Fast neun Jahre nach seiner ursprünglichen Veröffentlichung kehrt Xenoblade Chronicles 2 noch einmal zurück. Diesmal allerdings nicht nur über die Abwärtskompatibilität der Nintendo Switch 2, sondern als eigene Nintendo Switch 2 Edition. Gerade dieser Teil der Reihe konnte ein solches Upgrade gut gebrauchen. Alrest war schon 2017 eine beeindruckende Welt und Xenoblade Chronicles 2 eines der größten Rollenspiele auf der damaligen Switch. Gleichzeitig musste Monolith Soft technisch einige Kompromisse eingehen. Besonders unterwegs konnte die Bildqualität deutlich absacken und auch die Bildrate hatte ihre Probleme. Die stärkere Hardware der Switch 2 nimmt dem Spiel nun einige dieser alten Fesseln ab und gerade wenn man das Original kennt, fällt der Unterschied ziemlich schnell auf.
Dabei wurde erfreulicherweise nicht nur an Auflösung und Bildrate gearbeitet. Mit Merc Assault kommt ein neuer Spielmodus hinzu, MOMO aus Xenosaga erweitert die Auswahl der Blades und einige alte Komfortprobleme wurden ebenfalls angegangen. Besonders angenehm ist die Änderung bei den Field Skills, denn passende Blades müssen für deren Prüfungen nicht mehr ständig ausgerüstet werden. Pyra und Mythra bekommen außerdem neue Outfits und auch HD Rumble gehört zu den Ergänzungen. Das eigentliche Abenteuer rund um Rex und Pyra bleibt natürlich dasselbe. Damit stellt sich vor allem die Frage, ob diese Verbesserungen ausreichen, um noch einmal viele Dutzend Stunden im Wolkenmeer zu verbringen. Wir haben uns die Nintendo Switch 2 Edition ausführlich angeschaut.
Ein Junge und ein ziemlich großer Traum
Im Mittelpunkt steht weiterhin Rex, der als Bergungstaucher sein Geld verdient und aus dem Wolkenmeer alte Gegenstände nach oben holt. Sein Leben verändert sich ziemlich schnell, als er einen Auftrag annimmt, bei dem er gemeinsam mit einer Gruppe Fremder ein altes Schiff untersuchen soll. Dort trifft er auf Pyra und spätestens ab diesem Moment nimmt die Geschichte Fahrt auf. Rex verspricht ihr, sie nach Elysium zu bringen, einem sagenumwobenen Ort über dem Weltenbaum. Was zunächst noch wie ein recht klassisches JRPG-Abenteuer klingt, wird im weiteren Verlauf wesentlich größer. Verschiedene Nationen verfolgen ihre eigenen Interessen und der Konflikt um die Blades bekommt immer mehr Gewicht. Dazu kommen Figuren, deren Beweggründe anfangs kaum zu durchschauen sind und sich teilweise erst viele Stunden später vollständig erklären.
Die Geschichte braucht allerdings Zeit und genau das merkt man besonders am Anfang. Xenoblade Chronicles 2 gehört nicht zu den Spielen, die nach zwei Stunden bereits sämtliche Karten auf den Tisch legen. Manche Dinge werden sehr langsam aufgebaut und gerade die ersten Kapitel können sich stellenweise ziehen. Wer diese Phase übersteht, bekommt dafür eine Handlung, die immer größer wird und später einige richtig starke Momente liefert. Humor und ernstere Szenen liegen teilweise ziemlich dicht nebeneinander. Nicht jeder Gag funktioniert und manche Anime-Eigenheiten muss man mögen. Wenn die Geschichte emotional werden möchte, bekommt sie das allerdings erstaunlich oft hin. Gerade die Beziehung zwischen Rex und Pyra entwickelt sich über die lange Spielzeit glaubwürdig weiter und selbst Figuren, die zunächst wie Nebenrollen wirken, bekommen später deutlich mehr Gewicht.
