Creature Collector gibt es inzwischen wirklich genug. Sobald irgendwo kleine Monster durch eine bunte Landschaft laufen und eingefangen werden können, fällt natürlich ziemlich schnell der Name Pokémon. Bei Aniimo passiert das ebenfalls und ganz vermeiden lässt sich der Vergleich wahrscheinlich nicht. Pawprint Studio hat sich offensichtlich einige bekannte Ideen angeschaut, versucht aber zumindest, daraus nicht einfach noch einen Pokémon-Klon zu bauen. Besonders das Twining macht einen großen Unterschied. Statt die gesammelten Aniimo nur in den Kampf zu schicken, kannst du dich mit ihnen verbinden und ihre Fähigkeiten selbst nutzen. Das klingt zunächst nach einer kleinen Besonderheit, wird während des Spielens aber ziemlich wichtig.
Aniimo ist Free-to-play und schickt dich auf den Kontinent Idyll. Dort gibt es natürlich jede Menge Aniimo zu finden, aber auch eine große offene Welt, Aufgaben, Kämpfe und zahlreiche kleinere Beschäftigungen. Gerade während der ersten Stunden passiert ständig irgendetwas. Ein neues Aniimo läuft irgendwo herum und natürlich wollen wir wissen, was das ist. Eigentlich wartet eine Quest, auf dem Weg entdecken wir aber wieder etwas anderes und plötzlich sind 20 Minuten vorbei. Genau hier hatte uns Aniimo ziemlich schnell. Ganz so unbeschwert bleibt dieser Eindruck allerdings nicht. Das Spiel möchte sehr viel gleichzeitig sein und spätestens wenn die verschiedenen Systeme und die Monetarisierung stärker auftauchen, merkt man, dass hinter der hübschen Welt eben auch ein ziemlich typisches Free-to-play-Gerüst steckt.
Auf nach Idyll
Die Geschichte braucht etwas Zeit, bis sie wirklich in Fahrt kommt. Als Pathfinder machen wir uns auf den Weg durch Idyll und lernen dabei nicht nur die verschiedenen Regionen kennen, sondern natürlich auch die Aniimo. Gerade am Anfang dient vieles noch dazu, uns mit der Welt und ihren Regeln vertraut zu machen. Figuren tauchen auf und erklären etwas, anschließend geht es weiter zum nächsten Ort. Wirklich überrascht hat uns die Geschichte während dieser ersten Stunden deshalb nicht. Sie reicht aber aus, um einen Grund für die Reise zu liefern und wird später interessanter, wenn etwas mehr über Idyll und die Hintergründe der Aniimo bekannt wird. Trotzdem waren wir ehrlich gesagt häufiger wegen der Welt unterwegs als wegen der nächsten großen Storywendung.
Idyll selbst macht es einem nämlich ziemlich einfach, vom eigentlichen Weg abzukommen. Die Landschaft ist farbenfroh und wirkt teilweise fast schon übertrieben freundlich. Überall bewegt sich etwas und vor allem die Aniimo sorgen dafür, dass die Welt nicht einfach nur wie eine hübsche Kulisse aussieht. Wir sind regelmäßig stehen geblieben, weil irgendwo eine Kreatur herumgelaufen ist, die wir vorher noch nicht gesehen hatten. Dann wird eben kurz nachgeschaut. Aus diesem „kurz“ werden schnell ein paar Minuten und die eigentliche Quest wartet weiterhin irgendwo auf der Karte. Genau dieses Abschweifen gehört für uns zu den besseren Seiten von Aniimo. Wer dagegen einfach nur Markierung für Markierung abarbeitet, verpasst einen großen Teil von dem, was Idyll interessant macht.



Sammeln allein reicht diesmal nicht
Natürlich dreht sich ein großer Teil des Spiels um die Aniimo selbst. Die Kreaturen unterscheiden sich nicht nur optisch, sondern bringen eigene Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten mit. Einige Designs sind ziemlich niedlich und bei anderen waren wir uns nicht ganz sicher, was wir da eigentlich gerade vor uns haben. Das gehört bei einem Monstersammler aber irgendwie dazu. Viel wichtiger ist, dass man relativ schnell anfängt, seine Favoriten zu finden. Irgendwann geht es nicht mehr nur darum, möglichst viele verschiedene Aniimo zu besitzen. Wir hatten ziemlich schnell ein paar Kreaturen, die wir einfach gerne dabeihaben wollten und entsprechend häufiger benutzt haben.
Der große Unterschied zu vielen anderen Spielen dieser Art ist das Twining. Du schickst deine Aniimo nicht ausschließlich vor und schaust ihnen anschließend beim Kämpfen zu. Stattdessen kannst du dich mit ihnen verbinden und dadurch ihre Fähigkeiten selbst einsetzen. Das gilt nicht nur für Kämpfe. Bestimmte Aniimo helfen auch bei der Erkundung und dadurch schaut man irgendwann anders auf die Kreaturen, denen man unterwegs begegnet. Ein neues Aniimo ist dann nicht nur ein weiterer Eintrag für die Sammlung. Vielleicht kann es etwas, das uns an anderer Stelle weiterhilft. Dadurch bekommen die Kreaturen einen stärkeren Bezug zur eigentlichen Welt und genau das hat uns wesentlich besser gefallen, als wenn sie nur bis zum nächsten Kampf aus irgendeinem Menü geholt würden.



