Date Everything – Test / Review (PC)

Manchmal reicht schon ein einziger Satz aus, damit man entweder sofort Interesse entwickelt oder das Ganze als vollkommen verrückte Idee abstempelt. Ein Dating-Spiel, in dem man Gegenstände aus dem eigenen Haus kennenlernen, anfreunden oder sogar daten kann, gehört definitiv in diese Kategorie. Als ich zum ersten Mal von Date Everything! gehört habe, war ich mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob das Konzept mehrere Stunden tragen kann oder ob der eigentliche Witz bereits nach den ersten Begegnungen verpufft. Überraschenderweise passiert genau das nicht. Stattdessen entwickelt sich das Spiel nach und nach zu etwas völlig anderem. Natürlich bleibt die Grundidee absurd. Daran ändert sich auch nach zehn oder zwanzig Stunden nichts. Irgendwann hört man jedoch auf, die Figuren als Kühlschränke, Lampen oder Staubsauger wahrzunehmen. Stattdessen werden sie zu Charakteren mit eigenen Problemen, Macken und Geschichten. Genau dort beginnt Date Everything! deutlich stärker zu werden, als es der Titel zunächst vermuten lässt. Was anfangs wie ein großer Gag wirkt, entwickelt sich langsam zu einer erstaunlich umfangreichen Sammlung kleiner Geschichten, die mal lustig, mal seltsam und manchmal sogar überraschend emotional ausfallen.


In diesem Haus hat plötzlich alles eine Persönlichkeit

Die eigentliche Ausgangssituation ist schnell erklärt. Durch eine besondere Brille wird es möglich, gewöhnliche Objekte als menschliche Figuren wahrzunehmen. Kaum setzt man dieses Gerät auf, verwandelt sich das eigene Zuhause in einen Ort voller Charaktere. Plötzlich besitzt die Kaffeemaschine eine eigene Meinung, der Spiegel hat seine ganz persönliche Sicht auf die Welt und selbst Dinge, über die man normalerweise nicht eine Sekunde nachdenken würde, entwickeln einen eigenen Charakter. Genau dieser Moment funktioniert erstaunlich gut. Das Haus bleibt zwar äußerlich dasselbe, wirkt aber innerhalb weniger Minuten komplett verändert. Jede Tür, jede Ecke und jedes Zimmer kann potenziell eine neue Begegnung bereithalten. Dadurch entsteht von Anfang an eine Neugier, die das Spiel lange trägt. Man läuft nicht durch die Räume, um eine Quest zu erledigen. Stattdessen fragt man sich ständig, welches Objekt wohl als Nächstes zum Leben erwacht und was für eine Persönlichkeit dahintersteckt.

Besonders beeindruckend ist dabei die schiere Menge an Figuren. Das Spiel wirft einem nicht einfach zehn oder fünfzehn Charaktere vor die Füße und wiederholt diese anschließend bis zum Ende. Stattdessen wartet hinter nahezu jedem Gegenstand eine eigene Geschichte. Manche Figuren wirken von Beginn an sympathisch, andere sind komplett überdreht und wieder andere brauchen etwas Zeit, bis man versteht, warum sie eigentlich so handeln, wie sie handeln. Genau diese Vielfalt sorgt dafür, dass das Haus niemals langweilig wird. Oft wollte ich eigentlich nur kurz eine bestimmte Geschichte weiterspielen und landete stattdessen bei drei völlig anderen Charakteren, weil unterwegs wieder irgendeine neue Begegnung entstanden ist. Das Spiel lebt enorm von diesem Entdeckergefühl. Nicht weil man neue Orte erkundet, sondern weil man ständig neue Persönlichkeiten kennenlernt.


Hinter den Witzen steckt deutlich mehr als erwartet

Wer nur die ersten Minuten erlebt, könnte leicht denken, dass sich das gesamte Spiel ausschließlich auf seinen absurden Humor verlässt. Natürlich gibt es unzählige Situationen, die allein durch ihre Grundidee lustig sind. Schließlich spricht man hier mit Möbelstücken, Küchengeräten und anderen Alltagsgegenständen. Das Spiel ruht sich darauf allerdings überraschend selten aus. Viele Figuren beginnen als offensichtlicher Witz und entwickeln sich mit der Zeit zu deutlich interessanteren Charakteren. Hinter manchen steckt Unsicherheit, hinter anderen Einsamkeit oder der Wunsch, endlich ernst genommen zu werden. Das klingt zunächst seltsam, funktioniert innerhalb dieser Welt aber erstaunlich gut. Gerade weil das Spiel seine Figuren ernst nimmt, wirken viele Geschichten deutlich stärker, als man zunächst erwarten würde.