Diese Truppe braucht etwas Zeit
Rex und Pyra stehen zwar klar im Mittelpunkt, aber Xenoblade Chronicles 2 lebt mindestens genauso stark von den Figuren, die sich nach und nach der Gruppe anschließen. Gerade am Anfang muss man einigen davon etwas Zeit geben. Nia funktioniert ziemlich schnell und bringt mit ihrer Art einen guten Gegenpol zu Rex mit, während andere Charaktere erst später wirklich interessant werden. Das Spiel nimmt sich dafür allerdings auch verdammt viel Zeit. Zwischen großen Storymomenten gibt es Gespräche und kleinere Szenen, durch die man immer mehr über die Gruppe erfährt. Nicht alles davon ist wichtig für die eigentliche Handlung und manches driftet ziemlich stark in typische Anime-Momente ab. Trotzdem funktioniert genau das irgendwann überraschend gut, weil man nach mehreren Dutzend Stunden eben nicht mehr nur mit einer Gruppe aus verschiedenen Rollen unterwegs ist. Man kennt diese Figuren und ihre Eigenheiten inzwischen ziemlich genau.
Besonders gelungen ist, dass viele Charaktere später noch einmal eine andere Seite zeigen. Figuren, die zunächst ziemlich eindimensional erscheinen, bekommen Hintergrund und teilweise überraschend ernste Geschichten. Auch die Beziehung zwischen Driver und Blade spielt dabei immer wieder eine Rolle und wird nicht nur als Erklärung für das Kampfsystem benutzt. Dadurch wachsen einem selbst Charaktere ans Herz, mit denen man am Anfang vielleicht überhaupt nichts anfangen konnte. Natürlich trifft das nicht auf jeden gleichermaßen zu und bei der riesigen Anzahl an Blades bleiben zwangsläufig einige weniger interessant. Die eigentliche Hauptgruppe funktioniert aber richtig gut und trägt vor allem die zweite Hälfte der Geschichte. Wenn Xenoblade Chronicles 2 emotional wird, liegt das deshalb meistens nicht nur an dem, was gerade passiert, sondern daran, dass man inzwischen sehr viel Zeit mit diesen Figuren verbracht hat.

Alrest ist immer noch etwas Besonderes
Der eigentliche Star ist für uns aber weiterhin die Welt. Alrest besteht nicht aus gewöhnlichen Kontinenten, sondern aus gewaltigen Titanen, die durch ein riesiges Wolkenmeer ziehen. Auf deren Körpern haben sich Städte und ganze Landschaften entwickelt. Schon diese Idee sorgt dafür, dass sich die einzelnen Gebiete stark voneinander unterscheiden. Gormott wirkt beispielsweise völlig anders als Mor Ardain und spätestens wenn man zum ersten Mal vor einem dieser riesigen Titanen steht, versteht man wieder, warum die Spielwelt damals so beeindruckend war. Selbst Jahre später funktioniert dieser Maßstab noch erstaunlich gut. Man läuft über einen scheinbar normalen Weg und sieht plötzlich in der Entfernung Teile des Titanen, auf dem man sich gerade befindet. Genau solche Momente geben Alrest seine eigene Identität und sorgen dafür, dass man immer wieder einfach stehen bleibt und sich umschaut.
Noch wichtiger ist allerdings, dass diese großen Gebiete nicht nur Kulisse sind. Überall stehen Gegner herum und darunter befinden sich teilweise Kreaturen, denen man beim ersten Besuch besser aus dem Weg geht. Es gibt versteckte Bereiche und Aussichtspunkte sowie kleinere Orte und Wege, die man zunächst vielleicht komplett übersieht. Dazu verändert der Wolkenmeerpegel bestimmte Möglichkeiten innerhalb der Gebiete. Man läuft deshalb nicht einfach nur einem Questmarker hinterher, sondern schaut regelmäßig, ob irgendwo noch ein anderer Weg weiterführt. Ganz perfekt ist die Erkundung trotzdem nicht. Einige Laufwege können sich ziehen und die Orientierung war schon im Original nicht immer ideal. Trotzdem gehört Alrest auch heute noch zu diesen JRPG-Welten, bei denen man gerne vom eigentlichen Weg abkommt, nur weil irgendwo in der Entfernung etwas interessant aussieht.
