Borderlands 4 – Test / Review (PC)

Quelle: 2K

Fast fünf Jahre nach dem dritten Teil steht mit Borderlands 4 nun der nächste große Ableger der Reihe in den Regalen. Gearbox setzt diesmal auf eine klare Weiterentwicklung: Mehr Story-Fokus, ein frisches Klassensystem und neue technische Möglichkeiten sollen die Serie modernisieren, ohne den chaotischen Kern zu verlieren. Schon beim ersten Anspielen merkt man, dass die Entwickler Wert darauf gelegt haben, den typischen Humor, die unzähligen Waffen und die überdrehte Präsentation zu bewahren.

Veröffentlicht wurde der Titel für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Erstmals ist die technische Basis so konsequent auf Current-Gen ausgelegt, dass ältere Konsolen außen vor bleiben. Das zahlt sich in Grafik und Performance aus, führt aber auch dazu, dass Borderlands 4 deutlich größer und anspruchsvoller wirkt. Bereits beim Einstieg fällt auf: Hier wurde nicht nur eine Fortsetzung, sondern ein echter Neustart innerhalb des bekannten Rahmens angestrebt. Wir haben uns Borderlands 4 genauer angeschaut, um euch darüber berichten zu können.

Willkommen auf Kairos

Diesmal verschlägt es uns auf den Gefängnisplaneten Kairos – ein Schauplatz, der deutlich düsterer wirkt als die bekannten Welten aus den Vorgängern. Die Hauptgeschichte setzt auf eine ernstere Grundstimmung: Gefangene werden durch Gedankenkontrolle manipuliert, Wärter demonstrieren ihre Macht mit brutaler Gewalt, und selbst altbekannte Figuren wie Claptrap zeigen ungewohnt melancholische Seiten. Diese neue Tonalität sorgt für mehr Gewicht, ohne den typischen Borderlands-Irrsinn völlig zu verdrängen. Besonders bei den großen Bosskämpfen entfaltet die Story ihre Stärken und liefert Action-Sequenzen, die eher an ein Spektakel im Kino erinnern als an eine klassische Shooter-Mission.

Natürlich gibt es auch weiterhin den typischen Humor – in Nebenquests, schrägen Dialogen und überdrehten Charakteren. Allerdings sitzt nicht jeder Gag so sicher wie in den Vorgängern. Manche Ideen wirken zündet, andere verpuffen. Das sorgt dafür, dass der Tonfall stellenweise schwankt und nicht immer den richtigen Nerv trifft. Trotzdem gelingt es der Geschichte insgesamt, die Spieler zu packen, weil sie abwechslungsreich erzählt wird und ein gutes Gleichgewicht aus Drama, Action und Absurdität findet. So bleibt man bis zum Ende neugierig, wie es weitergeht, auch wenn die Story keine literarischen Höhenflüge erreicht.

Allgemeines Gameplay

Spielerisch bleibt sich die Reihe treu, doch Borderlands 4 verpasst dem Grundgerüst eine deutliche Frischzellenkur. Das Gunplay fühlt sich schneller und präziser an, Bewegungen wie Slides, Wall-Climbs oder das Greifen von explosiven Objekten mit dem Haken sorgen für mehr Abwechslung. Kämpfe sind dadurch nicht nur eine Frage des richtigen Loadouts, sondern auch des geschickten Einsatzes der erweiterten Bewegungsmöglichkeiten. Gerade in chaotischen Bosskämpfen ist es ein befriedigendes Gefühl, mit einem waghalsigen Doppelsprung auszuweichen, den Greifhaken einzusetzen und danach mit einer Schrotflinte nachzusetzen.

Doch der Start ist nicht frei von Problemen. Die ersten Stunden fühlen sich im Vergleich zum späteren Verlauf zäh an, da Loot und Talentbäume zunächst keine echten Highlights bieten. Viele Waffen sind anfangs eher unspektakulär, und die Talentpunkte verstärken nur kleine Werte wie „+5 % Schaden“. Erst wenn man tiefer in die Kampagne eintaucht, wird das Beutesystem belohnender, die Skills entfalten ihr Potenzial, und die Gegner bieten interessantere Herausforderungen. Dann allerdings liefert das Spiel das gewohnt süchtig machende Borderlands-Gefühl, das Spieler seit Jahren bei der Stange hält.

