Hell Is Us – Test / Review (PC)

Hell is Us wurde von den Rogue Factor Studios entwickelt und von Nacon veröffentlicht. Das Action-Adventure setzt auf eine ungewöhnliche Mischung aus Bürgerkriegs-Setting und übernatürlichen Bedrohungen und verzichtet bewusst auf klassische Komfortfunktionen wie Questmarker oder Karten. In diesem Review schauen wir uns genauer an, welche Stärken und Schwächen „Hell Is Us“ mitbringt – und ob sich ein Kauf für euch wirklich lohnt.

Zwischen Bürgerkrieg und Albtraum

Hell is Us versetzt euch in ein fiktives Jahr 1993, das jedoch in seiner Anmutung sehr nah an die realen Kriege im zerfallenden Jugoslawien erinnert. Schauplatz ist das Land Hadea, ein Staat, der von ethnischen Konflikten zerrissen wird und in dem sich die verschiedenen Gruppierungen auf brutalste Weise bekämpfen. Von Massakern an Zivilisten über systematische Vertreibungen bis hin zu einem organisierten Genozid wird nichts ausgespart. Genau in dieses Chaos kehrt ihr als Spieler zurück – in der Rolle von Remi, einem Mann, der in Hadea geboren wurde, von seinen Eltern jedoch als Kind außer Landes gebracht wurde. Jahrzehnte später ist er als Blauhelm-Soldat unterwegs, um seine Heimat wiederzusehen und vor allem die Spuren seiner Eltern zu finden. Dabei stößt er jedoch nicht nur auf die sichtbaren Narben des Bürgerkriegs, sondern auch auf eine unheimliche Bedrohung: mysteriöse Kreaturen, die plötzlich wie aus einer anderen Welt auftauchen und sich nur mit uralten, rituellen Waffen bezwingen lassen.

Die Erzählung selbst ist in einer spannenden Struktur verankert, die immer wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit wechselt. In der Rahmenhandlung sitzt Remi in einem kargen Verhörraum einem bedrohlichen Mann mit krankhaftem Kropf gegenüber. Unter Einfluss eines Wahrheitsserums ist er gezwungen, seine Erinnerungen Stück für Stück preiszugeben. Diese Rückblenden formen die eigentliche Spielerfahrung und lassen euch die dramatischen Ereignisse aus erster Hand erleben. Auf diese Weise entwickelt sich die Geschichte zwar atmosphärisch dicht und teils verstörend, doch sollte man keine epische Erzählung mit unzähligen Wendungen erwarten. Sie ist solide und unterhaltsam genug, lebt aber stärker von der bedrückenden Kulisse als von packenden Überraschungen. Der wahre Reiz liegt darin, wie das Spiel die Grausamkeit eines Bürgerkriegs einfängt, ohne dass die Schwere des Themas das Spielerlebnis erdrückt.

Archaische Klingen statt Kugelhagel

Im Kern setzt Hell is Us auf einen reduzierten, aber eindrucksvoll inszenierten Waffenkatalog. Konventionelle Schusswaffen spielen gegen die übernatürlichen Erscheinungen keine Rolle, weshalb Remi uralte Nahkampfwaffen an die Hand bekommt, die wie Relikte einer längst vergessenen Zivilisation wirken. Zum Einsatz kommen unter anderem Schwerter, massive Großwaffen oder längere Stangenwaffen, die nicht nur unterschiedliche Reichweiten besitzen, sondern auch ein eigenes Timing erfordern. Diese Entscheidung der Entwickler bringt eine sehr physische, rohe Note in die Gefechte, da jeder Schlag Gewicht hat und man das Gefühl bekommt, sich mit archaischen Werkzeugen gegen etwas zutiefst Fremdes zu wehren.

Doch die Waffen sind mehr als bloße Stahlkonstrukte. Im Laufe des Spiels erhalten sie eine Verbindung zu symbolischen Emotionen wie Zorn, Furcht oder Trauer, die ihre Wirkung verändern können. Auf diese Weise entwickeln sich die Kämpfe zu einer Mischung aus mechanischer Präzision und einer Art metaphysischer Resonanz. Spieler, die gerne experimentieren, finden so eigene Vorlieben, auch wenn die Bandbreite an Waffentypen im Vergleich zu manch anderem Actionspiel überschaubar bleibt. Dafür gelingt es Hell is Us, diese Auswahl konsequent in die Erzählung einzubetten und die Waffen nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als Spiegel innerer Konflikte darzustellen.