Am Anfang versteht man erstmal nur die Hälfte
Das Kampfsystem ist wahrscheinlich der Punkt, bei dem neue Spieler am meisten Geduld mitbringen müssen. Xenoblade Chronicles 2 erklärt seine Mechaniken über einen sehr langen Zeitraum und schaltet wichtige Möglichkeiten erst nach und nach frei. Anfangs wirken Kämpfe deshalb beinahe zu simpel. Der eigene Charakter greift automatisch an und man setzt zwischendurch Arts ein. Wer nur die ersten Stunden kennt, könnte sich deshalb durchaus fragen, warum dieses System von Fans so häufig gelobt wird. Die Antwort bekommt man erst später. Mit jeder neuen Mechanik kommt ein weiteres Stück hinzu und irgendwann merkt man, dass aus diesem zunächst recht einfachen Ablauf ein überraschend komplexes Kampfsystem geworden ist. Bis dahin braucht es allerdings Geduld und genau hier hätte das Spiel seine Systeme durchaus etwas schneller freigeben können.
Arts werden miteinander verbunden und Spezialangriffe aufgebaut. Driver Combos kommen dazu und Blade Combos spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Elemente müssen berücksichtigt werden und irgendwann beschäftigt man sich mit Orbs und Chain Attacks. Dann sieht ein Kampf plötzlich komplett anders aus als zehn oder zwanzig Stunden zuvor. Genau das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Systems. Hat man verstanden, wie alles zusammenhängt, können selbst längere Kämpfe richtig Spaß machen. Man bereitet Kombinationen vor und wartet auf den richtigen Moment, um eine Chain Attack zu starten. Ein schlecht gewähltes Team kann dagegen dafür sorgen, dass ein eigentlich überschaubarer Gegner unnötig lange dauert. Xenoblade Chronicles 2 verlangt deshalb mehr Beschäftigung mit seinen Mechaniken, als der etwas gemütliche Einstieg zunächst vermuten lässt. Wer diese Zeit investiert, bekommt dafür eines der interessanteren Kampfsysteme innerhalb der Reihe.

Ohne die Blades läuft hier gar nichts
Eine zentrale Rolle übernehmen die Blades. Driver wie Rex kämpfen nicht allein, sondern werden von diesen besonderen Wesen unterstützt und erhalten durch sie Waffen und Fähigkeiten. Pyra ist dabei nur der Anfang. Im Laufe des Spiels sammelt man zahlreiche weitere Blades und kann daraus verschiedene Kombinationen für die eigene Gruppe zusammenstellen. Manche übernehmen eher offensive Aufgaben und andere eignen sich besser für Heilung oder Verteidigung. Dadurch hängt ziemlich viel davon ab, welche Blades man einem Driver zuordnet und wie gut die Gruppe später zusammenspielt. Wer einfach nur nach Optik auswählt, kann damit eine Weile durchkommen. Spätestens bei stärkeren Gegnern lohnt es sich aber, genauer hinzuschauen und die Gruppe vernünftig aufeinander abzustimmen. Gerade später kann man erstaunlich viel ausprobieren und komplette Spielweisen um bestimmte Blades herum aufbauen.
Etwas umstrittener bleibt die Art, wie viele dieser Blades freigeschaltet werden. Über Core Crystals zieht man neue Begleiter und weiß vorher nicht genau, was dabei herauskommt. Seltene Blades können entsprechend lange auf sich warten lassen. Echtes Geld spielt dabei zwar keine Rolle, trotzdem erinnert das System unverkennbar an eine Gacha-Mechanik und kann gerade dann nerven, wenn man auf einen bestimmten Blade wartet. Auf der anderen Seite sorgt die große Auswahl dafür, dass man ständig neue Kombinationen ausprobieren kann. Viele seltene Blades bringen außerdem eigene Geschichten und Aufgaben mit. Dadurch sind sie eben nicht nur neue Waffen mit einem anderen Gesicht, sondern können überraschend viel Persönlichkeit entwickeln. Das System bleibt gewöhnungsbedürftig, trägt aber einen erheblichen Teil der Langzeitmotivation.