Die vier neuen Klassen

Zum Start stehen vier Kammerjäger zur Wahl, die alle eigene Stärken und Spielstile mitbringen. Vex setzt auf dunkle Magie und beschwört Die neuen Kammerjäger sind einer der großen Höhepunkte des Spiels, da sie das bekannte Klassensystem mit frischen Ideen bereichern. Vex beschwört mit dunkler Magie und einem Geisterpanther eine unheimliche Präsenz auf dem Schlachtfeld, während Rafa als beweglicher Soldat mit Elektromessern und schweren Waffen glänzt. Wissenschaftlerin Marlowe bringt mit Gadgets und Erfindungen eine taktische Note ins Spiel und eignet sich besonders für Spieler, die gerne Kontrolle über größere Gegnergruppen behalten. Diese drei Charaktere decken schon eine große Bandbreite an Spielstilen ab und zeigen, dass Gearbox viel Wert auf Vielfalt gelegt hat.

Der vielleicht auffälligste Neuzugang ist jedoch Amon, der Techno-Wikinger, der mit Laserpeitsche, Schild und gewaltigen Äxten auftritt. Er kann seine Waffen sogar als Pets beschwören, die eigenständig mitkämpfen, was ihm eine ganz besondere Dynamik verleiht. Zwar wirken manche Talentbäume in den ersten Stunden unausgegoren, doch später entfalten die Klassen ihre Stärken und bieten eine enorme Bandbreite an Spielstilen. Das motiviert, mehrere Durchläufe zu wagen und mit verschiedenen Builds zu experimentieren. Für den Wiederspielwert sind die Klassen ein klarer Gewinn.

Schwierigkeitsgrade

Sobald die Hauptkampagne abgeschlossen ist, schaltet sich der „Ultimate Vault Hunter“-Modus frei, der gleich mehrere Schwierigkeitsgrade bietet. Diese Modi richten sich an Veteranen, die eine größere Herausforderung suchen und bereit sind, sich intensiver mit den Spielmechaniken auseinanderzusetzen. Elementarschaden, Resistenzen und gezieltes Taktieren rücken stärker in den Vordergrund, sodass man nicht einfach nur mit roher Gewalt durchmarschieren kann.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, neue Charaktere direkt auf Level 30 zu starten und den Storyteil zu überspringen. Das macht es angenehm einfach, andere Klassen oder Builds im Endgame auszuprobieren, ohne erneut durch die komplette Kampagne gehen zu müssen. Ergänzt wird das Ganze durch wöchentliche Events mit besonders harten Bossen, die legendäre Beute versprechen. Dadurch soll eine Langzeitmotivation entstehen, die Spieler auch nach dem Abspann beschäftigt hält.

Firmware-System

Das Firmware-System bringt frischen Wind ins Endgame und eröffnet neue Möglichkeiten, die Ausrüstung zu personalisieren. Die Firmware von Gegenständen können auf andere übertragen werden, um zusätzliche Werte, Effekte oder sogar Setboni zu aktivieren. Das reicht von verbesserter Schadenswerten über besondere Boni bis hin zu synergetischen Kombinationen, die ganze Spielweisen neu definieren können.

Im Zusammenspiel mit dem Endgame entwickelt sich so ein Kreislauf aus Experimentieren, Farmen und Optimieren. Wer Freude daran hat, ständig an seinen Builds zu feilen, wird hier viele Stunden verbringen. Gleichzeitig bleibt das System zugänglich genug, damit auch Gelegenheitsspieler nicht überfordert werden. Es ist ein cleveres Werkzeug, das den Borderlands-typischen Beutesog noch stärker unterstreicht.

Koop

Borderlands ohne Koop wäre kaum vorstellbar, und so ist auch im vierten Teil das gemeinsame Spielen das Herzstück. Bis zu vier Spieler können sich zusammenschließen, und dank instanzierter Beute erhält jeder seine eigenen Drops, wenn gewünscht. Das beseitigt den alten Streit um Loot und macht das gemeinsame Spielen entspannter. Ob mit Freunden oder Fremden – das Chaos wird im Team erst so richtig entfesselt.

Zusätzlich hat Gearbox die Kommunikationsmöglichkeiten verbessert. Mit einem Ping-System, Markierungen und optimierten HUD-Elementen ist es deutlich einfacher geworden, sich auch ohne Voice-Chat zu verständigen. Damit sind selbst spontane Koop-Runden flüssig spielbar, während eingespielte Teams ohnehin von den synergistischen Klassenkombinationen profitieren. Kaum ein anderer Shooter schafft es, Kooperation so nahtlos mit chaotischem Spaß zu verbinden.

