Code Vein 2 – Test / Review (PC)

Manchmal fühlt sich eine Fortsetzung nicht wie ein neuer Abschnitt an, sondern wie das Öffnen einer Tür, hinter der noch alles so aussieht wie früher – nur ein wenig staubiger, ein wenig größer, ein wenig ernster. Genau dieses Gefühl stellt sich ein, wenn man Code Vein 2 startet. Die ersten Minuten wirken vertraut, fast beruhigend, und gleichzeitig schwingt dieses leise Misstrauen mit: Wird das hier wirklich mehr als nur ein größerer Aufguss dessen, was man schon kennt? Die Welt ist wieder düster, wieder gezeichnet von Verfall und Verlust, wieder bevölkert von Figuren, die mehr tragen, als sie sagen. Und doch merkt man schnell, dass das Spiel versucht, weiter auszuholen. Nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit Geduld. Es lässt sich Zeit, stellt keine schnellen Versprechen aus und zwingt dich nicht, begeistert zu sein. Stattdessen legt es eine Spur, der man folgt, weil man wissen will, ob sie irgendwohin führt.

Dieses langsame Herantasten zieht sich durch viele Stunden. Code Vein 2 will nicht sofort überzeugen, sondern sich entfalten. Es fühlt sich an wie ein Spiel, das darauf vertraut, dass man bleibt – nicht weil alles neu ist, sondern weil man spürt, dass hier mehr unter der Oberfläche liegt. Und genau diese Zurückhaltung ist gleichzeitig Stärke und Risiko. Wer Geduld mitbringt, findet einen Titel, der sich Schritt für Schritt öffnet. Wer schnelle Höhepunkte sucht, wird lange darauf warten.


Zwischen Verfall und Aufbruch

Die Welt von Code Vein 2 ist kein Ort, den man besucht, sondern einer, den man durchquert. Zerstörte Städte, leere Ebenen, Orte ohne klare Funktion – alles wirkt wie ein Überbleibsel einer Vergangenheit, die niemand mehr richtig erinnern kann. Im Vergleich zum Vorgänger ist alles größer, weiter und offener angelegt. Man hat öfter das Gefühl, wirklich unterwegs zu sein, statt von Arena zu Arena zu springen. Diese Weite sorgt dafür, dass man sich verlieren kann, nicht nur räumlich, sondern auch gedanklich. Man bleibt stehen, schaut sich um, versucht, aus kleinen Details etwas herauszulesen, was das Spiel nicht direkt ausspricht.

Gleichzeitig ist diese Offenheit nicht immer ein Gewinn. Manche Gebiete wirken fast zu groß für das, was sie erzählen wollen. Wege ziehen sich, Umgebungen wiederholen sich in ihrer Grundstruktur, und nicht jeder Ort hat die gleiche erzählerische Kraft. Es gibt starke Momente, in denen die Welt eine eigene Geschichte erzählt, aber auch Abschnitte, die eher wie Übergangsräume wirken. Trotzdem bleibt das Gesamtbild stimmig. Die Welt fühlt sich nicht künstlich erweitert an, sondern wie ein Flickenteppich aus Ruinen, der bewusst nicht überall gleich dicht ist.


Ein Kampf, der sich langsam entfaltet

Das Kampfsystem ist nach wie vor das Fundament von Code Vein 2. Es baut auf bekannten Mechaniken auf, wirkt aber insgesamt etwas ruhiger und kontrollierter. Kämpfe sind weniger hektisch als in manch anderen Genrevertretern, dafür stärker auf Positionierung, Timing und Vorbereitung ausgelegt. Man spürt schnell, dass es hier nicht darum geht, reflexartig zu reagieren, sondern Situationen zu lesen. Gegner sind keine bloßen Hindernisse, sondern Prüfungen, die Aufmerksamkeit verlangen. Das sorgt für ein konstantes Spannungsniveau, ohne ständig zu eskalieren.

Besonders die Vielfalt an Builds trägt dazu bei, dass das Kampfsystem lange motiviert. Waffen, Fähigkeiten und Blutcodes lassen sich kombinieren und verändern, sodass man immer wieder neue Ansätze ausprobieren kann. Diese Freiheit ist eine der größten Stärken des Spiels. Gleichzeitig fehlt den Kämpfen manchmal die letzte emotionale Wucht. Sie funktionieren, sie fordern, sie belohnen – aber sie brennen sich selten ins Gedächtnis ein. Bosskämpfe sind solide, manchmal sogar fordernd, aber nur wenige bleiben wirklich hängen. Es ist weniger der einzelne Sieg, der begeistert, sondern das Gefühl, sich langsam an das System heranzuarbeiten.


Erinnerungen, Zeit und die Last der Vergangenheit

Erzählerisch möchte Code Vein 2 mehr sein als ein reines Begleitprogramm zum Gameplay. Die Geschichte greift Zeitreiseelemente auf und versucht, Vergangenheit und Gegenwart miteinander zu verknüpfen. Dabei geht es weniger um spektakuläre Wendungen als um das Nachzeichnen von Verlusten, Entscheidungen und verpassten Chancen. Diese Idee passt gut zur melancholischen Grundstimmung des Spiels und sorgt für Momente, in denen man innehält und zuhört, statt einfach weiterzugehen.