An den Charakteren kann man ewig herumbauen
Abseits der eigentlichen Kämpfe steckt überraschend viel Zeit in der Entwicklung der Gruppe. Driver bekommen eigene Möglichkeiten und Blades besitzen Affinity Charts, über die weitere Fähigkeiten und Verbesserungen freigeschaltet werden. Dafür reicht es nicht immer, einfach nur Erfahrungspunkte zu sammeln. Bestimmte Bedingungen müssen erfüllt werden und dadurch beschäftigt man sich automatisch stärker mit einzelnen Blades. Mal sollen bestimmte Gegner besiegt werden und an anderer Stelle muss man etwas finden oder eine bestimmte Aktion mehrfach ausführen. Das kann motivieren, weil Fortschritt dadurch nicht nur über eine Zahl im Hintergrund stattfindet. Man merkt ziemlich deutlich, wie ein Blade langsam stärker wird und irgendwann Möglichkeiten besitzt, die beim ersten Einsatz noch gar nicht vorhanden waren. Gerade wer seine Lieblingsfiguren wirklich ausbauen möchte, kann hier sehr viel Zeit versenken.
Manchmal übertreibt Xenoblade Chronicles 2 dabei allerdings ein wenig. Es gibt unglaublich viele Systeme und nicht jedes davon wird besonders gut erklärt. Gerade neue Spieler dürften deshalb regelmäßig in Menüs hängen und sich fragen, was irgendein Wert jetzt eigentlich genau verändert. Dazu kommen Ausrüstung und Zubehör sowie Verbesserungen für Blades und natürlich die Frage, welche Kombination überhaupt zur eigenen Gruppe passt. Wer gerne an Charakteren herumbastelt, kann darin sehr viel Zeit versenken und später erstaunlich starke Builds zusammenstellen. Wer dagegen einfach nur die Geschichte erleben möchte, wird manches wahrscheinlich eher nebenbei erledigen. Das Spiel zwingt einen glücklicherweise nicht dazu, jede Mechanik bis ins letzte Detail auszureizen. Bei härteren Gegnern merkt man aber ziemlich schnell, wie viel Unterschied eine vernünftig aufgebaute Gruppe machen kann.

Endlich weniger Theater mit den Field Skills
Eine der sinnvollsten Änderungen der Nintendo Switch 2 Edition betrifft ausgerechnet ein System, das im Original regelmäßig den Spielfluss unterbrochen hat. Field Skills werden an verschiedenen Stellen benötigt, um beispielsweise Hindernisse zu überwinden oder bestimmte Aktionen in der Umgebung auszuführen. Früher musste man dafür passende Blades tatsächlich ausrüsten. Das führte immer wieder dazu, dass man seine Gruppe nur für eine einzige Prüfung umbauen musste und danach wieder alles zurückstellte. Besonders später war das einfach unnötig umständlich und einer dieser Punkte, bei denen man sich fragte, warum das Spiel nicht einfach alle vorhandenen Blades berücksichtigt. Gerade bei einer größeren Sammlung konnte dieses ständige Wechseln irgendwann richtig nerven.
Genau das passiert jetzt nicht mehr. Befindet sich ein Blade mit der benötigten Fähigkeit in der eigenen Sammlung, kann seine Field Skill für die entsprechende Prüfung verwendet werden. Ausrüsten muss man ihn dafür nicht mehr. Das klingt nach einer kleinen Änderung und ist auf dem Papier sicherlich weniger spektakulär als eine neue Figur oder ein zusätzlicher Spielmodus. Während eines kompletten Durchgangs spart sie aber überraschend viel Herumgeklicke. Gerade deshalb gehört diese Anpassung für uns zu den besten Neuerungen der Switch 2 Edition. Sie verändert Xenoblade Chronicles 2 nicht grundsätzlich, entfernt aber eine alte Eigenheit, die schon 2017 eher genervt als irgendeinen spielerischen Mehrwert geboten hat. Manchmal sind es eben genau solche kleinen Änderungen, die bei einem riesigen Rollenspiel am meisten auffallen.
Diesmal dürfen die Blades selbst ran
Komplett neu ist Merc Assault, das ab Kapitel 4 verfügbar wird und eine interessante Abwechslung zum normalen Kampfsystem bietet. Hier stehen die Blades selbst stärker im Mittelpunkt und können direkt kontrolliert werden. Die Kämpfe laufen actionorientierter ab und fühlen sich dadurch anders an als die regulären Gefechte mit Driver und Blade. Gerade wenn man Xenoblade Chronicles 2 bereits kennt, ist das eine nette Ergänzung, weil man Figuren plötzlich aus einer anderen Perspektive erlebt, die im Hauptspiel normalerweise eher unterstützend agieren. Das komplette Kampfsystem wird dadurch natürlich nicht ersetzt und das soll es auch gar nicht. Merc Assault funktioniert eher wie ein zusätzlicher Bereich, den man zwischendurch spielen kann und der etwas Abwechslung in den bekannten Ablauf bringt.