Noch interessanter wird es dadurch, dass nicht jede Figur dieselbe Richtung einschlägt. Einige Geschichten bleiben komplett albern und setzen voll auf Humor. Andere entwickeln plötzlich deutlich ernstere Töne. Genau diese Mischung verhindert, dass sich das Spiel irgendwann abnutzt. Man weiß nie genau, was einen hinter der nächsten Begegnung erwartet. Manche Charaktere bringen einen zum Lachen, andere überraschen mit unerwarteten Wendungen und einige entwickeln sogar eine gewisse emotionale Tiefe. Natürlich landet nicht jede Geschichte einen Volltreffer. Bei einer so großen Anzahl an Figuren wäre das auch kaum möglich. Trotzdem hatte ich regelmäßig das Gefühl, wirklich neugierig auf die nächste Unterhaltung zu sein. Nicht weil ich wissen wollte, welcher Gegenstand dahintersteckt, sondern weil ich wissen wollte, wie sich die jeweilige Geschichte weiterentwickelt.


Zwischen Neugier und völliger Reizüberflutung

Die enorme Anzahl an Figuren gehört gleichzeitig zu den größten Stärken und den größten Schwächen des Spiels. Anfangs fühlt sich die Vielfalt fantastisch an. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues und ständig tauchen weitere Charaktere auf. Nach vielen Stunden entsteht allerdings gelegentlich das gegenteilige Problem. Das Spiel bietet so viele Figuren, dass manche zwangsläufig etwas untergehen. Während einige Charaktere lange im Gedächtnis bleiben, verschwinden andere relativ schnell wieder zwischen den zahlreichen Begegnungen. Nicht weil sie schlecht geschrieben wären, sondern weil einfach unglaublich viel gleichzeitig passiert. Es gibt Momente, in denen man kaum eine Geschichte abgeschlossen hat, bevor schon wieder mehrere neue auftauchen.

Dazu kommt, dass das eigentliche Gameplay bewusst sehr simpel gehalten wurde. Der Fokus liegt fast vollständig auf Gesprächen, Entscheidungen und den Beziehungen zu den einzelnen Figuren. Wer auf komplexe Spielmechaniken, Rätsel oder klassische Herausforderungen hofft, wird hier vermutlich nicht fündig. Das muss allerdings nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Das Spiel weiß ziemlich genau, was es sein möchte, und konzentriert sich vollständig darauf. Trotzdem gibt es Phasen, in denen sich bestimmte Abläufe etwas wiederholen. Gerade in späteren Spielstunden kann die Suche nach einzelnen Charakteren oder bestimmten Gesprächsoptionen gelegentlich etwas zäh werden. Das reicht zwar nie aus, um den Spielfluss komplett auszubremsen, sorgt aber dafür, dass nicht jede Stunde gleich spannend ausfällt.


Die Figuren bleiben vor allem wegen ihrer Stimmen im Kopf

Ein großer Teil der Wirkung entsteht durch die Präsentation. Viele der Charaktere würden ohne die passende Vertonung vermutlich nur halb so gut funktionieren. Die Sprecher schaffen es jedoch, selbst den absurdesten Figuren Persönlichkeit zu verleihen. Dadurch wirken die Gespräche deutlich lebendiger und man entwickelt schneller eine Beziehung zu den einzelnen Charakteren. Gerade bei einem Spiel, das fast vollständig auf Dialogen basiert, ist das enorm wichtig. Glücklicherweise merkt man hier schnell, wie viel Aufwand in diesen Bereich geflossen ist.

