Interview mit Kostümdesignerin Sandy Powell über CAROL

Ab heute ist endlich die für 5 Golden Globes nominierte Verfilmung CAROL nach Patricia Highsmiths Romanvorlage in den Kinos zu sehen. Die Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen im 50er Jahre Setting besticht vor allem durch die wunderbare Ausstattung und ihren authentischen Look. Die dreifach mit dem Academy Award ausgezeichnete Kostümbildnerin Sandy Powell hat das Kostümdesign in CAROL übernommen. Im nachfolgenden Text spricht sie über ihre Arbeit in CAROL und den wunderbaren Film.

Sandy Powell über CAROL:

Ich kenne Elizabeth Karlsen (Produzentin) nun schon seit Jahren. Wir sind gute Freunde. Wir haben uns zum Dinner verabredet und uns darüber unterhalten, welche Projekte wir gerade verfolgen. Als sie mir erzählte, dass sie an CAROL arbeitet, war ich sofort begeistert. Ich wollte unbedingt bei der Buchverfilmung dabei sein – egal wer die Regie übernimmt. Ich hatte „Salz und sein Preis“ gelesen und es erschien mir immer sehr „filmisch“ – eine perfekte Geschichte, die sich gut für die große Leinwand eignet.

Über die Vorbereitungen:

Todd Haynes ist wie sie wissen ist ein sehr visueller Regisseur. Demnach startet er seine Projekte logischerweise auch mit vielen Referenzobjekten. Wir betrachteten zunächst viel authentisches Material aus dem Jahr 1952, das den 1940er Jahren optisch extrem ähnlich war. Die Anfangszeit einer Dekade entspricht optisch meist eher dem vorangegangenen Jahrzehnt, wenn man einmal darüber nachdenkt. Verstehen Sie, was ich damit sagen will? Die Richtung in die wir gehen wollten war nicht die stark stilisierte wie zum Beispiel in „Far from heaven“. Wir verfolgten da eher einen natürlicheren Ansatz.

CAROL 1

Über Carols Kostüm:

Carol ist eine wohlhabende Frau. Sie kann offensichtlich Geld für ihre Kleidung ausgeben. Das ist schon einmal ein toller Ausgangspunkt. Zudem ist es einfach fantastisch Cate Blanchett einzukleiden. Sie hat eine sensationelle Figur und sie weiß auch, wie man solche Kleider trägt. Ich wollte, dass sie schick aussieht, modisch aber mit einem gewissen Understatement. Nicht zu ausgeflippt aber elegant und schick. Wie jemand, zu dem eine Person wie Therese (Rooney Mara) aufschaut, sich inspiriert und beeindruckt fühlt.

CAROL 2

Über Thereses Kostüm:

Zum einen ist Therese jung. Sie ist künstlerisch, eine Fotografin und ich wollte sie wie ein normales Mädchen aussehen lassen. Nicht jemand, der übertrieben auf ihr Äußeres achtet. Stilvoll gekleidet aber eher undurchdacht. Das hat uns einen guten Ausgangspunkt für ihre Transformation gegeben, in der sie einen Stil entwickelt, der stark von ihrer Zeit mit Carol inspiriert ist.

Über Abbys Kostüm:

Abby einzukleiden hat großen Spaß gemacht. Sie war die Kombination aus Carol und Therese, wenn man so will. Wir gingen davon aus, dass Abby auch Geld hat. Sie ist gut gekleidet aber nicht ganz so schick wie Carol. Ich wollte sie eher bequem statt elegant einkleiden. Obwohl ich finde, dass sie dennoch sehr schick aussieht.

Über die Zusammenarbeit mit Hair & Make-Up Departments:

Es ist immer super mit Hair & Make-up- Stylisten zusammenzuarbeiten, die auf der gleichen Wellenlänge sind wie man selbst. Das passiert nicht immer aber in Carol hatten wir alle die gleichen Vorstellungen. Wir hatten alle die gleichen Vorlagen und Referenzen und diskutierten dann die Looks gemeinsam nach jedem meiner Fittings.

CAROL 3

Über die Wichtigkeit von Kostümbildnern:

Mein Job als Kostümdesigner ist es dabei zu helfen die Charaktere zu kreieren. Und den Charakteren Glaubwürdigkeit zu verschaffen. Der größte Wunsch ist es , dass das Publikum nach einem Film aus dem Kino geht und die Figuren wirklich verstanden hat – und man ehrlich geglaubt hat, was einem gerade erzählt wurde.

CAROL 4

Über Sandy Powell:

Als Absolventin der Saint Martin’s School of Art machte sie erste Erfahrungen mit dem Kostümdesign während einer Kollaboration mit der legendären Choreografin und Tänzerin Lindsay Kemp. Powell arbeitet regelmäßig mit dem Regisseur Martin Scorsese zusammen, für dessen Film THE AVIATOR mit Cate Blanchett und Leonardo DiCaprio sie 2005 den Academy Award gewann. Zudem entwarf sie die Kostüme für Scorseses HUGO CABRET und GANGS OF NEW YORK, für welche sie weitere

Nominierungen für Academy Awards erhielt, ebenso wie für DEPARTED – UNTER FEINDEN und THE WOLF OF WALL STREET. Ihren ersten Academy Award und zudem eine BAFTA- Nominierung bekam sie 1998 für John Maddens SHAKESPEARE IN LOVE mit Gwyneth Paltrow und Joseph Fiennes in den Hauptrollen. Ihren vierten Academy Award und die erste BAFTA-Award Auszeichnung wurden ihr für ihre Arbeit bei Jean-Marc Vallées VICTORIA, DIE JUNGE KÖNIGIN mit Emily Blunt verliehen. Darüber hinaus wurde sie für folgende Filme für den Academy Award und den BAFTA-Award nominiert: THE TEMPEST – DER STURM, LADY HENDERSON PRÄSENTIERT, DIE FLÜGEL DER TAUBE, Neil Jordans INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR und DAS ENDE EINER und ORLANDO unter der Regie von Sally Potter.

Über den Film:

Im New York der 1950er-Jahre führt Carol (Cate Blanchett) eine unerfüllte Ehe mit ihrem wohlhabenden Mann Harge (Kyle Chandler). Sie lernt die junge Therese (Rooney Mara) kennen, die in einem Kaufhaus arbeitet und von einem besseren Leben träumt. Auf einer gemeinsamen Reise entwickelt sich eine ganz besondere Bindung zwischen ihnen – und schließlich die große Liebe.

Harge will das neue Glück seiner Frau jedoch nicht akzeptieren. Er beauftragt einen Privatdetektiv damit, dem frisch verliebten Paar zu folgen und entscheidende Beweise für das laufende Scheidungsverfahren zu sammeln. Carol muss schon bald um das Sorgerecht ihrer geliebten Tochter kämpfen. Ihr Mann versucht es ihr mit allen Mitteln zu nehmen.

Regisseur Todd Haynes (DEM HIMMEL SO FERN, I`M NOT THERE) bringt den Erfolgsroman von Patricia Highsmith, der 1952 erstmals unter dem Titel „Salz und sein Preis“ erschienen ist, jetzt auf die grosse Kinoleinwand. In den Hauptrollen sind Oscar-Preisträgerin Cate Blanchett (BLUE JASMINE) und Rooney Mara (HER) zu sehen, neben Kyle Chandler (BLOODLINE), Sarah Paulson (12 YEARS A SLAVE) und John Magaro (CAPTAIN PHILLIPS).

Weitere Informationen zum Film sind auf der offiziellen Facebook-Seite zu finden!

Quelle: dcm