Für einen erneuten Durchgang ist das durchaus interessant, weil dadurch zumindest etwas hinzukommt, das Veteranen noch nicht kennen. Wer Xenoblade Chronicles 2 bereits hundert Stunden oder mehr gespielt hat, bekommt damit einen weiteren Grund, sich wieder mit seinen Blades zu beschäftigen. Gleichzeitig sollte man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen. Merc Assault macht aus der Switch 2 Edition kein völlig neues Spiel und verändert auch nicht die Struktur des Hauptabenteuers. Als zusätzliche Beschäftigung passt der Modus aber gut hinein und zeigt, dass Monolith Soft bei dieser Neuauflage zumindest etwas mehr machen wollte, als nur Auflösung und Bildrate nach oben zu schrauben. Gerade zusammen mit den anderen Verbesserungen fühlt sich die Edition dadurch etwas vollständiger an.

Ein Besuch aus Xenosaga
Mit MOMO bekommt die Switch 2 Edition außerdem einen neuen seltenen Blade und gerade für langjährige Xeno-Fans ist diese Ergänzung ziemlich interessant. Die Figur stammt ursprünglich aus Xenosaga und wird hier nicht einfach nur als kleines Kostüm oder versteckter Hinweis eingebaut. MOMO besitzt zwei Formen und bekommt eine eigene Blade Quest. Dadurch fügt sie sich wesentlich besser in Xenoblade Chronicles 2 ein, als man bei einem reinen Gastauftritt erwarten würde. Solche Verbindungen sind natürlich vor allem Fanservice und wer mit Xenosaga nichts anfangen kann, wird darauf wahrscheinlich deutlich weniger emotional reagieren. Als zusätzliche Figur funktioniert MOMO aber auch unabhängig davon und erweitert die ohnehin schon riesige Auswahl noch einmal.
Pyra und Mythra bekommen ebenfalls neue Outfits und kleinere Änderungen verteilen sich über das gesamte Spiel. Keine davon wäre allein ein Grund, Xenoblade Chronicles 2 noch einmal komplett durchzuspielen. Zusammen mit Merc Assault und den Komfortverbesserungen ergibt sich aber ein ordentliches Paket. Genau das unterscheidet diese Edition von einem simplen Performance-Patch. Das Grundspiel bleibt klar im Mittelpunkt und niemand sollte hier eine komplett neue Kampagne erwarten. Wer Alrest bereits kennt, findet aber zumindest genug neue Kleinigkeiten, um beim erneuten Durchgang nicht ausschließlich dasselbe Spiel mit einer höheren Bildrate vor sich zu haben.
Abseits der Geschichte wartet noch verdammt viel
Wer in Xenoblade Chronicles 2 nur von Hauptquest zu Hauptquest läuft, sieht einen erstaunlich großen Teil des Spiels überhaupt nicht. Überall in Alrest gibt es Sammelpunkte und kleinere Aufgaben. Einzigartige Gegner warten teilweise an Orten, an denen man beim ersten Besuch noch überhaupt keine Chance gegen sie hat. Genau dadurch entstehen immer wieder Gründe, später in bereits bekannte Gebiete zurückzukehren. Man erinnert sich an dieses eine viel zu starke Monster, das einen zwanzig Stunden zuvor innerhalb weniger Sekunden zerlegt hat, und irgendwann steht man wieder davor und möchte wissen, ob es inzwischen anders aussieht. Solche Momente funktionieren richtig gut, weil die Welt dadurch nicht einfach nach einem einmaligen Besuch erledigt ist. Man kommt zurück und entdeckt dabei häufig noch Wege oder Bereiche, die man beim ersten Mal komplett übersehen hat.
