Nioh 3 – Test / Review (PC)

Es gibt Spiele, bei denen man schon vor dem ersten Schritt weiß, dass sie keine Kompromisse machen werden. Nioh 3 gehört genau in diese Kategorie. Die Reihe hat sich nie dafür interessiert, es dem Spieler leicht zu machen, sondern ihn herauszufordern, zu prüfen und manchmal auch zu frustrieren. Mit dem dritten Teil wird dieser Weg konsequent fortgesetzt – nicht lauter, nicht spektakulärer, sondern selbstbewusster. Wir haben uns bewusst Zeit genommen, uns wieder dieser fordernden Welt auszusetzen, um herauszufinden, wie sich diese Rückkehr anfühlt, wenn man nicht nach schnellen Erfolgen sucht, sondern nach einer Erfahrung, die bleibt.


Man steht wieder da und weiß genau, was gleich passiert

Schon nach den ersten Minuten merkt man, dass sich dieses Spiel nicht dafür interessiert, ob man gerade Lust auf Herausforderung hat oder nicht. Man steht in dieser Welt, hört die Geräusche um sich herum, bewegt sich vorsichtig vorwärts und weiß eigentlich schon, dass es gleich unangenehm wird. Nicht, weil das Spiel unfair wäre, sondern weil es nichts schenkt. Diese Erkenntnis kommt nicht schlagartig, sondern schleicht sich ein. Man geht ein paar Schritte, beobachtet einen Gegner, wägt ab und merkt, wie der eigene Puls ein wenig anzieht. Genau dieses Gefühl ist es, das Nioh schon immer ausgezeichnet hat, und es ist auch hier sofort wieder da.

Was sich allerdings verändert hat, ist die Art, wie diese Welt auf einen wirkt. Sie fühlt sich nicht mehr so zerstückelt an wie früher. Man bewegt sich nicht mehr nur durch klar abgesteckte Prüfungsräume, sondern durch Orte, die zusammengehören. Man bleibt öfter stehen, schaut sich um, erkennt Wege, die man später vielleicht gehen könnte. Dieses Mehr an Raum sorgt dafür, dass man nicht ständig unter Strom steht, sondern Phasen hat, in denen man einfach nur da ist. Und genau dadurch wirkt der Einstieg weniger wie ein Hindernisparcours und mehr wie ein langsames Hineingleiten in etwas, das größer ist als man selbst.


Abwechslungsreiche und fordernde Kämpfe

Der Kampf ist das Herz von Nioh 3, aber er fühlt sich nicht wie ein festes System an, das man irgendwann beherrscht und dann abhakt. Jeder Kampf ist anders, selbst wenn der Gegner derselbe ist. Mal ist man konzentriert, liest jede Bewegung, reagiert sauber und kontrolliert. Und dann gibt es diese Momente, in denen man einen Augenblick zu früh angreift oder einen Schritt zu viel macht. Das Spiel bestraft das sofort, aber nie auf eine willkürliche Art. Man weiß immer genau, was man falsch gemacht hat, auch wenn man es im Moment des Scheiterns nicht wahrhaben will.

Je länger man spielt, desto stärker merkt man, dass es hier weniger um Reaktion als um Haltung geht. Wie gehe ich in einen Kampf hinein. Bin ich geduldig oder will ich ihn schnell hinter mich bringen. Diese Fragen stellen sich nicht bewusst, sie zeigen sich im Spielverhalten. Und genau darin liegt etwas sehr Ehrliches. Wenn ein schwieriger Gegner endlich fällt, fühlt sich das nicht wie ein mechanischer Sieg an, sondern wie ein persönlicher Fortschritt. Nicht, weil man besser geworden ist im Sinne von Zahlen, sondern weil man ruhiger geworden ist. Aufmerksamer. Und dieses Gefühl nutzt sich auch nach vielen Stunden nicht ab.


Wege, die man selbst verantwortet

Die größere Freiheit in der Welt von Nioh 3 bedeutet nicht, dass man sich sicherer fühlt. Im Gegenteil. Je mehr Möglichkeiten man hat, desto mehr Entscheidungen muss man treffen. Welchen Weg gehe ich. Wann kehre ich um. Wann riskiere ich es. Diese Freiheit ist nicht bequem, sondern fordernd. Man kann sich verlaufen, man kann sich in Situationen bringen, für die man noch nicht bereit ist. Und genau das gibt der Welt Gewicht. Sie reagiert nicht auf dich, du musst auf sie reagieren.