Ein kleiner Begleiter mit großer Wirkung

Eine besondere Rolle übernimmt die kleine Drohne, die euch fast wie ein zweiter Charakter durchs Spiel begleitet. Anfangs dient sie noch als simple Unterstützung, indem sie Licht spendet oder unlesbare Zeichen sichtbar macht. Doch schon bald wird sie zu einem vielseitigen Werkzeug, das Rätselmechaniken erweitert und auch im Kampf nützlich wird. Gegner können durch die Drohne abgelenkt oder markiert werden, was vor allem in brenzligen Situationen hilfreich ist. Gerade in einem Spiel, das bewusst auf klassische Komfortfunktionen wie eine Karte verzichtet, wird die Drohne zu einem kleinen, aber wichtigen Kompass in der Dunkelheit.

Parallel dazu lassen sich sowohl Drohne als auch Waffen mit Glyphen und Relikten erweitern. Bis zu mehrere Slots stehen zur Verfügung, in denen ihr Fähigkeiten ausrüsten könnt, die von kleinen Boni bis zu massiven taktischen Vorteilen reichen. Ob ihr euch schneller über das Schlachtfeld bewegen wollt, zusätzliche Konteroptionen freischaltet oder Heilfähigkeiten verstärkt – die Vielfalt sorgt für eine angenehme Flexibilität. Besonders interessant ist, dass diese Entscheidungen nicht festgezurrt sind. Ihr könnt immer wieder umstellen und so euren Spielstil anpassen, je nachdem, welche Gegner oder Situationen euch erwarten.

Fordernd, aber fair – wie hart ist Hell is Us wirklich?

Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass Hell is Us die Balance zwischen Anspruch und Zugänglichkeit sucht. Zwar orientiert sich das Kampfsystem an klassischen Soulslike-Mechaniken mit Ausweichrollen, Paraden und präzisem Timing, doch der Titel öffnet sich auch einem breiteren Publikum. So gibt es die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad nicht nur allgemein einzustellen, sondern gezielt Parameter wie Gegneraggressivität oder die Strafe beim Sterben zu regulieren. Dadurch wird es möglich, die Erfahrung sehr individuell anzupassen – was sowohl Genre-Neulingen als auch erfahrenen Spielern entgegenkommt.

Das Herzstück bleibt jedoch das direkte Gefühl im Kampf. Heilung funktioniert hier nicht durch klassische Tränke, sondern durch ein aktives System, das an Treffer gekoppelt ist. Werdet ihr verwundet, habt ihr nur kurze Zeit, um durch gezielte Aktionen verlorene Vitalität zurückzugewinnen. Diese Mechanik verleiht den Gefechten eine ständige Spannung, da man nicht einfach passiv auf Heilreserven hoffen kann. Wer sich zu sicher fühlt, wird schnell bestraft, während bedachte Spieler die Oberhand behalten. Das macht die Kämpfe fordernd, aber fair und verleiht dem Spiel einen klaren Wiedererkennungswert.

Ohne Karte und Wegweiser

Besonders auffällig ist das Missionsdesign, das konsequent auf klassische Navigationshilfen verzichtet. Es gibt keine Questmarker, keine Minimap und auch keine Wegweiser, die euch direkt von A nach B führen. Stattdessen müsst ihr aufmerksam hinhören, wenn NPCs Hinweise geben, die Umgebung beobachten und die Logik der Welt verinnerlichen. Dieses Konzept vermittelt ein starkes Gefühl des Verlorenseins, das perfekt zur Thematik eines Bürgerkriegs passt, in dem niemand die Kontrolle hat. Gleichzeitig sorgt es für eine ungewohnte Art von Immersion, da ihr nicht einer Linie auf der Karte hinterherlauft, sondern wirklich den Spuren folgt, die die Welt euch präsentiert.

Allerdings hat dieser Ansatz auch Schattenseiten. Manche Missionen können sich unnötig in die Länge ziehen, wenn Hinweise zu vage sind oder man ein entscheidendes Detail übersehen hat. In solchen Momenten wird aus immersivem Erkunden schnell frustrierendes Herumirren. Die Entwickler nehmen diesen Kompromiss bewusst in Kauf, um ein raues, ungeschöntes Spielerlebnis zu bieten. Wer Geduld und ein Faible für eigenständiges Erkunden mitbringt, wird darin einen besonderen Reiz entdecken. Wer hingegen eine klare Struktur erwartet, könnte häufiger an seine Grenzen stoßen.

Kryptische Symbole und harte Kopfnüsse

Ein wichtiger Bestandteil von Hell is Us sind die Rätsel, die geschickt in die Umgebung integriert sind. An vielen Stellen gilt es, Symbole zu deuten, Mechanismen in Gang zu setzen oder Codes zu knacken, die sich nur erschließen lassen, wenn man die Umgebung aufmerksam studiert. Diese Aufgaben sind selten offensichtlich, sondern verlangen echtes Mitdenken und manchmal auch einen Perspektivwechsel. Dadurch fügen sie sich organisch ins Gameplay ein und fühlen sich nicht wie bloße Minispiele an. Vielmehr wirken sie wie ein weiteres Ausdrucksmittel, mit dem die Entwickler die Mystik der Spielwelt verstärken.

