Crime Simulator – Test / Review (PC)

Wenn man zurückschaut, merkt man erst, wie ungewöhnlich Crime Simulator eigentlich ist. Während Simulatoren normalerweise eher Alltagsberufe wie Bauern, Busfahrer oder LKW-Fahrer in den Vordergrund stellen, dreht sich hier alles um die weniger ruhmreiche Seite des Lebens – nämlich die eines Einbrechers. Entwickelt vom kleinen Studio Noble Muffins erschien das Spiel 2018 zunächst für den PC, später folgten auch Konsolenversionen. Viele hielten es anfangs für einen kuriosen Gag, doch schnell zeigte sich, dass sich dahinter ein durchdachtes Konzept verbarg, das mehr zu bieten hatte, als man von außen vermuten würde.

Spieler übernehmen die Rolle eines namenlosen Diebes, der Schritt für Schritt vom Kleinkriminellen zum Profi aufsteigt. Was dabei sofort auffällt: Crime Simulator nimmt sich nicht zu ernst, bleibt aber in vielen Details erstaunlich realistisch. Man beobachtet Häuser, merkt sich Tagesabläufe, schleicht, bricht Türen auf und versucht anschließend, möglichst unbemerkt wieder zu verschwinden. Gerade diese Mischung aus Spannung, Geduld und plötzlicher Hektik hebt das Spiel von anderen Genrevertretern ab. Wer sich darauf einlässt, entdeckt ein Erlebnis, das irgendwo zwischen klassischem Stealth-Spiel und leicht ironischem Simulator liegt.


Aus dem Gefängnis entlassen

Eine tiefgehende Handlung darf man hier nicht erwarten, doch Crime Simulator liefert genug Rahmen, um die Einbrüche sinnvoll zu verbinden. Man arbeitet für eine kriminelle Organisation, die nach und nach neue Aufträge erteilt. Anfangs sind es noch einfache Aufgaben wie das Einschlagen von Fenstern oder das Mitgehenlassen eines alten Fernsehers, später folgen dann größere Brüche in wohlhabenderen Vierteln. Die Progression funktioniert, weil man das Gefühl hat, in einer kriminellen Karriere aufzusteigen – vom Gelegenheitsdieb zum Profi mit speziellem Werkzeug.

Zwischendurch sorgen kleine Funksprüche, Hinweise und Dialoge für eine gewisse Atmosphäre. Es ist kein Hollywood-Blockbuster und will das auch nicht sein. Stattdessen hält die Story die Motivation hoch, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen. Man macht weiter, weil man den nächsten Auftrag sehen will, weil man seine Fähigkeiten verbessern möchte und weil man wissen will, wie die Organisation einen weiter einspannt. Das Ergebnis ist eine klare, funktionale Geschichte, die genau das liefert, was sie soll: einen glaubwürdigen Rahmen für das eigentliche Gameplay.


Der Alltag eines Diebes

Das Herzstück des Spiels liegt ganz klar im Schleichen, Beobachten und Planen. Bevor man überhaupt daran denkt, ein Haus zu betreten, sollte man sich die Umgebung genau anschauen. Wo sind Kameras installiert? Wann sind die Bewohner zu Hause und wann nicht? Welche Fenster oder Türen wirken verwundbar? Dieses Beobachten bringt einen spielerisch in die Lage, wie ein echter Dieb zu denken – und genau das macht den Reiz aus. Oft verbringt man mehr Zeit damit, Gewohnheiten der NPCs zu studieren, als tatsächlich Beute einzusammeln.

Der eigentliche Einbruch ist dann eine Mischung aus Stealth-Mechanik und Improvisation. Man knackt Türen, schleicht durch Gärten oder klettert über Zäune, während man gleichzeitig auf Geräusche und Sichtlinien achten muss. Kaum ein anderes Spiel erzeugt so effektiv dieses Gefühl, ertappt werden zu können. Jeder kleine Fehler – eine zu laute Bewegung, eine falsche Entscheidung – kann das Ende der Mission bedeuten und die Polizei auf den Plan rufen. Diese Spannung, immer zwischen Kontrolle und Panik, macht Thief Simulator überraschend intensiv und motiviert, immer vorsichtiger und cleverer vorzugehen.


Von Vandalismus zum Massenraub

Mit der Zeit werden die Aufgaben abwechslungsreicher und komplexer. Anfangs reicht es, ein paar Wertgegenstände mitzunehmen oder unauffällig ein Haus zu plündern. Später warten größere Villen mit strengeren Sicherheitsmaßnahmen, bei denen man mehr Geduld und bessere Vorbereitung braucht. Hinzu kommen Aufträge, bei denen man nicht nur klauen, sondern gezielt bestimmte Objekte besorgen oder Spuren verwischen muss. Dadurch entsteht eine Progression, die dafür sorgt, dass man nie das Gefühl hat, dass es nur beim „Fernseher aus der Nachbarschaft“ bleibt.

