Mafia: The Old Country – Test/Review (PC)

Mit Mafia: The Old Country wagt die traditionsreiche Reihe einen eindrucksvollen Schritt zurück zu ihren Ursprüngen – und zugleich nach vorn. Statt moderner Metropolen verschlägt es uns diesmal ins Sizilien der 1920er-Jahre, wo Sonne und Olivenhaine nur die Oberfläche einer Welt sind, die von Loyalität, Verrat und Gewalt geprägt wird. Schon die ersten Minuten machen klar, dass hier ein Mafia-Epos wartet, das gleichermaßen mit packender Story, authentischem Setting und intensiver Action auftrumpft. Wer sich schon immer gefragt hat, wie es sich anfühlt, die ersten Schritte in einer aufstrebenden Familienorganisation zu machen, der findet in diesem Spiel die Antwort – stilecht, dramatisch und mit einer Atmosphäre, die sofort gefangen nimmt.

Vom Minenarbeiter zum Mafioso: Eine tragische Verwandlung

Enzo Favara wächst in einer Welt auf, in der Armut und harte Arbeit den Alltag bestimmen. Als carusu schuften Kinder in den stickigen Schwefelminen Siziliens – und genau dort beginnt seine Geschichte. Was als rauer Alltag beginnt, nimmt nach einem schicksalhaften Unfall eine dramatische Wendung. Ein brutaler Konflikt mit einem Vorarbeiter bringt Enzo in eine ausweglose Situation. In letzter Sekunde wird er vom einflussreichen Don Torrisi aufgenommen, der das Potenzial des Jungen erkennt und ihn in die Strukturen seiner Familie einführt. Von da an ändert sich Enzos Leben grundlegend: aus einem unscheinbaren Arbeiter wird ein Teil der sizilianischen Unterwelt.

Die Erzählung entfaltet sich in filmreifen Szenen, die sich bewusst an den großen Gangster-Epen orientieren. Statt unzählige Nebenhandlungen einzubauen, konzentriert sich das Spiel klar auf Enzos persönlichen Weg – und dieser wirkt dadurch umso intensiver. Beziehungen zu Verbündeten, gefährlichen Rivalen oder zwielichtigen Mentoren sind voller Dramatik, und die Inszenierung lässt keine Zweifel daran, dass Macht immer einen Preis hat. Jede Entscheidung, jeder Dialog spiegelt die wachsende Last wider, die Enzo zu tragen hat. So entsteht ein Mafia-Drama, das sich gleichzeitig persönlich und episch anfühlt.

Stealth, Messer & Kino-Action im klassischen Mafia-Stil

Mafia: The Old Country unterscheidet sich deutlich von offenen Action-Adventures, die den Spieler oft mit unzähligen Nebenaufgaben beschäftigen. Hier bleibt Sizilien zwar eine lebendige Kulisse, aber die Struktur ist deutlich linearer angelegt. Die meisten Missionen führen euch auf direktem Weg durch die Geschichte, ohne große Umwege oder Ablenkungen. Das sorgt für eine dichte Atmosphäre, bei der man nie den Faden verliert. Gleichzeitig fühlt sich die Welt nicht leer an: sie atmet Geschichte, Kultur und Atmosphäre, auch wenn man sie nicht völlig frei erkunden darf.

Spielerisch pendelt das Erlebnis zwischen Stealth-Passagen, in denen leises Vorgehen entscheidend ist, und kraftvollen Schusswechseln, die durch eine wuchtige Inszenierung glänzen. Besonders gelungen ist der Rhythmus zwischen ruhigen Momenten, in denen man Gesprächen folgt oder die Umgebung erkundet, und intensiven Action-Szenen, die fast wie Filmsequenzen wirken. Dadurch bleibt der Spielfluss abwechslungsreich und motivierend, ohne sich in Beliebigkeit zu verlieren. Wer ein klares, erzählgetriebenes Spielerlebnis sucht, wird hier bestens bedient.

Altmodisches Arsenal: Messer, Schießen und Schleicharbeit

Die Waffenvielfalt mag auf den ersten Blick überschaubar sein, passt jedoch perfekt zur Epoche. Revolver, Schrotflinten und natürlich die berühmte Thompson-Maschinenpistole gehören zum Standardrepertoire eines Mafioso. Besonders im Gedächtnis bleiben die Messer, die für stille Takedowns genutzt werden – sie sind klein, tödlich und fügen sich nahtlos in die zahlreichen Stealth-Szenen ein. Dadurch entsteht eine besondere Spannung: Ein falscher Schritt, ein zu lautes Geräusch, und der ganze Plan kann scheitern.

Die Schusswechsel wiederum sind kein wildes Dauerfeuer, sondern fühlen sich geerdet und schwer an. Jeder Schuss sitzt mit Nachdruck, die Waffen haben Gewicht, und die Soundeffekte verstärken diesen Eindruck zusätzlich. Munition ist nicht unbegrenzt verfügbar, weshalb überlegtes Vorgehen belohnt wird. Statt moderne Shooter-Mechaniken zu kopieren, besinnt sich das Spiel bewusst auf eine bodenständige Darstellung, die die Zeit authentisch widerspiegelt und gleichzeitig ein hohes Maß an Immersion erzeugt.

