Schon bevor die Geschichte richtig losgeht, fällt auf, dass Lord of Hatred viel düsterer und unangenehmer ist als vieles, was davor kam. Diese Erweiterung braucht sich Zeit, um ihre Welt zu zeigen, und lässt viele Momente absichtlich ruhig wirken. Dann brechen plötzlich wieder große Gruppen von Dämonen auf dem Bildschirm auf. Genau das erzeugt oft das Gefühl, dass die Welt von Sanctuary langsam auseinanderfällt. Selbst kleine Orte wirken müde, die Menschen verlieren mehr und mehr die Hoffnung und überall ist Mephistos Einfluss spürbar. Diese traurige Stimmung geht durch fast jeden Teil der Erweiterung und sorgt dafür, dass Lord of Hatred sich geschlossener und intensiver anfühlt als viel von dem, was in Diablo 4 zuvor kam.
Skovos gehört zu den interessantesten Regionen in ganz Diablo 4
Das neue Gebiet Skovos ist wirklich eines der Highlights der gesamten Erweiterung. Blizzard hat hier nicht einfach nur eine neue Region ins Spiel gepackt, sondern einen Ort geschaffen, der sich total anders anfühlt als viele ältere Gebiete. Statt nur graue und braune Landschaften oder zerstörte Burgen zu zeigen, bietet die Region offene Küstenbereiche, uralte Tempelanlagen und Regionen, die gleichzeitig wunderschön und verdorben wirken. Deshalb bleibt man ständig stehen und schaut sich um. Viele Orte sind wirklich beeindruckend, aber über allem liegt dieses Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Selbst ruhige Gebiete fühlen sich nicht wirklich sicher an.
Die Region ist sehr dicht bebaut. Man läuft selten länger als ein paar Minuten, ohne auf etwas Neues zu stoßen. Kleine Events, versteckte Dungeons, plötzliche Angriffe von Dämonen oder Nebenquests halten dich ständig auf Trab. Deshalb verlierst du dich schnell in der Welt. Oft fängst du an, eine kleine Aufgabe zu erledigen, und landest plötzlich Stunden später in einem anderen Gebiet, weil unterwegs so viel passiert ist. Das vertikale Design vieler Orte macht die Welt abwechslungsreicher als manche Regionen im Hauptspiel. Skovos fühlt sich lebendiger und unangenehmer an, was perfekt zur Stimmung der Erweiterung passt.



Die neuen Klassen bringen endlich wieder frischen Wind ins Kampfsystem
Die neuen Klassen machen das Spiel viel interessanter, als man zunächst denkt. Besonders der Warlock spielt man total anders als die alten Klassen. Man konzentriert sich nicht nur darauf, möglichst viel Schaden zu machen, sondern arbeitet ständig mit Flüchen, Beschwörungen und Fähigkeiten, die sich gegenseitig beeinflussen. Kämpfe werden dadurch sehr schnell hektisch. Überall tauchen Effekte auf, Gegner zerfallen in Sekunden und trotzdem muss man ständig darauf achten, wie man seine Fähigkeiten kombiniert. Gerade deswegen fühlt sich die Klasse angenehm wild an, ohne völlig unkontrollierbar zu sein. Viele Kämpfe wirken dadurch aggressiver und dynamischer als bei den alten Klassen.
Der Paladin hingegen bringt endlich wieder das direkte Nahkampfgefühl zurück, das viele Spieler vermisst haben. Große Schilde, starke Flächenangriffe und defensive Fähigkeiten sorgen dafür, dass sich die Klasse deutlich langsamer, aber gleichzeitig sehr wuchtig spielt. Im Koop merkt man schnell, wie gut beide neuen Klassen zusammen funktionieren können. Während der Warlock ganze Gegnergruppen kontrolliert oder auseinanderreißt, hält der Paladin Gegner auf Distanz und sorgt dafür, dass Kämpfe strukturiert ablaufen. Dadurch verändert sich auch das Spielen in der Gruppe und fühlt sich viel dynamischer an als im Hauptspiel.