Hinzu kommt der eigenständige Stil des Spiels. Die Mischung aus realer Umgebung und stilisierten Charakterdarstellungen sorgt dafür, dass die Figuren sofort ins Auge fallen. Das Spiel versucht nie, seine verrückte Grundidee zu verstecken oder realistischer wirken zu lassen, als sie eigentlich ist. Stattdessen wird die Absurdität voll ausgespielt. Genau deshalb funktioniert sie so gut. Nach einigen Stunden wundert man sich längst nicht mehr darüber, dass man mit einem Toaster oder einer Lampe spricht. Stattdessen beginnt man automatisch darüber nachzudenken, welche Figur man als Nächstes besuchen möchte. Das klingt verrückt, beschreibt das Spielerlebnis aber erstaunlich treffend.


Ein Spiel das man nicht vergisst

Je länger ich gespielt habe, desto mehr rückte die eigentliche Grundidee in den Hintergrund. Anfangs denkt man ständig darüber nach, wie absurd dieses Konzept eigentlich ist. Irgendwann verschwindet dieser Gedanke fast vollständig. Stattdessen stehen die Figuren und ihre Geschichten im Mittelpunkt. Das Haus entwickelt sich langsam zu einer Art kleiner Nachbarschaft voller Charaktere, die miteinander verbunden sind und deren Geschichten sich teilweise überschneiden. Genau dadurch entsteht eine überraschend lebendige Welt. Viele Begegnungen wirken deutlich persönlicher, als man es bei einem Spiel dieser Art erwarten würde.

Natürlich wird Date Everything! nicht jeden überzeugen. Wer mit Visual Novels, Dating-Spielen oder dialoglastigen Titeln generell wenig anfangen kann, wird vermutlich auch hier nicht plötzlich seine Liebe für das Genre entdecken. Wer sich allerdings auf die Idee einlässt, bekommt eines der ungewöhnlichsten Spiele der letzten Jahre. Es ist chaotisch, manchmal komplett überdreht und an einigen Stellen vielleicht sogar ein wenig zu ambitioniert. Trotzdem besitzt es eine Kreativität, die man heute nur noch selten sieht. Allein deshalb bleibt das Spiel deutlich länger im Gedächtnis, als viele deutlich größere Produktionen.

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Unsere Meinung

Date Everything! lebt zunächst von einer Idee, die fast schon wie ein schlechter Scherz klingt. Nach einigen Stunden wird allerdings klar, dass deutlich mehr dahintersteckt. Die Figuren sind kreativ geschrieben, viele Geschichten überraschen mit unerwarteten Richtungen und das Haus entwickelt sich nach und nach zu einer Welt voller kleiner Persönlichkeiten, die man tatsächlich kennenlernen möchte. Gerade dieser Wechsel zwischen absurdem Grundgedanken und erstaunlich ehrlichen Momenten macht den Reiz aus.
Nicht jede Geschichte ist gleich stark und die enorme Anzahl an Charakteren kann gelegentlich etwas überwältigend wirken. Trotzdem schafft es das Spiel immer wieder, neugierig auf die nächste Begegnung zu machen. Genau deshalb funktioniert das Konzept so gut. Man startet aus Interesse an der verrückten Idee und bleibt am Ende wegen der Figuren. Das schaffen nicht viele Spiele. Date Everything! ist dadurch deutlich mehr als nur ein kurioser Gag, sondern ein überraschend charmantes und angenehm anderes Dating-Abenteuer.
Unsere Gesamtbewertung
82%

„Eine herrlich verrückte Dating-Idee, die am Ende nicht wegen des Gags, sondern wegen ihrer Figuren hängen bleibt.” – game7days

Game7Days Award Silber
Silber
ProContra
  • Sehr ungewöhnliche Grundidee
  • Kreativ geschriebene Figuren
  • Viele überraschende Geschichten
  • Haus entwickelt sich zur eigenen Welt
  • Starker Wechsel aus Humor und Gefühl
  • Neugier auf neue Begegnungen bleibt lange
  • Nicht jede Geschichte gleich stark
  • Viele Charaktere wirken teils überwältigend
  • Konzept dürfte nicht jeden abholen
Name: Date Everything!
Genre: Dating-Simulation / Adventure
USK/PEGI: 16 / 16
Entwickler: Sassy Chap Games
Publisher: Team17
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S, Nintendo Switch
Veröffentlichung: 17. Juni 2025
Shop: Shop
Anmerkung: Date Everything! wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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