Dazu kommen Entwicklungsmöglichkeiten rund um die einzelnen Regionen. Wer Aufgaben erledigt und sich mit den Bewohnern beschäftigt, verbessert nach und nach die Entwicklung eines Gebiets. Geschäfte und das Kaufen bestimmter Waren spielen dabei ebenfalls eine Rolle. Vieles davon ist nicht notwendig, um die Geschichte abzuschließen, gibt Alrest aber zusätzliche Beschäftigung abseits der großen Handlung. Natürlich kann man es damit auch übertreiben. Wer wirklich jeden Sammelpunkt abläuft und jede Aufgabe erledigen möchte, verbringt irgendwann sehr viel Zeit mit Dingen, die sich wiederholen. Xenoblade Chronicles 2 ist deshalb eines dieser Spiele, bei denen man sich ruhig selbst aussuchen sollte, was man wirklich machen möchte. Inhalt gibt es mehr als genug und aus einem normalen Durchgang kann ziemlich schnell ein Projekt für weit über hundert Stunden werden.

Nebenquests schwanken ziemlich stark
Bei den Nebenquests zeigt Xenoblade Chronicles 2 zwei sehr unterschiedliche Seiten. Einige erzählen kleinere Geschichten und geben Regionen oder Bewohnern deutlich mehr Hintergrund. Gerade die Blade Quests gehören häufig zu den interessanteren Aufgaben, weil seltene Blades dadurch mehr Persönlichkeit bekommen und nicht einfach nur als zusätzliche Kämpfer im Menü verschwinden. Man lernt ihre Eigenheiten kennen und bekommt teilweise Geschichten, die überraschend umfangreich ausfallen. Gerade dadurch wächst die Bindung zu einigen Blades deutlich stärker, als es allein über das Kampfsystem möglich wäre. Wer seine Gruppe nicht nur nach Werten zusammenstellt, findet hier einige der schöneren Nebenhandlungen des Spiels.
Daneben stehen allerdings auch Aufgaben, die deutlich gewöhnlicher ausfallen. Gegner müssen besiegt und Gegenstände gesammelt werden oder man wird quer durch ein Gebiet geschickt, um anschließend wieder zurückzulaufen. Gerade weil Xenoblade Chronicles 2 ohnehin ein riesiges Spiel ist, kann das irgendwann anstrengend werden. Es lohnt sich deshalb nicht unbedingt, zwanghaft jede Quest sofort mitzunehmen. Wer sich auf die interessanteren Geschichten konzentriert und den Rest dann erledigt, wenn er ohnehin gerade in der Gegend ist, fährt meistens besser. Das Spiel hat mehr als genug Inhalt und braucht eigentlich überhaupt keine künstliche Streckung. Trotzdem merkt man an einigen Nebenaufgaben noch ziemlich deutlich, aus welcher Zeit das ursprüngliche Questdesign stammt.
Endlich kann Alrest technisch durchatmen
Bei der Technik zeigt sich am deutlichsten, warum gerade Xenoblade Chronicles 2 von einer Switch 2 Edition profitiert. Das Original war für die erste Switch ein beeindruckendes Spiel, hatte aber sichtbar mit den Grenzen der Hardware zu kämpfen. Die neue Version zielt nun auf bis zu 60 Bilder pro Sekunde und bietet eine deutlich höhere Auflösung. Besonders die großen Landschaften profitieren davon enorm. Fernere Bereiche wirken sauberer und Charaktere verlieren nicht mehr so schnell an Schärfe. Gerade im Handheld-Modus ist der Unterschied zum Original gewaltig, weil Xenoblade Chronicles 2 auf der ersten Switch dort teilweise sichtbar an seine Grenzen kam. Auch Menüs reagieren flotter und das gesamte Spiel fühlt sich dadurch etwas direkter an. HD Rumble gehört ebenfalls zu den Ergänzungen und nutzt die Möglichkeiten der neuen Hardware zumindest ein Stück weit besser.