Das Endgame wirkt endlich wie ein richtiger Teil des Spiels
Das Endgame von Diablo 4 war lange ein Kritikpunkt. Man hatte oft das Gefühl, immer dieselben Dinge zu tun, ohne dass der Charakter sich wirklich weiterentwickelt. Lord of Hatred will dieses Problem angehen. Die neuen War Plans verändern das Spielgefühl deutlich. Statt zwischen Aktivitäten zu wechseln, verbindet das Spiel jetzt viele Inhalte direkt. Alles läuft flüssiger ab und man verbringt weniger Zeit in Menüs oder Ladebildschirmen.
Das ergibt einen angenehmeren Spielfluss. Nightmare Dungeons gehen direkt in Helltides über, Bosskämpfe schließen sich an andere Aktivitäten an. Das Endgame fühlt sich weniger zerstückelt an. Gleichzeitig bleibt genug Freiheit, damit Spieler entscheiden können, worauf sie sich konzentrieren möchten. Manche farmen Bosse, andere konzentrieren sich auf Dungeons oder Events. Diese Mischung sorgt dafür, dass das Endgame länger motiviert und nicht repetitiv wirkt. Man merkt, dass Blizzard versucht hat, Diablo 4 langfristig interessanter zu machen.
Der Horadrische Würfel verändert den Umgang mit Loot und Crafting. Statt Gegenstände auszutauschen oder zu zerlegen, experimentiert man jetzt mit Kombinationen. Werte lassen sich verändern, Effekte übertragen und Gegenstände neu ausrichten. Loot fühlt sich langfristig interessanter an, weil selbst durchschnittliche Gegenstände wieder relevant werden können. Der Würfel sorgt dafür, dass man mehr mit Builds herumprobiert, statt nur dem Meta-Build hinterherzulaufen. Im späteren Endgame merkt man, wie stark dieses System die Charakterentwicklung beeinflusst und wie viel Kontrolle man über die Ausrüstung bekommt.



Loot fühlt sich endlich wieder wie echter Fortschritt an
Beim Loot fällt schnell auf, dass Blizzard einige Dinge geändert hat. Im Hauptspiel waren viele Gegenstände nach einer Weile austauschbar, weil oft nur kleine Zahlenunterschiede den Unterschied ausmachten. Lord of Hatred geht hier jedoch in eine andere Richtung. Viele neue legendäre Effekte verändern die Spielweise direkt oder ermöglichen komplett neue Ansätze. Dadurch fühlt sich der Loot endlich wieder wichtiger an und nicht nur wie ein weiterer Zahlenanstieg. Man schaut jetzt wieder häufiger auf gefundene Gegenstände und überlegt sofort, welche Möglichkeiten sich dadurch ergeben könnten.
Es ist besonders angenehm, dass interessante Kombinationen jetzt viel früher entstehen können. Viele Klassen fühlen sich nicht erst im Endgame stark an, sondern entwickeln ihre eigentliche Identität bereits während des normalen Spielverlaufs. Dadurch bleibt die Motivation hoch, weil man ständig neue Dinge ausprobiert oder plötzlich merkt, dass ein gefundener Gegenstand den kompletten Charakter verändert. Es gibt auch weiterhin genug seltene Gegenstände und starke Kombinationen, die langfristig motivieren und dafür sorgen, dass die Loot-Jagden wieder spannender sind als im Hauptspiel.



Kämpfe eskalieren schneller und wirken deutlich brutaler
Spielerisch fühlt sich Lord of Hatred insgesamt aggressiver und schneller an als das Hauptspiel. Die Fähigkeiten schießen regelrecht über den Bildschirm, Gegnergruppen zerfallen oft innerhalb weniger Sekunden und viele Klassen spielen sich viel hektischer als früher. In höheren Schwierigkeitsgraden entsteht ein richtiges Tempo, das stellenweise fast chaotisch wirkt. Trotzdem bleibt genug Übersicht erhalten, damit Kämpfe nicht nur in purem Effektchaos untergehen. Das sorgt dafür, dass selbst riesige Kämpfe selten unfair wirken.
Vor allem Bosskämpfe profitieren enorm von diesen Änderungen. Viele Gegner verlangen jetzt viel mehr Bewegung und Reaktion. Man kann nicht einfach stehen bleiben und permanent Schaden verursachen, sondern muss oft die Position wechseln oder bestimmte Angriffe aktiv umgehen. Genau das macht viele Kämpfe wesentlich intensiver und gleichzeitig befriedigender als im Hauptspiel. Trotz aller Effekte bleibt das Kampfsystem angenehm direkt und genau das sorgt dafür, dass selbst lange Spielsessions selten anstrengend werden. Gerade im Koop-Modus entstehen oft komplett eskalierende Kämpfe, bei denen überall gleichzeitig Effekte, Dämonen und Loot herumfliegen.



Sanctuary war selten gleichzeitig so schön und so unangenehm
Lord of Hatred gehört definitiv zu den stärkeren Diablo-Erweiterungen, was die Atmosphäre angeht. Die neuen Regionen sind besonders gut gelungen, weil sie immer wieder zwischen Schönheit und Hoffnungslosigkeit wechseln. Man kann durch beeindruckende Küstenlandschaften laufen, riesige Tempelruinen sehen oder wunderschöne offene Gebiete erkunden. Gleichzeitig ist aber überall die dämonische Verderbnis sichtbar. Diese Mischung macht viele Orte unglaublich unangenehm, obwohl sie optisch teilweise wunderschön aussehen. Deshalb bleibt die Welt ständig interessant und fühlt sich nie einfach nur wie eine Fantasy-Kulisse an.
Der Soundtrack ist auch sehr gelungen und bleibt viel besser im Gedächtnis als viele Stücke aus dem Hauptspiel. Ruhige Musik in Städten wechselt plötzlich zu wilden Kampfstücken, sobald Dämonenhorden auftauchen. Dadurch entsteht wieder dieses typische Diablo-Gefühl, bei dem selbst kleine Kämpfe plötzlich sehr intensiv wirken können. Zusammen mit dem guten Sounddesign sorgt das dafür, dass Lord of Hatred atmosphärisch konstant bedrückend bleibt und genau dadurch sehr gut funktioniert. Selbst lange Spiel-Sessions verlieren dadurch selten ihre Wirkung, weil die Welt ständig dieses unangenehme Gefühl vermittelt, dass Sanctuary längst nicht mehr zu retten ist.