Technik, Grafik & Sound

Technisch legt Borderlands 4 dank Unreal Engine 5 ordentlich zu. Die Spielwelt ist größer, detaillierter und atmosphärischer als je zuvor, und nahtlose Übergänge ohne Ladezeiten sorgen für ein modernes Erlebnis. Besonders beeindruckend sind die Lichteffekte und die dichte Gestaltung der Umgebungen, die den chaotischen Artstyle der Serie in eine neue Generation transportieren. Allerdings fordert die Optik ihren Tribut: Wer keine aktuelle Hardware besitzt, muss mit deutlichen Einschränkungen rechnen. Empfohlen wird mindestens eine RTX 3080, und auch aktuelle Prozessoren sind gefragt.

Akustisch gibt es ebenfalls viel Lobenswertes: Explosionen klingen wuchtig, Waffen haben mehr Druck als zuvor, und die Musik passt sich dynamisch an das Spielgeschehen an. Mal unterlegt ein treibender Beat die Gefechte, mal sorgen düstere Klänge für die richtige Stimmung. Zwar trifft der Humor in den Dialogen nicht immer ins Schwarze, doch insgesamt wirkt die Präsentation rund und stimmungsvoll. Damit liefert Borderlands 4 auch audiovisuell das bisher stärkste Erlebnis der Reihe.

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Mehr Informationen

Unsere Meinung

Borderlands 4 bleibt in vielerlei Hinsicht seinem Erbe treu und liefert genau das, was man von der Reihe erwartet: chaotische Kämpfe, endlos viel Beute und eine schräge Mischung aus Humor und Ernst. Nach einem eher verhaltenen Einstieg nimmt das Spiel spürbar an Fahrt auf, präsentiert spektakuläre Bossfights und entfaltet die volle Wucht seines Loot-Shooter-Rezepts. Die neuen Klassen bringen frischen Wind ins Gameplay, die Bewegungsoptionen lassen Kämpfe dynamischer wirken, und das Firmware-System sorgt für zusätzliche Langzeitmotivation. Fans bekommen genau die Portion „mehr Borderlands“, die sie sich erhofft haben.
Allerdings darf man nicht erwarten, dass Gearbox das Genre neu erfindet. Manche Talentbäume wirken in den frühen Spielstunden unspektakulär, der Humor zündet nicht immer und technische Macken zum Release zeigen, dass noch Feinschliff nötig ist. Wer jedoch mit kleineren Schwächen leben kann, findet hier einen spaßigen, brachialen Koop-Shooter, der im Endgame durch seine Events und die neuen Anpassungsmöglichkeiten eine Menge Potenzial bietet. Borderlands 4 ist kein perfektes Spiel, aber ein unterhaltsamer und würdiger Nachfolger – und eine klare Empfehlung für alle, die den chaotischen Wahnsinn der Reihe lieben.
Unsere Gesamtbewertung
85%

„Mehr Story-Fokus, mehr Tempo – und immer noch herrlich chaotisch.” – game7days

Game7Days Award Gold
Gold
ProContra
  • Große, offene Spielwelt ohne Übergänge oder Ladebildschirme
  • Vier neue Klassen mit vielfältigen Spielstilen und Builds
  • Bewegungsoptionen wie Doppelsprung und Kletterhaken machen das Gameplay dynamischer
  • Digirunner-Hoverbike sorgt für mehr Freiheit und Tempo
  • Bombastische Bosskämpfe und starke Inszenierung der Hauptstory
  • Umfangreicher Endgame-Modus mit wöchentlichen Events
  • Firmware-System bietet zusätzliche Tiefe bei der Ausrüstungsanpassung
  • Koop mit instanzierter Beute und verbessertem Kommunikationssystem
  • Stimmige Technik mit Unreal Engine 5, beeindruckende Lichteffekte und Soundkulisse
  • Zäher Einstieg mit schwacher Beute und unspektakulären Talentpunkten
  • Humor weniger treffsicher als in früheren Teilen
  • Technische Probleme und Bugs zum Releasezeitpunkt
  • Hohe Hardware-Anforderungen am PC, schwächere Systeme geraten ins Straucheln
Name: Borderlands 4
Genre: Loot-Shooter, Action-RPG
USK/PEGI: 18/18
Entwickler: Gearbox Software
Publisher: 2K
Plattform: PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S
Veröffentlichung: 11.09.2025
Shop: Steam
Anmerkung: Die PC-Version von Borderlands 4 wurde game7days für den Test zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme des Publishers oder Entwicklers auf den Testbericht hat nicht stattgefunden.

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