Fast alle kennen das Genre. Die Hälfte davon lieben es, die anderen definitiv nicht. Hier ist natürlich die Rede von einem Aufbaustrategiespiel. Bei diesen Spielen scheiden sich schon lange die Geister. Was passiert nun aber, wenn man ein richtig schweres Aufbaustrategiespiel entwickelt, welches zum gleichen Zeitpunkt noch eure Moral testen will? Viele werden jetzt vermutlich sagen: Sowas rühre ich nicht an. Genau diese Einstellung kann aber ein großer Fehler sein. Wir haben uns das Spiel Frostpunk, bei welchem es sich um ein genau solches Aufbaustrategie-Spiel handelt, genauer angeschaut, um euch darüber berichten zu können!

Die Eiszeit kann beginnen

Wie ihr es euch schon denken könnt, dreht sich ein Großteil des Spiels um den Aufbau einer Zivilisation und das Spiel findet praktisch in der Eiszeit statt. Wir haben die Aufgabe, die letzte Stadt der Menschheit zu errichten und diese am Leben zu halten. In einer kleineren Videosequenz zu Beginn des Spiels erfährt man auch die Hintergründe, warum die Stadt bei unserem Eintreffen noch nicht aufgebaut wurde und aus welchem Grund wir nur so wenig Menschen sind.

Eine Kleinstadt aufzubauen dürfte ansich nicht schwer sein, denkt man sich zu Beginn. Hier können wir aber direkt sagen: Es ist definitiv schwer. Selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad, welchen wir anfangs empfehlen, kann man Fehler machen und jeder Fehler kann dafür sorgen, dass eure Stadt wortwörtlich den Bach runtergeht. Hier geht es nicht nur darum, ein paar Häuser zu bauen und die Bewohner das tun zu lassen, wonach ihnen gerade beliebt. Der Spieler selbst übernimmt die Rolle des Anführers und muss weitreichende Entscheidungen treffen. Diese können weitgehend unbedeutend sein, aber auch eure Moral testen. Regiert ihr eure Stadt, indem ihr euch auf alle Wünsche einlasst, welche die Bewohner euch vortragen oder nicht? Und was sind die Konsequenzen, welche durch euer Handeln entstehen? Nun…dass müsst ihr selbst herausfinden!

Soviel sei gesagt: 11bit Studios, welche schon für den Titel This War of Mine verantwortlich waren, stecken hinter dem Spiel Frostpunk und sie wollten versuchen, ein schweres Aufbaustrategiespiel zu entwerfen, welches den Spieler gleichzeitig fordert, ihm durch die grafische Darstellung aber auch eine gewisse Behaglichkeit zukommen zu lassen.

Wunderschöne physische Edition

Neben der digitalen Version bei Steam gibt es auch noch eine physische Edition, welche von Headup Games veröffentlicht wurde! Diese gibt es nun seit dem 17.Mai im Handel zu kaufen und trägt den Namen „Victorian Edition“.

Diese physische Version kommt mit einer wundervollen Sammler-Box daher, welche mit Artworks aus dem Spiel designt wurde. Ferner sind darin noch das „New London – The Art of Frostpunk“ Hardcover-Artbook enthalten, welches mit 56 Seiten aufwartet.

Zusätzlich enthalten sind hier noch eine DVD Box mit der Installations-Disk und einem einlösbaren Steam-Code!

Frühling, Sommer, Herbst? Gibt es nicht!!!

In einer Eiszeit gibt es keinen wirklichen Frühling oder andere Jahreszeiten außer den Winter. Natürlich können die Minusgrade ein „wenig“ sinken oder steigen, aber wirklich warm oder angenehm wird es hier definitiv nicht. Wie bereits erwähnt erfährt man in einer Videosequenz zu Beginn des Spiels, dass eine Kälte über die Welt hereingebrochen ist und auch das Jahr, in welchem die Handlung stattfindet, wird angezeigt: Im Jahr 1883. Das Spiel findet im übrigen in einer viktorianischen Zeit statt und genau zu dieser Zeit tobt ein Schneesturm. Während sich alle Bewohner in ihren Häusern verstecken, fängt sogesehen die Eiszeit an. Während dieser Zeit macht das Gerücht die Runde, dass weit im Norden ein großes Kohlevorkommen zu finden ist. Aus diesem Grund machen sich Expeditionen auf, um zu diesem vorkommen zu gelangen und dort ein neues, wenn auch kein gemütliches, Leben zu beginnen. Auf dem Weg jedoch sterben viele Menschen, gehen verloren oder trennen sich von der Gruppe, weswegen schlussendlich nur 80 Überlebende den Weg zu dem Kohlevorkommen finden, welches in einem Krater liegt. Dort befindet sich auch der große Generator, der zum Mittelpunkt der Stadt werden wird!