Kleine Extras mit spürbarer Wirkung

Wer die linearen Wege verlässt und in den Winkeln Siziliens stöbert, wird mit gut versteckten Sammlerstücken belohnt. Alte Fotos, Briefe und Gegenstände aus Enzos Vergangenheit geben zusätzliche Einblicke in sein Leben und in die Geschichte der Insel. Sie wirken nicht wie bloße Sammelaufgaben, sondern wie kleine erzählerische Ergänzungen, die das Gesamtbild abrunden. Man erfährt Details über das einfache Leben der Menschen, über Traditionen und über die harten Bedingungen, unter denen die Figuren existieren.

Neben diesen Objekten gibt es auch kleinere Upgrades, die sich freischalten lassen. Diese wirken subtil, steigern aber spürbar die Spielbarkeit, etwa durch mehr Ausdauer oder bessere Widerstandsfähigkeit. Auch wenn die Belohnungen überschaubar bleiben, geben sie einem das Gefühl, für Erkundung und Einsatz belohnt zu werden. Vor allem wirken sie nie störend oder künstlich aufgesetzt, sondern fügen sich harmonisch in den Spielfluss ein. Damit bleibt das Spiel seinem Ansatz treu: Weniger ist mehr – und genau das macht die Funde umso wertvoller.

Ein visuelles Liebeslied im sizilianischen Stil

Optisch ist Mafia: The Old Country ein echtes Highlight. Die Entwickler haben Sizilien mit beeindruckender Detailtreue zum Leben erweckt: von staubigen Minen über enge Gassen mit Kopfsteinpflaster bis hin zu sonnenüberfluteten Olivenhainen. Besonders die Licht- und Wettereffekte erzeugen eine stimmige Atmosphäre. Wenn die Sonne am Horizont versinkt und lange Schatten über die Hügel wirft, fühlt man sich, als wäre man direkt vor Ort. Diese visuelle Dichte hebt das Spiel von vielen Konkurrenten ab.

Unterstützt wird dieser Eindruck von einer herausragenden akustischen Gestaltung. Der Soundtrack kombiniert traditionelle sizilianische Klänge mit orchestralen Spannungsmotiven, die in entscheidenden Momenten für Gänsehaut sorgen. Waffen klingen satt und glaubwürdig, während die Stimmen der Charaktere mit viel Emotion und Ausdruckskraft überzeugen. Selbst Umgebungsgeräusche – das Zirpen von Grillen in der Nacht oder das Knarren alter Türen – tragen zur Authentizität bei. Grafik und Sound gehen Hand in Hand, um ein stimmiges, filmreifes Erlebnis zu erschaffen.

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Unsere Meinung

Mafia: The Old Country erweist sich als eindrucksvolles Prequel, das seine Stärken klar in der packenden Inszenierung, dem authentischen Setting und der filmreifen Story ausspielt. Enzos Weg vom einfachen Minenarbeiter zum Teil der sizilianischen Unterwelt ist spannend erzählt und lässt Spieler:innen tief in die Atmosphäre eintauchen. Auch die Technik mit stimmungsvollen Kulissen und passender Musik trägt dazu bei, dass das Spiel trotz seiner eher kurzen Spielzeit im Gedächtnis bleibt.
Gleichzeitig muss man aber festhalten, dass die lineare Struktur nicht jedem gefällt. Wer eine offene Welt voller Nebenaktivitäten erwartet, könnte hier enttäuscht werden. Auch die eingeschränkte Waffenauswahl und der Verzicht auf große Gameplay-Innovationen lassen das Spiel eher traditionell wirken. Dennoch überwiegt der positive Eindruck: The Old Country ist kein perfektes, aber ein stimmiges Mafia-Erlebnis – atmosphärisch dicht, handwerklich stark und definitiv eine Empfehlung für Fans der Reihe.
Unsere Gesamtbewertung
80%

„Atmosphärisch dicht, handwerklich stark – ein stimmiges Mafia-Erlebnis.” – game7days

Game7Days Award Silber
Silber
ProContra
  • Atmosphärische Story
  • Authentisches Setting
  • Filmreife Inszenierung mit gut gestalteten Cutscenes
  • Fokussiertes Gameplay
  • Abwechslungsreiche Missionen
  • Technisch sauberer Zustand
  • Wenig Open-World-Inhalte
  • Begrenztes Waffenarsenal
  • Relativ kurze Spielzeit
Name: Mafia: The Old Country
Genre: Shooter, Adventure
USK/PEGI: 18 / 18
Entwickler: Hangar 13
Publisher: 2K Games
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X
Veröffentlichung: 07. August 2025
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Mafia: The Old Country wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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