Kämpfen fühlt sich angenehm direkt an
Die Kämpfe laufen in Echtzeit ab und sind dadurch wesentlich beweglicher, als man es vielleicht von klassischen Creature Collectors gewohnt ist. Man muss Angriffen ausweichen und selbst den richtigen Moment erwischen. Gleichzeitig spielen natürlich die unterschiedlichen Fähigkeiten der Aniimo eine Rolle. Gerade am Anfang geht vieles noch ziemlich problemlos und man kann sich auch einmal ein paar Fehler erlauben. Später sollte man sich aber etwas genauer damit beschäftigen, wen man eigentlich mitnimmt und welche Möglichkeiten die jeweiligen Kreaturen bieten. Besonders größere Begegnungen machen deutlich mehr Spaß, wenn man nicht nur irgendwie seine stärksten Angriffe benutzt.
Mit der Zeit wird das Kampfsystem besser, weil immer mehr Möglichkeiten dazukommen und man selbst versteht, wie die verschiedenen Aniimo zusammenpassen. Ganz perfekt ist es trotzdem nicht. Wenn viel gleichzeitig auf dem Bildschirm passiert, wird es manchmal etwas unübersichtlich und nicht jede Begegnung ist gleichermaßen spannend. Einige normale Kämpfe werden irgendwann eher nebenbei erledigt, weil man längst weiß, wie sie ausgehen werden. Dafür gibt es genügend stärkere Gegner und andere Herausforderungen, bei denen man wieder genauer hinschauen muss. Gerade dann funktioniert das Echtzeitsystem gut und wir waren froh, dass Aniimo nicht einfach den bekannten rundenbasierten Weg genommen hat.



Einfach noch dort hinten nachschauen
Die offene Welt gehört wahrscheinlich zu den Bereichen, die uns am längsten bei der Stange gehalten haben. Idyll ist groß und gleichzeitig steckt genug darin, damit die Wege zwischen zwei Aufgaben nicht komplett leer wirken. Man entdeckt Aniimo und kleinere Aufgaben oder sieht in einiger Entfernung etwas, das interessant aussieht. Natürlich steckt dahinter häufig wieder irgendeine Belohnung oder ein weiterer Fortschritt. Trotzdem hatten wir selten das Gefühl, ausschließlich eine Checkliste abzuarbeiten. Dafür haben wir uns zu häufig selbst irgendwohin verirrt, obwohl das Spiel uns eigentlich in eine völlig andere Richtung schicken wollte.
Beim Erkunden zahlt sich das Twining ebenfalls aus. Unterschiedliche Aniimo eröffnen andere Möglichkeiten und dadurch sind die Kreaturen direkt mit der Bewegung durch die Welt verbunden. Das ist eine dieser Ideen, die eigentlich ziemlich simpel klingt, Aniimo aber eine eigene Identität gibt. Manchmal haben wir ein neues Wesen nicht deshalb haben wollen, weil es besonders stark aussah, sondern weil wir wissen wollten, was wir damit außerhalb der Kämpfe anfangen können. Natürlich wiederholen sich bestimmte Aktivitäten irgendwann. Idyll ist eben doch eine große Open World und kann nicht hinter jedem Hügel etwas komplett Neues verstecken. Gerade bei längeren Sitzungen merkt man deshalb, dass manche Aufgaben nach bekannten Mustern funktionieren. In kleineren Portionen hat uns das deutlich weniger gestört.