Besonders gelungen ist, dass jeder Auftrag eine andere Herangehensweise erfordert. Manche lassen sich schnell erledigen, wenn man die richtige Tageszeit erwischt, andere erfordern langes Auskundschaften. Oft ist es genau dieser Moment der Planung, der für Spannung sorgt. Man sitzt im Auto, beobachtet, macht sich Notizen – und wartet auf die perfekte Gelegenheit. Auch wenn sich manche Abläufe nach einigen Stunden wiederholen, hält die Abwechslung lange genug vor, um den Spieler bei der Stange zu halten.


Zerlegt die Autos

Ein Feature, das besonders auffällt, ist das Zerlegen von Fahrzeugen. Irgendwann reicht es nicht mehr, Schmuck oder Elektronik zu stehlen – man fängt an, ganze Autos zu klauen. Diese werden ins eigene Versteck gebracht und dort Stück für Stück auseinandergenommen. Reifen, Spiegel, Motorblöcke oder kleinere Elektronikteile lassen sich dann einzeln verkaufen. Dieses Detail erweitert das Spielgefühl deutlich und bringt einen realistischen Touch mit hinein.

Gerade dieser Aspekt hebt Crime Simulator von anderen Spielen ab. Man spürt, dass man nicht mehr nur ein einfacher Einbrecher ist, sondern ein Krimineller, der mit professionellen Methoden arbeitet. Der Prozess des Zerlegens macht Spaß, weil er kleinteilig und nachvollziehbar ist, fast wie ein eigenes kleines Minispiel. Gleichzeitig ist es ein starker Motivator, weil man merkt, wie lukrativ diese Aufträge sind und wie sich die kriminelle Karriere dadurch weiterentwickelt.


Eigenes Versteck zum Einrichten

Das Versteck ist mehr als nur ein Menüpunkt zwischen den Missionen. Es ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt, in dem man Beute verkauft, Werkzeuge kauft und seine Fähigkeiten verbessert. Mit der Zeit wird das eigene Hideout zu einer Art Spiegel des Fortschritts – Anfangs noch spärlich ausgestattet, später eine voll funktionierende Basis für den Profi-Einbrecher.

Hier wird auch das Zerlegen von Autos wichtig, da man Werkzeuge und Regale nach und nach erweitert, um mehr Möglichkeiten zu haben. Zudem lassen sich hier neue Ausrüstungsgegenstände testen, bevor man sie in den nächsten Auftrag mitnimmt. Dadurch entsteht eine angenehme Routine: Man kehrt immer wieder ins Versteck zurück, wertet seinen Fortschritt aus und bereitet sich auf den nächsten Coup vor. Es vermittelt ein Gefühl von Kontinuität und macht die Karriere als Dieb greifbarer.


Technik, Grafik & Sound

Rein technisch darf man keine AAA-Produktion erwarten, doch Crime Simulator überzeugt durch funktionale Präsentation. Die verschiedenen Viertel sind zwar nicht die schönsten Welten, die man je gesehen hat, erfüllen aber ihren Zweck. Häuser wirken glaubwürdig, Straßen sind ausreichend belebt, und durch Tag-Nacht-Wechsel entsteht immer wieder ein neues Spielgefühl. Gerade nachts baut sich eine dichte Atmosphäre auf, wenn man leise über Rasenflächen schleicht und dabei jede Bewegung zählt.

Akustisch hingegen glänzt das Spiel. Schritte, knackende Türen, klirrendes Glas – all das ist präzise und sorgt sofort für Anspannung. Besonders gelungen ist, wie gut Geräusche im Gameplay verankert sind: Wer zu laut ist, riskiert entdeckt zu werden, was die Atmosphäre stark verstärkt. Auch die Hintergrundgeräusche, sei es ein vorbeifahrendes Auto oder ein Hund in der Nachbarschaft, tragen zur Immersion bei. Technisch ist Thief Simulator kein Meilenstein, aber die Balance aus solider Grafik und starkem Sounddesign macht es zu einem stimmigen Erlebnis.

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Unsere Meinung

Crime Simulator setzt auf eine offene Sandbox, in der Auskundschaften, Einbrüche und Fluchtfahrten den Takt vorgeben. Der Kreislauf aus Planen, Ausführen und Verbessern der Ausrüstung sorgt anfangs für einen starken Sog.
Auf längere Sicht bremsen jedoch Wiederholungen, simple KI und technische Ecken und Kanten. Wer Stealth- und Heist-Spielereien mag, bekommt solide Kost mit kreativen Spielräumen – aber ohne die große Finesse.
Unsere Gesamtbewertung

„Motivierender Heist-Loop, aber wenig Feinschliff und schwache KI.” – game7days

ProContra
  • Motivierender Planungs- und Beute-Loop
  • Freies Ausspähen & flexible Ansätze
  • Werkzeug-/Fahrzeug-Upgrades spürbar nützlich
  • Repetitiv auf lange Sicht
  • Einfache KI, Bugs & Clipping
  • Unpräzise Steuerung, steife Animationen
Name: Crime Simulator
Genre: Stealth, Simulation
USK/PEGI: –
Entwickler: CookieDev
Publisher: Ultimate Games S.A., PlayWay S.A.
Plattform: PC (weitere Plattformen tbd)
Veröffentlichung: 17.06.2025
Anmerkung: Die PC-Version von Crime Simulator wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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