Ganz perfekt ist die technische Umsetzung trotzdem nicht. Die Bildrate bleibt nicht in jeder Situation vollkommen stabil und gerade in aufwendigeren Szenen merkt man, dass auch die neue Hardware nicht sämtliche Probleme einfach verschwinden lässt. Das ändert aber wenig daran, dass dies mit Abstand die angenehmste Möglichkeit ist, Xenoblade Chronicles 2 auf einer Nintendo-Konsole zu spielen. Besonders bemerkenswert ist, wie stark die höhere Bildqualität die Welt aufwertet. Viele Orte waren schon immer schön gestaltet, wurden auf der ersten Switch aber durch die niedrige Auflösung ausgebremst. Jetzt sieht man wesentlich besser, wie viel Arbeit eigentlich in diesen Landschaften steckt. Das Spiel ist technisch natürlich kein komplett neues Werk geworden, wirkt durch die Verbesserungen aber deutlich moderner und vor allem sauberer.

Der Soundtrack hatte nie ein Upgrade nötig
Beim Sound musste eigentlich schon 2017 niemand etwas reparieren. Xenoblade Chronicles 2 besitzt einen dieser Soundtracks, bei denen man bestimmte Gebiete nach Jahren noch mit ihrer Musik verbindet. Ruhige Stücke begleiten die Erkundung und wechseln je nach Region und Tageszeit, während Kämpfe deutlich mehr Druck bekommen. Gerade bei den großen Auseinandersetzungen schafft die Musik es immer wieder, ohnehin schon starke Szenen noch einmal größer wirken zu lassen. Dabei ist die Auswahl enorm und trotz der langen Spielzeit hat man selten das Gefühl, ständig dieselben wenigen Stücke zu hören. Auch heute gehört der Soundtrack für uns deshalb zu den stärksten Teilen des gesamten Spiels und trägt einen erheblichen Anteil dazu bei, dass bestimmte Orte sofort wieder vertraut wirken.
Die englische Sprachausgabe ist weiterhin etwas, an dem sich wahrscheinlich die Geister scheiden werden. Die unterschiedlichen Akzente geben Alrest viel Persönlichkeit und sorgen dafür, dass Regionen und Figuren sofort einen eigenen Klang bekommen. Gleichzeitig funktioniert nicht jede Betonung perfekt und gerade in einigen emotionaleren Szenen wirkt die Synchronisation etwas eigenwillig. Alternativ steht die japanische Sprachausgabe zur Verfügung. An der grundsätzlichen Präsentation musste die Switch 2 Edition hier glücklicherweise wenig verändern. Vor allem die großen Zwischensequenzen funktionieren noch immer hervorragend und profitieren jetzt zusätzlich davon, dass das Spiel drumherum technisch wesentlich sauberer aussieht.
Unsere Meinung
Xenoblade Chronicles 2 war schon auf der ersten Switch ein gewaltiges Rollenspiel und die Nintendo Switch 2 Edition verändert daran grundsätzlich nichts. Rex‘ Reise bleibt dasselbe riesige Abenteuer, inklusive einiger Eigenheiten, die nicht jedem gefallen werden. Der Einstieg braucht weiterhin Zeit, das Blade-System mit seinen zufälligen Ziehungen bleibt Geschmackssache und auch das Kampfsystem öffnet sich erst nach und nach. Wer diese Hürden überwindet, bekommt aber nach wie vor eines der umfangreichsten JRPGs auf einer Nintendo-Konsole, mit einer fantastischen Welt, einer Geschichte, die gerade in ihrer zweiten Hälfte enorm zulegt, und Figuren, die einem über die vielen Stunden tatsächlich ans Herz wachsen.
Der entscheidende Unterschied ist, dass sich diese Version endlich so anfühlt, als müsste Xenoblade Chronicles 2 nicht mehr permanent gegen seine eigene Hardware kämpfen. Die höhere Bildqualität und die stabile Darstellung mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde machen Alrest deutlich angenehmer zu erkunden. Dazu kommen sinnvolle Komfortverbesserungen und neue Inhalte. Für Neueinsteiger ist die Entscheidung deshalb einfach: Wer Xenoblade Chronicles 2 heute zum ersten Mal spielen möchte, bekommt auf Switch 2 klar die beste Version. Besitzer des Originals erhalten keine Revolution, aber genau die technische Aufwertung und den Feinschliff, die dieses Abenteuer schon lange verdient hat.
„Alrest war schon immer großartig – auf Switch 2 kann es endlich seine ganze Stärke zeigen.” – game7days
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