Kostenlos bleibt eben nicht kostenlos
Aniimo kann grundsätzlich kostenlos gespielt werden und entsprechend gibt es verschiedene Systeme, mit denen Geld verdient werden soll. Das merkt man nicht unbedingt sofort in den ersten Minuten. Je länger man spielt, desto sichtbarer wird dieses Gerüst allerdings. Verschiedene Währungen und Belohnungssysteme kommen dazu und natürlich gibt es Möglichkeiten, echtes Geld auszugeben. Wer bereits andere große Free-to-play-Spiele kennt, wird sich davon wahrscheinlich nicht besonders überraschen lassen. Uns wäre trotzdem lieber gewesen, wenn manche dieser Dinge etwas stärker im Hintergrund geblieben wären.
Problematisch wird es vor allem deshalb, weil Aniimo abseits davon ein richtig angenehmes Spiel sein kann. Man läuft durch Idyll und sucht neue Kreaturen und für eine Weile vergisst man komplett, dass dahinter noch irgendwelche Shops und Währungen existieren. Dann landet man wieder in einem Menü und wird daran erinnert. Wie störend das ist, hängt wahrscheinlich stark davon ab, wie empfindlich man bei solchen Systemen ist. Wer Free-to-play grundsätzlich nicht mag, wird hier seine Meinung kaum ändern. Wer damit leben kann und nicht das Bedürfnis hat, alles sofort besitzen zu müssen, bekommt dagegen ziemlich viel Spiel, ohne zunächst Geld auszugeben. Aniimo ist allerdings eindeutig ein Spiel, bei dem wir empfehlen würden, erst einmal eine ganze Weile kostenlos zu spielen, bevor überhaupt über irgendwelche Käufe nachgedacht wird.



Hübsch ist Idyll auf jeden Fall
Grafisch macht Aniimo einen richtig guten ersten Eindruck. Idyll ist bunt und teilweise fast schon kitschig, aber genau das passt zu diesem Spiel. Besonders die Aniimo selbst sind schön animiert und besitzen genug kleine Eigenheiten, damit sie nicht wie austauschbare Sammelobjekte wirken. Einige Kreaturen haben uns sofort gefallen und bei anderen dauerte es etwas länger. Auch die verschiedenen Gebiete unterscheiden sich ausreichend voneinander. Dadurch hatten wir zumindest nicht ständig das Gefühl, durch dieselbe Landschaft mit einer etwas anderen Farbe zu laufen.
Technisch ist noch nicht alles perfekt. Kleinere Fehler und gelegentliche Probleme bei der Performance können vorkommen und auch die deutsche Übersetzung wirkt an manchen Stellen noch nicht vollständig sauber. Gerade bei einem Spiel mit so vielen Menüs und Beschreibungen fällt das natürlich schneller auf. Pawprint Studio hat seit dem Start bereits mehrfach nachgebessert, trotzdem merkt man Aniimo an einigen Stellen an, dass hier ein großes Online-Spiel gerade erst seinen Betrieb aufgenommen hat. aniimo Beim Sound sieht es besser aus. Die Musik passt zur überwiegend freundlichen Welt und hält sich beim Erkunden häufig angenehm zurück. Bei Kämpfen wird es etwas lebhafter, ohne dass uns einzelne Stücke ständig ins Ohr gedrückt wurden.
Unsere Meinung
Aniimo hat uns vor allem dann gefallen, wenn wir unseren eigentlichen Plan einfach vergessen haben. Eigentlich wartet irgendwo eine Quest, doch dann läuft ein unbekanntes Aniimo vorbei und plötzlich sind wir ganz woanders unterwegs. Genau dieses Gefühl funktioniert bei einem Creature Collector erstaunlich gut. Die Welt von Idyll lädt zum Erkunden ein, die Kreaturen haben genug eigene Persönlichkeit und mit Twining besitzt das Spiel eine Idee, die Aniimo nicht nur zu Begleitern im Kampf macht, sondern sie direkt mit der Erkundung verbindet. Zusammen mit den Echtzeitkämpfen hebt sich das Spiel damit zumindest weit genug von den bekannten Genregrößen ab.
Ganz unbeschwert funktioniert das Abenteuer allerdings nicht. Der Free-to-play-Unterbau mit seinen Währungen und verschiedenen Systemen macht sich irgendwann bemerkbar, dazu kommen kleinere technische Probleme und eine deutsche Übersetzung, die noch Feinschliff vertragen kann. Trotzdem wollten wir immer wieder noch ein Aniimo entdecken oder kurz hinter den nächsten Hügel schauen. Und wenn aus „nur noch fünf Minuten“ plötzlich eine weitere Stunde wird, macht ein Monstersammler zumindest etwas ziemlich richtig.
„Charmanter Creature Collector mit starkem Entdeckerdrang – der Free-to-play-Unterbau bremst den Spaß allerdings spürbar.” – game7days
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