Doch hier zeigt sich auch eine der größten Schwächen. Viele Figuren bleiben auf Distanz, ihre Geschichten wirken angerissen, aber nicht vollständig ausgearbeitet. Dialoge erklären oft zu viel, statt Raum für eigene Gedanken zu lassen. Die Geschichte ist interessant, aber sie berührt selten wirklich tief. Es bleiben Bilder und Stimmungen zurück, keine starken emotionalen Höhepunkte. Trotzdem merkt man, dass hier mehr versucht wird als bloße Hintergrundkulisse, und allein dieser Anspruch hebt das Spiel von vielen Genrevertretern ab.


Weite Wege, langsames Tempo

Der offenere Aufbau bringt Freiheit, aber auch Leerlauf. Längere Wege und größere Areale sorgen dafür, dass sich das Spiel stellenweise streckt. Man läuft viel, manchmal ohne klare Zielsetzung, und nicht jeder Abschnitt rechtfertigt diese Ausdehnung. Gerade in ruhigeren Phasen kann sich das Tempo zäh anfühlen, als würde das Spiel bewusst bremsen, statt voranzutreiben.

Auf der anderen Seite verstärkt genau dieses Tempo das Gefühl einer Reise. Code Vein 2 will nicht hetzen. Es nimmt sich Zeit und verlangt diese Zeit auch vom Spieler. Wer sich darauf einlässt, findet Momente der Ruhe, in denen die Welt wirken kann. Wer hingegen ständig Fortschritt erwartet, wird diese Abschnitte als unnötig empfinden. Es ist ein Spiel, das Geduld belohnt, aber Ungeduld bestraft.


Technisch solide, aber nicht überragend

Grafisch zeigt sich Code Vein 2 uneinheitlich. Charaktermodelle und Effekte wirken in Kämpfen oft dynamisch und sauber umgesetzt. Gerade in Nahaufnahmen kann das Spiel überzeugen. Gleichzeitig fallen in offenen Gebieten karge Landschaften, spät ladende Texturen und kleinere technische Unsauberkeiten auf. Es sind keine gravierenden Probleme, aber sie erinnern immer wieder daran, dass hier nicht alles aus einem Guss ist.

Der Sound fügt sich unauffällig ein. Musik setzt Akzente, ohne sich aufzudrängen, und unterstützt die melancholische Stimmung. Geräusche und Umgebungsdetails tragen dazu bei, dass sich die Welt glaubwürdig anfühlt. Es ist kein Soundtrack, der im Gedächtnis bleibt, aber einer, der genau das tut, was er soll: Atmosphäre schaffen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

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Unsere Meinung

Code Vein 2 trifft wieder genau diesen Mix aus Anime-Melancholie, knallharten Bosskämpfen und einer Welt, die gleichzeitig schön und kaputt wirkt. Das Kampfsystem fühlt sich wuchtig an, die Builds laden zum Experimentieren ein, und die neuen Areale setzen stärker auf vertikale Wege, Abkürzungen und kleine Entdeckungen. Wenn man im Flow ist, funktioniert das wie ein dunkles Action-Rollenspiel mit eigenem Stil – schnell, bissig und mit genau der Portion Drama, die Fans lieben.
Trotzdem bleibt nicht alles auf Top-Niveau: Die Story schwankt in ihrer Wirkung, manche Abschnitte ziehen sich, und nicht jede Mission hat den gleichen Punch. Auch im Feinschliff – etwa bei der Übersicht in Menüs oder dem Tempo mancher Systeme – merkt man, dass noch Luft nach oben ist. Unterm Strich ist Code Vein 2 aber ein starkes Sequel, das die Reihe sinnvoll erweitert, ohne sich zu verbiegen: fordernd, atmosphärisch und für Genre-Fans klar eine Empfehlung.
Unsere Gesamtbewertung
78%

„Stilvoll, fordernd und mit starken Kämpfen – ein Sequel, das begeistert, auch wenn nicht alles perfekt sitzt.” – game7days

Game7Days Award Bronze
Bronze
ProContra
  • Markanter Anime-Look mit starker Atmosphäre
  • Wuchtiges Kampfsystem und spannende Bossfights
  • Builds & Skills laden zum Experimentieren ein
  • Mehr vertikale Level-Design-Ideen und Abkürzungen
  • Guter Spielfluss, wenn alles greift
  • Solider Umfang für Action-RPG-Fans
  • Story nicht immer gleich stark inszeniert
  • Einige Abschnitte wirken gestreckt
  • Menüs/Übersicht könnten klarer sein
  • Feinschliff bei Tempo und Systemen fehlt stellenweise
Name: Code Vein 2
Genre: Action-RPG, Soulslike
USK/PEGI: 12 / 16
Entwickler: Bandai Namco Studios
Publisher: Bandai Namco Entertainment
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 30. Januar 2026
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Code Vein 2 wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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