Zwischen den Kämpfen entstehen dadurch Momente, die fast meditativ wirken. Man läuft durch ein Gebiet, hört nur die Umgebung, bleibt stehen, ohne dass etwas passiert. Diese Stille ist kein Leerlauf. Sie ist Teil des Spiels. Sie gibt Raum, um sich zu sammeln, um die nächste Entscheidung zu treffen. Nioh 3 hetzt einen nicht permanent weiter. Es erlaubt Pausen, ohne die Bedrohung zu verlieren. Und genau dadurch fühlt sich die Welt nicht wie ein Level an, sondern wie ein Ort, der existiert, egal ob man gerade darin kämpft oder nicht.


Nicht alles läuft immer Glatt

So konsequent das Spiel in seinem Anspruch ist, so deutlich merkt man auch, dass nicht alles perfekt zusammensitzt. Es gibt Momente, in denen technische Unsauberkeiten auffallen. Situationen, in denen die Übersicht leidet oder Bewegungen nicht ganz so präzise wirken, wie man es sich wünschen würde. Gerade in einem Spiel, das so stark auf Kontrolle setzt, fallen solche Dinge stärker ins Gewicht. Sie zerstören nichts, aber sie unterbrechen den Fluss.

Auch spielerisch gibt es Entscheidungen, die Zeit brauchen, um Sinn zu ergeben. Manche Neuerungen wirken zunächst sperrig, andere entfalten ihren Wert erst nach vielen Stunden. Nicht alles fühlt sich sofort richtig an. Aber genau diese Reibung passt erstaunlich gut zum Gesamtbild. Nioh 3 wirkt nicht wie ein glatt poliertes Produkt, sondern wie ein Spiel, das bewusst Risiken eingeht. Es will nicht jedem gefallen. Es will funktionieren nach seinen eigenen Regeln. Und diese Konsequenz spürt man, auch wenn man über einzelne Punkte stolpert.


Erkundbare Welt mit vielen Geheimnissen

Die Geschichte dieser Welt wird nicht erzählt, sie wird angedeutet. Orte wirken alt, verbraucht, gezeichnet von Dingen, die man nicht gesehen hat. Gegner fühlen sich an, als wären sie Teil dieser Welt und nicht einfach nur Hindernisse. Man bekommt Fragmente, Eindrücke, Stimmungen. Den Rest muss man selbst zusammensetzen. Oder man lässt es bewusst offen. Beides fühlt sich richtig an.

Diese Zurückhaltung ist eine der größten Stärken des Spiels. Es vertraut darauf, dass der Spieler aufmerksam ist. Dass er hinschaut. Dass er nachdenkt. Nioh 3 erklärt nicht, warum etwas wichtig ist. Es zeigt es einfach. Und genau dadurch bleibt die Welt im Kopf. Nicht als klarer Plot, sondern als Gefühl. Als Erinnerung an Orte, an Kämpfe, an Momente, in denen man einfach stehen geblieben ist, weil sich alles für einen kurzen Augenblick stimmig angefühlt hat.


Wenn man aufhört zu spielen, hört es nicht auf

Am Ende bleibt Nioh 3 nicht als Sammlung einzelner Highlights im Gedächtnis, sondern als zusammenhängende Erfahrung. Man denkt an eigene Fehler zurück, an Kämpfe, die man mehrfach versucht hat, an Situationen, in denen man zu hastig war. Es ist kein Spiel, das man einfach abschließt und abhakt. Es bleibt im Kopf, weil es einen ständig mit sich selbst konfrontiert hat.

Nioh 3 ist anstrengend. Es fordert Konzentration, Geduld und die Bereitschaft, sich immer wieder neu einzulassen. Es ist größer, offener und komplexer als zuvor, ohne seinen Kern zu verlieren. Nicht alles überzeugt, nicht alles sitzt perfekt. Aber genau diese Unvollkommenheit macht es greifbar. Es ist kein lautes Spiel. Es schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Es bleibt leise. Und genau deshalb bleibt es.


