meinung
Der ASUS ROG Raikiri II Pro ist ein Controller, bei dem ASUS kaum etwas dem Zufall überlässt. Die TMR-Sticks arbeiten präzise und lassen sich bei Bedarf sogar komplett austauschen, die Mikroschalter vermitteln ein angenehm direktes Gefühl und mit den zusätzlichen Tasten auf der Rückseite sowie den beiden Bumpern gibt es reichlich Möglichkeiten zur Anpassung. Besonders die umschaltbaren Trigger haben uns gefallen, weil sich der Controller dadurch sowohl für schnelle Shooter als auch für Rennspiele angenehm konfigurieren lässt.
Dazu kommen die sehr schnelle 8.000-Hz-Abfragerate über Kabel und 2,4 GHz, das Farbdisplay und die umfangreichen Einstellungen über Gear Link. Auch beim Zubehör spart ASUS nicht: Ladestation, Transportcase, zusätzliche Stick-Module und verschiedene Stick-Kappen sind direkt dabei. Ganz perfekt ist das Gesamtpaket trotzdem nicht. Die vielen Möglichkeiten brauchen etwas Eingewöhnung und der Raikiri II Pro richtet sich mit seiner Ausstattung klar an anspruchsvolle PC-Spieler. Wer diese Funktionen tatsächlich nutzt, bekommt allerdings einen hervorragend ausgestatteten Premium-Controller, an dem wir nur wenig auszusetzen hatten.
„Schnell, präzise und bis ins Detail anpassbar – ein starkes Gesamtpaket für anspruchsvolle PC-Spieler.” – game7days
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