Die neue Season bringt endlich wieder dieses typische Diablo-Suchtgefühl zurück
Die aktuelle Season von Diablo 4 fühlt sich deutlich umfangreicher an als viele der vorherigen Inhalte. Blizzard hat diesmal nicht nur eine kleine Zusatzmechanik eingebaut, sondern gleich mehrere Kernsysteme verändert. Schon nach kurzer Zeit merkt man, dass Fortschritt, Charakterentwicklung und Endgame viel flüssiger sind. Die neuen Anpassungen an Fähigkeiten und Klassen sorgen dafür, dass viele Spielstile plötzlich ganz anders funktionieren als früher. Einige Fähigkeiten haben neue Effekte, andere erzeugen neue Kombinationen und einige Spielstile spielen sich fast wie völlig neue Klassenvarianten.
Die Veränderungen im Spielfluss sind besonders stark. Die neuen War Plans verbinden viele Inhalte auf natürliche Weise miteinander. Man muss nicht ständig manuell zwischen Aktivitäten wechseln, sondern eine Aktivität geht oft direkt in die nächste über. Nightmare-Dungeons führen plötzlich zu Helltides oder Infernal-Hordes-Events und genau dadurch bleibt der Spielfluss konstant. Das klingt zunächst wie eine kleine Änderung, aber es verändert das komplette Spielgefühl enorm. Man verbringt weniger Zeit mit Menüs und mehr Zeit damit, Monster zu besiegen und Beute zu sammeln. Gerade dadurch fühlt sich Diablo 4 endlich direkter und motivierender an.
Die Belohnungen in dieser Season motivieren auch viel stärker. In Sanctuary tauchen überall neue dämonische Bedrohungen auf und viele bekannte Aktivitäten wurden aggressiver und chaotischer gestaltet. Gleichzeitig sammelt man neue Segnungen und Verstärkungen, die Erfahrung, Beute oder Materialien verbessern. Dadurch fühlt sich jede Aktivität sinnvoll an und selbst kleine Spielrunden liefern ständig Fortschritt. Genau dieses Gefühl hat Diablo 4 lange gefehlt. Selbst wenn man nur kurz spielt, passiert meistens trotzdem irgendetwas, das den eigenen Charakter weiterentwickelt.
Die überarbeiteten Infernal Hordes sind auch wesentlich chaotischer und intensiver. Neue Modifikationen und zufällige Effekte sorgen dafür, dass viele Spielrunden komplett eskalieren können. Man entscheidet selbst, ob man schwierigere Gegner oder gefährlichere Effekte aktiviert, um bessere Belohnungen zu bekommen. Genau dieses Risiko-Belohnungs-Gefühl funktioniert überraschend gut und sorgt endlich wieder für diese typischen Diablo-Momente, bei denen der Bildschirm explodiert und trotzdem immer noch Beute herumliegt. Gerade dadurch fühlt sich die Season frischer an als viele der vorherigen Inhalte und zeigt, wohin Diablo 4 langfristig will.
Unsere Meinung
Diablo IV: Lord of Hatred führt die Reise durch Sanktuario genau dort weiter, wo Diablo IV am stärksten ist. Die Erweiterung setzt auf eine schwere, düstere Stimmung, wuchtige Kämpfe und diesen typischen Sog, bei dem man eigentlich nur kurz weiterspielen möchte und dann doch wieder viel länger bleibt. Neue Gebiete, zusätzliche Herausforderungen und frische spielerische Ansätze geben dem Hauptspiel spürbar mehr Gewicht. Besonders schön ist, dass sich Lord of Hatred nicht wie ein kleiner Zusatz anfühlt, sondern wie ein ernst gemeinter Ausbau der bestehenden Welt.
Ganz ohne Schwächen bleibt die Erweiterung trotzdem nicht. Manche Systeme wirken weiterhin etwas sperrig, das Endgame kann sich je nach Spielweise wiederholen und nicht jede Balance-Entscheidung wird jeden Fan glücklich machen. Trotzdem überwiegt klar der positive Eindruck. Lord of Hatred bringt Diablo IV wieder stärker auf Kurs, liefert mehr Abwechslung, mehr Atmosphäre und genug neue Gründe, erneut tief in die Hölle abzutauchen. Für Fans ist das eine richtig starke Erweiterung, die Sanktuario wieder gefährlicher und spannender wirken lässt.
„Eine starke Erweiterung, die Diablo IV düsterer, größer und wieder deutlich spannender macht.” – game7days
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