Atmosphärisch sehr gut dargestellt

Optisch ist Nioh 3 kein Spiel, das auf den ersten Blick beeindrucken will, sondern eines, das wirkt, wenn man sich Zeit nimmt. Die Welt ist rau, oft düster, manchmal fast schon abweisend, aber genau das passt zu dem, was sie erzählen will. Landschaften fühlen sich nicht wie hübsche Kulissen an, sondern wie Orte, die etwas hinter sich haben. Ruinen wirken alt, Pfade benutzt, Gebäude abgenutzt. Nichts glänzt unnötig, nichts wirkt künstlich geschönt. Die Charaktermodelle sind detailliert, ohne überladen zu sein, und vor allem die Gegner haben eine Präsenz, die man spürt, noch bevor man ihnen begegnet. Es ist keine Grafik, die schreit, sondern eine, die still beobachtet.

Der Sound verstärkt dieses Gefühl enorm. Geräusche sind nie bloße Untermalung, sondern Teil der Wahrnehmung. Schritte auf unterschiedlichem Untergrund, das leise Klirren von Ausrüstung, entfernte Schreie oder Windgeräusche tragen dazu bei, dass man sich ständig wachsam fühlt. Die Musik hält sich oft zurück und setzt gezielt Akzente, statt dauerhaft präsent zu sein. Wenn sie einsetzt, dann meist in Momenten, in denen Spannung aufgebaut wird oder ein Kampf eine neue Eskalationsstufe erreicht. Technisch ist nicht alles makellos. Es gibt kleinere Unsauberkeiten, gelegentliche Ruckler oder Situationen, in denen die Übersicht leidet. Doch nichts davon zerstört das Erlebnis grundlegend. Vielmehr fügt es sich in ein Gesamtbild ein, das nicht perfekt sein will, sondern stimmig.


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Unsere Meinung

Nioh 3 dreht das, was die Reihe schon immer ausgemacht hat, noch eine Stufe höher: das wuchtige Trefferfeedback, das aggressive Tempo und diese ständige „ein Fehler – und du liegst“-Spannung. Die Kämpfe fühlen sich brutaler und zugleich präziser an, weil Stances, Timing und Ressourcenmanagement noch stärker ineinandergreifen. Wenn du im Flow bist, wirkt jeder Bosskampf wie ein Duell, das du dir wirklich erarbeitest – nicht durch Glück, sondern durch Lernen, Anpassung und Nerven aus Stahl.
Ganz frei von Kanten ist das Paket trotzdem nicht: Die Einstiegshürde bleibt hoch, das System-Feuerwerk kann neue Spieler:innen überrollen und nicht jede Mission überrascht spielerisch gleich stark. Doch wer sich darauf einlässt, bekommt ein meisterhaftes Action-RPG, das seine Stärken kompromisslos ausspielt. Nioh 3 ist kein gemütlicher Spaziergang – es ist ein fordernder Tanz mit der Klinge, der mit jeder Stunde besser schmeckt und am Ende genau deshalb so lange im Kopf bleibt.
Unsere Gesamtbewertung
88%

„Knallhart, schnell, präzise – ein Combat-Monster, das Geduld belohnt und Meisterschaft fordert.” – game7days

Game7Days Award Gold
Gold
ProContra
  • Extrem befriedigendes, präzises Kampfsystem
  • Bosskämpfe mit hoher Lernkurve und Fairness
  • Stances & Builds bringen enorme Tiefe
  • Starkes Trefferfeedback und hohes Tempo
  • Motivierender Loot- und Progressions-Loop
  • Dichte Atmosphäre mit markantem Art-Design
  • Hoher Wiederspielwert durch Builds & Herausforderungen
  • Sehr hohe Einstiegshürde
  • Systemtiefe kann überfordern
  • Einige Missionen wirken weniger überraschend
  • Erfordert Geduld – nichts für „mal eben“
Name: Nioh 3
Genre: Action-RPG, Soulslike
USK/PEGI: 18 / 18
Entwickler: Team NINJA
Publisher: Koei Tecmo
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 06. Februar 2026
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Nioh 3 wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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