Es war eine Frau, die der Washington Post zum Aufstieg vom Provinzblatt zur einer der wichtigsten Zeitungen der USA verhalf: Katharine „Kay“ Graham, deren unverhoffte Karriere als Verlagschefin in jenem Jahr startete, in dem ihr Ehemann Selbstmord beging. 1971 verantwortete sie die geschichtsträchtige Veröffentlichung der „Pentagon Papiere“ und wurde für diese mutige Entscheidung im Kampf um die Pressefreiheit 2002 posthum mit der Presidental Medal of Freedom ausgezeichnet.

Nun bringt das fesselnde Politdrama DIE VERLEGERIN die Geschichte von „Kay“ Graham – verkörpert von keiner Geringeren als Hollywood-Star Meryl Streep – auf die große Kinoleinwand.

Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA inspirierte Graham Frauen weltweit. Doch es gibt noch weitere Erfolgsgeschichten von Frauen, die sich einflussreiche Positionen an der Spitze bedeutender Verlage erarbeitet haben. Auch hierzulande. Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick über die spannenden Lebenswege der drei bekanntesten Verlagschefinnen Deutschlands:

Yvonne Bauer

Als dritte von vier Töchtern erblickt Yvonne Bauer am 29. März 1977 in Hamburg das Licht der Welt. Zu diesem Zeitpunkt leitet ihr Vater Heinz Bauer den 1875 gegründeten Familien-Verlag Bauer Media Group bereits seit mehr als 14 Jahren. Als 20-jährige verlässt Yvonne ihr Elternhaus und zieht nach Bamberg, um dort Germanistik zu studieren. Nach dem Studium beginnt sie ein Volontariat beim Verlag Hoffmann und Campe, wo sie anschließend als Lektorin arbeitet. Wenig später tritt sie ins Familiengeschäft ein, übernimmt 2007 die Führung der Arbeitsgruppe, die die Bauer Vertriebs KG leitet, und hilft bei der Aufklärung eines Schmiergeldskandal in der Vertriebsgesellschaft des Verlages. Die für ihren Ehrgeiz bekannte Yvonne, die mehr als bloß die Tochter des Verlagschefs sein will, arbeitet hart und wird 2009 schließlich Mitglied der Konzerngeschäftsleitung. Als ihr Vater 2010 abtritt, ernennt er mit seiner Tochter Yvonne zum ersten Mal in der Verlagsgeschichte eine Frau zur Nachfolgerin. In fünfter Generation der Bauer Media Group steht sie derzeit an der Spitze des europaweit agierenden Verlagshauses und ist damit eine der wenigen weiblichen Führungskräfte in der männerdominierten Medienbranche.

Julia Jäkel

Seit 2012 im Vorstand des Gruner + Jahr Verlags, seit 2013 dessen Vorsitzende und seit 2015 Geschäftsführerin – diese Positionen hat sich Julia Jäkel hart erarbeitet. Geboren 1971 in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz verfolgt die Ärzte-Tochter schon früh einen anderen Berufsweg als ihre Eltern. In Heidelberg beginnt sie, Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaftslehre zu studieren. Einen Teil ihres Studiums verbringt sie in Harvard und beendet ihre akademische Karriere mit einem Master in International Relations an der University of Cambridge. Als sie 1997 als einzige Frau in das Bertelsmann Entrepreneurs Programm aufgenommen wird, entdeckt Jäkel ihre Liebe fürs Verlagswesen. Anschließend wechselt sie zu Gruner + Jahr, gründet dort die Financial Times Deutschland und fungiert über Jahre hinweg als Verlagsleiterin verschiedenster Medienmarken. Als sie 2012 in den Vorstand gewählt wird, nutzt die innovative Jäkel die Printmedien-Krise als Chance, um mit dem Ausbau des Onlineangebots von Gruner + Jahr zu beginnen. Mit diesem Schritt konnte sie den Verlag in den letzten Jahren grundlegend und profitabel umstrukturieren und machte sich zugleich einen Namen in der Verlagsbranche.

Friede Springer

Elfriede Rewerts wird 1942 auf der Insel Föhr als Tochter eines Gärtners und einer Hauswirtschaftsleiterin geboren. In jungen Jahren bricht sie ihre Lehre als Hotelkauffrau ab und zieht nach Hamburg, um der Enge der kleinen Insel zu entfliehen. Als sie 1965 im Hause Axel Springers als Kindermädchen eingestellt wird, ahnt sie noch nicht, dass sie eines Tages seine fünfte und letzte Ehefrau werden wird. Im Laufe der Jahre wird sie Axel Springers Geliebte. 1978 feiern die beiden, die zu diesem Zeitpunkt seit über 10 Jahren ein Paar sind, ihre Hochzeit. Als Axel Springer 1985 verstirbt, wird Friede nicht nur Erbin des Springer-Vermögens, sondern auch Managerin des Axel Springer Verlags und Geschäftsführerin der Springer Holding. Die pflichtbewusste Friede, die von heute auf morgen alles über Zahlen und Bilanzen lernen muss, versucht den Verlag zusammenzuhalten, schlägt Angebote von Kaufinteressenten aus und beginnt stattdessen jegliche Springer-Anteile zurückzukaufen und die restlichen Springer-Erben auszuzahlen. Schließlich gewinnt sie 1996 die Aktienmehrheit zurück und wird alleinige Geschäftsführerin. Heute blickt die 75-jährige Verlegerin und Gründerin der gemeinnützigen Friede Springer Stiftung auf eine erfolgreiche Karriere zurück und fungiert nach wie vor als stellvertretende Aufsichtsratschefin der Axel Springer SE, einem der größten und umsatzstärksten Verlagshäuser Europas.