Aller Anfang ist schwer

Nun sind wir endlich angenommen. Was nun? Wichtig ist es nun, eine Überlebensfähige „Gegend“ aufzubauen und dafür zu sorgen, dass unsere letzten 80 Gefolgsleute diese Zeit durchstehen können. Wie bereits erwähnt findet man in dem Krater neben Kohlevorkommen, kaputten Stahlträgern und Holzkisten nur den Generator. Keine Lebensmittel, keine dauerhaft vorhandenen Rohstoffe und auch keine Häuser. Wichtig ist nun, keine Fehler zu machen, um irgendwann ohne Rohstoffe oder Arbeiter da zu stehen. Daher haben wir uns dazu entschieden, erst einmal die Überlebenden in 5er oder 10er Gruppen zum Abbau von Holz, Kohle und Stahl zu den jeweiligen vorhandenen Vorkommen zu schicken, die wohlgemerkt irgendwann erschöpft sein werden!

Mit diesen Vorkommen sorgt man dann für einige Hütten, ein Jagdzelt, ein Speisehaus oder auch eine Werkstatt, um forschen zu können. Am wichtigsten ist jedoch, sofort nach dem Abbau der Kohle den Generator anzuschalten, damit dieser Wärme in einem gewissen Radius um sich verteilt und die Bewohner so nicht krank werden. Nach wenigen Hütten und der Sicherstellung der Lebensmittel-Versorgung ist auch schon der Tag vorbei und die Nacht beginnt. Während dieser Zeit gehen die Jäger auf die Jagd, damit am folgenden Morgen genug Nahrung im Speisehaus verarbeitet werden kann. Nun haben wir den Anfang gemacht und das richtige Spiel beginnt!

Qual der Wahl

Nach den wenigen Gebäuden, welche wir nun gebaut haben, müssen wir nun weiterdenken. Die Rohstoffe werden im Laufe der Zeit ausgehen und irgendwann haben wir auch keine verfügbaren Einwohner mehr. Auch können diese jederzeit an Krankheiten sterben. Was nun? Hier darf man als Spieler nun schon erste weitreichende Entscheidungen treffen. Dies geschieht sowohl über die Forschung, welche man durch eine Werkstatt freischaltet, als auch über das Gesetzbesuch.

Im Technologienbaum findet man 4 Überkategorien:

  • Heizung
  • Erkundung & Industrie
  • Rohstoffe
  • Nahrung & Gesundheit

In der Werkstatt müssen natürlich Forscher arbeiten, um diese starten zu können. Dies kann über einen einfachen Regler eingestellt werden. Im Forschungsbaum selbst gibt es bei jeder Kategorie links noch Ränge, welche man ebenfalls erforschen muss, um bessere Forschungen selbst freischalten zu können. Ferner kann immer nur eine Forschung aktiv sein, welche eine bestimmte Zeit im Spiel benötigt. Grade zu Beginn muss man hier sehr aufpassen, da man schnell Fehler begehen und damit seinen eigenen Untergang besiegeln kann. Zunächst einmal sollte man sowohl dafür sorgen, dass man eine bessere, dauerhafte Abbaumöglichkeit für Kohle, Holz und Stahl erforscht und auch eine Forschungsstation, um eventuell außerhalb des Kraters Gegenden oder Orte zu erforschen und so eventuell neue Einwohner zu finden, welche verloren gegangen sind.