Doch die Komplexität kann auch abschreckend wirken. Manche Puzzles sind so verschachtelt, dass sie ohne externe Hilfen leicht zur Geduldsprobe werden. Wer Freude daran hat, sich in kryptische Hinweise zu verbeißen, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Für Spieler, die eine schnellere Belohnung erwarten, drohen jedoch lange Pausen im Spielfluss. Gerade im Zusammenspiel mit dem offenen Missionsdesign entstehen dadurch Momente, in denen man sich regelrecht verloren fühlt. Gleichzeitig sorgt diese Härte dafür, dass gelöste Rätsel umso befriedigender sind und man ein starkes Gefühl des Triumphs verspürt.

 Düstere Schönheit und beklemmende Klänge

Technisch präsentiert sich Hell is Us auf einem hohen Niveau, ohne aber makellos zu sein. Die auf Unreal Engine 5 basierende Darstellung punktet mit eindrucksvollen Lichteffekten, plastischen Texturen und einer Welt, die visuell bedrückend wirkt. Hadea wirkt zerrissen, verwüstet und gleichzeitig geheimnisvoll – ein Schauplatz, der sich glaubhaft zwischen Realität und Albtraum bewegt. Auf den Konsolen läuft das Spiel meist stabil bei 60 FPS, während auf dem PC höhere Bildraten möglich sind, sofern die Hardware leistungsstark genug ist. Kleinere Schwankungen treten vor allem dann auf, wenn viele Effekte gleichzeitig dargestellt werden, doch insgesamt bleibt die Performance solide.

Besonders stark ist die akustische Seite. Der Soundtrack verzichtet auf überladene Melodien und setzt stattdessen auf tiefe, dissonante Klänge, die die Schwere des Szenarios unterstreichen. Geräusche von Kämpfen, Schritten und Umwelt wirken roh und unmittelbar, was die Immersion noch verstärkt. Auch das reduzierte Interface trägt seinen Teil bei, da es kaum vom Geschehen ablenkt und die Aufmerksamkeit auf das legt, was wirklich wichtig ist: die Atmosphäre. Damit schafft es Hell is Us, nicht nur ein optisch, sondern auch ein akustisch eindringliches Erlebnis zu bieten.

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Unsere Meinung

Hell Is Us wagt einen ungewöhnlichen Ansatz und liefert damit ein Spielerlebnis, das sich erfrischend von vielen Genrevertretern abhebt. Die Mischung aus düsterem Bürgerkriegsszenario, surrealen Kreaturen und einem reduzierten Missionsdesign sorgt für eine intensive Atmosphäre, die man so nur selten erlebt. Besonders positiv stechen die packenden Nahkämpfe, die clevere Nutzung der Drohne sowie das konsequente Weglassen von Questmarkern hervor. All das zwingt euch, aufmerksam zu bleiben und die Welt wirklich zu erkunden, statt nur einer Linie auf der Karte zu folgen. Auch die audiovisuelle Gestaltung überzeugt: Grafik und Sound tragen viel zur beklemmenden Stimmung bei, ohne sich in Effekthascherei zu verlieren.
Ganz ohne Schwächen ist das Spiel jedoch nicht. Manche Rätsel sind unnötig kryptisch, das Missionsdesign kann gelegentlich frustrierend wirken und die Story erreicht trotz guter Ansätze nicht immer die emotionale Tiefe, die man sich wünschen würde. Dennoch überwiegt der Eindruck eines spannenden, herausfordernden Abenteuers, das Mut zur Eigenständigkeit beweist. Mit seinem ungewöhnlichen Setting und der atmosphärischen Dichte verdient sich Hell Is Us eine starke Bewertung – und eine klare Empfehlung für Spieler, die etwas abseits des Mainstreams suchen.
Unsere Gesamtbewertung
85%

„Ein Schnitt durch die Schatten: im Kampf präzise, doch im Detail nicht immer treffsicher.” – game7days

Game7Days Award Gold
Gold
ProContra
  • Dichtes, atmosphärisches Setting
  • Wuchtige Nahkämpfe mit alten Waffen
  • Visuell eindrucksvolle Inszenierung und stimmungsvolle Kulissen
  • Immersion durch Verzicht auf Questmarker
  • Kreative Rätsel
  • Starke Grafik- und Soundkulisse
  • Flexible Schwierigkeitsanpassung
  • Rätsel teils unnötig kryptisch
  • Missionsdesign gelegentlich frustrierend
  • Story nicht immer mitreißend
Name: Hell Is Us
Genre: Action-Adventure, Puzzlespiel, Kampfspiel, Adventure
USK/PEGI: USK 16 / PEGI 18
Entwickler: Rogue Factor
Publisher: Nacon
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series
Veröffentlichung: 04. September 2025
Shop: Steam
Anmerkung: Die Testversion von Hell Is Us wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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