Nach und nach, wenn man die Forschungsstufen verbessert, kann man auch nach besseren Versorgungsmöglichkeiten forschen oder höhere Einstellungen für den Generator entdecken, welche natürlich mehr Kohle kosten, aber auch mehr Wärme produzieren lassen. Beispielsweise erlernt man auch das Erstellen von Prothesen oder das Herstellen von großen Arbeitsrobotern. Dies kommt aber ganz auf eure Entscheidungen an.

Neben dem Forschungsbaum gibt es, wie bereits erwähnt, auch das Gesetzbeuch. Hier kann man Regeln oder Grundsätze festlegen, an welche sich die Bevölkerung halten werden muss. Dies kann beinhalten, ob man Schwerkranke sich selbst überlässt oder diese in einer Klinik behandeln lassen will, ob Tote im Schnee verbuddelt oder auf einem Friedhof begraben werden sollen und so weiter. Dies stellt auch die bereits erwähnten moralischen Entscheidungsmöglichkeiten dar. Beispielsweise kann man, wenn man Nahrungsmangel hat statt Fleisch Suppe servieren, was die Bevölkerung unzufriedener macht oder Sägespäne ins Essen mischen, wodurch die Krankheiten steigen. Selbst über die Kinderarbeit oder das Unterbringen von Waisen in Waisenhäusern lässt sich entscheiden und jede Entscheidung kann für eure Stadt den Sieg oder für euch den Untergang bedeuten.

Wandeln auf einem schmalen Grat

Die Balance zu halten: Das ist in Frostpunk das A und O. Man muss versuchen, eine gute Ausgewogenheit zu finden. Dies ist aber aufgrund der Probleme und Wünsche der Einwohner gar nicht so leicht. Durch immer wieder neu auftretende Probleme entstehen Herausforderungen und diese wiederum bringen neue Probleme mit sich, wofür man neue Ressourcen oder Einwohner benötigt. Hier eignen sich am besten die Späher beziehungsweise die Forschungsteams, welche man zu bestimmten, festgelegten Punkten schicken kann. Dies dauert natürlich eine Weile, weswegen dies automatisch im Hintergrund geschieht. Dort angekommen können wir mit Glück Ressourcen finden, Energiekerne, verloren gegangene Expeditionsmitglieder wiederfinden oder Außenposten errichten, um stetigen Nachschub an Rohmaterial zu gewinnen. So manches mal gibt es aber auch Gefahren, die auf unsere Späher lauern wie Eisbären oder Elektrofelder oder ähnliches.

Diese Energiekerne sind mit die wichtigste Ressource im ganzen Spiel, denn mit diesen kann man die besten Kohleabbauanlagen, die besten Holzabbauanlagen und auch die besten Stahlabbauanlagen bauen und betreiben, sobald man diese im Forschungsbaum erforscht hat. Ferner geben wir euch hier noch den Tipp im Forschungsbaum die höheren Heizstufen für den Generator freizuschalten, denn eines können wir euch hier versichern: Ihr werdet sie brauchen! Achtet ihr nicht auf den Zufriedenheitsbalken und auf den Hoffnungsbalken, kann es schnell passieren, dass das Volk wütend auf euch wird. Zu dem Zeitpunkt habt ihr noch die Chance, das Ruder herumzureißen. Gelingt euch dies nicht, läuft es auf eure Verbannung oder auf die Exekution hinaus.

Strategische Aktionen? Auf jeden Fall!

Die bereits erwähnte Moral kann einem in Frostpunk oft den Strich durch die Rechnung machen. Leider bekommt man hier nur alles oder Garnichts vorgesetzt. Einzelne Schicksale oder ähnliches zu erleben bzw. abzuändern, gibt es in Frostpunk leider nicht. Nichts desto trotz gibt es viele schwere Entscheidungen zu treffen. Einige davon haben wir euch etwas weiter oben bereits aufgelistet. Im Laufe der „Geschichte“ gibt es aber auch Geschehnisse wie Flüchtlingswellen, welche noch härtere Maßnahmen erfordern.

Hier gilt es nun, sich zu Überlegen, ob man komplett strategisch, mit harter Hand oder auch mit Moral vorgeht. Jede Entscheidung hat ihre Konsequenzen. Und gerade wenn es zum Höhepunkt der jeweiligen Geschichte zugeht und man schon vieles erlebt hat, möchte man ungern scheitern. Natürlich kann man nur strategisch an die Sache rangehen, da es Menschen wie Ressourcen so häufig wie Sand am Meer gibt, aber es wird ja nicht vorgeschrieben, dass man sich selbst keine Ziele setzen darf. So gibt es beispielsweise auch einen Erfolg dafür, dass alle Menschen überleben und keiner sterben darf! Grundsätzlich jedoch hätte man dennoch einige Einzelschicksale ins Spiel implementieren und noch mehr Lösungsmöglichkeiten integrieren können!

Interface und Steuerung sind kein Problem

Das Interface bzw. die Steuerung selbst ist schnell erlernt, denn zu 99% läuft alles über die Maus ab. Am oberen Bildschirmrand findet man die wichtigsten Informationen zu den vorhandenen Ressourcen:

  • Kohle
  • Holz
  • Stein
  • Rohnahrung
  • Nahrung
  • Energiekerne

Ferner findet man hier auch ein Thermometer. Dieses zeigt den jeweiligen Tag an und auch die darauffolgenden. Ferner sieht man hier auch, ob die Temperatur sinkt oder steigt, damit man schnell reagieren und den Generator höher oder niedriger Einstellen kann! Einen Tipp haben wir hier für euch: Ihr könnt durch Forschungen die Häuser verbessern, sodass die Bewohner weniger von der Kälte mitbekommen, die Arbeitsplätze mit Heizkörpern versorgen oder Dampfanlagen in der Nähe von Wohnungen und Arbeitsplätzen verteilen, damit die weit entfernteren Gebäude ebenfalls mit Wärme versorgt werden können. Es ist übrigens möglich durch einen Klick auf das Thermometer eine Wärmeansicht sämtlicher Gebäude zu sehen und so zu bemerken, ob alle optimal versorgt sind.

Ferner ist es gut, dass auch ein Zeitregler vorhanden ist, mit welchem wir die Zeit anhalten, beschleunigen und auch wieder verlangsamen können, wodurch kein Zwanghaftes warten für den Spieler entsteht!

Viel zu tun

Grundsätzlich gibt es Frostpunk garnicht soviel, aber gleichzeitig doch eine Menge zu tun. Zu Beginn gibt es nur das Szenario „Ein neues Zuhause“. Wenn man hier bis zum Tag 20 durchhält, schaltet man das zweite Szenario namens „Die Archen frei“. Gelingt dies einem dann auch dort, gibt es das letztes Szenario namens „Flüchtlinge“. Diese Szenarien kann man in verschiedenen Schwierigkeitsstufen durchspielen und eines könnt ihr uns glauben: Allein der Unterschied von Leicht zu Normal hat es enorm in sich.

Neben den Schwierigkeitsgraden kann man auch andere Parameter nach belieben einstellen wie beispielsweise das Wetter, die Gesinnung oder anderes und damit den Schwierigkeitsgrad noch einmal um ein vielfaches erhöhen. Alleine für eine Runde auf dem Schwierigkeitsgrad leicht haben wir viele Stunden benötigt und auf Normal noch einmal einige Stunden mehr. So lassen sich problemlos durch die verschiedenen Schwierigkeitsgrade 20 Stunden oder mehr herausholen. Möchte man alle Erfolge freischalten, dann natürlich noch mehr.

Schade ist es aber, dass es bisher keinen Sandbox Modus und auch keinen Endlos-Modus gibt, wobei viele Spieler (wie auch wir) hoffen, dass dieser noch kommen wird.

Alles in allem ist Frostpunk jedoch ein wirklich kniffliger Titel, welcher sich zu spielen lohnt.

Unsere Gesamtbewertung
Bewertung
90 %
QuelleFrostpunk
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Bevor ich das neue Online-Gamingmagazin Alpha-Omegagaming mit aufgebaut habe / am Aufbauen bin, war ich ca. 2 Jahre bei Game2gether als Redakteur dabei. Toni und ich haben uns nach reichlicher Überlegung dazu entschlossen, ein eigenes Magazin auf die Beine zu stellen. Meine Interessen liegen hauptsächlich im MMO und RPG Bereich.